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  • ein 3. Preis

    Schulerweiterung im Grünen, © dna Trint + Kreuder

    Architekten
    d.n.a trint + kreuder, Köln (DE), Paris (FR) Büroprofil

    Mitarbeit
    ho seop kim

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: club L94, Köln (DE)

    Preisgeld
    27.000 EUR

    Erläuterungstext
    Georgsviertel

    - St. Georg – das Herz des Georgsviertels
    Seit die romanische Basilika der Stiftskirche St. Georg 1825 durch den Abriss der ursprünglichen Pfarrkirche St. Jakob und durch die Anlage von Georgstraße und Georgsplatz selbst zur Pfarrkirche wurde, bildet sie das religiöse und ideelle Zentrum des Georgsviertels.
    Dieser Bedeutung möchten wir städtebaulich wieder den angemessenen Ausdruck verleihen, indem die Kirche mit ihren religiösen und profanen Anbauten von einem homogenen Platzpflaster umgeben wird, das sich vom Waidmarkt bis zum Georgsplatz erstreckt.
    So spannt sich nun ein erlebbarer Platzraum von den Wohnbauten des neuen Waidmarkt-Quartiers bis hinüber zum Eingang der Kaiserin-Augusta-Schule am Georgsplatz.

    - Verortung des Archiveinsturzes
    Der Einsturz des Stadtarchivs hat sich insbesondere durch das zerstörerische Stürzen seiner steinernen Fassade in die Severinstraße hinab sowie durch die erschreckende materielle und immaterielle Leere am ehemaligen Standort in das Gedächtnis der Stadt eingebrannt.
    Eine Verortung des Archiveinsturzes schlagen wir deshalb auf zweifache Weise vor. Einerseits soll der Einsturz selbst in das Pflaster der Severinstraße eingeschrieben werden, indem das dortige Pflaster selbst die ehemalige Fassade mit ihren großformatigen Platten und schlanken Schlitzen nachbildet. Zum anderen soll eine fast vollständig offene Erdgeschoßzone die entstandene Leere in eine Offenheit und Durchlässigkeit transformieren und als Chance nutzen für eine einladende Verbindung der Severinstraße mit dem Blockinnenbereich und der Kaiserin-Augusta-Schule.
    Im anschließenden künstlerischen Wettbewerb können die gesamten Oberflächen der offenen Erdgeschosszone, Boden, Decke und Stützen als Ort der Erinnerung präzisiert werden.

    - Reparatur des Blockrands
    Die entscheidenden städtebaulichen Linien der Nachbarbebauung beiderseits der Einsturzstelle werden für die Reparatur des Blockrandes aufgenommen. So beziehen sich Dachrand und Höhe der Erdgeschosszonen sowie die Ausprägung der Dächer auf die jeweiligen Nachbarbauten von Severinstraße und Georgsplatz.

    - Maßvolle Nachverdichtung im grünen Blockinneren
    Als maßvolle Nachverdichtung schlagen wir einen 4-geschossigen Wohnbau vor, der einerseits den rückwärtigen, baumbestandenen Platzraum zwischen Schulerweiterung und ehemaligem Archiv südlich fasst und der sich andererseits als Gegenüber zur Blockrandbebauung positioniert. Er ist unmittelbar verbunden mit einer zweigeschossigen Tiefgarage, die versucht, in Kombination mit der öffentlichen Tiefgarage im Bereich des ehemaligen Archivs zur Minderung der Parkplatzknappheit eine möglichst große Anzahl Stellplätze bereit zu stellen. In diesem Sinne wird vorgeschlagen, die Tiefgarage bis auf das Grundstück der Kaiserin-Augusta-Schule auszuweiten bis zur dortigen Sporthalle in Tieflage.

    - Stadtkante Weberstraße
    Als Pendant zur terrassenartigen Spielmannsgasse auf der anderen Seite des Zubringers zur Severinsbrücke wird auf Seite des Georgsviertels ein Baublock mit vergleichbar vorgelagerter Terrasse vorgeschlagen. Seine östliche Kante verlängert die Weberstraße und legt so den Grundstein für eine neue Stadtkante, die einen klaren Übergang zum Grünraum der Brückenabfahrt bildet. In einem nächsten Schritt kann eine erneute Erweiterung der Kaiserin-Augusta-Schule diese Stadtkante bis zur Follerstraße vollenden. Dabei wird auch auf die bestehenden alten Bäume des Schulgrundstücks Rücksicht genommen werden können.

    - Freiraumkonzept Severinstraße und Georgsplatz
    Leitbilder für die Gestaltung der Severinstraße sind zum einen Kriterien aus dem städtebaulichen Masterplan Innenstadt Köln und zum anderen die bereits erarbeiteten Gestaltungsprinzipien für die südliche Severinstraße. Im Masterplan werden wichtige Wegeführungen wie die Severinstraße als Verbindung einzelner bedeutender Plätze definiert, die durch besondere Bauwerke wie Kirchen eine räumliche Prägnanz erhalten und deren Gestaltung zur Betonung der Qualitäten eher steinern ausgeprägt sein soll.
    Vor diesem Hintergrund erhält der Straßenraum konsequent einen einheitlichen Belag, der wichtigen Gebäuden und Eingangssituationen wie der Kirche St. Georg, der Einsturzstelle des Historischen Archivs oder dem Eingang zum Friedrich-Wilhelm-Gymnasium eine angemessene Vorplatz-Zone gewährt.
    Unterstützend dazu werden unter Berücksichtigung von Bestandsbäumen straßenbegleitende Baumreihen angelegt, die Raumkanten ausbilden bzw. unterstützen und die Vorplatz-Zonen räumlich fassen. Mit den Baumreihen bietet sich zudem die Möglichkeit, unter ihnen Möblierungselemente wie Bänke, Fahrradständer, Mastleuchten etc. in einer Ausstattungslinie anzuordnen.
    Der Verlauf der Fahrbahn für den rollenden Verkehr wird im Belag markiert und teilweise wie in der südlichen Severinstraße mit Aspahltintarsien betont. Begleitend zur Fahrbahn werden oberirdische Stellplätze für Kurzzeitparken angeboten.
    Der Georgsplatz als besonderes städtebauliches Element kann mit kleinen Eingriffen sein Freiraumpotenzial entfalten. Der Belag aus der Severinstraße wird im Straßenraum um die Kirche bis zum Eingangsgebäude der KAS weitergeführt und verbindet somit gestalterisch die Schule, den Platz und die Kirche mit der Severinstraße. Der Rahmen aus schönen alten Bestandsbäumen auf dem Platz wird erhalten und teilweise ergänzt. Die gerahmte Fläche wird entsiegelt und bekommt durch einen Belag aus wassergebundener Decke den Charakter eines grünen Quartiersplatzes inmitten des dichten innerstädtischen Umfeldes.

    - Freiraumkonzept Brückenrampe
    Der öffentliche, die Brückenrampe der Severinsbrücke begleitende Grünraum bleibt erhalten und wird als „Ohrenpark“ ausgebaut. Die durch die Brückenrampe räumlich geschützte und baumüberstandene Fläche an der Straße Im Sionstal eignet sich zur Verortung eines öffentlich zugänglichen Spielplatzes. Diagonale Wegeverbindungen durch den Park ermöglichen eine Anbindung des Georgviertels über die Straße Im Sionstal zum Rhein.


    Kaiserin- Augusta-Schule

    - Kurze Bauzeit für die Erweiterung der Kaiserin-Augusta-Schule
    Die Bauzeit für Erweiterung und Renovierung einer Schule stellt eine extreme Belastung für den laufenden Schulbetrieb dar. Ein besonderes Anliegen unseres Entwurfes ist es deshalb, die Bauzeit für die Erweiterung der Kaiserin-Augusta-Schule dadurch zu minimieren, dass für das gesamte neue Raumprogramm nur ein einziger Bauabschnitt erforderlich ist. Dies gelingt durch Platzierung der Sporthalle in Tieflage auf -6,6m und durch Nutzung der erforderlichen Konstruktionshöhe für die darüber liegenden Geschosse für eine zweiseitig blendfreie natürliche Belichtung der Sporthalle.
    So kann der ungestörte Betrieb der beiden temporären Bauten während der gesamten Bauzeit garantiert werden. Erst nach Fertigstellung des Erweiterungsbaus wird an dieser Stelle der Schulhof auf die notwendige Größe erweitert.

    - Weiterführen der Erschließungsstruktur
    Ein weiteres Anliegen des Entwurfes ist es, die Wege innerhalb der Schule möglichst kurz zu halten und auch den Altbau an den Aufzug im Erweiterungsbau anzubinden. Zu diesem Zweck wird die Erschließungsstruktur des Altbaus konsequent und barrierefrei weiterentwickelt.

    - Neues Foyer als Pendant zum bestehenden Eingangsfoyer
    Besonders signifikant wird dieses konsequente „Weiterbauen“ im neuen zentralen 2-geschossigen Foyer erlebbar, das als Gegenpart zum Eingangsfoyer gedacht ist. Diese räumliche Konfiguration bildet eine starke Spange zwischen dem Haupteingang und den neuen zentralen Nutzungen Pädagogisches Zentrum, Sporthalle und Mensa mit Ganztagsbereich, die auf unterschiedlichen Ebenen unmittelbar an das neue Foyer angebunden sind.

    - Verbindung zwischen den beiden Schulhöfen
    Des Weiteren wird das neue Foyer geprägt von seiner Lage zwischen den beiden Schulhofbereichen. Es stellt somit das Bindeglied dar zwischen dem bestehenden und mit einem Baumfeld erweiterten Schulhof und dem Schulgarten, der entlang der Nachbargrenzen vergrößert und mit seinen Außenlerninseln, der „Schülerlounge“ dem Ganztagsbereich zugeordnet ist.
    Auch wird die Verbindung zur Severinstraße für schulübergreifende Kurse mit dem benachbarten Friedrich-Wilhelm-Gymnasium entlang des erweiterten Schulgartens führen.

    - Gruppierte Klassenräume
    Insbesondere in großen Schulkomplexen wie der Kaiserin-Augusta-Schule sind kleinere gruppierte Klassenzusammenhänge hilfreich, den Schülern die Identifikation mit ihren Lernorten zu erleichtern. Deshalb haben wir konsequent jeweils zwei Klassenräume mit einem Differenzierungsraum zusammengeschaltet und ihnen entlang der Fassade eine geschützte Lernnische im Flurbereich zugeordnet.
    In der Fassade werden diese Räume informellen Lernens durch eine bodentiefe Verglasung hervorgehoben, so dass sich in diesen Räumen oder Flurbereichen eine größtmögliche Offenheit herstellen lässt.

    - Schlichter Bau im Blockinnenbereich
    Zur Gewährleistung einer kostengünstigen Errichtung tragen zunächst einmal die günstigen Kennzahlen A/V und NF/BGF bei, sowie eine trotz überbauter Sporthalle klare Tragstruktur und ein schlichter, robuster Materialkanon im Inneren.
    Da der Erweiterungsbau vollständig im Blockinnenbereich steht, kann auf eine „repräsentative“ Fassadengestaltung verzichtet werden und stattdessen Wert gelegt werden auf eine klare und eigenständige Formensprache, die die bisherige freundliche Atmosphäre der Schule stärkt. So werden die Fensterflächen allein nach der erforderlichen natürlichen Belichtung dimensioniert und können die geschlossenen Fassadenflächen kostengünstig und robust mit einem mit hellen Klinkerriemchen belegten Wärmedämm-Verbundsystem versehen werden.

    - Freiraumkonzept der Kaiserin-Augusta-Schule
    Die Gestaltung und Zonierung des Schulgrundstücks orientiert sich an der städtebaulichen Ausrichtung des Erweiterungsbaus. Eine Schiene aus Freiraumelementen schiebt sich in Ost-West Richtung von der Follerstraße über das Schulgrundstück bis zur Einsturzstelle des Historischen Archivs und bindet so die Schule an die Severinstraße und das Friedrich-Wilhelm-Gymnasium an.
    Rhythmisch angeordnete Baumpakete bilden im Osten einen Vorplatz und eine Eingangssituation von der Follerstraße aus und im Westen einen räumlichen Abschluss zur Fläche der Einsturzstelle. Unter den Bäumen finden infrastrukturelle Elemente wie 72 neue Fahrradstellplätze sowie eine Sammelstelle für Mülltonnen Platz.
    Aufgrund des geringen Flächenangebotes gruppieren sich die gewünschten Sportanlagen wie das Kleinspielfeld, die Laufbahn in Kombination mit der Weitsprunganlage sowie die Kugelstoßanlage eng um den Erweiterungsbau und nutzen die zur Verfügung stehende Grundstücksfläche optimal aus. Der große bestehende Schulhof bleibt weitestgehend unangetastet.
    Ein neuer kleinerer Freiraum, die sogenannte Schülerlounge zwischen dem Neubau und dem Schülergarten, bietet Rückzugsmöglichkeit und Aufenthaltsraum besonders für die Schüler der Sekundarstufe II.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die städtebauliche Grundidee ist die Betonung der historischen Nord-Süd-Achse Severinstraße mit begleitenden Baumreihen, platzartigen Aufweitungen und einheitlichen Bodenbelägen, die sich bis zum Georgsplatz und dem jetzigen Haupteingang der Kaiserin-Augusta-Schule fortsetzen. Gleichzeitig formulieren die Verfasser eine neue öffentliche Ost-West‐Verbindung zwischen Severinstraße und Follerstraße, dem Friedrich‐Wilhelm-Gymnasium und der Kaiserin‐Augusta-Schule. Die großzügige, aber nur eingeschossige Öffnung des Blockrandes an der Severinstraße wird kritisch gesehen, erlaubt aber den Einblick in den Garten der Erinnerung, der noch ungestaltet ist. Das untergegangene Historische Archiv wird im Straßenbelag auf der Severinstraße nachgebildet. Der Ort des Gedenkens wird durch die Aufständerung des Gebäudes weithin sichtbar.

    Aus Sicht der Schule werden der baumbestandene Vorplatz an der Follerstraße und die Schülerlounge am Schulgarten als Erweiterung der Außenbereiche begrüßt. Der Bestandsschulhof sollte wegen der
    Nutzungskonflikte zum Allgemeinen Unterricht nicht als Außensportanlage dienen. Hierfür wäre eine geeignete Lösung zu finden.

    Negativ wird die Anordnung des Spielplatzes im Südosten auf einer Verkehrsinsel(Ohrenpark) empfunden. Dieser sollte bei Reduzierung des südlichen Baublocks an der Löwengasse angeordnet werden.

    Das Raumprogramm des Schulneubaus ist in einem sehr kompakten, schlüssigen Bauvolumen
    zusammengefasst und in einem einzigen Bauabschnitt realisierbar. Der Neubau nimmt die Gebäudehöhe des Altbaus auf. Mit einem dreigeschossigen Bereich wird die Baumasse sehr gut proportioniert und gegliedert.

    Das Bemühen um Kompaktheit bedingt, dass die Sporthalle sehr tief eingegraben und zudem mit einem
    Dreigeschossigen Klassentrakt überbaut wird. Diese Maßnahme wird einen hohen konstruktiven Aufwand erfordern. Neben dem vorhandenen Eingangsfoyer am Georgsplatz ist ein zweites großzügiges Foyer wie ein Gelenk zwischen Alt- und Neubau positioniert. Es verbindet alle Ebenen miteinander. Als baulicher Rettungsweg setzt das allerdings immer eine entsprechende Brandlastfreiheit und eine ausgeprägte bauliche Abgeschlossenheit voraus, worin eine Einschränkung der Qualität gesehen wird. Das in der Erdgeschossebene großzügig angeordnete, zwei Geschosse hohe Forum ist großzügig zum Freiraum geöffnet. Durch seine Abgeschlossenheit kann es vielfältig und räumlich unabhängig genutzt werden. Die Mensa hat eine gut nutzbare, geschützte Ausenterrasse erhalten. Das zentrale Foyer erschließt neben der Mensa ein differenziertes Angebot von Klassen in überschaubaren Entfernungen. Große Mittelzonen, die vielfältig nutzbar sind, werden seitlich belichtet. Die Sporthalle im Untergeschoss stellt einen gut funktionierenden Bezug zur Schule her. Die unabhängige Erschließung von außen scheint nicht gegeben zu sein.

    Die im städtebaulichen Bereich vorgesehene Tiefgarage an der Severinstraße 214-218 und 220‐228 entspricht den Vorgaben der Auslobung. Auf dem Schulgrundstück entsteht durch den Geräteraum, die Lehrerumkleide und den Treppenzugang im Untergeschoss eine leichte Überschreitung des bodendenkmalfreien Bereichs.

    Der Beitrag berücksichtigt wesentliche Merkmale der Passivhausbauweise in Schulgebäuden. Das beigefügte Technikkonzept ist schlüssig. Für die Feuerwehrdurchfahrt wäre der Zugang zu der Tiefgarage an der
    Severinstraße zu verlegen. Der Treppenraum im Erdgeschoss mit Rettungsweg durch das Foyer wäre zu konkretisieren.

    Der konstruktive Aufwand in der Realisierung wäre zu überprüfen. Die Materialisierung mit einer
    Riemchenfassade ist sehr einfach.

    Der Entwurf überzeugt durch seine eigenständige Haltung. Er verspricht eine qualitätvolle Architektur auf Begrenzten Raum des Grundstücks, deren wirtschaftliche Umsetzung jedoch angezweifelt wird.