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  • DE-18069 Rostock
  • 05/2012
  • Ergebnis
  • (ID 2-94435)

Areal Mittelmole Warnemünde


  • 1. Preis


    Landschaftsarchitekten
    schoppe + partner freiraumplanung, Inhaber Jochen Meyer, Hamburg (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: BLK2 Böge Lindner K2 Architekten, Hamburg (DE)

    Preisgeld
    17.000 EUR

    Erläuterungstext
    Aufgabe
    Eine tolle und schwierige Aufgabe für Warnemünde!
    Welchen Charakter soll der neuer Stadtteil Mittelmole vor der Altstadt Warnemündes erhalten, da
    dieser nun privates Wohnen, touristische Gastronomie wie aber auch die erforderlichen
    großmaßstäblichen Infrastrukturen für Bahn, Kreuzfahrt und touristische Großveranstaltungen
    vereinbaren muss?
    Konzept / Städtebau
    Die Struktur der zurzeit bestehenden Gleisanlagen wird aufgenommen, so dass die Halbinsel in drei lineare Zonen aufgeteilt wird. Das Ostufer wird durch zum Großteil bereits bestehende Solitäre des Schifffahrtsbetriebs dominiert. Es folgt die durch den Schienenverkehr vorgebende Zentrale Zone in dem zusätzlich Wohn, Hotel und gewerbliche Funktionen untergebracht werden. Der westliche Bereich am Alten Strom wird weiterhin durch den bereits bestehenden Park, Gastronomie und Hafennutzung geprägt.
    Der Segelsporthafen am Molenkopf wird großzügig mit einem breiten Jollenslip im Bereich des ehemaligen Fährhafens ausgebaut. Segelsportinternat, Bootslagerhallen im Verbund mit dem maritimen Zentrum bilden so ein Tor zur Ostsee. Durch den neuen Hafenausgang werden zusätzliche erforderliche Liegeplätze geschaffen; Hotels und Gastronomie sind fußläufig zu erreichen. Der direkte Anschluss der großzügigen Logistikflächen an Bootshallen, Sliprampe und Mastkran ermöglichen reibungslose Slip- und Riggarbeiten bei Regatten. Somit sind alle Voraussetzungen gegeben, um nun große internationale Regatten auszurichten.
    Die Atmosphäre und öffentliche Nutzung der Kajenanlagen am Alten Strom werden durch geringe bauliche Ergänzungen gestärkt. Eine zusätzliche leichte Drehbrücke über den alten Strom - flexibel und schnell durch Hafenmeister zu bedienen - entlastet den Fußgängerverkehr der Bahnhofsbrücke bei Großveranstaltungen und
    gewährleistet eine vielfältige Erschließung der Insel. Der Segelclub im Park am Alten Strom wird nach Süden verlagert und dient der Jüngstenausbildung. Die damit gewonnene zusammenhängende Parkfläche wird als Liegewiese und Kneippgarten zur Erholung reaktiviert. Zudem wird am Ende des Alten Stroms eine das Ufer abschließende Terrasse mit Cafe und Vortragssaal zur öffentlichen Nutzung vorgeschlagen. Im südöstlichen Bereich bleiben die Bestandsgebäude weitestgehend vorhanden. Die Straße am Passagierkai wird den neuen Anforderungen des Schienenverkehrs angepasst und dementsprechend umstrukturiert. Eine neue Parkpalette auf dem Kajengelände nimmt große Teile der geforderten Stellplätze auf und erinnert in seiner Form an Hafenlager. Die entstehende
    Freifläche wird durch einen Kreuzfahrerzugang zum Bahnhof überbrückt. Auf Höhe des
    Bahnhofsgebäudes entsteht ein zusätzliches Terminal mit Überseehotel. Im Norden dieses
    Abschnitts befindet sich eine von Kiefernhainen durchbrochene Mehrzweckfläche, die für
    Großveranstaltungen, als temporäre Parkfläche, wie aber auch zum Zelten bei Regatten genutzt werden kann.

    Das neue Molenquartier legt sich mit seiner rötlichen Farbigkeit, gebildet aus den Materialien Ziegel, wetterfester Stahl und Holz vor das weiße Warnemünde am Alten Strom:
    Um die Bahnhofsachse zu verstärken, wird der geplante Fernbahnsteig bis zum Bahnhofsgebäude verlängert. Diese Kante wird zusätzlich durch die gegenüberliegende Wohnbebauung gestärkt. Das neu entstehende Wohnquartier liegt in zentraler Lage auf der Mittelmole und gliedert sich in einen südlichen Teil, der ausschließlich dem Wohnen vorbehalten bleibt und einen nördlichen Teil in dem sowohl Wohnungen als auch Gastronomie und Hotel vorstellbar sind. Das Wohnquartier hat in seinem südlichen Teil eine deutlich definierte bauliche Kante, die ruhige autofreie Innenräume schafft und nur für schmale fußläufige Erschließungen unterbrochen wird.
    Diese bilden auch die Zufahrten für die Feuerwehr. Die gesamte Fläche schließt an die Höhe des bestehenden Bahnhofsplatzes an und ist so gegen Hochwasser geschützt. Die Zugänge sind trotz der Höhenlage barrierefrei. Die zum Bahnhofsplatz ausgerichtete Front nimmt Einzelhandelsnutzungen im Erdgeschoss auf. Der Bahnhofsplatz wird autofrei, Anlieferverkehre sind zugelassen. Die sich vom Bahnhofsplatz nach Norden erstreckende Wohnbebauung besteht aus einzelnen dreiviergeschossigen linearen Gebäuden, die einerseits durch ihre Anordnung einen offenen Block definieren, andererseits sich im Innern des Areals um private grüne Höfe gruppieren. Baukörperanordnung und -tiefen ermöglichen vielfältige Wohntypologien. Die notwendigen Stellplätze werden in Tiefgaragen nachgewiesen.
    Durch bewusst definierte Vor- und Rücksprünge der Bebauung und Höhenbegrenzung entsteht eine auf Warnemünde bezogene Kleinteiligkeit. Zugleich erzeugt die kubische Bebauungsstruktur in Analogie und Transformation zu den ehemals vorhandenen Fischfabrikations - und Bootslagerhallen dennoch eine eigene Identität.
    Zusätzlich wird im Norden der Wohnbebauung - Pier Living - das Motiv des bestehenden Turmes der Reederei Scan Lines in Analogie zu Silonutzungen vervielfältigt: diese 7- 8 geschossigen Türme in idealer Lage leisten Ausblick und sind Landmark zugleich, sie können durch Gastronomie, Hotel und gehobenes Wohnen genutzt werden.
    Die derzeit als Parkplatz genutzte Freifläche "Am Bahnhof" wird mit Townhouses in Form linearer Baukörper besetzt, die zugleich als Schallschutz vor Bahnlärm dienen. Den Anforderungen an Abstand und Lage der zu versetzenden Oberleitungsmasten wird in der Position der Baukörper Rechnung getragen. Eine konsequente Grundrissausrichtung der Wohn/- Schlafräume zum Alten Strom erzeugt hier eine private Atmosphäre an Park und Wasser mit Blick auf die Altstadt Warnemündes.

    Landschaftsarchitektur

    maritime Erlebniswelt Yachthafen – Pier Living
    Am westlichen Ende der Mittelmole wird der vorhandene Hafen großzügig erweitert und zu einem modernen Yachthafen ausgebaut. An Land befinden sich die dafür notwendigen
    Infrastruktureinrichtungen wie die Bootslagerhalle, die Hafenbar, die Sliprampe, der Mastkran und der Neubau des Segelsportinternats. Die Belagsflächen des neuen Wohnquartiers und des Kreutzfahrtterminals gehen fließend in den Yachthafen über und es entsteht eine enge Verknüpfung dieser Bereiche. Der Hafen grenzt im nördlichen Teil direkt an die für Regatten und andere Großereignisse erforderlichen Logistikflächen an und ermöglicht so einen reibungslosen Ablauf dieser Veranstaltungen. Der neue Yachthafen bildet eine der wesentlichen (auch touristischen) Attraktionen der Mittelmole und trägt im Besonderen zu ihrer atmosphärischen Prägung bei. Alle Zugänge zum Wasser werden einheitlich als Holzstege ausgeführt und sind über Rampen auch barrierefrei nutzbar.
    Großzügige Sonnenterrassen mit einzelnen fest montierten Liegestühlen laden zum Aufenthalt ein und bieten Blickbeziehungen über den gesamten Hafen. (Hafenkino) Bis auf einzelne Sitzelemente, Fahnenmasten und Mastleuchten sowie Wasser - und Elektroanschlüsse für Gastlieger bleiben die Stege ohne Einbauten. Durch diese entwurfliche Klarheit wird die besondere Atmosphäre des Yachthafens herausgearbeitet.

    Das Molenquartier
    Die Freiräume des Quartiers gliedern sich in einen äußeren Gürtel von privaten Gärten und eine mittige Erschließungszone. In dieses System eingebunden liegen 4 kleine Plätze, die als halböffentlicher Freiraum mit hoher Aufenthaltqualität allen Bewohnern zur Verfügung stehen. Hier befinden sich auch die erforderlichen Kinderspielflächen.
    Der westliche Teil öffnet sich zum umgebenden Straßenraum und besteht aus Einzelgebäuden, die in ihrer architektonischen Sprache an Kaispeicher erinnern.
    Als Bodenbelag schlagen wir farblich gemischtes Natursteinpflaster im Passeverband vor. Das Format 8/11ist angenehm begehbar und bei entsprechendem Unterbau bis Bauklasse IV belastbar.

    Dünenwald mit Parkplätzen
    Als Ergänzung zu den urbanen Strukturen der Mittelmole fügen wir zwischen der Kaizone und dem Bahngelände einen Waldstreifen als landschaftliches Element ein. Dieser setzt sich in westlicher Richtung bis zum Yachthafen fort und folgt so dem schichtartigen Aufbau des Entwurfs. Er bildet die eigentliche Stadtkante in nördlicher Richtung und schafft gleichzeitig die Eingangssituationen in Richtung Süden. Der Wald besteht im Wesentlichen aus Kiefern mit einzelnen Birken, die an einen lichtdurchfluteten Dünenwald erinnern. Der Untergrund ist im östlichen Teil eine mit Gras bewachsenen Sandfläche, die im Falle von Veranstaltungen wie aber auch bei Kreuzfahrbelegung als Parkplatz genutzt werden kann. In westlicher Richtung ergibt sich der Bodenbelag aus dem jeweiligen Umfeld. So ist der nördliche Bahnhofsvorplatz mit großformatigen Platten belegt wobei die Bäume in einzelnen Baumscheiben stehen. In westlicher Richtung steht der Wald auf den Betonflächen des Yachthafens und wächst ebenfalls aus einzelnen Baumscheiben.

    Kreuzfahrtterminal und Logistikflächen
    An der nördlichen Wasserkante der Mittelmole liegt der Kreuzfahrthafen mit dem Terminal, dem Hotelgebäude, einem zusätzlichen Parkhaus und den sonstigen Ifrastruktureinrichtungen. Der gesamte Bereich wird als Logistikfläche für Großveranstaltungen mit einem einheitlichen Ortbetonbelag hergestellt um den vielfältigen Ansprüchen und Belastungen gerecht zu werden. Die räumliche Struktur ergibt sich aus der Bebauung und einzelnen Bauminseln die aus dem sonstigen Belag teilweise um ca. 50 Zentimeter herausgehoben sind. Es handelt sich dabei um niedrige Sitzmauern, die sandige Trockenrasenflächen einfassen und mit hochstämmigen Kiefern bewachsen sind. Die auf der Fläche vorhandenen Stellplätze sind durch höhengleiche Stahlschienen markiert. So entsteht eine flexibel nutzbare Fläche, die auf Grund der reduzierten Gestaltungselemente eine eigene Atmosphäre erhält und auch bei Regattaveranstaltungen zum Zelten geeignet ist. Der Bereich der nördlichen Liegeplätze kann temporär durch einen Zaun abgegrenzt werden. Die Pfosten werden in im Belag vorhandene Fundamente eingesetzt und mit Zaunfeldern verbunden. Die Straße zur Fähre wird in Asphalt hergestellt.

    Uferpark am Alten Strom
    In westlicher Richtung entlang des alten Stroms befindet sich der Uferpark, der mit seinem
    wertvollen Baumbestand einen wichtigen Baustein im Freiraumsystem der Mittelmole bildet. Der Park soll in seiner Grundstruktur erhalten bleiben und vorsichtig mit einigen Bewegungs- und Freizeitangeboten ergänzt werden. In das erneuerte Wegesystem werden Kneippbecken und Fitnessgeräte für Senioren integriert. Ansonsten besteht der Park aus großzügigen Rasenflächen, die sich zum Wasser hin neigen und so einen sehr schönen Blick auf die gegenüberliegende Altstadt bieten. Vor der Uferlinie wird der bestehende schmale Holzsteg erneuert, der als Anleger für Jollen und Optimisten genutzt werden kann. Das östliche Ende des alten Stroms wird durch eine neues Gebäude markiert, welches zusätzlich zu einer gastronomischen Nutzung auch als Verantaltungsort für die Gemeinde Warenmünde fungieren könnte. Nördlich des Uferparks schließt sich hinter der Straße am Bahnhof eine neue Zeile von 4 Wohngebäuden an.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    „Die Arbeit hat eine klare städtebauliche Gliederung. Die Verlegung des Maritimen Zentrums nach Osten ermöglicht eine größtmögliche Wohnbebauung. Dieses Wohnquartier stellt sich als kleinteilig konzentriertes Ensemble dar, das im Inneren sowohl offene als auch geschlossene Bebauungsbereiche anbietet und die kleinteilige Bebauungsstruktur von Alt-Warnemünde aufgreift. Die vorgesehene Dichte und Masse sollte etwas reduziert werden. Die höheren, nördlich gelegenen „Wohnspeichergebäude“ sind ein interessanter maritimer Blickfang als neues Eingangstor nach Rostock.

    Im nordöstlichen Bereich oberhalb des neuen maritimen Zentrums fehlt eine deutliche Landmarke. Die südlich an das neue maritime Zentrum angrenzende Freifläche kann vielfältig genutzt werden, z. B. als Aufstellfläche für Segelevents oder als Stellplatzbereich. Im Osten der vorhandenen Grünanlage ist eine Bebauung vorstellbar. Das Preisgericht empfiehlt hier aber eine Erschließung entlang der Eisenbahngleise. Die allgemeine Verkehrserschließung ist stimmig, wobei darauf zu achten ist, dass die Haupterschließung zum Wohnquartier und zum Segelzentrum über die Straße Am Passagierkai erfolgt.

    Positiv wird die neue, zusätzliche Drehbrücke über den Alten Strom gesehen, welche die fußläufige Verbindung nach Alt-Warnemünde verbessert. Die am südlichen Ende des Alten Stroms verortete Fußgängerbrücke über die Eisenbahngleise ist im Prinzip am richtigen Standort. Jedoch müssen die notwendigen Rampenanlagen beachtet und dementsprechend der Anfangsund Endpunkt korrigiert werden. Die Parkplatzflächen sind ausreichend. Eine stufenweise Bebauung der Mittelmole ist bei dieser Arbeit gut möglich. Insbesondere ist bei dieser Arbeit die konsequente Neuzonierung der maritimen Nutzungen entlang der östlichen Kaikante und der westlichen Wohnbebauung zu loben.“