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  • DE-89312 Günzburg
  • 07/2012
  • Ergebnis
  • (ID 2-102026)

Neubau Amtsgericht


  • 1. Preis

    Ansicht, © Lehmann Architekten GmbH

    Architekten
    Lehmann Architekten GmbH, Offenburg (DE), Berlin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: faktorgruen, Freiburg im Breisgau (DE), Rottweil (DE), Heidelberg (DE), Stuttgart (DE)

    Preisgeld
    23.500 EUR

    Erläuterungstext
     Konzeption und Städtebau

    Durch den Neubau des Amtsgerichtes Günzburg besteht die Möglichkeit, an der Kreuzung Ichenhauser Straße und Schöblstraße den Zugang zur Altstadt städtebaulich aufzuwerten.

    Hier an der Nahtstelle zwischen der höhergelegenen Altstadt mit seinem eindrucks-
    vollen Gebäudeensemble und dem westlich angrenzenden Landschaftsraum der
    Günzaue besteht die Chance, mit einem neuen Gerichtsgebäude einen wichtigen Mosaik-stein für die künftige Entwicklung einzufügen. Dabei kommt der Positionierung des Eingangsbereiches besondere Bedeutung zu.

    Über einen Platz erreicht der Besucher oder Mitarbeiter aus nord-östlicher Richtung
    den offenen, repräsentativ gestalteten Eingangsbereich, in dem die sicherheits-
    relevanten Notwendigkeiten auf selbstverständliche Weise gelöst werden können.

    Während die öffentlich geforderten 20 Stellplätze über die Ichenhauser Straße erschlossen werden, können die Mitarbeiterparkplätze komplett in einer natürlich belüfteten Tiefgarage im Untergeschoss untergebracht werden. Die Garage mit Sicherheitsschleuse für Gefangenentransporte wird über die Schöblstraße erreicht.


     Planungsziele und Erscheinungsbild

    Der Entwurf wurde auf der Grundlage einer modularen Ordnung im Raster von
    1,25 x 1,25 Metern entwickelt.

    Um den weiteren Forderungen nach einem Gebäude von hoher Wirtschaftlichkeit in Bezug auf Herstellungs- bzw. Betriebskosten gerecht zu werden, wurde ein kompaktes Gebäude entwickelt, welches in dem vorhandenen heterogenen städtebaulichen
    Umfeld neue Akzente für die künftige Entwicklung setzt und das neue Amtsgerichts-
    gebäude angemessen im öffentlichen Raum repräsentiert.

    Die Gliederung des Gebäudes resultiert zum einen aus der vorhandenen Geometrie
    bzw. Topografie des Geländes und zum anderen aus der aus Sicherheitsgründen funktional notwendigen Trennung der Räume mit unterschiedlichen Sicherheits-
    anforderungen.

    Während sich die nichtöffentlichen Bereiche mit Büros für Verwaltung, Richter usw.
    der Landschaft der Günzaue zuwendet, übernimmt der öffentliche Bereich mit
    Eingang, Sitzungssälen usw., der Stadt und der Straße zugewandt, seine städte-
    bauliche Aufgabe.




     Konstruktion und Materialität

    Um ein klimastabiles Gebäude zu erhalten, wird vorgeschlagen, die notwendigen
    Medien in der Bodenkonstruktion unterzubringen, damit neben den Wänden
    besonders die Betonflachdecken zur Ankoppelung des Klimas herangezogen werden können.

    Die Lastabtragung der Betonmassivdecken erfolgt über die Betonstützen bzw. Beton-wandscheiben der Außenwände und im Innern, um die notwendige Flexibilität zu gewährleisten, über Betonstützen bzw. massive Betonkerne.

    Um dem Ziel der Nachhaltigkeit Rechnung tragen zu können, wird vorgeschlagen,
    die hochgedämmte Fassade mit einem Naturstein zu verkleiden. Die Fenster- bzw. Fassadenelemente sind mit außenliegendem Sonnenschutz in Holz-Alu-Konstruktion
    in Dreifachverglasung geplant.


     Energiekonzept und Energieeffizienz

    Das Gebäude ist kompakt und weist ein günstiges Oberflächen-/Volumen-Verhält-
    nis A/V auf. Der Dämmstandard wird so gewählt, dass die Anforderungen nach Passiv-hausstandard erfüllt werden können. Dazu sind Fenster mit 3-Scheiben-Wärmeschutz-verglasung notwendig. Der Fensterflächenanteil wurde mit 50% so gewählt, dass
    eine gute Tageslichtverfügbarkeit erreicht wird und die sommerlichen Energie-
    einträge gering bleiben. Die Fenster erhalten eine außenliegende Jalousie mit Licht-lenkbereich im oberen Drittel des Behanges.

    Für die Zellenbüros an der Fassade erfolgt der notwendige Luftaustausch über
    individuell öffenbare Fenster. Die Kombizone, Besprechungsräume und der Sitzungs-saalbereich erhalten eine mechanische Be- und Entlüftung mit hoch effizienter Wärme-rückgewinnung zur Sicherstellung der hygienisch erforderlichen Frischluftversorgung. Der Luftwechsel in diesen Zonen wird durch CO2-Regelung automatisch auf das erforderliche Maß geregelt.

    Das Gebäude wird über eine Bauteilaktivierung der Betondecken temperiert. Für den Heizbetrieb sind individuell regelbare Heizkörper vorgesehen. Die notwendigen raumakustisch aktiven Flächen werden auf das Konzept angepasst. Die Wärme-
    erzeugung erfolgt durch einen Holzpellet-Kessel.

    Die Kälteerzeugung für die Bauteilaktivierung und die zeitweise erforderliche Kühlung der Zuluft erfolgt über einen hocheffizienten, kompakten Kaltwassersatz mit Hybrid-technologie. Die integrierte Regelung wählt immer die effizienteste Möglichkeit zur Kälteerzeugung aus den Möglichkeiten freie Kühlung, adiabate Verdunstungskühlung und stufenlos regelbare Kompressions-Kältemaschine.











    Kaltwassersatz mit freier Kühlung, adiabater Kühlung und regelbarer Kältemaschine.

    Auf den zur Verfügung stehenden Dachflächen wird eine Photovoltaik-Anlage mit
    einer Nennleistung von 50 kWpeak vorgesehen.
    In der Jahresbilanz deckt die Photovoltaikanlage ca. 60% des gesamten Strombedarfs.
    Mit dem beschriebenen Energiesystem wird ein verbleibender spezifischer Primär-energiebedarf von 30 kWh/m²NGFa erreicht. Damit werden die Ziele energieeffizienter Bürogebäude, z.B. aus dem EnOB-Programm, von max. 100 kWh/m²a weit unter-
    schritten.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurf gliedert sich in zwei Baukörper und fügt sich durch seine Baukörperstaffelung
    hervorragend in topographisch anspruchsvolle Situation ein.
    Die Komposition des Baukörpers wird gebildet durch ein dreigeschossiges Eingangs-gebäude mit den Funktionen der Sitzungssäle und ein lang gestreckter 3 geschossiger Baukörper entlang der Günzaue. Überprüft werden müssen die Abstandsflächen an der Schöbelstrasse. Die niedrige Bebauung entlang der Günzaue und Gliederung der Fassade durch den Innenhofeinschnitt wird begrüßt. Es entsteht eine angenehm proportionierte Fassade entlang des Grünzuges. positiv ist, dass die Einfahrt zur Tiefgarage gleich an der Schöbelstrasse erfolgt und dadurch keine Verkehrsbelastungen den Grünraum belasten. Begrüßt wird die Eingangssituation an der Ichenhauser
    Strasse. Sie ist offen, transparent und stellt den Bezug der historischen Altstadt her. Der vorgelagerte Platz ist in seiner Gestaltung und Größe der Bedeutung des Gebäudes angemessen gestaltet. Die Besucherparkplätze werden gleich über die Ichenhauser Strasse erschlossen, dadurch entsteht kein unnötiger Verkehrsfluss im Wohnquartier und die Trennung von Besucherparkplätze und interner Parkplätze wird begrüßt. Die Trennung der Eingänge in Besucher- und Bediensteteneingang ist räumlich sehr gut gelöst. Die Sicherheitsaspekte sind berücksichtigt und die anschließenden
    Erschließungen in dem Sitzungsbereich und in der Verwaltung sind logisch und angemessen angeordnet.
    Die Barrierefreiheit ist in allen Bereichen gewährleistet. Aus Sicht der Praxis wurde die
    Zweigeschossigkeit der Sitzungssäle bemängelt.
    Insbesondere ist die Überwachung der Saalbereiche nur durch Videoübertragung möglich und die Wege zwischen Verwaltung und Sitzungssäle sind weitläufig.
    Dennoch ist die Anordnung der Räume gut strukturiert und räumlich anspruchsvoll gestaltet.
    Sehr gut strukturiert ist ebenfalls der Gebäudekörper der Verwaltung. Die Büros sind flexibel aufteilbar, sehr gut belichtet und durch den inneren Bereich auch genügend Platz für die Zusatzfunktionen vorgesehen.
    Die Gebäudedaten hinsichtlich energetischer und ökologischer Betrachtung liegen im mittleren Bereich. Der Standard des Passivhauses kann erreicht werden. Bemängelt wird, dass die Büroräume nur über öffnende Fenster belüftet werden können da hier durch viel zu hohe Energieverluste erfolgen. Ebenfalls sollte der große vorgesehene technische Aufwand für die Kühlung reduziert
    werden. Die Kompaktheit des Gebäudes liegt ebenfalls im mittleren Bereich.
    Sehr positiv wird die Materialwahl hinsichtlich der Nachhaltigkeit gesehen und der Bedeutung des Gebäudes angemessen.