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  • 1. Preis

    Rahmenplan

    Stadtplaner
    REICHER HAASE ASSOZIIERTE GmbH, Aachen (DE), Vianden (LU), Aachen (DE), Dortmund (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Joachim Haase , Prof. Christa Reicher

    Mitarbeit
    Jasmin Knedeisen, Holger Hoffschröer, Prof. Anne Klasen, Daniel Tries

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Planergruppe GmbH Oberhausen, Essen (DE)
    Energieplaner: Daniel Bläser, Dortmund (DE)

    Erläuterungstext
    Städtebaulicher Kontext
    Die besondere, inselartige Lage des ehemaligen Kinderklinikstandorts in typisch „Münsteraner Parklandschaft“ stellt ein großes Potential dar. An der Nahtstelle zwischen Stadtwald und Feldflur gelegen, vereint der Standort diese beiden hervorragenden räumlichen Qualitäten, die in dem neuen, hochwertigen Quartier herausgearbeitet werden.
    Das Quartier bildet eine autarke Einheit, die ein Leben in Einklang mit der Natur, bei gleichzeitiger Nähe zur Stadt, ermöglicht. Energieversorgung, Wasser- und Stoffkreisläufe, der Schutz der Naturräume, Mobilität sowie das gemeinschaftliche Zusammenleben bilden ein nachhaltiges Gesamtkonzept für eine hochwertige und zukunftsfähige Lebensweise.

    Entwurf
    Die Siedlung besteht aus zwei Bereichen, welche die prägenden Charakteristika der Landschaft aufnehmen: Das ‚Wohnen im Waldpark’ mit starkem Bezug zur vorhandenen Baumkulisse - ‚Fenster zum Wipfel’ - kontrastiert mit lichten ‚Solarclustern’ in der Feldflur mit starkem Blickbezug in die weite Landschaft. Das Prinzip des Wohnens an der Landschaft wird durch Landschaftsfugen ins Innere des Quartiers hinein gezogen.
    Die Erschließung erfolgt über den bestehenden Anschluss an der Westerholter Straße. Von hier aus erschließt und verbindet ein Ring den Waldpark und die Solarcluster. Im Westen werden die frei stehenden Baumhäuser über eine Ringstraße durch den Waldpark erschlossen. Im Osten sind die Solarcluster direkt durch den Haupterschließungsring angebunden.

    Das baumbetonte Entreé an der Westerholter Straße bleibt erhalten, wird aber mit deutlichem Signal nach außen neu interpretiert. An diesem Auftakt des Quartiers werden die gemeinschaftlichen Einrichtungen - Biomarkt als Verkaufsraum für landwirtschaftliche Produkte der Umgebung, Gemeinschaftsräume, Quartierscafé, Fahrradstation - zusammengefasst. Hier befindet sich der Quartiersplatz, der den Kontakt mit dem Quartier herstellt. Das Entreé wird als Gemeinschaftsschiene entlang der Haupterschließung weitergeführt, an der neue Formen von hochwertigem Wohnen und Arbeiten angeboten werden. Ein Punkthaus, das Appartements, Maisonettewohnen, ein Penthouse und im Erdgeschoss die Integration einer Arbeitseinheit anbietet, bildet mit dem Loftwohnen in den beiden Obergeschossen der Gemeinschaftshäuser hierbei den Auftakt. Östlich entlang der Haupterschließung bilden Stadt- und Kettenhäuser eine räumliche Kante, die partiell durch Grünfugen aufgelockert wird. Die Grundrisse der Kettenhäuser lassen eine flexible Nutzung im Erdgeschoss zu, eine kleinere Dienstleistungseinheit oder ein Appartement, die jeweils über einen separaten Eingang erschlossen werden, können problemlos integriert werden.

    ‚Der Waldpark’
    Der heute schon parkähnliche Charakter des Waldquartiers wird weiter kultiviert. Großzügige Parkwiesen mit altem Baumbestand stehen hier im Kontrast zu den kompakten Eingangshöfen der Hausgruppen und stellen den introvertierten Landschaftsbezug dieses Quartiers her. Private Freiräume sind auf Terrassen auf verschiedenen Ebenen reduziert. Die ‚Baumhäuser’ offerieren an dieser Stelle eine exklusive Wohnform: über der Parklandschaft schwebend befindet sich im zweiten Obergeschoss die großzügige Wohnküche mit einem gerahmten Ausblick in die Baumkronen – dem ‚Fenster zum Wipfel’. Von hier wird ebenfalls der private Freiraum in Form von großzügigen Dachterrassen erschlossen. Der offene Wohnraum ist im ersten Obergeschoss ebenfalls abgesetzt vom halböffentlichen Grünraum und öffnet den Blick in den Waldpark.

    ‚Die Solarcluster’
    Ähnlich der durch Feldraine strukturierten Feldflur werden individuelle kleine Baufelder - ‚Solarcluster’ - durch Wiesenfugen gerahmt, die damit allen Grundstücken den Landschaftsbezug garantieren. Innerhalb der Cluster bilden kleine Quartiersplätze einen zentralen Treffpunkt für die Anwohner.

    Die Bautypologien der Solarcluster variieren zwischen freistehenden und gereihten Einfamilienhäusern, die durch verschieden große Grundflächen und Variationen in den Obergeschossenen ein abwechslungsreiches Bild dieses Siedlungsbereichs kreieren.

    Freiraum und Wegebeziehung
    Die extensiven Wiesen zwischen den Clustern werden von Schafen oder durch zweischürige Mahd gepflegt. Locker eingestreut sind Obstbäume. Nach Osten und Süden bildet ein Obstwiesenband den Filter, der das Wohngebiet in die Feldflur einbindet. Gefasst werden die Cluster durch überblickbare Laubholzhecken. Kleine Quartiersplätze zentrieren die einzelnen Cluster.

    Der ‚Grüne Ring’ stellt das Bindeglied zwischen dem ‚Waldpark’ und dem ‚Solarcluster’ dar. Die prägnanten, bestehenden Gehölzstrukturen werden als erlebbares verbindendes Element des Quartiers erhalten. Darüber hinaus schirmt der ‚Grüne Ring’ mit seiner Neupflanzung des Waldes im Nord-Osten die ‚Solarcluster’ von der Westerholter Straße ab.

    Das Quartier wird in das vorhandene Wegenetz des Stadtwalds und der Feldflur eingebunden. Beleuchtete Wege erlauben schnelle Verbindungen nach Westerholt, Buer und Resse. Das Mäander des ‚Grünen Rings’ wird von einem Weg durchzogen, der so die Verknüpfung der Quartiere herstellt.
    Spielraum bietet das gesamte Quartier mit seinen Plätzen, Wiesen und Waldflächen. Zusätzlich ist ein Naturspielplatz südlich des Quartiersplatzes vorgesehen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Grundidee des "Waldquartiers" differenziert in die Bereiche "Waldpark" und "Solarcluster" und nimmt damit die vorhandene Typologie und Charakteristik des Geländes mit Wald im Westen und freier Feldflur im Osten auf.
    Das Waldquartier bietet in den unterschiedlichen Teilräumen auch unterschiedliche Baustrukturen, Nutzungsangebote und Wohnformen an: verdichtete Angebote für Infrastruktur, Versorgung, Gemeinschaftseinrichtungen, Wohnen und Arbeiten in der sogenannten Gemeinschaftsschiene Villengrundstücke im westlichen Waldbereich
    Gebäudegruppen in Form von Höfen oder "Baumhäusern" mit alternativen
    Eigentumswohnungen im Waldpark freistehende und gereihte Einfamilienhäuser, die in den "Solarclustern" rund um kleine Quartierplätze zu kompakten Baugruppen und Nachbarschatten zusammengefasst werden.
    Dies ermöglicht differenzierte Vermarktungsaktivitäten und auch abschnittsweise Realisierung.
    Die Einfassung des Waldparks mit dem Wald und der Solarcluster durch Obstwiesen schafft zusammenhängende, wirksame und nutzbare Freiräume, die gleichzeitig als Ausgleichsflächen im Quartier dienen.
    Die Erschließung erfolgt über einen zentralen Zugang von Norden, wo gleich mit der "Gemeinschaftsschiene" ein gutes Entree geschaffen wird. Die Ringerschließung mit Stichen in die Cluster und Höfe wirkt wirtschaftlich. Die Baugrundstücke sind gut geschnitten, berücksichtigt werden Solarenergienutzung und Stellplatzbedarf. Das Konzept bietet vielfältige Ideen für die Gestaltung der Nachhaltigkeit an:
    - die Ausgleichsflächen im Gebiet
    - die Berücksichtigung der relevanten Baumbestände
    - die Regenwasserableitung und Versickerung sowie
    - die Solarkonzeption.
    Sie sind städtebaulich nachvollziehbar.
    Die technischen und organisatorischen Nachhaltigkeitskonzepte, wie das zentrale Energienutzungsnetz mit BHKW, bedürfen der weiteren Überprüfung. Das Gesamtkonzept bietet eine robuste Grundlage für die städtebauliche Ordnung und bietet in Teilbereichen Raum für ggfls. notwendige Anpassungen bei den unterschiedlichen Baustrukturen.