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  • AT-1082 Wien
  • 11/2012
  • Ergebnis
  • (ID 2-90179)

Nordbahnhof Nordbahnstraße-Innstraße


  • 3. Preis

    Atelier LOIDL Landschaftsarchitekten in Kooperation mit Wessendorf Architektur Städtebau und Grischa Leifheit Architekt

    Landschaftsarchitekten
    Atelier Loidl, Berlin (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Stefan Grieger, Anna Jan, Anne Mertins

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Studio Wessendorf, Berlin (DE)
    Architekten: Grischa Leifheit, Berlin (DE)

    Erläuterungstext
    Urban Village
    Der Entwurf transformiert die bestehende Stadtbrache in ein lebendiges Stadtquartier, indem er einerseits an die Kontinuität der angrenzenden Stadtviertel anknüpft, andererseits dabei aber ein Grätzel mit eigener Identität schafft.

    Vernetzung
    Die übergeordneten Freiräume vom Augarten zur Donau und von Brigittenau zum Prater werden verbunden und zueinander in Bezug gesetzt. Damit werden die Grenzen innerhalb des ehemaligen Eisenbahngeländes durchbrochen.

    Kristallisation
    Die Bezugslinien werden in Straßenräume als Grundmuster eines Stadtgefüges übersetzt. Sie schaffen Kontinuität, Durchlässigkeit und Orientierung. Es zeichnen sich Baufelder unterschiedlicher Größe und Lage im Stadtraum ab.

    Vielfalt
    Entlang einer Abfolge von Quartiersplätzen mit jeweils individuellem, wiedererkennbaren Charakter entsteht bei wechselnden Blick- und Wegerichtungen ein erlebnisreicher Stadtraum, der dem menschlichen Maßstab entspricht. Auch bei der Wahl der Gebäudetypen wird auf Vielfalt gesetzt: niedrige Stadthäuser treffen auf urbane Blockbebauungen und wenige, ins städtische Geflecht integrierte Hochhäuser. Gerade das Aufeinandertreffen von Großstädtischem mit dörflicher Kleinteiligkeit und erlebnisreichen Freiräumen wird eine Angebotsvielfalt an Läden, Gastronomie, Wohnformen und gesellschaftlichem Leben im Nordbahnviertel befördern.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    (...) Die unterschiedlichen Zuschnitte der Baublöcke und Gebäudefiguren führen zu einer
    abwechslungsreichen Vielfalt. Weiteres Merkmal ist der gelungene Ansatz, bestehende Bebauungen innerhalb des Areals wie selbstverständlich in diese neue Quartiersidentität miteinzubeziehen. Maßstäblichkeit, die Raum‐, Platz‐ und Wegesequenzen mit unterschiedlichen Atmosphären sind positive Merkmale einer abwechslungsreichen Stadtraumgestaltung mit leichter Orientierbarkeit und Wiedererkennbarkeit innerhalb der einzelnen Quartiersteile und im Verhältnis zum Ganzen. Was schon in der 1. Stufe sehr gut gelungen war, nämlich urbane Situationen und gute Nachbarschaften zu bilden führt neben einem nachvollziehbaren Umsetzungspotenzial auch zu einem Stadtteil der kurzen Wege. Die hinterfragte Verteilung der Hochhäuser ist in der vertiefenden Bearbeitung positiv beantwortet im Sinne gut gesetzter und proportionierter Hochpunkte. Die klar gefasste Ruderalfläche orientiert und verknüpft sich mit dem kulturellen Zentrum an der Innstrasse, worin ein hohes kommunikatives Potential liegt und sich die beiden Bereiche wechselseitig stärken. Die Campuslage lässt im Vergleich zu einer Situierung an der gegenüberliegenden Seite der Taborstraße, eine verhältnismässig geringe Barrierewirkung erwarten. Dieses Potenzial wird geschickt genutzt, das stadträumliche Kontinuum sinnfällig fortzuschreiben und durch sanfte Pointierungen wohltemperiert auch in den Blickachsen auf das Vorgefundene zu reagieren. Auch der Auftritt der Campusgebäude an der Bruno‐Marek‐Allee trägt wesentlich besser, als in der 1. Stufe zur
    urbanen Stärkung der Allee bei, in dem die Freiflächen nunmehr bahnseitig angeordnet sind. Teilweise sind die Innenhöfe einzelner Baublöcke eng und stark beschattet. Aus diesem Titel wäre eine gewisse Höhendifferenzierung im Verhältnis zur Ausdehnung wünschenswert gewesen, obwohl diese Konzentration auf Knappheit im unmittelbar umgebenden Außenraum zu einer kompensatorischen Entschädigung durch gut nutzbare Straßen und Platzräume führt. Insgesamt lebt der neue Stadtteil von einer Abfolge von Enge und Weite und einem urbanen Erlebniswert mit Funktionsvielfalt.
    Die Straßenräume bilden somit das Grundmuster für das Stadtgefüge, das Erleben aus
    Fußgängerperspektive lässt eine gute Orientierung und Übersichtlichkeit erwarten.
    Schlagworte, welche den Entwurf charakterisieren, sind: Kontinuität, Durchlässigkeit, Baufelder unterschiedlicher Größe und Lage, Elastizität in der Realisierung, divergente Richtungen, gestoppte Blickbeziehungen, Erlebnisreichtum, Schaffung wiedererkennbarer Orte, menschlicher Maßstab.
    Die Vielfalt soll durch unterschiedliche Bautypen wie: niedrige, bunte Stadthäuser –
    Blockrandbebauungen – präzise gesetzte Hochpunkte aber auch durch eine kleinteilige
    Umsetzungsstrategie innerhalb der Körper mittels variantenreicher, collagenartig
    aneinandergereihter Architekturen erreicht werden. Ob sich dadurch die Absicht der Verfasser, nämlich dass „Großstädtisches auf Ländliches treffen soll“ einerseits erfüllt und andererseits dies günstig wäre, bleibt fraglich bzw. eine Hypothese. Wichtiges Anliegen der Verfasser ist jedoch, ein Instrumentarium zur Integration anzubieten und dass der öffentliche Freiraum zu einem guten Lebensraum wird. Beides könnte sich durch diesen
    Entwurf erfüllen. Die Frage nach der beabsichtigten Identität wird kontrovers diskutiert (...).