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  • DE-04103 Leipzig
  • 11/2012
  • Ergebnis
  • (ID 2-114034)

Büroneubau Wintergartenareal


  • 3. Preis

    03Arch._Rendering

    Architekten
    03 Architekten GmbH Architekten BDA, Stadtplaner DASL, München (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Lukas Eibl

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: mahl gebhard konzepte, München (DE)
    TGA-Fachplaner: IBF Ingenieurgesellschaft mbH, München (DE)

    Preisgeld
    17.000 EUR

    Erläuterungstext
    Ein Ensemble am Georgiring
    Mit der Setzung eines kraftvollen Ensembles wird der Gelenkpunkt des Innenstadtrings vom Georgiring zum Bahnhofsvorplatz, der durch die städtebaulich Dominate des Wintergartenhochhauses markiert ist, neu definiert und mit einer angemessenen Nutzung aufgewertet.
    Eine sensible Ergänzung der Straßenräume schafft mit einem selbstbewussten Auftakt einen neuen Eingang ins grafische Viertel. Drei typisch Leipziger Stadthäuser besetzen jeweils die Grundstücksecken, greifen die Straßenfluchten auf und orientieren sich mit ihren Traufhöhen an der Massstäblichkeit und Körnung der Blockrandbebauung der Nachbarschaft. Die beiden Wohn- und Geschäftshäuser sind fünfgeschossig, das Verwaltungsgebäude reiht sich siebengeschossig in den Takt des Rings ein.
    Zwischen den einzelnen Gebäuden führen konisch zulaufende Gassenräume auf einen neuen städtischen Platz am Hochhaus. Durch die polygonalen Gebäudezuschnitte entstehen trotz der hohen Bebauungsdichte gute Wohn- und Arbeitsbedingungen.

    Ein Stadthaus
    Das neue Verwaltungsgebäude für die LWB ist typologisch in der Bau-Tradition der Stadt
    Leipzig verankert. Das zentrale, mit glasiertem keramischem Stabwerk gestaltete Atrium ist das Herzstück des Gebäudes. An das Atrium schließen wie Logen in einem Theater wechselweise Beratungsräume und doppelgeschossige Kommunikations- und Teeküchenbereiche an. Das breite Angebot an formellen und informellen Treffpunkten transportiert den offenen und kommunikativen Leitgedanken der LWB. Durch die Einhaltung der belichtungstechnisch notwendigen Abstände (h/4) können auch Arbeitsplätze zum Atrium orientiert werden. Den äußeren Ring bildet eine durchlaufende Büro-Zone. Es entsteht eine durchgehend städtische Fassade, die das Gesicht der LWB als kommunale Wohnungsbaugesellschaft darstellt. Zum Platz hin liegt die Caféteria, deren sonniger Freibereich sich lärmgeschützt nach Süden erstreckt.
    Im Erdgeschoss schafft entlang der Wintergartenstraße eine Arkade Raum für Passanten. Hier liegen Kunden-und Umweltzentrum. Zum Georgiring hin bildet eine zwei-geschossige Arkade die Adresse für die LWB. So reiht sich das Gebäude mit der städtischen Erdgeschoss-Zone in den bestehenden Kontext zwischen Hotel und Hochhaus ein.

    Volumetrik und Tektonik
    Wie ein Diamant erst durch seinen Schliff seine Strahlkraft entwickelt, überhöht die gestalterische Ausformulierung die einfache polygonale Volumetrie der Baukörper.
    Die Stufung der Fassade spielt mit der klassischen Dreiteilung städtischer Häuser – Sockel-, Mittelzone und Dach werden durch Auskragungen und einen leichten Schattenwurf ablesbar.
    Die Architektur der Baukörper ist präzise tektonisch gefügt: Durchlaufende, konisch zugeschnittene Pfeiler und Deckenplatten bilden das Grundgerüst. Unterschiedlich hohe Deckenstirnen und leichte Auskragungen gliedern die Fassade und bauen subtile Bezüge zum stadt-plastischen Kontext auf.

    Material
    Das Gebäude setzt bewusst auf ein tektonisches Erscheinungsbild, das sich in den Kontext integriert ohne historisierend zu werden. Die Fassade fügt sich durch die Oberfläche und Haptik des Materials in die Tradition Leipzigs ein. Die Fassaden-Pfeiler sind – wie die innen verwendeten Lisenen – aus glasierter Keramik. Es entsteht ein reflektierendes Lichtspiel, das sich dem Wetter und Tagesverlauf folgend anpasst und verändert. Die in Sichtbeton gehaltenen Deckenuntersichten und Deckenstirnen tragen dennoch zu einem modernen Erscheinungsbild bei.

    Arbeitswelten
    Durch die Organisation des Gebäudes mit einer inneren und einer äußeren Zone, lassen sich unterschiedliche Büro- und Raumkonzepte anbieten. Mit einem äußeren Ring an Zellenbüros und Kommunikationszonen zum Atrium entsteht ein typisches Kombi-Büro mit minimierten Verkehrsflächen. Mit geschlossenen, für diskrete Besprechungen und Beratungen genutzten Räumen am Atrium und frei angeordneten Bürolandschaften an der Außenfassade können non-territoriale Bürokonzepte wie der Business-Club realisiert werden. Durch die Kombination unterschiedlicher Strategien kann auf sich jeweils ändernde Anforderungen mit einer Vielzahl von Varianten reagiert werden. Die in die dauerhafte Gebäudestruktur integrierten TGA-Komponenten tragen zu dieser Freiheit maßgeblich bei.

    Nachhaltige Gebäudenutzung
    Durch die Figur des Grundrisses mit zwei Vertikalerschließungskernen können problemlos einzelne Büroeinheiten bis zu 400 m² abgetrennt und fremd vermietet werden. Der nördliche Erschließungskern kann von der Wintergartenstraße aus erschlossen werden und trägt bei einer teilweisen Drittnutzung so zu einer attraktiven Adressbildung bei.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die städtebauliche Disposition orientiert sich an der vorgegebenen Lage der Baukörper, schafft jedoch anstelle der abgeknickten linearen Körper drei ringförmige Einheiten. Für die Büronutzung erscheint dieser Typus gut geeignet, weniger allerdings für die vorgesehenen Wohngebäude. Der siebengeschossige Atriumtypus für die LWB besetzt die prominente Lage an der Ecke Georgiring/Wintergartenstraße und hat einen selbstbewussten Auftritt. Die Geschossgliederung nimmt Motive des historischen Nachbargebäudes (Victor's Residenzhotel) auf.

    Die Arkaden entlang der Wintergartenstraße und Georgiring erscheinen in dieser Situation unangemessen. Die Eingangssituation liegt richtig, ist allerdings architektonisch nicht markiert und im Arkadenraum kaum erkennbar. Im Inneren gehen Beratungsplätze und Cafeteria ineinander über; diese Vermischung wird kritisiert. Die Fluchtwege aus den notwendigen Treppenhäusern gehen nicht direkt ins Freie.

    In den Normalgeschossen sind Büroräume und Bürolandschaften nachgewiesen und machbar. Die Orientierung im Erschließungsring wird nur dann funktionieren, wenn zuverlässig Ausblicke nach außen freigehalten bleiben. Die Lage vieler Tagungs- und Besprechungsräume fernab von den Erschließungskernen ist problematisch, zudem mangelt es an angemessen großen Vorräumen.

    Nutzungsflexibilität und Drittverwendungsfähigkeit sind gegeben. Dies mündet allerdings tendenziell in eine gewisse räumliche Neutralität. Die damit verbundene Bescheidenheit ist gewünscht. In einen gewissen Widerspruch hierzu steht der „Aha-Effekt" des siebeneinhalbgeschossigen Atriums.

    Die Fassade zeigt ein Wechselspiel von Betonfertigteilen, die die Geschossgliederung abbilden: gefaltete Pfeiler aus glasierten Ziegeln und dazwischen regelmäßig angeordnete, raumhohe Fensterelemente mit festen Verglasungen, Putz- und Lüftungsflügeln im Wechsel. Der außen liegende Sonnenschutz liegt in Nischen geschützt.

    Auch die Fassade demonstriert eine angenehme Zurückhaltung. Ihre plastische Gestaltung würde jedoch vermutlich einen erhöhten Wartungsaufwand nach sich ziehen.

    Im Energiekonzept kann das Atrium als Abluftatrium sinnfällig eingesetzt werden, wenn die Überströmung aus den Büros gewährleistet ist. Das Energiekonzept ist verbesserungsbedürftig, regenerative Energieangebote vor Ort werden nicht genutzt.

    PKW-Stellplätze sind in einer eingeschossigen Tiefgarage nachgewiesen, die Fahrradstellplätze im UG werden in dieser Lage wohl kaum akzeptiert.

    Zusammenfassend ist festzustellen, dass dieser Beitrag in seinem Erscheinungsbild und seiner städtebaulichen Setzung durchaus einen wertvollen und angemessenen Beitrag liefert. Die teilweise mangelnden inneren Qualitäten mindern jedoch dieses Bild.