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  • DE-81249 München
  • 09/2012
  • Ergebnis
  • (ID 2-120258)

Aubing-Mitte, Colmdorfstraße westlich


  • 2. Preis


    Architekten
    EISENLAUER Architektur & Stadtplanung, München (DE)

    Verfasser
    Peter Eisenlauer

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: realgrün Landschaftsarchitekten, München (DE)

    Preisgeld
    6.000 EUR

    Erläuterungstext
    STÄDTEBAULICHE KONZEPTION
    Die Öffnung des bislang geschlossenen Gewerbeareals, die stadträumliche Verknüpfung der neuen Wohngebiete mit dem städtischen Umfeld sowie die räumliche Durchlässigkeit der neuen Bebauungsmuster sind die maßgeblichen Themen und Leitideen des städtebaulichen Entwurfs. In Verbindung mit der Ausgestaltung eines zentralen Freiraums mit Ost-West-Ausdehnung, der an den Freiraum der östlichen Nachbarbebauung anschließt, wird eine diagonale Durchquerung des Areals von Südwest nach Nordost angelegt, die eine neue übergeordnete Verbindung zu den angrenzenden Stadtgebieten herstellt. Dieser neue Beitrag zur stadträumlichen Vernetzung wird an den Mündungsbereichen jeweils durch Infrastruktureinrichtungen ergänzt. An beiden Endpunkten werden je eine KITA, im Westen zudem Einzelhandel und Kleingastronomie, im Osten ein neuer Zugang zur S-Bahn angeordnet, die den räumlichen und funktionalen Übergang zum öffentlichen Straßen- und Stadtraum herstellen.

    BEBAUUNGS- UND FREIRAUMSTRUKTUREN
    Der zentrale Freiraum wird an drei Seiten (N/W/O) von unterschiedlichen Bebauungsstrukturen eingefasst. Den nördlichen Rand bildet ein langer, geschlossener Baukörper mit 4 bis 6 Wohngeschossen, der entlang den Bahngleisen angeordnet ist und den Freiraum im Süden gegen Lärmeinwirkungen schützt. Für die westlichen und südlichen Teilbereiche werden Ensembles mit Bebauungsstrukturen entwickelt, die eine gezielte stadträumliche Durchlässigkeit erzeugen und dadurch die Wirkung der beachtlichen Pflanzbestände an den Randbereichen im Inneren der Wohngebiete erfahrbar machen. Das Prinzip der Anordnung der beiden Formationen aus Punktbebauungen (Cluster / Ensembles) und die spezifischen Zuschnitte der einzelnen Bausteine machen die beiden Objektgruppen jeweils als gestalterische Einheiten wahrnehmbar. Sie bilden zahlreiche differenzierte Durchblicke und Übergänge zwischen den neuen Wohngebäuden aus und lassen in den Binnenbereichen Raumfolgen mit dynamischen Zuschnitten entstehen. In einem Wechselspiel formulieren Verengungen und Aufweitungen, Dehnungen und Knickungen sowie Eingänge und Übergänge. Sie definieren gleichzeitig die Zonierungen der Freiräume und den Charakter der halböffentlichen und private Bereiche. Das komponierte Zusammenspiel von Baukörper und Außenräumen generiert somit ein spezifisches stadträumliches Gefüge und lässt ein Quartier mit hoher gestalterischer Eigenständigkeit, einem eigenen Gesicht und einem besonderen Identifikationspotenzial im Kontext von Aubing und Neuaubing entstehen.

    LANDSCHAFTSARCHITEKTONISCHES KONZEPT
    Die neue Siedlung entsteht am Rande Münchens, im Übergang zur freien Kulturlandschaft. Neben des Nachweises von freiraumplanerischen Bedarfen steht deshalb die Einbindung in übergeordnete Grünraum-Strukturen im Fokus. Im Norden wird durch einen extensiven Grünraum die Biotopsvernetzung ergänzt, der den Gehölzbestand integriert. In diesem „Streifraum“ finden sich auch selbstverständlich zur Bahnlinie hin abgesicherte, naturnahe Kinderspielplätze. Kleinkinderspielbereiche finden im Süden angegliedert an den Kita-Außenraum ihren Platz. Im Südwesten des Planungsgebiets geht der mittig liegende öffentliche Grünraum in die freie, agrarisch geprägte Landschaft über und schließt an bestehende Fuß-, Rad- und bzw. Feldwege an.

    Die Grüne Mitte zwischen den neuen Wohnclustern ist als Wiesenlandschaft mit Baumgruppen ausgebildet. Extensive und intensive Bereiche weben sich ineinander. In Verbindung mit dem Grünraum der östlichen Nachbarn entsteht eine große öffentliche Freifläche, ein intensiv nutzbarer Grünraum, der nicht nur als Durchgangsraum fungiert. Das neue Erschließungssystem bietet neben einer diagonalen, schnellen Durchquerung von der Süd-West –Ecke zur neuen, freundlich gestalteten S-Bahn-Unterführung auch einen zusätzlichen, direkten Weg durch die westliche Gebäudegruppe hin zum Friedhof. An ausgewählten Stellen bieten Aufweitungen der Wegeflächen Raum für Sitzbänke.

    Im Zentrum des inneren Grünbereichs entsteht ein neuer Quartiersplatz mit einer wassergebundene Wegedecke, der mit einzelnen Bäumen überstellt ist. Dort können sich die Bewohner treffen, Boule spielen, Grillieren oder kleine Feste feiern. Direkt an den Platz ist ein Mehrgenerationen-Spielplatz angegliedert.
    Die Außenraumgestaltung der westlichen und östlichen Gebäudegruppe nimmt formal den polygonalen Städtebau auf und reagiert auf die spezifischen Nutzungsanforderungen der verschiedenen Teilräume. Heckenelemente, verschiedener Art, Höhe und Tiefe gliedern den Raum in private und öffentliche Bereiche.
    Eine baumdurchsetzte Mischfläche aus befestigten und wasserdurchlässigen Belägen sichert die Anbindung der Häuser und die Zufahrt für Feuerwehr- und Notfallfahrzeuge. Kleinkinderspiel und Bereiche zum Aufenthalt werden harmonisch in diese Fläche integriert. Schmale Fugen zwischen den erdgeschossigen, mit Sichtschutz-Hecken abgegrenzten Privatgärten führen unprätentiös in die grüne Mitte. Die Erschließungsbereiche der Gebäude erhalten jeweils Fahrradabstellmöglichkeiten und Sitzbänke zum temporären Aufenthalt.

    Die KiTa Freiflächen liegen jeweils immissionsgeschützt im Süden der Gebäude. Sie sind mit Bäumen überstellt, um in den heißen Tageszeiten ausreichend Schatten zu sichern.

    GEBÄUDE- UND GRUNDRISSTYPOLOGIE
    Zur geforderten Neubebauung des Areals mit Geschosswohnungsbau werden zwei unterschiedliche und modifizierte Gebäudetypologien vorgeschlagen. Entlang der S-Bahn-Linie wird ein mehrfach leicht geknickter Riegel angeordnet, der den südlichen Bereich gegen Lärmemissionen abschirmt und zwei bauliche Ensembles aus freistehenden Einzelbaukörpern mit polygonalen Grundflächen, die den westlichen und südlichen Teilbereich des Areals säumen. Beide Gebäudetypologien sind ohne Einschränkungen dafür geeignet, die erforderlichen Anteile für alle Arten des geförderten Wohnungsbaus aufzunehmen.

    FORMALE EIGENSTÄNDIGKEIT UND UNIKAT
    Die beiden baulichen Ensembles im westlichen und südlichen Teilbereich des Areals werden durch freistehende Einzelbaukörper mit polygonalen Grundflächen und einheitlich vier Vollgeschossen gebildet. Die spezifischen Zuschnitte der einzelnen Elemente mit jeweils sechs Baukörperseiten und die freie Anordnung der Objekte, die keinem orthogonalen Ordnungsprinzip folgt, erzeugen einen stadträumlichen Zusammenhang, der auf einem freiräumlichen Netz aus dynamisch geschnittenen Zwischenräumen basiert.
    Die Konzeption der Punktgebäude vereint das Thema der Serialität mit der Idee des Unikats. Die Grundflächen der dargestellten Objekte sind weitgehend identisch. Bereits durch die Veränderung der Baukörperstellung wird jedes Objekt zum Unikat, das sich zudem durch die Grundrissorganisation, die auf die Baukörperstellung abzustimmen ist, von anderen Objekten unterscheidet. Dabei ist es unerheblich, ob die Neubebauung exakt in der vorliegenden Form umgesetzt wird. Um jedoch den angestrebten gestalterischen Zusammenhang der Objekte und der beiden Cluster zu erzielen, sind dieselben Gestaltkriterien anzuwenden, die für jedes bauliche Ensemble gelten, das als Einheit wahrgenommen werden soll: Ähnlichkeit von Formen, Dimensionen, Proportionen, Oberflächen sowie des Prinzips der Anordnung der Elemente.
    Die hier vorgeschlagene Gesamtkonzeption basiert auf der Idee des koordinierten Zusammenspiels von Baukörpern und Freiräumen, das darauf abzielt, eine Ganzheit zu schaffen, die deutlich mehr ist als die Summe seiner Bestandteile und dadurch eine hohe Eigenständigkeit erreicht und ausstrahlt.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.