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  • 2. Preis

    Gedenk- und Informationsort für die Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie"-Morde

    Landschaftsarchitekten
    k1 Landschaftsarchitekten - Kuhn Klapka GmbH, Berlin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Dreier Frenzel, Lausanne (CH), Berlin (DE)
    Künstler: susanne muller visual artist, Berlin (DE)

    Erläuterungstext
    I love you
    es gibt laut linguisten 6500 sprachen auf der welt.


    das kunstwerk
    gefühlvoll und respektvoll schreiben wir I love you von hand, wir wollen allen opfern gedenken und dabei an jeden einzelnen menschen denken.

    I love you = ich liebe dich I love you = ich liebe euch.

    wir schreiben I love you immer und immer wieder auf den strassenboden, weil wir nicht anklagen wollen, weil wir uns mit leichtigkeit befreien möchten und somit den versuch wagen tiefste unmenschlichkeit mit menschlichkeit zu beantworten.

    I love you bedeutet auch austausch und respekt zwischen den menschen. das kunstwerk trägt hier eine symbolische aussage, ein liebevoller gedanke den jeder besucher mit nach hause nimmt. durch die wiederholung werden diese bedeutungsvollen wörter zum allgemeingültigen grundsatz.

    I love you gilt gleichzeitig als errinnerung an die opfer sowie als hoffnungsvolle aussage: was hier geschehen ist, wird nie vergessen!


    der ort

    der vorgefundene ort wird akzeptiert, nicht überbaut. er wird in seiner eigenart erkannt und einbezogen. die bestehenden materialien, die strukturen des beton, die steine, die fugen transportieren die atmosphären der stadt.
    der bestehende bodenbelag wird zum träger der botschaft erklärt. so als wäre die zeit heute einfach stehengeblieben, wird der platz wie er ist zum kunstort. das kunstwerk selbst ist immer im entstehen, immer in bewegung, immer im fluss und immer gegen das vergessen. der ganze platz hinter der philharmonie wird zur bühne. die besucher werden teil der installation. es entsteht eine soziale plastik, die gedenkstätte.


    der roboter

    ein einziger satz ist im roboter gespeichert, er schreibt und schreibt die lettern. dabei bespielt er den ganzen platz mit präzisen rhythmen und automatismen. der roboter, ein hightechgerät, fährt auf und ab. nur eines schreibt er. I love you immer nur diese drei wörter. durch seine geduld und seine passion schafft er eine poetische stimmung am ort. er belebt den platz und erzeugt eine spielerische faszination, eine interaktion mit dem besucher.

    er ist klein-schwer, robust-mobil, eingeschränkt-komplex, geduldig-fleissig, freundlich- unkompliziert, langsam-dauerhaft. er ist mit 3 funktionen ausgestattet: fahren, schreiben, hindernisse erkennen und ausweichen. als basis dient das vom fraunhofer institut hergestellte modell (////), welches sich im vorgegebenen ort fortbewegen, orientieren und die besucher erkennen kann. zusätzlich erhält der roboter eine installation, mithilfe welcher er die schrift setzen kann.
    er entspricht den richtlinien für fahrerlose flurförderzeuge und ist durch seine vandalensichere, witterungsschutzschale und seinen roten notstopp-knopf erkennbar. der roboter nimmt jeden morgen seine schreibarbeit wieder auf und kehrt abends in seine abschliessbare aufladeeinrichtung zurück, wo er mit energie und tinte/kreide geladen wird und die nacht sicher verbringt.
    falls die besucher berührungskontakt mit dem roboter aufzunehmen versuchen, registriert er das durch seine sensoren und legt sich zur Ruhe, bis ein mindestabstand von 50cm zu den menschen wieder hergestellt ist. danach setzt er seine arbeit fort. durch das gewicht von über 150kg lässt sich der roboter kaum durch die besucher bewegen. sollte dies trotzdem passieren, löst sich ein alarm aus, welcher auch das philharmoniepersonal warnt.

    gestern heute und morgen. jahr für jahr. jeder besucher wird immer von neuem miterleben wie das I love you live auf den boden gekritzelt wird. der roboter schreibt mit kreide, die im regen verwischt. die verschiedenen stadien der beschriftung verändern das kunstwerk jeden moment. die überlagerungen führen bis zu unlesbarkeit. der natürliche prozess reinigt den platz und lässt das bild verschwinden. die fläche wird frei für eine neue komposition. die anerkennung der geschichte ist wie eine erinnerung, die immer wieder erneuert wird, auch wenn die zeit vergeht. wir wollen es allen besucherinnen und besuchern sagen, deswegen schreiben wir es immer wieder neu. unaufhörlich.


    die gedenktafeln

    längs des philharmonie parks befinden sich die tafeln mit den informationen zum gedenkort. sie betonen durch ihre filterartige schlichte anordnung, die einzige physische grenze vom ort. die visuelle beziehung des kulturforums und des matternparks bleibt erhalten. durch ihre anordung behält der besucher den augenkontakt zum kunstwerk.

    die tafeln sind punktuell auf dem boden verankert. sie sind aus schwarzem glas mit weisser schrift bedruckt. sie zeigen eine edle zurückhaltung und sind von oben angestrahlt, was eine dezente stimmung erzeugt, die an studieren in einer bibliothek erinnert.

    als balance zur leichtigkeit und verspieltheit des kunstwerks stehen die tafeln als informationsträger sachlich geordnet und ruhig am rande. die texte sind alle leicht verständlich. auf der ersten tafel wird I love you in alle sprachen der welt übersetzt und in blindenschrift zum tasten gesetzt. die letzte tafel ist für die erklärung des kunstwerks vorgesehen. mit dem iphone und einer barcode-lese-app ist der sprung auf eine internetseite mit vertiefter dokumentation möglich.

    weiterhin sind die informationen in je drei horizontale streifen auf allen weiteren tafeln angeordnet. auf dem oberen streifen befindet sich ein monitor, auf dem die inhalte in gebärdensprache wiedergegeben werden, ein lautsprecher der die informationen vorträgt, sowie die überschriften der wichtigsten kapitel. im mittlere streifen werden tiefergehende informationen und reproduktionen von originaldokumenten gezeigt. auf dem dritten Streifen befinden sich weiterführende und einfache erklärende informationen zu den geschichtlichen ereignissen.
    ausserdem sind über bar-code-lese-app zugriffe auf multimediainhalte auf der website schnell möglich und somit auch leichtverständliche informationen für analphabetische besucher abrufbar.

    neben den geschichtlichen und inhaltlichen themen, werden die einzelschicksale auf separaten tafeln dargestellt. sie werden an einem weg in der angrenzende grünfläche positioniert. die gedenkstätte wird somit erweitert und erhält einen ort zum verweilen und nachdenken.
    der weg durch den park schliesst auch die bestehende gedenktafel ein.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.