loading
  • DE-90403 Nürnberg
  • 10/2012
  • Ergebnis
  • (ID 2-106941)

Generalsanierung der IHK Nürnberg für Mittelfranken


  • Anerkennung

    Ansicht Süd

    Architekten
    schneider+schumacher, Frankfurt/Main (DE), Wien (AT), Tianjin (CN) Büroprofil

    Verfasser
    Till Schneider , Prof. Michael Schumacher

    In Zusammenarbeit mit:
    Tragwerksplaner: Bollinger + Grohmann Ingenieure, Frankfurt am Main (DE), Berlin (DE), München (DE), Wien (AT), Paris (FR), Oslo (NO), Melbourne (AU), Rom (IT)
    Bauphysiker, Brandschutzplaner, Energieplaner: Tichelmann & Barillas TSB Ingenieurgesellschaft mbH, Darmstadt (DE)

    Erläuterungstext
    Idee

    Eine besondere Herausforderung besteht darin, dass in einen gewachsenen historischen Stadtbaustein ein modernes, energetisch optimiertes Bürogebäude integriert werden soll, das den Ort respektiert und ein exzellentes Umfeld für die Kunden und Mitarbeiter der IHK bietet.

    Unsere Entwurfsstrategie lässt sich im Wesentlichen auf drei Punkte zusammenfassen:

    Identität und Funktion: Erhalt (d.h. in Teilen behutsamer Rückbau) der vorhandenen guten Bausubstanz der letzten Jahrhunderte und Verknüpfung mit modernen Arbeitswelten durch gezielte, ablesbare „Eingriffe“.

    Respekt und Form: Städtebauliche Zurückhaltung insbesondere in Bezug auf die Fassaden und deren Materialität entlang der Straßen. Zusammenfassung der unterschiedlichen Gebäudeteile durch eine homogene Dachstruktur, die eine Synthese aus traditionellen Nürnberger Dachformen mit Konstruktionsmethoden und Formen des 21. Jahrhunderts darstellt.

    Ein Ort - mehrere Häuser: Im Inneren des Gebäudekomplexes Formung einer „zweiten Welt“, die um ein Atrium angeordnet wird und sich am Gebäudeeingang zum Stadtraum öffnet. Durch eine klare Grundrißorganisation wird der notwendige Flächenbedarf der IHK wirtschaftlich auf dem Grundstück realisiert bei Beibehaltung der Charakteristika der einzelnen „Häuser“.

    Diese Art der Gestaltung schafft Räume, die auch in den Innenbereichen gut nutzbar sind, und eine einfache selbstverständliche Orientierung der Menschen ermöglicht.
    Der Entwurf bietet zu Geschäftszeiten im Erdgeschoss eine kontrollierte Durchwegung, das Haus öffnet sich und wird der kommunalen Bedeutung der IHK gerecht.
    In den oberen Geschossen ergeben sich spektakuläre Ein-, Aus- und Durchblicke auf die neue IHK und die Altstadt.


    Funktionen

    Der Haupteingang liegt an der Waaggasse in Richtung Hauptmarkt und bildet einen klar ablesbaren „gläsernen Sockel“. Die Fassade zur Waaggasse wird durch eine Faltung akzentuiert, die den Zugang markiert. Die sauber eingeschnittenen Lochfenster gliedern die Außenhaut und wahren den städtebaulich historischen Maßstab. „Auffällig unauffällig“ verbinden sich Tradition und Zukunft in der neuen IHK. Weitere Adressen sind in der Winklerstrasse und im Schulgässchen möglich.

    Der Entwurf sieht in den oberen Geschossen im Wesentlichen die internen Büronutzungen vor. Sämtliche gängigen Formen, wie Einzel-, Kombi-, Open-Space- Büro und Business-Club sind möglich. Die Kommunikationszonen rücken durch die Grundrissgeometrien, den stadträumlichen Kanten folgend „zwangsläufig“ in die Mitte. Die Cafeteria für die Mitarbeiter der IHK befindet sich im 4. OG des Hauses C mit Blick in den historischen Dachstuhl bzw. hin zum Hauptmarkt. Weiter entsteht in direkter Nähe im neuen Dach des Hauses B ein multifunktionaler Projektraum.

    Im Erdgeschoss befinden sich die „öffentlichen“ Bereiche: Empfang/Info, Kundenberatung, Besprechungsräume, die Bibliothek, sowie externe Gastronomie- und Ladenflächen. Haustechnik wird im Unter- und Dachgeschoss vorgesehen. FM-Bereiche werden im UG angeordnet. Die Andienung FM erfolgt über das Schulgässchen. Optional ist ein Zugang über die Winklerstraße vorstellbar.

    Der Entwurf hält Balance zwischen Nutzungsneutralität durch flexibel zu bespielende moderne Grundrisse und den besonderen räumlichen Qualitäten in den historischen Gebäuden. Dies schafft eine ganz eigene, spezielle Identität für die IHK Nürnberg.


    Material

    Dauerhaft und schön. Nürnberg wird wesentlich durch markante Ziegeldächer bestimmt. Putz- und Natursteingebäude, sowie eine nicht unerhebliche Zahl Ziegelfassaden prägen das Stadtbild. Unser Entwurf greift diese Themen auf und interpretiert sie neu. Das steile Dach wird mit rautenförmigen glasierten Keramikziegeln gedeckt, die neuen Fassaden, im selben Material, werden durch präzise gesetzte Fenster gegliedert.
    Im Atrium wird die Innenfassade hochtransparent ausgebildet. Dies unterstützt die Belichtung der im „inneren“ Ring angedachten Besprechungszonen bzw. „Ad hoc“-Infopoints.
    Die Materialien werden präzise gefügt und erlauben ein würdevolles „Altern“.


    Fassade

    Die Fassade hat Kastenfenster, in deren äußerer Schicht, der „Kavität“, der Sonnenschutz als Screen geführt wird. Die 3-fach-Verglasung gewährleistet den Absturzschutz, so dass keine weiteren Maßnahmen wie Geländer auf der Außenseite der Fenster nötig sind.
    Die individuelle zusätzliche Lüftung mit dem Ausstellfenster wird manuell bedient und bringt auch im geöffneten Zustand gute Schalldämmwerte gegenüber Lärmquellen von außen. Die Öffenbarkeit mindestens eines Flügels ist in jedem 2.70m - Raster gewährleistet.
    Die Sonnenschutzrollos, die auch als Blendschutz fungieren, sind durch die Anbringung in der Kavität bei allen Windgeschwindigkeiten zu benutzen.
    Die Haut aus Keramikziegeln wird als hinterlüftete Konstruktion ausgeführt.


    Nachhaltigkeit: Dauerhaft und schön!

    Um der Zukunft Rechnung zu tragen, wird in besonderer Weise auf eine nachhaltige Bauweise Wert gelegt.

    Die Ausführung der Gebäudehülle garantiert eine Dauerhaftigkeit der Materialien.
    Mit Holz als Material im Innenausbau, z.B. Innentüren, Einbaumöbeln und Parkettböden, kommt ein nachwachsender, also emissionsarmer Rohstoff zum Einsatz. Die Form- und Farbgebung weist alles Modische von sich. Der Entwurf setzt auf eine angemessene und wertige Detailausbildung.
    Die Flexibilität der Gebäude gewährleistet eine lange Nutzung und ein Anpassen an sich ändernde zukünftige Bedürfnisse.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Auszug:
    „Die vorliegende Arbeit ist ein innovativer selbstbewusster Beitrag…Die Grundrisslösungen werden grundsätzlich als positiv bewertet. Die geforderte Bespielbarkeit und Flexibilität ist gut umgesetzt. Durch den angebotenen Rundlauf ist die Erschließung gut gelöst.“