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  • DE-82362 Weilheim i.OB
  • 07/2012
  • Ergebnis
  • (ID 2-100125)

Neubau der Stadtwerke Weilheim i.OB


  • 2. Preis

    Weilheim Stadtwerke von Süden

    Landschaftsarchitekten
    landschaftsentwicklung kroitzsch, Gröbenzell (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Reinhard Bauer Architekten, München (DE)

    Preisgeld
    15.000 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebaulicher Ansatz
    Das Grundstück für den Neubau des Betriebshofs der Stadtwerke Weilheim liegt am
    östlichen Ortsrand im Übergang zu den landwirtschaftlich genutzten Flächen und der
    charakteristisch welligen Landschaft des Voralpenraums. Der Neubau wird der
    Abschluss der städischen Bebauung und das Eingangstor zur Stadt werden.
    Die Nutzung des Betriebhofes gibt große, flächig wirkende Hallenbauwerke vor, die von
    der Deutenhausener Straße für den Passanten kaum in Erscheinung treten würden; sie
    bedürfen einer besonderen architektonischen Ausformung. Die Dächer der Fahrzeug-,
    Lager- und Werkstatthallen erhalten deshalb eine hohe, umlaufende Attika aus Stahlbeton-
    Fertigteilen und kragen weit über die Fassaden aus; es entsteht der Eindruck von
    über der Landschaft schwebenden Dächern.
    Die eigentlichen Fassaden der Hallen treten hinter dieser Geste zurück. Die Nutzung der
    einzelnen Bereiche bedingt verschiedene Höhen der Dächer. Der Entwurf macht diese
    Notwendigkeit zum Thema und staffelt die Dächer in unterschiedlicher Höhe. Die
    prägnanten, präzise umrissenen Dachformen in den verschiedenen Höhenlagen
    korrespondieren so mit der für den Ort typischen welligen Grundmoränenlandschaft.
    Als weiteres Merkzeichen markiert der 4-geschossige Verwaltungsbau den
    Eingangsbereich des Geländes der Stadtwerke.

    Äussere Erschliessung
    Der Entwurf übernimmt die Planungen der Stadt Weilheim und erschließt das Betriebsgelände
    über eine parallel zur Deutenhausener Straße geführten Erschliessungsstraße.
    Im Zufahrtbereich des Neubaus werden die Stellplätze für die Besucher und Mitarbeiter
    angeordnet. Von hier aus sind die Zugänge zur Verwaltung der Stadtwerke, der
    Weißeingang der Mitarbeiter und die Räumlichkeiten der ESB unmittelbar erreichbar
    ohne den eigentlichen Betriebshof queren zu müssen. Ebenso ist die Betriebswohnung
    über einen separat gelegenen Eingang im Westen des Verwaltungsgebäudes erreichbar.
    Der betriebliche Verkehr und der Schwerlastverkehr erreicht den eigentlichen
    Betriebshof nach Querung des Verwaltungsgebäudes, das an dieser Stelle den
    Schrankenbereich brückenartig überspannt. Dieser innere Hof bildet das Herzstück der
    Anlage und dient als Verteiler zu den weiteren Funktionsbereichen und als
    Umschlagplatz für Güter.

    Innere Organisation
    Für die Mitarbeiter des Betriebshofes sind getrennte Schwarz-/Weiß-Zugänge
    vorgesehen. Sie erreichen, bzw. verlassen ihren Arbeitsplatz über den im Erdgeschoss
    eingangsnah angeordneten Sozialbereich mit den Umkleiden, Duschen und der
    Stiefelwaschanlage. Von hier aus erreichen die Mitarbeiter unter den auskragenden
    Dächern der Hallen wettergeschützt jeden Bereich des Betriebshofs.
    Die Fahrzeughalle wird über vier Stellplatzreihen organisiert. Großfahrzeuge befahren
    die Halle über die Ost-/Westseiten mit Schiebefalttoren; kleinere Fahrzeuge über die
    Mittelgasse. Die Anhänger und Streuaufsätze an der Nord- und Südseite der Halle sind
    über Schiebtore ohne weiteres Rangieren erreichbar. Die Montage der Hänger und
    Geräte an die Fahrzeuge kann unter den auskragenden Dächern wettergeschützt
    erfolgen.
    Die Lagerhalle mit dem unter dem gleichen Dach angeordnetem Salzlager ist z.T.
    zweigeschossig (2 Ebenen zu jeweils 3 Meter Höhe) organisert.
    Die Räumlichkeiten der ESB sind in der südlichen Halle zusammengefasst.

    Konstruktion
    Die Hallenbauwerke sind als Stahlbetonskelettbauten aus Fertigteilen vorgeschlagen. In
    Köcherfundamente eingespannte Stützen tragen die Binder der Primärkonstruktion im
    Abstand von 9 Metern. Die darüber liegende sekundäre Trägerlage bilden Brettschichtholzträger
    mit einer Holzverschalung. Weiterer Dachaufbau als Warmdach mit
    bituminöser Abdichtung und extensiver Begrünung. Oberlichter dienen zur Belichtung
    und Entwärmung. Die Fassaden der Hallen bilden Neunschichtplatten aus wetterfest
    verleimter Lärche. Aufbau der Fassaden nach den jeweiligen energetischen
    Anforderungen; als Paneelkonstruktionen mit eingelegter Wärmedämmung im Bereich
    der Garagen und Werkstätten, als bloßer Wetterschutz bei der Kalthalle. Alle Hallen
    erhalten ein umlaufendes Oberlichtband als Festverglasung aus Isolierglas.
    Das Verwaltungsgebäude wird als konventionelle Stahlbetonskelettstruktion mit
    aussteifenden Wänden und Flachdecken vorgeschlagen. In Teilbereichen erhält das
    Verwaltungsgebäude eine Bekleidung aus Stahlbetonfertigteilen mit Kerndämmung. Alle
    transparenten Fassadenteile in diesem Bereich als Holz-Aluminium-Konstruktionen aus
    geölter Lärche mit Dreifachverglasung.
    Die Bodenplatten der Hallen und Werkstätten aus Ortbeton mit eingearbeiteter
    Nutzschicht aus Hartstoffzuschlägen bilden auch die fertigen Beläge. Lediglich die
    Waschhalle und die KFZ-Werkstätten erhalten einen zusätzlichen Fussbodenaufbau aus
    keramischen Belägen. Bodenbeläge der Verwaltung als Zementestrich auf
    Trittschalldämmung mit Industrieparkett.
    Wegen des hohen Grundwasserstandes wird auf eine Unterkellerung - sowohl der
    Hallen als auch des Verwaltungsgebäudes - verzichtet.

    Energetisches Konzept
    Die Lage des Grundstücke und der hohe Grundwasserstand legen nahe die
    Wärmeversorung des neuen Betriebshofs über eine Grundwasserwärmepumpe sicher
    zu stellen. Für die Fahrzeuggaragen ist lediglich eine Beheizung vorgesehen, die die
    Frostfreiheit sicherstellt. Die Werkstätten werden über Deckenstrahlplatten, die
    Verwaltungs- und Sozialräume mit Fussbodenheizung beheizt. Für den Tagungs- und
    Aufenthaltsraum soll eine mechanische Be- und Entlüftung (ohne Kühlung) mit
    WaÅNrmerückgewinnung vorgesehen werden; die technischen Anlagen hierzu finden im 4.Obergeschoss ihren Platz.

    Freiflächen
    Die Sichtbarkeit der Anlage von der Deutenhausener Strasse aus wird durch die
    Begrünung des Parkplatzes mit Säuleneichen unterstützt. An den Rändern des
    Grundstückes werden Baumreihen ohne strauchartigen Unterwuchs gepflanzt. Hier wird
    in mit Rasen und Wildstauden bewachsenen Mulden das anfallende Dachwasser
    versickert. Die Flachdächer werden mit 50-70cm hohen Gräsern extensiv begrünt.
    Wir sehen ein einheitliches Belagskonzept aus großformatigen Betonplatten (2x1m) mit
    Besenstrichoberfläche vor. Diese können mit leichten Variationen verlegt werden
    - mit geschlossener Fuge, wenn stark befahren,
    - mit Rasenfugen auf den Parkplätzen oder
    - mit Fugen aus Natursteinpflaster im Eingangsbereich

    Freiraumnutzung
    Der Aufenthaltsraum erhält eine attraktive Terrasse, die nach Süden ausgerichtet ist.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die vier flächig angeordneten Hallen gruppieren sich um einen zentralen Betriebshof. Den städtebaulichen Akzent bildet das 5-geschossige Verwaltungsgebäude. Die unterschiedlichen Höhenlagen der Gebäude korrespondieren mit dem für den Ort typischen Landschaftsbild. Überzeugend ist die einheitliche und zurückhaltende Gestaltung der unterschiedlichen Nutzungsbereiche. Die gemeinsame Lkw- und Pkw-Erschließung ist verkehrstechnisch nachteilig und sollte getrennt angeordnet werden. Die übersichtlich und außerhalb des Betriebshofs befindlichen Pkw-Stellplätze sind gut situiert.
    Die Hauptzugänge zu den Stadtwerken und der ESB sind gut auffindbar und ihren Nutzern zugeordnet. Die grundrissliche Ausgestaltung des Verwaltungsgebäudes ist überzeugend gelungen und lässt hohe Aufenthaltsqualität für den Sozialbereich mit Terrasse erwarten. Die Büros sind klar strukturiert und werden natürlich belichtet, der 2-geschossige Sitzungssaal scheint überzogen.
    Die Lage der Betriebswohnung im 4.Obergeschoss mit Blick in die Landschaft ist ungestört und richtig angeordnet. Die Meisterbüros im 2. Obergeschoss sind funktional ungünstig zu den Werkstätten gelegen.
    Die Höhenentwicklung des Verwaltungsgebäudes wird in der Sichtbeziehung zu Deutenhausen kritisch gesehen.
    Die funktionalen Bereiche der Werkstätten, der Garagen und der Lager sind auf kurzem Wege über den Betriebshof erreichbar. Die Umkleiden werden direkt vom Parkplatz aus erschlossen und sind über die auskragenden Hallendächer wettergeschützt mit allen Funktionsbereichen des Betriebshofes eingebunden. Die Volumen der Gebäude sind den funktionalen Höhenanforderungen angeglichen und bilden eine maßstäblich überzeugende Lösung an. Die innere Erschließungsstraße der Garagen erscheint zu schmal und nur für kleinere Fahrzeuge geeignet. Aussagen zu wärmdämmtechnischen Ausführung sind nicht getroffen. Das beschriebene Wärmeversorgungskonzept ist prinzipiell umsetzbar, bedarf aber einer Anpassung.
    Insgesamt wird der Entwurf als ein in sowohl städtebaulicher wie funktional und gestalterischer Hinsicht hochwertiger Beitrag bewertet.