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  • DE-10247 Berlin
  • 12/2012
  • Ergebnis
  • (ID 2-118078)

Stadtumbau Ostkreuz – Frankfurter Allee 14a


  • Zuschlag

    Lageplan M 1:250

    Landschaftsarchitekten
    LA.BAR Landschaftsarchitekten bdla, Berlin (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Rüdiger Amend , Eike Richter

    Erläuterungstext
    Mitarbeiter:
    Heidrun Fehr, Rike Kirstein, Johanna Kahabka, Jan Gordon

    Der Pablo Neruda Platz

    Bibliothek und Schule befinden sich quasi in der zweiten Reihe der Frankfurter Allee. Wie ein Fenster öffnet sich die Häuserfront und gibt den Blick frei auf die Bibliothek. Deren Zedernholz-Lamellenfassade ist eine eindrucksvolle Setzung in diesem von den stalinistischen Prachtbauten geprägten Umfeld. Die Verlegung des Eingangs in die Straßenflucht erhöht die Präsens des Gebäudes im Stadtraum und erfordert eine neue Anordnung der dienenden Funktionen. Während diese sich heute auf der westlichen Seite des Vorplatzes befinden, schlagen wir vor, die Fahradabstellanlage und die PKW-Stellplätze im Zuge der Neugestaltung auf der östlichen Platzseite anzuordnen. Die großzügige westliche Platzfläche dient dem Warten und Verweilen sowie der Feuerwehr-Erschließung der Schule. Die östliche dem Ankommen und der Erschließung bzw. Andienung der benachbarten Kita (s. Piktogramme Lage und Bezug zum Stadtraum).

    Die Gestaltung der Freiräume und Ausstattungselemente ist bewusst zurückhaltend und nimmt Bezug auf Materialität und Farbgebung der sie umgebenden Architektur. Der Platz besteht aus einem beigen Werksteinpflaster, das den Farbton der Travertinsockel der Karl-Marx-Bauten aufnimmt. Drei Sitzelemente aus weißem Werkstein setzen hierzu kontrastierende Akzente.

    Zwei mit Gräsern bepflanzte Pflanzflächen gliedern den Platz und übernehmen einen Teil der Platzentwässerung. Die vorhandene Ahornreihe bleibt erhalten und wird durch zwei raumbildende Ginkgo Reihen (Ginkgo biloba ‘Fastigiata’) ergänzt. Westlich der Ahornreihe und dem Pflanzbeet befindet sich der Standort für den Bibliotheksmüll. Der Graben an der östlichen Vorderseite des Gebäudes wird angefüllt und Teil der Platzfläche. Hier befindet sich die Ausleihstation Biblio24.

    Der Patz ist autofrei und wird zur Straße hin durch drei Poller begrenzt. Die Erschließung für Lieferfahrzeuge und die Feuerwehr erfolgt über einen herausnehmbaren Poller. Die Stellplätze sind an der Straße angeordnet und auch bei geschlossener Zufahrt jederzeit erreichbar.

    Die Beleuchtung des Platzes erfolgt über Leuchtstelen an der westlichen und östlichen Platzseite. Eine mittlere Stelenreihe akzentuiert den Zugang zur Bibliothek. Die portalartig angeordneten Pollerleuchten am Fuße der Treppe werden entfernt.


    Der Pablo Neruda Garten

    Der Garten ist eine kleine versteckte Oase im dicht besiedelten Quartier. Wie der Vorplatz so ist auch er geprägt durch die warme Austrahlung der Fassade mit Ihren großen Öffnungen. Hinzu kommen der eindrucksvolle Pappelbestand und die vorhandene Baumgruppe. Die Größe und die versteckte Lage des Gartens berücksichtigend schlagen wir eine gut überschaubare, den Bestand einbeziehende Gestaltung vor. Dieser Bestand wird ergänzt durch eine leicht bewegte Rasenfläche und einen Rundweg. Die prägenden Elemente sind der Apfelhain, die lange Gartenbank und die nach Süden orientierten Liegen. Die Bankauflagen sind aus lasiertem Holz. Auf einigen befinden sich Gedichte und Balladen von Pablo Neruda. Insbesondere die beiden Balladen Rebellion und Der Einsame erscheinen uns wie für diesen Ort geschrieben und sollen den Besucher unaufdringlich und quasi en passant auf das Werk des Namensgebers des Gartens aufmerksam machen. Eine platzartige Aufweitung im Rundweg steht für Lesungen bzw. als Grünes Klassenzimmer zur Verfügung. Die vorhandene Baumgruppe erhält eine Unterpflanzung aus Sträuchern.

    Der Schulvorplatz

    Anders als die Bibliothek befindet sich die Georg-Friedrich-Händel Oberschule vollständig im Abseits und führt durch den Großbaumbestand vor dem Gebäude noch zusätzlich ein städtebauliches Schattendasein. Parkende Autos verstellen den Durchgang von der Frankfurter Allee zur Schule. Nicht Teil der Aufgabenstellung, dennoch wünschenswert wäre hier eine gestalterische Klärung und ein Freihalten dieser Eingangsituation.

    Die heutige Gliederung in eine abgesenkte Fahrbahn mit seitlichen Gehwegen schränkt die Nutzbarkeit des Vorplatzes sowie den barrierefreien Zugang zum Schulgebäude ein. Durch Anheben der Straße (Feuerwehrzufahrt) auf das heutige Gehwegniveau und eine einheitliche Pflasterung kann diese Situation verbessert werden. Ein hieran angelagerter etwa 4 Meter breiter und gelb gepflasterter Streifen mit Sitzbänken dient als Aufenthalts- und Pausenbereich. Durch die Forderung nach einer neuen Fußwegverbindung entlang der nördlichen Grundstücksgrenze rückt die Einfriedung um ca. 2,5 Meter Richtung Schulhaus. Südlich davon ist die neue Fahrradabstellanlage mit 86 Fahrradbügeln vorgesehen. Diese ist durch eine Hecke und lange Sitzmauern von der neuen Platzfläche abgegrenzt. Durch zwei Durchgänge gelangt man von der Fahrradabstellanlage über den Platz in das Schulgebäude. Durch die veränderte räumliche Situation, die funktionalen Anforderungen (Fahrräder, Feuerwehr) sowie die starke Verschattung erscheint uns dieser Bereich nicht gut geeignet für eine Spielnutzung. Ähnlich wie den Pablo Neruda Platz sehen wir diesen Raum als zurückhaltend gestalteten Platz zum Verweilen (für die älteren Schüler). Für die vom Auslober gewünschten Spielangebote für 5.-6. Klässler besser geeignete Flächen befinden ich auf der Wiese westlich des Schulgebäudes (optionale Aulafläche). Auch die Fläche östlich der Turnhalle, auf der sich heute die Weitsprunganlage befindet, erscheint hierfür gut geeignet.

    Die Schulhoferweiterung

    Der bestehende Schulhof wird durch eine weitere Schulhoffläche nach Süd-Osten erweitert. Auf dieser Fläche befinden sich vier 100-Meter-Bahnen, eine Weitsprunganlage mit drei Anlaufbahnen sowie Bewegungsgeräte, die als Spielelemente in den Pausen sowie als Trainingsgeräte im Sportunterricht genutzt werden können. Östlich der Turnhalle ergänzt ein Beachvolleyballfeld das sportliche Programm (optional ist diese Fläche auch als Spielbereich für die 5.-6. Klässler denkbar). Die Laufbahnen bestehen aus hellgrauem Kunststoff. Um Kollisionen mit den Läufern zu vermeiden und die Laufwege der Turnhallennutzer neben der Laufbahn entlang zu führen, erfolgt der Zugang zu der Turnhalle über eine seitlich angelagerte Treppe und eine neue Behindertenrampe. Deren Einfassungsmauer dient gleichzeitig als Sitzelement an der 100-Meter-Laufbahn. Ebenfalls um die Laufwege um die 100-Meter-Bahn zu führen, wurde der Eingang des Kleinspielfeldes nach Osten verlegt und die bestehende Pflanzung entfernt. Der Zugang zur Turnhalle erfolgt über einen neuen gepflasterten Weg, in einer 3 Meter breiten Schotterrasenfläche (Feuerwehr, Rettung). Von hier ist auch ein direkter Zugang in den Garten denkbar. Ein Rasenband mit Bäumen und Holzplateaus formuliert die Fuge zwischen dem neuen Schulhof und dem Pablo Neruda Garten.



    REBELLION
    Ausgepeitscht vom Regen und vom Wind
    richten die Pappeln sich auf und klagen wild,
    stehen am schwarzen Firmament und sind
    mit zottiger Mähne aus grünem Astwerk ein Schild.

    Doch bald sind sie müde, das Unerreichbare zu wollen,
    nur einmal noch zeigt Rebellion ihre Statur,
    wenn sie an dem verzweifeln, was sie sollen,
    und in ihrem Wunsch nach Größe zeigt sich die Natur.

    Der Kampf ist wild und gilt allen Gewalten,
    und in Schönheit können sie ihre Größe halten,
    die allen gehört, die eine Rebellion erhebt.
    Doch immer wird man sich zu den Besiegten zählen,
    und mit bösem Zischen wird der Wind sie quälen,
    der Sieger, unter dessen Hand der fügsame Ast erbebt.
    (Pablo Neruda, 1919)

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.