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  • DE-86344 Neusäß
  • 06/2012
  • Ergebnis
  • (ID 2-98963)

Neubau Haus der Musik und Jugendkulturhaus


  • 1. Preis

    Überflug von Süd-West

    Architekten
    Dürschinger Architekten, Fürth (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Peter Dürschinger

    Mitarbeit
    Uli Wiese, Wolfgang Bauer

    Preisgeld
    14.000 EUR

    Erläuterungstext
    Wettbewerb Haus der Musik und Jugendkultur – Neusäß
    Ideation / Städtebau
    Mehr denn je braucht Bildung und Tugend auch die formale Kraft kultureller Wahrnehmung. Die Unverwechselbarkeit eines eindeutig situierten Baukörpers mit ablesbarer Maßstäblichkeit antwortet dabei auf die heterogene bauliche Nachbarschaft und die Dynamik umseitiger Verkehrsströme. In selbstverständlicher Weise wird die vorhandene Topographie in das innere und äußere Raumkonzept integriert, Nutzungsschwerpunkte, Wegeverbindungen und Freiflächen sinnvoll geordnet und verortet. Die horizontale Schichtung des Raumprogramms für Jugendkultur und Musik ermöglicht dabei eine sinnvolle räumliche Differenzierung der Nutzung unter dem Dach eines gemeinsamen, unverwechselbaren Hauses in der Stadt.
    Die neue Wegequerung erhält durch die Verbindung der beiden Vorplätze an der Haupt- und Daimlerstrasse einen einladenden Charakter mit städte- baulichem Auftakt. Eingebettet in die vorhandene Topografie, erhalten die Freiflächen für die Jugend auf natürliche Art und Weise ihren Hofcharakter und bilden einen sonnigen und dynamisch gestalteten „Ort der Ungestörtheit“.
    Raum-Organisation
    Haus der Musik Der Bereich Musikschule wird ebenerdig über den Vorplatz Daimlerstrasse angedient. Hier befinden sich auch die gemeinsam genutzten Räume mit Orientierung zum Vorplatz und Foyer. Aus einer mit Tageslicht durchfluteten Mitte werden die großen Proberäume der Narrneusia und der Stadtkapelle mit ihren direkt zugeordneten Nebenräumen erreicht. Bewusst gesetzte Öffnungen bringen das Innenleben zurück in die Stadt.
    Jugendkultur Über einen eigenen wettergeschützten Vorplatz erreichbar, fließen die Räume um eine dienende Kernzone in den Veranstaltungsraum. Hier konzentriert sich der Raumfluss und führt die innere und äußere Topographie im Sinne einer großen Jugendarena sinnvoll zusammen.
    Wirtschaftlichkeit/ Energie
    - ein kompakter Baukörper mit optimierten Hüllflächen - Einbindung in die vorhandene Topographie - durchgängige 3-bündige Anlage mit kurzen Wegen zur Erschließung und Nebenräumen - Optimierung der Geschosshöhen / Gebäudevolumen durch differenzierte Ebenenverteilung hoher und niedriger Räume - natürliche Be-/Entlüftung auch hoher Räume durch wettergeschützte
    Oberlichter - Technikflächen kompakt über kleinen Raumbereichen des Obergeschosses mit integrierter, solarer Nutzung südorientierter Dachflächen - Fassade aus Industrie-Gussglas zur Verbesserung des Schallschutzes und der Langlebigkeit/Gebäudeunterhalt durch Bahn- und Straßenverkehrbelastung.
    Material / Konstruktion
    Konventionelles Stahlbeton-, Mauerwerkssystem für Wände, Decken und Stützen Hochwärmegedämmte Außenbauteile Fenster / Glasfassaden in Elementbauweise mit wirksamer Wärme- isolier- Schutzverglasung. Außenliegender Sonnenschutz hinter der 2. Haut. Hinterlüftete Fassade aus konventionellem Industrieglas aus raum- hohen Gussglaspaneelen, warmton-gefärbt, opake, semitransparente Oberflächen. Abendwirkung als mattscheinender, warmer Kristall durch aktive Innenraumbeleuchtung. Langlebige und unterhaltsarme Oberfläche mit athmosphärischer Kraft. Innenräume / konstruktive Elemente in textilstrukturiem Sicht- beton mit mit Holzverkleidungen zur Verbesserung der Raumakustik in Proberäumen und Fluren. Bauteilerwärmung / Kühlung über Betonkernaktivierung in Decken und Wänden.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    dürschinger architekten, fürth

    Der eindeutig formulierte Baukörper fügt sich in die städtebauliche Situation in Lage, Höhe und Volu- men gut ein. Er schafft eindeutige Räume und erlaubt überzeugende Verbindungen zwischen Haupt- straße und Daimlerstraße. Ebenso eindeutig und großzügig sind auch die Zugänge zu den beiden kul- turellen Einrichtungen gestaltet.
    Durch geschickte Nutzung des Gefälles wird die Park- und Zugangsebene zum Musikhaus vom Freibe- reich des Jugendkulturhauses getrennt. Obwohl auf eine Tiefgarage verzichtet wird, entstehen gut nutzbare Freiflächen, die angemessen dimensioniert sind. Erkauft wird das allerdings durch den Ver- zicht auf vier der geforderten Stellplätze.
    Der städtebaulich wichtige Durchgang im Norden wird jedoch durch die hier vorgesehenen Fahrrad- abstellflächen unangenehm eingeengt.
    Zugang und Foyer des Jugendkulturhauses sind sehr eingeengt und somit für die zukünftigen Nutzer nicht angemessen dimensioniert. Die übrige Organisation des Grundrisses ist in der funktionalen Zu- ordnung, der Eindeutigkeit und den Proportionen gut gelungen. Hervorzuheben ist die Möglichkeit der Öffnung des Veranstaltungsraums zum Freigelände und „Arenahof“.
    Zugang und Foyer zum Musikhaus sind großzügig und eindeutig und führen übersichtlich weiter zur inneren Erschließung des Obergeschosses. Die Zuordnung der Nebenräume zu den Probenräumen ist in beiden Geschossen logisch; sie sind auf kurzen Wegen erreichbar. Durch die gewählte dreibündige Erschließung entsteht ein innerer Kern mit Nebenräumen, der künstlich belüftet werden muss, wäh- rend alle wichtigen Aufenthalts- und Proberäume natürlich belüftet werden können.
    Der kompakte Baukörper mit geringer Hüllfläche stellt ökologisch keine besonderen Anforderungen. Die beschriebenen Systeme für eine ökologisch nachhaltige Heizung, Kühlung und Lüftung sind her- kömmlich und bewährt. Die vorgeschlagene konventionelle Konstruktion mit hinterlüfteter Fassade lässt einen wirtschaftlich günstigen Unterhalt erwarten. Der Verzicht auf eine Tiefgarage trägt ebenfalls zu einer Verringerung der Baukosten und zur Optimierung der Wirtschaftlichkeit bei.
    Der gut proportionierte Baukörper lässt erwarten, dass er im Stadtbild einen den bedeutenden Nut- zungen angemessenen Akzent setzt. Die vorgeschlagene rote Glashülle ist jedoch dann problematisch, wenn sie das Öffnen der Fenster verhindert und die Ausblicke aus den Räumen unvermeidbar rot ein- färbt.
    Die Erscheinung bei Nacht hingegen, könnte durchaus eine angenehme Aufmerksamkeit bedeuten.
    5Die angedeutete Gestaltung der Außenräume trägt dazu bei, dass der durchaus eigenständige Bau einen attraktiven Auftakt zur zukünftig neu gestalteten Stadtmitte bildet.