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  • 1. Preis

    Perspektive

    Architekten
    pp a|s pesch partner architekten stadtplaner GmbH, Dortmund (DE), Stuttgart (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: wbp Landschaftsarchitekten GmbH, Bochum (DE)

    Erläuterungstext


    "Von der „Anlage“ zum „Boulevard“

    Seine wesentlichen „Koordinaten“ bezieht der Entwurf aus der Gelenkfunktion der Kurfürstenanlage zwischen Bahnhof und Altstadt wie auch zwischen Weststadt und Neckar. Folgende Prämissen liegen unserem Konzept zugrunde: der Bahnhofsplatz als repräsentativer Stadteingang, der Bismarckplatz als urbanes Fenster zum Neckar und Drehscheibe des ÖPNV, ein hochwertiges innerstädtisches Wohngebiet im umgenutzten Klinikgelände nördlich der Bergheimer Straße und – langfristig – eine weitgehend autofreie Neckarpromenade. Als wichtiger Baustein in diesem Netzwerk öffentlicher Räume wird die Kurfürstenanlage mit klassischen städtebaulichen Mitteln betont.
    Der Stadtraum erhält seine prägnante Kante durch modular aufgebaute Stadthöfe. Als bewährter Stadtbaustein eignen sie sich für eine standorttypische Mischung aus Handelseinrichtungen, Dienstleistungen und Büros. Die Orientierung der Baufelder ermöglicht es, in den Obergeschossen Wohnen mit optimaler Orientierung und Abschirmung anzubieten. Der Kopfbau am Römerkreis wird als Auftakt des Quartiers besonders akzentuiert.
    Die Bahnhofstraße wird räumlich gefasst und durch einen kleinen Platz in Verlängerung der Landhausstraße aufgewertet. Hier ist der geeignete Standort für Gastronomie und öffentlichkeitsorientierte Einrichtungen – etwa eine Galerie.
    Besonderes Augenmerk legt unser Entwurf auf die Verbindung der Weststadt zur Freifläche an der Stadtbücherei und zum Neckar. So entsteht ein durchlässiges Quartier, das die Weststadt bis an die Kurfürstenanlage heranführt.
    Die gewählte städtebauliche Korngröße ermöglicht eine Realisierung durch unterschiedliche Bauträger und Investoren. Die gewerbliche Bebauung westlich des Hotels wird überplant, um einen direkten Zugang zur Haltstelle zu gewährleisten. Im Rahmen eines schrittweisen Realisierungsprozesses kann diese Maßnahme jedoch zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen.
    Vom Bahnhof bis zur Altstadt spannt sich nun eine klar strukturierte Ost-West-Achse, die bereits vorhandene, heute nicht erlebbare Grünstrukturen aufnimmt und weiterentwickelt. Damit kann diese wichtige Stadtachse der einmaligen Lage der Innenstadt von Heidelberg zwischen den Höhenzügen und dem Neckar gerecht werden. Wichtigstes Ziel für die neue Ost-West-Achse ist die Stärkung der Ablesbarkeit und der Erlebbarkeit.
    Vom Bahnhofsvorplatz bis zum Römerkreis wird die heute nicht nutzbare Grünfläche zu einem urbanen Parkband, einer Passerelle aufgewertet. Ein breites Band mit wassergebundenem Belag zieht sich, seitlich zur Strasse und zur Stadtbahn durch Heckenbänder leicht abgeschirmt, vom Bahnhof Richtung Innenstadt. Bänke laden zum Verweilen ein.
    Der Römerkreis als nicht begehbare Grünfläche wird mittels Heckenbändern und blühenden Bäumen als eigenständiges Element herausgearbeitet. Kiesflächen stärken den urbanen Charakter.
    Die vorhandenen Baumreihen der Kurfürstenanlage werden beidseitig entsprechend dem vorhandenen Baumbestand mit Platanen ergänzt.
    Der Adenauerplatz wird entsprechend dem Römerkreis und der Passerelle mit Heckenbändern aufgewertet.
    Auch mit dem Grünkonzept wird die wichtige Scharnierfunktion zwischen den Stadtteilen Bergheim und Weststadt aufgenommen.
    So werden die Verbindungen in Nord-Süd-Richtung mit schmal wachsenden Birnen (Pyrus calleryana ‚Chanticleer’) gestaltet, die Strassen der Weststadt und von Bergheim können in dieses Leitkonzept mit integriert werden.
    Das Lichtkonzept nimmt die unterschiedlichen Ausrichtungen auf:
    Die beiden städtischen Achsen Kurfürstenanlage und Bahnhofstrasse erhalten hohe Mastleuchten zur Sicherung der Grundbeleuchtung. Mittels Bodeneinbauleuchten unter den Bäumen und wichtigen Fassadenelementen wird ein atmosphärisches, warmes Lichtklima erzeugt.
    Die Querverbindungen werden im Bereich der Fußgängerflächen ebenfalls über von unten beleuchtete Bäume erhellt, die stärker zur Erschließung genutzten Querverbindungen erhalten eine lineare Struktur aus Lichtstelen.
    Die Passerelle, der Römerkreis und der Adenauerplatz erhalten lineare Bänder aus Bodeneinbaustrahler, die leicht asymmetrisch gerichtet, die Heckenkörper auch nachts erlebbar machen.
    Die Höfe und der neue Platz an der Bahnhofstrasse werden mit Lichtpunkten und Lichtbändern nachts angenehm beleuchtet und tragen somit zur Belebung des Ortes bei.
    Bei der Wahl der Materialien und Objekte schlagen wir die Entwicklung einer einfachen und robusten, aber klar gestalteten Produktfamilie vor, die auch für weitere urbane Bereiche vorgesehen werden kann.
    Breite Bänke mit einer anthrazith beschichteten Flachstahlkonstruktion und einem Lärchenauflager werden ergänzt mit Ausstattungselementen wie Fahrradparker, Papierkörbe, Lichtstelen und Mastleuchten, ebenso aus anthrazith beschichteten Flachstahlelementen.
    Die Oberflächen sollen aus großformatigen Pflasterplatten in einem hellen warmen Farbton vorgesehen werden.



    Beurteilung durch das Preisgericht



    ’Wiesion’

    Leitidee ist die Entwicklung der Kurfürsten-Anlage als durchgängige Allee vom Bahnhof zum Adenauerplatz. Diese Allee wird östlich des Römerkreises durch eine Raumkante in Form einer 5-geschossigen Bebauung unterstützt. Durchbrüche und Höhenversätze schaffen einen spannenden Rhythmus dieses Baukörpers. Den Auftakt des neuen Quartiers am Römerkreis bildet ein organischer Kopfbau, der die ovale Form des Römerkreises aufnimmt und eigenständig interpretiert. Die Aufnahme der Baustruktur der Weststadt durch die neuen Blöcke wird positiv gesehen. Die aufgelockerte Blockstruktur schafft ruhige attraktive Innenhöfe, die unter verschiedenen Themen (‚Grüner Platz’, ‚Städtischer Platz’) entwickelt werden sollen. In der Fortsetzung der Landhausstraße wird ein urbaner öffentlicher Platz geschaffen. Besonders hervorzuheben ist die durchdachte Nord-Süd-Verbindung von der Weststadt bis zum Neckar.

    Positiv ist zu bewerten, dass das Wohnen zur lärmabgewandten Bahnhofstraße orientiert ist. Es wird eine vielfältige, kleinteilige Nutzung ermöglicht, die sich an die Struktur der Weststadt anlehnt.

    Der Leitgedanke ‚Allee’ wird auf der westlichen Seite der Kurfürsten-Anlage konsequent fortgesetzt. In den vorhandenen, bislang nicht erlebbaren Grünstrukturen in diesem Bereich wird durch die Anlage einer durchgängigen Fußgängerallee, vom Verfasser ‚urbanes Parkband’ genannt, ein klares Wegekonzept zwischen Bahnhof und Römerkreis geschaffen. Zu den Straßen hin werden die Alleen durch bandartige Heckenstrukturen abgeschirmt. Kritisch gesehen wird, dass das Grünkonzept östlich des Römerkreises nicht fortgesetzt wird.

    Der Römerkreis wird als eigenständiges Element gesehen und durch die Anlage von Heckenbändern und Baumpflanzungen betont. Eine analoge Gestaltung ist für den Adenauerplatz vorgesehen. Ein besonderes Lichtkonzept soll die Qualitäten der Freiräume betonen und durch individuelle Beleuchtung akzentuieren.

    Die Verkehrsführung im Bereich Römerplatz und Kurfürsten-Anlage bleibt unverändert. Für die Bahnhofstraße ist eine Verengung des Querschnitts durch den Wegfall eines Parkierungsstreifens vorgesehen.

    Hervorzuheben ist, dass das Konzept abschnittsweise, auch in Abhängigkeit der Verfügbarkeit, umgesetzt werden kann. Die Ladenzeile an der Kurfürsten-Anlage kann vorerst erhalten werden.