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  • DE-38440 Wolfsburg
  • 06/2012
  • Ergebnis
  • (ID 2-113593)

Poststraße Wolfsburg


  • 2. Rang

    Visualisierung zukünftiger Siegfried-Ehlers-Platz

    Architekten
    UmbauStadt GbR, Weimar (DE), Berlin (DE), Frankfurt a. M. (DE), Wien (AT) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Verkehrsplaner: FGS - Forschungs und Planungsgruppe Stadt und Verkehr, Berlin (DE)

    Erläuterungstext
    Neugestaltung der Poststraße im Wolfsburger Handwerkerviertel

    Ein nötiger Umbau
    Die Straße wird zu stark und zu schnell befahren, das Parken ist ungeordnet, die Wohnbereiche haben selten einen Gartenzugang, die Höfe sind verbaut, Beleuchtung und Begrünung im Straßenraum sind unzureichend. Als Wohnquartier wird die Straße zunehmend gemieden, erste Leerstände zeichnen sich ab.

    Neben- und Miteinander
    Das neue Handwerkerviertel lebt von der Funktionsmischung, wobei dem innerstädtischen Wohnen auch für Familien und Studierende ein hoher Wert beigemessen wird. Ein Neben- und Miteinander von Wohnen, Kultur, Bildung, Dienstleistung, Einzelhandel und nicht störendem Gewerbe belebt das Quartier.

    Gemischt genutzter Straßenraum
    Eine Umwandlung der bisher getrennten öffentlichen Flächen zu Mischflächen als „Verkehrsberuhigter Bereich“ führt zu einer gleichberechtigten und bedarfsorientierten Nutzung. Die Erweiterungsmöglichkeit der Erdgeschossbereiche in den Straßenraum birgt große Flexibilität und bereichert das Stadtbild. Die Poststraße wird durchgängig in beide Richtungen befahren (Nordseite in westliche, Südseite in östliche Richtung). Der neue Straßenraum wird von allen Verkehrsteilnehmern genutzt und belebt. Bei der im Rahmenplan angedachten Bildungsfuge muss kritisch geprüft werden, ob sie umsetzbar ist und ob die Trennung von Verkehren gewünscht wird.

    Die Straßenmitte
    Die Straßenmitte wird für verschiedene Funktionen ausgebildet. Auf versickerungsfähigem Belag sind die Stellplätze organisiert, von der Mittelachse abwechselnd versetzt angeordnete Lampen beleuchten die gemischten Randflächen und gezielt gesetzte Bäume flankieren die schräggestellten Parkplätze.

    Stellplätze
    Im Planungsausschnitt bietet die Neukonzeption gegenüber der heutigen Situation zusätzlich 12 öffentliche Stellplätze an. Befinden sich hier heute (ohne Parkhaus) 131 Stellplätze, werden nun 143 Stellplätze organisiert.
    Dies wird durch die Anordnung von 96 schräg gestellten Stellplätzen in der Mittelachse der Poststraße und durch 47 Stellplätze, die westlich und östlich des Hochschulgebäudes unter einem Baumdach organisiert werden, ermöglicht.
    Integration in das bestehende Gefüge
    Die konsequent gemischte Fläche und das mittig organisierte Parken werden schlüssig mit der Porschestraße und dem Schachtweg verknüpft. Durch einen Belagswechsel und die zentrale Baumpflanzung akzentuiert wird der Übergang in den „verkehrsberuhigten Bereich“ organisiert.

    Auf Bestehendes aufbauen
    Die neue Konzeption kommt ohne Abrisse der Randbebauung aus, orientiert sich an der vorhandenen Stadttechnik und plant die zukünftige Rinne zur Abführung des Oberflächenwassers bewusst akribisch im bestehenden Verlauf der heutigen Schächte. Eine weitere Methode zur Kosteneinsparung besteht in der beabsichtigten Aufbaukonzeption („Hocheinbau“), hier werden die neuen Oberflächenbeläge teilweise auf den bestehenden Asphalt aufgebracht, ohne dass dieser abgebrochen werden muss.

    Multifunktionsplatz
    Der neue, großzügige Platz bietet den Anwohnern zusätzliche Qualitäten. Fahrradfahren lernen, Rollschuhfahren, Skaten und Ballspielmöglichkeiten, Schlittschuhlaufen im Winter, Openairkino im Sommer, Modenschauen, Flohmärkte, Konzerte und vieles mehr sind hier möglich.
    Der freie und robuste Platz bietet Raum für die tatsächlichen Wünsche der Anwohner, diese können sich auch im Laufe der Zeit entwickeln und verändern. Somit wird der Platz zum Magnet der Poststraße sowie des gesamten Handwerkerviertels und bietet im Hintergrund die Kulisse der Wolfsburger Identität - ein besonderer Ort.

    Siegfried-Ehlers-Platz ohne Autos
    Um die Qualität des neuen Platzes dauerhaft zu sichern ist eine Unterbrechung des Autoverkehres auf der südlichen Siegfried-Ehlers-Straße sinnvoll. Eine minimale Mehrbelastung des umliegenden Gesamtnetzes führt zu einem außerordentlichen Qualitätsgewinn und ist gerechtfertigt.
    Der Platz wird um drei Stufen abgesenkt und bildet hierdurch umlaufende Sitzstufen aus, die für viele der vorgeschlagenen Funktionen ohne zusätzliche Möblierung genutzt werden können.

    Pilotprojekte: Umbau von Parzellen
    Die Poststraße ist ein förmlich festgelegtes Sanierungsgebiet, in dem die Aufstellung eines kommunalen Förderprogramms möglich ist. Über ein Pilotprojekt wird der Umbau der Handwerkerhäuser zu hybriden Gebäuden umgesetzt. In allen drei konzipierten Varianten sind das Wohnen in den oberen Geschossen und eine Zusatzfunktion für die Erdgeschossbereiche vorgesehen.
    A) Die Erdgeschossnutzung benötigt die Hoffläche weder für Nebengebäude noch für zusätzliche Stellplätze: Die Höfe werden entkernt, entsiegelt und als Garten einer zukünftigen Wohn- und Familiennutzung zur Verfügung gestellt.
    B) Die Erdgeschossnutzung benötigt die Hoffläche als Stellplatzfläche: Ein Teil des Hofes wird als überdachtes Parkdeck entwickelt. Auch Nachbarn könnten sich hier einmieten. Etwa die Hälfte der Hoffläche wird nicht überbaut sondern als Gartenfläche entwickelt. Das Dach wird als begrüntes Terrassendach ausgebildet und vom Wohnbereich als Freifläche genutzt.
    C) Die Erdgeschossnutzung benötigt die Hoffläche als zusätzliches Raumangebot (Werkstatt, Lager): Etwa die Hälfte des Hofes wird durch ein mit dem Erdgeschoss verknüpftes, beheizbares Raumangebot bebaut. Wie in Variante B werden zusätzlich Garten und Terrasse geschaffen.
    Für welche Parzellen sich entsprechende Pilotprojekte eignen, wie viele es werden und wie genau sie entwickelt werden, muss in Zusammenarbeit mit den Eigentümern und Nutzern konzipiert werden. Die Darstellung im Plan ist exemplarisch zu sehen.
    Grundsätzlich ist eine Entwicklung von der vorhandenen harten Randbebauung (Haus) über eine niedrigere, weichere Zwischenbebauung (Deck) hin zu einem weichen, offenen Freibereich (Garten) vorzusehen.

    Einbindung der Öffentlichkeit
    Nicht nur bei der Entwicklung der Pilotprojekte sondern auch bei der Konzeption des Multifunktionsplatzes ist eine breite Beteiligung der Öffentlichkeit notwendig. Die zukünftigen Nutzer wissen am besten, für welche Funktionen der Platz sich bewähren muss, diese wertvollen Hinweise müssen bei der weiteren Planung ernsthaft beachtet werden - eine Bespielung des neuen Raumes ist entschieden von der frühzeitigen Mitwirkung der Nutzer abhängig.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.