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  • 1. Preis

    Landratsamt Erlangen Höchstadt - Eingangsplatz

    Architekten
    AllesWirdGut, Wien (AT), München (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: el:ch landschaftsarchitekten, München (DE), Berlin (DE)

    Preisgeld
    46.000 EUR

    Erläuterungstext
    1. Städtebau

    1.1. GEDANKEN

    Die „Wertewelt“ des Projekts lässt sich mit den Begriffen Klarheit, Intensität, Sinnlichkeit, Leichtigkeit, und Sparsamkeit umschreiben.

    Städtebaulich nimmt das Landesratsamt eine Sonderstellung innerhalb des ehemaligen Gossen-Areals ein, durch die Neubebauung wird das Gesamtareal strukturell aufgewertet, der Neubau bildet dabei den städtebaulichen Dreh und Angelpunkt der Quartiersentwicklung. Dementsprechend schlagen wir für den Neubau des Landesamts Erlangen eine Bebauungsform vor, die der öffentlichen Gebäudenutzung entspricht und der Bevölkerung ein Freiraumangebot zur kollektiven Aneignung bietet.

    1.2. SOLITÄR

    Ein kleeblattförmiger Baukörper definiert mehrere Eingangssituationen, die alle in einer gemeinsamen Mitte münden. Die Erschließung reagiert auf regionale und überregionale Bezüge und bildet einen Knotenpunkt aus, wichtige innerstädtischen Verbindungen werden verknüpft, allseitig Vorplätze und Eingangssituationen geschaffen, die den öffentlichen Raum qualitativ ergänzen und aufwerten.
    Somit wird bereits in der städtebaulichen Grundform des Neubaus der Grundstein für ein übersichtliches Amtsgebäude gelegt, das alle vorhandenen Publikumsströme in selbstverständlicher Weise leitet und auf kürzestem Weg zur zentralen Eingangshalle führt.
    Durch das Abrücken der Fassaden von den unmittelbaren Grundgrenzen werden zudem die Belichtungs- und Ausblicksituationen für alle Arbeitsplätze innerhalb des Landratsamts deutlich verbessert.

    2. Räumliche Organisation

    2.1. VERTIKALE ORGANISATION

    Das Gebäude gliedert sich in ein öffentliches, allseitig betretbares, transparentes Erdgeschoß und die Büroräume der einzelnen Abteilungen in den Obergeschossen. Die Schichtung dieser Abteilungen im Gebäude ergibt sich aus den Anforderungen an den Publikumsverkehr.
    Durch die Einführung eines zentralen Luftraums und der Anordnung der Haupterschließung um dieses Atrium wird die nötige Orientierung und Übersichtlichkeit innerhalb des Amtsgebäudes gewährleistet. Zudem erhält der Innenraum neben Tageslicht in der Haupterschließung auch die nötige Luftigkeit und Offenheit, die einem zeitgemäßen modernen Verwaltungsbau entspricht.

    2.2. HORIZONTALE ORGANISATION

    Geschoßweise entwickelt sich das Landratsamt von der zentralen Mitte ausgehend strahlenförmig nach Außen. Der Öffentlichkeit und den Anforderungen an den Publikumsverkehr kann somit auch in der Organisation am jeweiligen Geschoß entsprochen werden. Rund um das Atrium werden geschossweise die Serviceeinheiten angesiedelt und die Vertikalerschließung in Form einer großzügigen Freitreppe und der Aufzugskerne vorgesehen.
    Jeder der fingerartigen Baukörper wird von einer Abteilung besetzt, welche erst ab einer bestimmten Abteilungsgröße mehrgeschossig organisiert und über die Kerne intern verbunden werden können. Damit werden neben Übersichtlichkeit auch kurze Wege gewährleistet. Vielfältige abteilungsinterne Nutzungszusammenhänge aber auch der übergreifende Austausch und die hausinterne Kommunikation werden so über den zentralen Innenraum ermöglicht und durch die architektonische Gestaltung gefördert.

    Dabei bleibt die Gesamtstruktur vollkommen flexibel und die Grenzen der Abteilungen für Anpassungen variabel. Basierend auf einem1,35m Büro-Achs-Raster sind in jedem Geschoss unterschiedlichste Raumkonfigurationen möglich, Zellenbüros unterschiedlichster Größe, Gruppen- und Kombibüros bis hin zu Großraumstrukturen können um eine innere Kernzone je nach Erfordernis frei eingeteilt werden.

    2.3. ERDGESCHOSS

    Über das Foyer im Erdgeschoß werden alle Eingänge in einer zentralen Halle gefasst. Hier befindet sich die Information, vom Foyer ausgehend erreicht man auf kürzestem Weg alle öffentlichen Nutzungen des Gebäudes und die Abteilungen mit der höchsten Besucherfrequenz, die erdgeschossig in den jeweiligen Gebäudeflügeln untergebracht sind.

    Süd: Multifunktionsbereich und Cafeteria.
    Ost: Sitzungssäle inklusive Nebenräume.
    Nord: Amt für Zulassung
    West: Amt für Kinder, Jugend und Familie
    Nord- und westseitig sind außerdem die vermietbaren Reserveflächen situiert und diese sind somit auch von außen erreichbar.
    Durch dieses Organisationsprinzip wird auch die Bespielung und Nutzung der Vorbereiche im Außenraum gefördert, wobei die südwestseitige Terrasse der Cafeteria das Potential zukommt, ein Quartierstreffpunkt zu werden.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Städtebaulich passt sich der amorphe Baukörper gut in die Umgebung ein.
    Er nimmt die Bezugslinien er Nachbarbebauung auf, dadurch entsteht ein subtiles Wechselspiel von
    Freifläche und Baukörper.
    Zugangsmöglichkeiten werden von allen Seiten angeboten.
    Im Inneren entsteht ein zentraler Dreh- und Angelpunkt in Form eines lichtdurchfluteten Atriums mit
    Informations- und Servicetheke. Alle öffentlichen Nutzungen und Sachgebiete mit hohem
    Publikumsverkehr liegen in der Erdgeschosszone. Über das Atrium werden alle Geschossebenen
    zentral erschlossen.
    In den Geschossebenen führt die klare Grundrissorganisation zu einer guten Orientierbarkeit.
    Nebenräume werden als Kerne in die Ebenen eingestellt.
    Von allen Standpunkten sind Rückblicke zum zentralen Atrium möglich.
    Auch die Wartebereiche sind um das Atrium angeordnet.
    Die Anordnung der Büroräume versprechen eine hohe Flexibilität und Variabilität.
    Als Fassade schlägt der Verfasser wieder eine zweite Haut aus farbigen vertikalen Lamellen vor, die
    je nach Gebäudeteil in verschiedenen Farben variieren.
    Die Fassade ist jedoch im Detail zu überprüfen, da Ansicht und Detailschnitt voneinander abweichen.
    Bezüglich des Schallschutzes müssten in der Überarbeitung noch Vorschläge gemacht werden.
    Die Tiefgaragenzufahrt ist zu überprüfen, da sie zweite Grundstückszufahrt an dieser Stelle notwendig
    macht.
    Das Gebäude besitzt ein gutes A/V Verhältnis.
    Das Konzept bietet einen kompakten Baukörper, der sich in der energetischen Betrachtung als sehr
    positiv darstellt und somit auch im Unterhalt gute Kennwerte erreichen lässt.
    Die Verschattung der Fassaden ist prinzipiell nachgewiesen, bedarf aber noch einer sorgfältigen
    weiteren Beachtung, um die Kühllasten im Sommerfall so effizient wie möglich zu gestalten. Das im
    Dachbereich verglaste Atrium kann mit seinen Lüftungsklappen zur Positiven Energiebilanz einen
    guten Beitrag liefern.
    Die wirtschaftlichen Kennwerte liegen in einem nachvollziehbar soliden Bereich.
    Insgesamt stellt der Entwurf einen angemessenen, gestalterisch gekonnten und identitätsstiftenden
    Beitrag zur ausgelobten Entwurfsaufgabe dar, dessen geschickte städtebauliche Setzung, sein
    Außenwirkung und seine inneren Werte ein neues und bürgerfreundliches Landratsamt im
    Stadtkontext Erlangens nachhaltig darstellen kann.