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  • DE-18069 Rostock
  • 05/2012
  • Ergebnis
  • (ID 2-94435)

Areal Mittelmole Warnemünde


  • 2. Phase

    Blick auf die Mittelmole von Norden

    Architekten, Stadtplaner
    Osterwold°Schmidt EXP!ANDER Architekten BDA, Weimar (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Matthias Schmidt , Antje Osterwold

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: lohrer.hochrein landschaftsarchitekten und stadtplaner gmbh, München (DE)

    Erläuterungstext
    Erläuterungen

    Städtebaukonzept |
    Die neue Strukturierung der Mittelmole Warnemünde folgt der Dynamik der Wasserwege Neuer Strom und Alter Strom und der Verkehrsader der Bahn. Letztere findet mit der Endstation Warnemünde für S- und Fernbahn ihren Abschluss am Bahnhof. Gleichzeitig ist der Bahnhofsplatz nicht nur Ziel- und Endpunkt, sondern auch als Umschlagspunkt für weitere (Fern)Reisen auf Wasserwegen und natürlich als Entree zum Seebad Warnemünde zu verstehen. Damit symbolisiert der Bahnhofsplatz auf der Mittelmole den Kreuzungspunkt zum Festland (direkte Anbindung der Drehbrücke zum Warnemünder Ortszentrum und unmittelbare Anbindung zur Fähre Richtung Hohe Düne).
    Die quasi parallelen Wasseradern „Alter Strom“ und „Neuer Strom“ leiten funktional thematisiert östlich entlang der Innenpromenade (touristische Rundfahrten, Fischkutter etc.) und westlich entlang der neuen Außenpromenade (Kreuzschifffahrt, Großsegler, Zufahrt Hafen Rostock). Die nördliche Spitze wird als maritimes Zentrum für den Sportboot- und Yachthafen sowie den Segel- und Sportschulbereich ausgebaut. Sie ist sozusagen Kulminationspunkt von Landseite als Ausdruck der Öffnung zur Welt (Fernweh) - symbolisch unterstützt durch die offene Mitte mit dem „Dünenpark“ - von Seeseite als Ausdruck des sicheren Hafens (Heimat).
    Vergleichbar mit dem Prinzip eines Katamarans werden östlich und westlich Baufelder in Quarrees von ca. 50x50m angelegt und funktional gestaffelt. Ausgehend von der thematischen Belegung und Lärmbeeinträchtigung der Molenränder wird eine Konzentration für neue dauerhafte Wohnzwecke zentral vorgeschlagen. Während sich in den östliche Quarrees mit abschirmender Bebauung zum Neuen Strom thematische Wohnformen wie z.B. betreutes Wohnen, Seniorenresidenzen und temporäre Beherbung gut realisieren lassen, eignet sich die Belegung der westlichen Quarees für differenzierte Formen des Mietwohnungsbaus: vom klassischen Appartementhaus über das Loggia-/Laubenganghaus bis zum Stadthaus.
    Die zunächst ungerichtete Quareeform ermöglicht maßstäbliche Zusammengehörigkeit durch „Miniquartiere“ im Sinne von sozialer Nachbarschaft und funktionaler Struktur einerseits und andererseits ermöglicht sie regelmäßige Querbezüge und den Erhalt von Sichtbeziehungen über die Mole. Die neue Bebauung greift vorhandene Maßstäbe auf und lässt gleichwohl Anknüpfungspunkte und Eigenständigkeit zu, so dass aufbauend auf dem ordnenden Prinzip Architektur entwickelt werden kann, die der Mittelmole-Warnemünde ein charaktervolles Erscheinungsbild verleiht. Signifikanz wird durch Form und Überhöhung der „Warnemünder Spitze“ erzielt.

    Freiflächenkonzept |
    Durch Genese, bestehender Struktur und nun vorgeschlagener Konversion ist die Mittelmole innerhalb Warnemünde lesbar ein eigenständiges Quartier. Das Konzept für die Freiflächenentwicklung der neuen Mittelmole setzt daher nicht an der klassischen Straßenstruktur des traditionellen Fischerdorfes an, sondern entwickelt aus dem vorgefundenen Ort – der Mole – ein eigenständiges, das Quartier auch in der Zukunft prägendes Bild. Mole – das ist linearer Wegezulauf, große, flexibel nutzbare Flächen und kräftige Kaimauern. „Mole“ wird mit den neuen Baufeldern bildlich „temporär“ überstellt und ist dazwischen, in den zukünftigen Freiflächen, weiterhin deutlich lesbar. Im Süden zeigen sich auch zukünftig die
    linearen Wegestränge von Straße, Schienen und Kaipromenade. Im Norden spannt sich ein homogener wie robuster Belag durchgehend von Kaikante zu Kaikante (z.B. Grosstein). Teppichartig entwickeln sich darauf geschlossene Baufelder oder gliedernde Grünflächen. Großplatten und Rinnen innerhalb des Belages gliedern ablesbar den Bewegungs- und Verkehrsraumraum. Durchlaufende Vegetationsbänder geben räumlichen Halt und erzeugen individuelle teilräumliche Aspekte.

    Vegetationskonzept |
    Parallel zu den Hauptrichtungen des Hochbaus entwickeln sich zwei, aus der typischen Abfolge der Küstenvegetation abgeleitete lineare Gehölzbänder. Zur Außenseite nach Osten hin bildet ein längsgestreckter Kiefernhain das vegetative Rückgrad. Er umspielt im Süden als lichter Wald die Grenze zu den Bahnanlagen und integriert spielerisch das Parkdeck. Nach Norden hin wird er lockerer, zeigt sich in einem kleinen Park. Über der mittigen Freifläche bildet er einen hoch aufgeasteten, grünen Schirm unter dem sich der weite Blick in Richtung See und Horizont öffnet. In dessen Schatten entsteht zudem durch konzentrierte Baumstellungen flexibel nutzbarer Freiraum, beispielsweise für Parken oder die intendierte Event-Ausstattung. Nach innen, entlang des alten Stroms, entwickeln sich im gleichen Prinzip mit Laubbäumen dichter Park, lichte Baumgruppen bis hin zu einzelnen Solitärs, die locker die Hafengebäude umspielen.

    Topographie und Hochwasserschutz |
    Im Zuge der Neuordnung kann die nördliche innere Mole einheitlich auf +3,00 üNN entwickelt werden. Dies sichert sowohl für die Neubebauung wie auch die erforderlichen Rettungswege den notwendigen Hochwasserschutz. Das neue Niveau entwickelt sich abgerückt von den bestehenden Kaianlagen, die so kostenoptimiert weitgehend erhalten und als reizvolle Relikte in der Neugestaltung inszeniert werden können . Nach Westen bilden flache Rampen, nach Norden zur Marina hin langgestreckte Sitzstufen den Übergang. Im Osten entwickelt sich eine erhabene Promenade, die über die Sperrzone der Kaianlagen hinweg Ausblick ermöglicht. Integrierte kleinere verschließbare Treppenabstiege ermöglichen für die Fußgänger die temporäre wie partielle Öffnung der ansonsten geschlossenen Kaianlagen.

    Verkehrskonzept |
    Rollender wie ruhender Verkehr wird vorrangig im südlichen Bereich entlang der „Wegzuläufe“ konzentriert. Das klassische Straßenprofil entwickelt sich aus dem Bus/Bus Begegnungsfall. Die Bussstellplätze werden weitgehend konzentriert an den Seitenstreifen angelagert und können unter Nutzung der Gegenfahrbahn bequem individuell angefahren werden. Die erforderlichen Sonderflächen im Umfeld der Fähre für Taxis und Wartende sind in einer Seitenfahrbahn konzentriert. Sie kann zudem als ergänzende Wendemöglichkeit für die Busse zur optimierten Abwicklung des Kreuzfahrerbetriebs genützt werden.
    Der nördliche Abschnitt - „die Mole“ - steht bevorzugt Anliegern, Zubringern und temporären Sondernutzungen zur Verfügung. Im Bahnhofsbereich sind Taxis sowie Aus- und Einstiege für Busse vorgesehen. Der einheitliche Belag wird durch Plattenintarsien, Rinnensteine und Gehölzgruppen gegliedert. Markierungssteine ordnen die Stellplätze. In Gänze ist zur flexiblen Nutzung der Begegnungsfall Bus/Bus zugrunde gelegt. Dies sichert eine flexible Bespielung des Areals und erlaubt zudem die sinnfällige flächige Ausweisung des Nordbereiches als verkehrsberuhigten Geschäftsbereich.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.