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  • DE-71364 Winnenden
  • 11/2012
  • Ergebnis
  • (ID 2-110482)

Kronenplatz / Holzmarkt


  • ein 3. Preis


    Stadtplaner
    HESS-VOLK Architekten PartGmbB, Herbolzheim (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Walter Hess , Juergen Volk

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: AG Freiraum, Freiburg im Breisgau (DE)
    Stadtplaner: Weissenrieder I Architekten BDA, Freiburg (DE)

    Preisgeld
    14.500 EUR

    Erläuterungstext
    Kronenplatz und Holzmarkt – Winnenden geht neue Wege

    Zwischen Zipfelbach und Buchenbach werden die Straßenräume neu gestaltet, Stadträume zurück gewonnen und bisher zerschnittene Stadträume neu vernetzt.

    Zipfelbach und Buchenbach markieren den Ort des Übergangs von der Vorstadt zur Innenstadt. Portale am Bach (Mittelinsel mit blauer Glaswand und Baumreihe) betonen den Wechsel zwischen den Stadtquartieren sowie die ’Bachtäler’ mit begleitenden Uferwegen und Stegen.

    Zwischen den beiden Bächen wird ein „Grüner Boulevard“ aufgespannt. Baumalleen mit unterschiedlichen Sequenzen rhythmisieren den Straßenverlauf. Im Bereich der Platzaufweitungen wird die Allee bewusst unterbrochen.
    Die Waiblinger Straße und die Ringstraße werden als Zone 30, bzw. als Zone 20 im Platzbereich, ausgewiesen.

    Kronenplatz und Holzmarkt - neue Raumkanten definieren die Plätze neu - werden zu neuen wichtigen Plätzen und Gelenken in der Stadt – sie verbinden die Bahnhofsvorstadt mit der Innenstadt.

    An diesen Nahtstellen entstehen neue, eigenständige und hochwertig gestaltete Platzbereiche mit hohen Aufenthaltsqualitäten – neue Nutzungen und wieder gewonnener Lebensraum beleben die Innenstadt und stärken die Innenentwicklung.


    Der neue Kronenplatz
    Eine klare städtebauliche Definition erfährt der Platz durch das neue Bürgerhaus und dem Haus der Gesundheit, beide als Orte eines lebendigen und aktiven Stadtlebens gedacht. Der neue Kronenplatz wird so geschäftiger und kultureller Dreh- und Angelpunkt zwischen Altstadt und Bahnhofsvorstadt.
    Der hochwertige Pflasterbelag und ein Baumdach aus Linden leiten von der Fußgängerzone auf den Kronenplatz über. Das Straßencafe und der neue Kronenbrunnen lassen den Platz zu einem neuen qualitätvollen Ort in der Stadt werden.

    Das Haus der Gesundheit gliedert sich in drei Baukörper, die in zeitlich versetzten Abschnitten realisiert werden können und somit den baulichen Bestand berücksichtigen.
    Gefasst werden die drei Baukörper durch ein durchlaufendes Erdgeschoss, welches Einzelhandel, Kunsthandwerk und Gastronomie beinhaltet. Es öffnet sich zur Fußgängerzone und Kronenplatz. Rückseitig bietet es Raum für ein Seniorenbüro sowie eine Kindergrippe ergänzend für das barrierefreie Mehrgenerationenwohnen. Zusätzliche Flächen für Praxen und Büros in den Obergeschossen bilden zusammen eine optimale Symbiose die dem Kronenplatz die erforderliche Bedeutung und Frequenz verleihen wird.
    Die kompakte Bauform sichert eine wirtschaftliche und energieeffiziente Nutzung.

    Das neue Bürgerhaus ist Magnet und zentrale Bürgerbegegnungsstätte. Es bietet Raum für Veranstaltungen, Bildung, Kunst und Kultur.
    Der neue entstehende Bürgersaal sowie die Gruppenräume sind eine räumliche Ergänzung für die anliegende Kastenschule.
    Als dezent schimmernder Monolith bildet es den Auftakt der Fußgängerzone. Die transluzente Membran bietet gleichermaßen Sicht- und Sonnenschutz.
    Durch die eingerückte Stellung des Solitärs an der Bahnhofsstraße entsteht im Kontext zur Kastenschule neuer Raum für eine zentrale barrierefreie Haltestelle „Am Kronenplatz“.

    Unter Kronenplatz, Haus der Gesundheit und Bürgerhaus entsteht eine gemeinsame, leistungsfähige Tiefgarage mit direkter Anbindung in die einzelnen Gebäude.


    Der neue Holzmarkt
    Die vorhandene Baumreihe der Platanen wird erhalten und mit Amberbäumen ergänzt, die das Stadtbild durch eine intensive Herbstfärbung prägen. Im lichten Schatten dieser Bäume wird der Höhenunterschied durch prägnante, lang gezogene Sitzstufen herausgearbeitet - ein flaches Wasserbecken verleiht dem Platz die hohe Aufenthaltsqualität. Sitzstufen und Bodenbelag entlang des Wasserbeckens sind in Anlehnung an die frühere Nutzung mit Holzdielen belegt - Farbige Holzstelen (Wengert-Pfähle) setzen neue Akzente. Der Holzmarkt wird so zum neuen ‚Stadtparkett’, zu einem Ort mit eigenem Charakter und neuer Identität.

    Die neue Bebauung am Holzmarkt definiert durch seine strenge Form die bauliche Grenze zur Altstadt und deren kompakte Stadtstruktur. Durch das Aufgreifen der vorhandenen Raumkanten und Gebäudeproportionen entsteht ein homogenes Stadtbild in Anlehnung an die Bestandsbebauung.
    Die historische Bausubstanz wird erhalten und die Platzsituation des „Holzmarkts“ klar definiert.
    Gastronomie mit Außenbewirtschaftung, attraktive Flächen für Einzelhandel, sowie Hotel mit Seminarräumen bringen die gewünschten Impulse zur Belebung des „Holzmarkts“.

    Die Gliederung der neuen Bebauung ermöglicht die fußläufige Verbindung vom Holzmarkt zur Altstadt, vorbei an der geschützten Restaurantterrasse des Hotels.

    Die gut dimensionierte Tiefgarage hat direkte Anbindung in die Gebäude und zum Holzmarkt. Eine gedeckte Tiefgarageneinfahrt in Kombination mit der Hotelanlieferung an der Ringstraße vermindert die Lärmemission zur neuen und alten Bebauung.


    Das Quartier des ehemaligen Farrenstalls
    bietet mit seinem geschützten städtebaulichen Raum ideale Voraussetzungen für Betreutes Wohnen / Mehrgenerationenhaus, zentrumsnah mit kurzen und barrierefreien Wegen zum Haus der Gesundheit und zum öffentlichen Nahverkehr.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Bereich des Kronenplatzes und des Kornmarktes werden als zusammenhängende Platzfolge gesehen, was durch den hochwertigen verbindenden Platzbelag sinnvoll unterstützt wird.
    Die Querung der beiden Bachläufe durch die Zufahrtsstraßen, der Ringstraße im Norden
    und der Waiblinger-Straße im Süden werden gestalterisch aufgewertet. Ab hier
    beginnt eine verkehrsberuhigte Tempo-30-Zone entlang einer baumbestandenen Allee, die eine gute Einführung zur Stadtmitte darstellt.
    Der Kronenplatz selbst wird durch zwei bauliche Maßnahmen räumlich gut gefasst: so bildet zum Einen ein 3-geschossiger Baukörper an der Alfred-Kärcher-Straße, der sich in Länge und Höhe in die heterogene Nachbarbebauung einfügt, eine gute Einführung in den Platzbereich, auch als Fortsetzung der Kornbeckstraße.
    Zum Anderen wird ein 4-geschossiger quadratischer Solitärbau vorgeschlagen, der als gelungener Gegenpol zum gegenüberliegenden Geschäftshaus am Beginn der Marktstraße gesehen wird. Dazwischen spannt sich der neue Kronenplatz, der auch die historische „Krone“ wirkungsvoll freistellt und mit einem vorgeschlagenen Baumdach und Brunnen eine gute Aufenthaltsqualität verspricht. Allerdings verunklaren die zusätzlichen Bäume in ihrer teilweise beliebig wirkenden Setzung an dieser Stelle diese Qualität. Als Nutzung wird ein Bürgerhaus vorgeschlagen. Diese Nutzung kann nicht zugesichert werden, aber das Preisgericht ist auch der Meinung, dass hier eine hochwertige Nutzung mit öffentlicher Einrichtung zumindest im EG untergebracht werden muss.
    Die Nutzungsvorschläge für die Dreiergruppe sind denkbar, allerdings sind die Ladennutzungen und die Kita mit Nord-Ost-Lage zu überdenken. Die Tiefgarage unter dem Platz ist gut organisiert, jedoch wäre eine direkte, seitliche Zufahrt von der Alfred-Kärcher-Straße aus, wünschenswert. Eine zusätzliche Anbindung an die vorhandene Fußgängerunterführung scheint problemlos möglich.
    Der Bebauungsvorschlag am Holzmarkt hat nicht die gleiche räumliche Qualität, da hier ohne Aufweitung oder bauliche Begrenzung nur ein Straßencharakter entsteht.
    Die hier vorgeschlagenen Sitzstufen und der Erhalt der Platanen zusammen mit der sinnvollen Hotelnutzung an dieser Stelle werden zwar honoriert, verbessern aber nicht den genannten räumlichen Nachteil.
    Der Verfasser sieht die Festlegung der zulässigen Geschwindigkeiten abgestuft mit angemessener Ausbildung der Tempo-20-Zone vor. Die Überquerbarkeit der Ringstraße des Kronenplatzes wird zuverlässig mit Hilfe einer Mittelinsel gewährleistet.
    Hierdurch sind auch die Abbiegemöglichkeiten für den Bus und Kfz-Verkehr erleichtert. Die Durchsetzung des Halteverbots in der Tempo-20-Zone erscheint problematisch.
    Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die vorgeschlagenen Maßnahmen am Kronenplatz bis auf kleine korrigierbare Mängel überzeugen und einen guten Beitrag an dieser Stelle darstellen.
    Dies gilt nicht in gleichem Maße für die schematisch wirkenden Baukörper und die spannungslosen räumlichen Fassungen am Holzmarkt.