loading
  • 1. Preis


    Architekten
    studioinges, Berlin (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Francesca Saetti Stefan Schwirtz Thomas Bochmann Mitarbeit: Gerco Kolbach

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: H.J. Lankes, Berlin (DE)

    Erläuterungstext
    Städtebauliches Konzept
    Der Entwurf gliedert sich in fünf prägnante Gebäudefiguren, von denen jedes zwei unterschiedliche Seiten ausbildet. Die südliche Kante, zur Bahnlinie Ulm – Aalen und der gegenüberliegenden, blockartigen Bebauung, zeigt sich städtisch-geschlossen. Der Höhenunterschied innerhalb des Grundstücks drückt sich hier in einem Sockelgeschoss aus, welches unterschiedliche Nutzungen (Büro/Arbeiten, Parken, terrassierte Gärten) aufnimmt und die eigentliche Wohnbebauung über das Niveau des Bahndamms anhebt. In Verlängerung der Brenzstraße und der Gaisenbergstraße öffnet sich das Gebiet durch zwei Plätze, die durch zwei neue Bahnübergänge an den Enden des Bahnsteiges mit der gegenüberliegenden Bebauung verbunden sind. Durch diese beiden Plätze wird eine Verknüpfung mit dem städtischen Gegenüber erreicht. Hier kommt man an, von hier aus erschließt sich das Gebiet fußläufig, ist eine Durchwegung in Richtung Silcherweg und Regerweg möglich. Die Gebäudehöhe orientiert sich noch einmal an der Traufe der gegenüberliegenden Blockbebauung und stellt so einen augenscheinlichen Bezug über die Bahnlinie hinweg her. Home Offices im südlichen Teil der einzelnen Gebäudefiguren mit Büroräumen und Wintergärten entlang der Bahn bieten einen angemessenen Schallschutz bei größtmöglicher Öffnung nach Süden.
    In der Mitte des Gebietes sind die einzelnen Gebäude durch einen internen Weg miteinander verbunden. Dieser Weg stellt zugleich eine typologische Teilung des Gebietes dar. Den städtischeren Wohnformen mit Arbeiten im südlichen Teil stehen mit der Reihenhausbebauung im nördlichen Teil vorstädtische Wohnformen einer Siedlung gegenüber. Die Gebäudefiguren sind hier nicht mehr zum Block geschlossen sondern öffnen sich mit ihren Schmalseiten zur angrenzenden Siedlung am Silcherweg.
    Die Erschließung des Gebietes erfolgt über die Marchtaler Straße und über den Silcherweg, der als Anwohnerstraße zum Regerweg verlängert wird. Die Marchtaler Straße wird als Wohnstraße ausgebildet, der Großteil des ruhenden Verkehrs wird in Garagen im Sockelgeschoss untergebracht, die alle fast ebenerdig von der Marchtaler Straße aus erschlossen werden. Weitere Anwohnerstellplätze sind im Silcherweg. Öffentliche Stellplätze finden sich zudem entlang des Bahndamms.

    Freiraumkonzept
    Die figurative Ausformung der einzelnen Gebäude schafft Außenräume ganz unterschiedlicher Qualität. In den geschützten Hofbereichen entstehen mit den geplanten Mietergärten die privatesten Freiräume, die durch ihre Geometrie und die einfassenden Mauern zu einer gestalterischen Einheit mit dem Gebäude werden. Als landschaftliches Element wird dabei der Höhenunterschied zwischen Marchtaler Straße und Silcherweg in Form einer amorphen Terrassenstruktur aus Rasenflächen, Sitzstufen und Treppen überwunden - mit einem entsprechendem Wegbelag auf dem unteren und oberen Niveau. Die Form soll sich zwischen den geometrischen Gebäuden und Gärten bewusst absetzten. Mit Bezug zur Stadt entstehen dabei zwei für die neue Siedlung identitätsstiftende Terrassenplätze mit Südausrichtung. Diese und die beiden öffentlichen Plätze am Ost- und Westende bilden den Auftakt zum Gebiet für Ankommende aus unterschiedlichen Richtungen. Spielplätze werden an verschiedenen Stellen in die Terrassenstruktur integriert. Solitäre Baumgruppen markieren übergeordnete Freiräume.

    Architektonisches Konzept
    Den unterschiedlichen Seiten des Grundstückes Rechnung tragend werden in den einzelnen Gebäuden vier verschiedene Wohnformen in einer gestalterischen Einheit zusammengeführt. Wohnungsgrößen von 70 m² - 172 m² sind möglich und sprechen ein breites Spektrum an Bewohnern an. Vom Familienwohnen im Reihenhaus über städtisches Wohnen im Appartement oder in der Stadtwohnung bis hin zum Home Office, ein Angebot für Freiberufler und Selbstständige. Reihenhaus (Typ A) und Stadtwohnung (Typ B) verfügen prinzipiell über einen eigenen Zugang von außen. Die Stadtwohnung funktioniert als „gestapeltes“ Doppelhaus, bei dem die oberen Wohnungen ihren Eingang über eine Freitreppe im 1. OG erreichen.
    Appartement (Typ C) und Home Office (Typ D) sind geschossweise erschlossen. Beim letzteren liegt die Erschließung zwischen Arbeits- und Wohnbereich, sodass eine separate Nutzung als reine Gewerbeeinheit ebenso möglich ist.
    Jedes Gebäude gliedert sich in einzelne Schotten im Achsabstand von 4,7m. Diese Gebäudestruktur ermöglicht eine einfache Parzellierung der Gebäudefiguren und gewährleistet eine unterschiedliche Anordnung der einzelnen Gebäudetypen aufgrund des gleichen Achsmaßes.
    Eine umlaufende Putzfassade, unterbrochen durch Fensteröffnungen und geschlossene Paneele betont die figurative Ausformung der Baukörper.

    Energiekonzept
    Die kompakten Gebäudekubaturen, sowie die großen, aufgrund der konsequenten Ost-West-Ausrichtung möglichen Gebäudetiefen führen zu einem geringen Außenwandanteil und damit geringeren Wärmeverlusten. Die lange Südfassade ermöglicht große solare Energiegewinne, während Wintergärten und Büronutzung ausreichenden Schallschutz für das dahinter liegende Wohnen bieten. In die Sonnenschutzelemente vor der Glasfassade können Photovoltaikelemente zur Energiegewinnung integriert werden.
    In den vorhandenen Hohlräumen zwischen den Gebäuden sorgen Regenwasserzisternen für eine Versickerung des anfallenden Oberflächenwassers direkt auf dem Grundstück. Die aufzufüllenden Hohlräume werden dadurch zusätzlich verringert. Des weiteren sind extensive Dachbegrünung, Sonnenkollektoren und Grauwassernutzung vorgesehen.

    Schallschutz
    Um den Schallschutz zum Bahndamm zu gewährleisten, schleißt sich die Bebaung in großen Teilen zum Bahndamm. Es entsteht eine schallschützende Schicht in den zum Bahndamm gerichteteten Gebäudeteilen mit Büroflächen (Home Offices). Weitere schallschützende Elemente der Bebauung sind die Mauern dr angehobenen Gärten, Schallschutzfenste zur Bahnseite sowie die schallabsorbirende Wirkung der Aussenraumgestaltung mit entsprechenden Grünflächen und der grünen amorphen Terrassenstruktur.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Obwohl die Arbeit eine in sich geschlossene durchgängige neue Siedlungseinheit anbietet, geht sie in der abwechslungsreichen Ausbildung von gegliederten baulichen Ensembles und inneren wie äußeren Freiräumen sehr weich und flexibel auf die umgebenden unterschiedlichen städtebaulichen Strukturen ein.
    Die Raumkante zur Bahn steht kräftig in einer Flucht, wird aber angenehm aufgelöst durch den Wechsel von Gebäudelänge und -höhe, vor allem aber durch die eingestreuten, teils öffentlichen, teils privaten Plätze, welche die Höhenunterschiede von Süden nach Norden sanft und allmählich vermitteln.
    Die baulichen Ensembles bieten einen interessanten Wechsel von ost-westorientierten Hauptgebäuden mit tiefen Grundrissen, sowie verbindenden schmalen Treppenhaus- und „Home Office“-Bereichen, welche den räumlichen und baulichen Zusammenhang des Gesamtquartiers prägen.
    Dieser Zusammenhang wird auch hergestellt durch eine innere Fußwegachse, welche sehr abwechslungsreich durch die Erdgeschosszonen der Gebäude geführt wird und alle Freiräume verbindet. Auch in Nord-Süd-Richtung sind Freiraumverbindungen funktional und grüngestalterisch vielfach möglich und bieten in dem geschlossen wirkenden Gesamtquartier ein dichtes Wegenetz.
    Die vorgeschlagene eigenständige und eigenwillige Baustruktur lässt aber eine große Vielfalt von sehr unterschiedlichen Haus- und Wohntypen auch in unterschiedlichen Größenordnungen zu und bietet damit Offenheit für zukünftige Nachfrage- und Vermarktungssituationen.
    Die Parkierung wird überwiegend in Form von eher kleinräumlichen und dezentralen , über die Marchtaler Straße erschlossenen Tiefgaragen angeboten und verspricht damit Orientierungsleichtigkeit und Akzeptanz.
    Insgesamt bietet die Arbeit eine überzeugende Kombination von kräftiger, geradezu skulpturaler Stadtbaustruktur mit gleichwohl hoher Funktionalität und Entwicklungsoffenheit für die Realisierung des angestrebten Entwicklungskonzeptes.