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  • DE-20459 Hamburg
  • 06/2012
  • Ergebnis
  • (ID 2-99316)

Hebebrandquartier in Hamburg-Nord


  • Anerkennung


    Stadtplaner
    pp a|s pesch partner architekten stadtplaner GmbH, Dortmund (DE), Stuttgart (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Prof. Dr. Franz Pesch

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Glück Landschaftsarchitektur, Stuttgart (DE)

    Erläuterungstext
    HEBEBRANDQUARTIER Hamburg-Nord

    Eine neue Adresse in Hamburg Nord: Das neue Wohnquartier auf dem schmalen Streifen zwischen der City-Nord und Barmbek-Nord kann zur nachgefragten Adresse werden, wenn es gelingt, die isolierte Lage zwischen den überörtlichen Straßen und den Gleisanlagen durch attraktive Wegeverbindungen aufzuheben und eine eigenständige Quartiersatmosphäre und Wohnqualität zu erzeugen. Ausgehend von diesem Ziel gestalten wir zwei Teilquartiere mit besonderer Eigenart und unverwechselbaren Innenräumen.
    Beide Quartiersadressen – die Hebebrand Gärten im Norden und die Hebebrand Höfe im Süden gewinnen an Qualität durch
    • die Lage im Gartenland mit üppiger Vegetation und großkronigem Baumbestand
    • eine soziale Mischung mit vielfältigen und flexiblen Bautypologien und
    • öffentliche Räume mit Gestaltqualität und Aufenthaltsatmosphäre
    So wird das Hebebrand Quartier zu einem – im besten Sinne – nachhaltigen innerstädtischen Stadtquartier – vernetzt über die hervorragende Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr, angebunden an die wichtigen stadtteilbezogenen Versorgungseinrichtungen und Freiräume und mit einer urbanen Dichte und Mischung.

    Hebebrand Gärten:
    Ausgehend von der Typologie des gängigen Barmbeker Baublocks (zur Verbesserung des solaren Eintrags hier mit südorientierter Hauptfassade) gliedern wir das Quartier in schlanke Baufelder und quadratische Höfe. Jedes Baufeld erlaubt die Kombination unterschiedlicher Gebäudetypen: die Trägermaßnahme ebenso wie individuelle Wohnhäuser (Zwei- bzw. Dreispänner) in privater Bauherrenschaft. Aber auch das von einem Haushalt genutzte Stadthaus mit Einliegerwohnung oder Homeoffice findet im vorgeschlagenen städtebaulichen Gerüst seinen Platz.
    Der nördliche Quartierseingang ist mit einem gewerblichen Büro- und Dienstleistungshof besetzt, der mit seinem 12-geschossigem Hochpunkt an der Hebebrandbrücke einen Merkpunkt für Entwicklungsmaßnahme setzen kann.
    Für urbane Atmosphäre sorgen die Akazienallee mit ihrem lichten Baumdach und der Quartiersplatz mit seiner Schatten spendenden großkronigen Baumgruppe. Die Lage des Platzes ist so gewählt, dass er die Verbindung zwischen Dakarweg, S-Bahnhaltestelle und den östlich gelegenen Stadtquartieren stärkt. Ein Saum aus Versorgungsangeboten (SB-Markt, Bäcker Bistro etc.) macht diesen Raum zu einem urbanen Ort der Begegnung. Integrierte Spielangebote für Kinder ergänzen die landschaftlichen Spielpunkte im westlichen Grünzug und südlich der Brücke zum S-Bahn Haltepunkt Rübenkamp. Den nunmehr verbreiterten Grünzug im Westen begleitet die Promenade, die einen besonnten Aufenthaltsbereich für die Nachbarschaft anbietet. Sinnvollerweise wird die Erschließungsfunktion im Wesentlichen auf Versorgungsfahrten begrenzt. Die Promenade wird über lineare Sitzblöcke ‚weich’ gegen den Radweg und den flachen Versickerungsmulden abgegrenzt.

    Hebebrand Höfe:
    Die städtebauliche Typologie nimmt hier Bezug auf das Wohngebiet ‚Park Lane‘ südlich der Straße Alte Wöhr. Die leicht gegeneinander verschobenen Höfe geben unterschiedlich breite, multifunktionale Angebote vorhaltende Räume frei. Der Übergang zur S-Bahn-Haltestelle wird mit einem Hochpunkt markiert, der auch als Ankunftspunkt für S-Bahn-Fahrgäste fungiert.
    Ein Raster aus lichten mehrstämmigen Bäumen überstellt den Platz und erzeugt hier eine hohe Aufenthaltsqualität. Hier sind neben den Erschließungsfunktionen auch Aufenthaltsbereiche und Spielpunkte integriert. Den südlichen Eingang ins Quartier markieren die Wöhrterrassen, die mit ihren blühenden Bäumen ein besonderes Bild erzeugen.
    Im Wohnungsangebot mischen sich hier der klassische (auch geförderte) Geschosswohnungsbau mit dem Boardinghaus bzw. Servicewohnen in direkter Anbindung zur S-Bahn. Für die integrierte Kindertagesstätte bietet die Lage im westlichen Wohnhof die Möglichkeit an den Freiräumen im Hof oder an der Promenade zu partizipieren. Die Höfe sind jedoch auch mit einer kleineren Parzellierung bspw. für Baugruppen realisierbar.
    Wohnen im Gartenland: Das Freiraumkonzept baut auf der vorhandenen wertvollen Bestandssituation auf und integriert die landschaftlichen Potentiale des neuen Stadtquartiers.
    Das Plateau an der Hebebrandbrücke bildet im Nordwesten das wesentliche Freiraumelement im Konzept. Der wertvolle Gehölzbestand bleibt erhalten. Aufgrund seiner topographischen Exposition bildet das Plateau einen signifikanten Ort mit hoher identitätsstiftender Wirkung für das Quartier. Naturnahe Spielflächen werden in der Gestaltung integriert und sind wichtige „Adressen“ für die zukünftigen Bewohner.
    Im Westen wird der Grünzug als bedeutendes zusammenhängendes Freiraumelement im Entwurf herausgearbeitet. Der im Durchschnitt zwischen 30 und 50 m breite Grünzug verbindet das Hebebrandquartier in Nord-Süd Richtung und vernetzt es mit der Umgebung. Zu den solitären Großbauten der westlich gelegenen City Nord schafft er zudem einen plausiblen Übergang, einen Saum zur charakteristischen Typologie des neuen Wohnquartiers.
    So wird der lineare Park wird über einen übergeordneten Nord-Süd verlaufenden Fuß- und Radweg funktional an das Wegenetz der Umgebung angebunden. In der Abfolge sind im Grünzug Wegequerungen integriert, die als Anschlüsse und Verbindungen in die benachbarten Stadtquartiere dienen. Durch diese Schnittstellen mit den wesentlichen Wegeverbindungen in Ost-West Richtung entstehen Orte die das neue Hebebrandquartier mit dem übergeordneten Wegesystem des Hamburger Nordens vernetzen.
    Die neuen Kleingärten sind im Freiraumkonzept als Flächen für Erholung und Freizeit integriert. Quer- und längsverbindende, öffentliche Fußwege vernetzen die Kleingärten mit der Umgebung und sind integraler Teil des neuen Stadtquartiers. Die Kita des Mittelbereiches erhält einen eigenen, in die Kleingartenanlage integrierten Kinder-Kleingarten. Unterstützt wird dies auch durch ein gastronomisches Angebot innerhalb der Kleingärten.
    Der Laubwald an der Saarlandstraße bleibt in seinem Charakter erhalten. Durch behutsame Pflegemaßnahmen wird er in seiner wertvollen Substanz entwickelt und in einzelnen Bereichen transparenter gestaltet.
    Im Osten verläuft ein landschaftlich angelegter Wall entlang der Bahntrasse und schafft hier einen Puffer zwischen Wohnquartier und Bahn. Die Höhensprünge an den querenden Hauptverkehrsachsen werden mit terrassenförmig angelegten Geländestufen gelöst und erzeugen hier einen präzisen Landschaftscharakter und geben dem Hebebrandquartier eine Adresse mit einem identitätsstiftenden Erscheinungsbild.
    Erschließung: Die Erschließungskonzeption der städtebaulichen Rahmenplanung wird weitgehend beibehalten. Die Insellage des Hebebrand Quartiers wird genutzt, um ein vermaschtes Erschließungssystem ohne Hierarchie anzubieten. Die Verkehrsteilnehmer bewegen sich überall in verkehrsberuhigten Bereichen. Besucherstellplätze befinden sich in den Straßenräumen und unter Bäumen. Die Bewohnerstellplätze befinden sich auf halb versenkten Parkdecks, welche – kosteneffizient - natürlich belüftet werden können. Aussparungen im Hofinneren erlauben eine Bepflanzung der Höfe mit mittelkronigen Bäumen (Bodenschluss).
    Energetisches Konzept: In energetisch kompakten Strukturen mit hoher Dichte können aber durch teilweise schwer zu vermeidende gegenseitige Verschattungen solare Gewinnen nicht gleichzeitig optimal genutzt werden. In dieser Abwägung wurde von uns eine energetisch kompakte Struktur mit hoher Dichte einer solaroptimierten weitgehend südorientierten Gebäudestruktur der Vorrang gegeben. Durch die großzügigen Öffnungen der Blockstrukturen – dort wo es schalltechnisch vertretbar ist -, die Höhenstaffelungen der Baukörper (Je Block von Süd nach Nord ansteigend) und die Anordnungen der Baukörper zueinander wurden die Nachteile der gegenseitige Verschattungen weitgehend entschärft. So können solare Einstrahlungsgewinne trotzdem mehrheitlich für die Passivhausbauweise genutzt werden. Grundsätzliche eignen sich die meisten Dächer für aktive solare Nutzung. Durchgehend begrünte Dächer sind Teil des Energie- und Entwässerungskonzeptes.
    Entwässerung: Das Oberflächenwasser wird im Gebiet konsequent über offene Entwässerungsrinnen abgeführt. Diese sind als Stadtbäche in den urbanen Charakter der Wohnquartiere in den öffentlichen Raum integriert. Das Wasser wird über diese, in den westlichen, linearen Grünzug geleitet. Die hier angelegten, großzügigen offenen Retentionsmulden, verleihen dem Grünzug einen reizvollen Landschaftscharakter. Dem Verlauf der vorgegebenen Topographie folgend, wird das Wasser über Gräben und Mulden im Grünzug bis an den Staugraben entlang der Alten Wöhr geleitet und dort an das Gewässer angebunden. Im Bereich des südlichen Gebiets, ist im Bereich, der zum Grünzug ausgerichteten Freiraumnische, zusätzlich eine unterirdische Retentionsrigole vorgesehen, um das Rückstauvolumen für Starkregenereignisse zu erhöhen.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.