loading
  • DE-79199 Kirchzarten
  • 10/2012
  • Ergebnis
  • (ID 2-109206)

Entwicklung des Bereiches Kurgebiet II


  • 3. Preis


    Landschaftsarchitekten
    faktorgruen, Freiburg im Breisgau (DE), Rottweil (DE), Heidelberg (DE), Stuttgart (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Martin Schedlbauer

    In Zusammenarbeit mit:
    Stadtplaner: FSP Stadtplanung, Freiburg im Breisgau (DE)
    Architekten: di dörr & irrgang - Architekten und Generalplaner GmbH, Au (DE)

    Erläuterungstext
    Leitidee

    Die öffentlichen Freiflächen nehmen Bezüge aus der Umgebung auf und sind für die Bewohner und Besucher des ganzen Ortsteils nutzbar. Die öffentlichen Freiflächen ergänzen die vorhandenen Wiesenflächen und Fußwege im Kurgebiet und werden zum entwurfsbestimmenden Element. Die Kurpromenade vernetzt Freiflächen, Freizeitangebote, öffentliche Einrichtungen und Quartierseinheiten (Perlenkette).

    Kurpromenade

    Die Kurpromenade bietet eine parkähnliche Freifläche und straßenunabhängige Wegeverbindung zum Schwimmbad. Der Grünzug bindet das Plangebiet an die Freizeitachse (Schwimmbad, Sportanlagen, Schulzentrum, Giersberg) im Süden an. Eine Fortsetzung in Richtung Talvogtei (Rathaus) und Seniorenheim wäre grundsätzlich möglich. Damit könnte ein Brückenschlag in den nördlichen Ortsteil hergestellt werden.

    Grünkeil

    Die grüne Querspange greift die historische Verbindung in Richtung Neuhäuser auf. Durch ein optionales Brückenbauwerk kann die Wegeverbindung vom Ortskern nach Neuhäuser und in Richtung Engenwald (Naherholung/ Freizeit) wieder hergestellt werden. Die Wegeverbindung wäre auch als Schulweg von Neuhäuser zum Schulzentrum nutzbar. Die Freifläche gliedert die Baugebiete und schafft Raum für einen Spielplatz im naturbezogenen Grün und weitere Freiraumqualitäten. Der ortsbildprägende Großbaum und das Kruzifix schaffen Identität und bilden den Ankerpunkt im Grünraum. Die Standfläche für den Direktverkauf (Erdbeer, Spargel, Weihnachtsbäume) bleibt erhalten.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Idee der Ausbildung einer Kurpromenade ist charmant, vermag aber in der
    städtebaulichen Anordnung der Randbebauung an der Dr.-Gremmelsbacher-Str.
    nicht zu überzeugen. Die Gebäudeabstände in diesem Bereich scheinen der
    Plangrafik geschuldet und bilden unnötige Resträume, aber nicht wie beschrieben
    eine Vernetzung oder gar ein entwurfsbestimmendes Element.
    Die Anordnung eines grünen Keils zwischen dem nördlichen und südlichen Quartier
    ist in Lage und Form folgerichtig und in seiner Gestaltung gut gelöst; die
    vorgeschlagene Brücke ist wünschenswert.
    Eine bauabschnittsweise Realisierung in drei Abschnitten bzw. Quartiere ist jederzeit
    möglich. Die Gliederung der Abschnitte ist gut und führt zu überschaubaren
    Nachbarschaften. Nicht zu überzeugen vermag die Verbindung zwischen dem
    zweiten und dritten Bauabschnitt durch eine neue unverständliche
    Gebäudetypologie.
    Die vorwiegend nord-süd orientierten Gebäude sind konsequent entwickelt und in
    ihrer Typologie vielfältig und flexibel. Dies trifft jedoch nicht auf die an der
    Landstraße gelegenen Zeilen zu, deren Abstand zur Landstraße kritisch gesehen
    wird. Die Ausbildung trauf- und giebelständischer Gebäude ist abwechslungsreich
    und lässt Änderungen zu ohne das Gesamtkonzept wesentlich zu verlassen.
    Die Erschließung über die Dr.-Gremmelsbacher-Str. und sich drei anschließenden
    Stichstraßen entspricht der bauabschnittsweisen Ausbildung der Quartiere. Dadurch
    ergeben sich interne Ringstraßen, deren vorgeschlagene Ausbildung in Form und
    Größe nicht überall möglich ist. Die Lage der im Inneren etwas abseits gelegenen
    Quartiersplätze ist nicht optimal und sollte überarbeitet werden.
    Die Anordnung der privaten Stellplätze im Quartiersinneren ist ebenfalls suboptimal;
    gleiches gilt für die öffentlichen Stellplätze.
    Die Maßstäblichkeit der Gebäude und der vorgeschlagene Gebäudemix wird positiv
    gesehen, ebenso die städtebauliche Dichte und Größe der Privatgrundstücke.
    Positiv wird die Anordnung der Grün-und Retentionsflächen gesehen. Das BHKWKonzept
    dürfte aufgrund der geringen Dichte und des sich dadurch ergebenden
    Wärmebedarfs nicht wirtschaftlich zu realisieren sein und wirkt etwas überzogen. Die
    Ausbildung eines kleinen Erdwalls aus Lärmschutzgründen ist angemessen und in
    der Ausbildung konsequent durchdacht.
    Der Entwurf weist wirtschaftliche Kennzahlen und eine gute Mischung
    unterschiedlicher Gebäudetypen auf. Der Verkehrsflächenanteil ist gering. Durch die
    Ausbildung der Kurpromenade und des Grünkeils ergeben sich ausreichende
    öffentliche Grünflächen.
    Insgesamt stellt die Arbeit einen gelungenen und positiven Beitrag dar, der flexibel
    und in Form, Größe und Maßstäblichkeit angemessen ist. Schwächen in der
    Parkierung und Anordnung der Quartiersplätze sind leicht korrigierbar.