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  • DE-04103 Leipzig
  • 11/2012
  • Ergebnis
  • (ID 2-114034)

Büroneubau Wintergartenareal


  • 1. Preis


    Architekten
    motorplan Architekten BDA, Mannheim (DE), Frankfurt am Main (DE), Weimar (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Johann Bierkandt , Urs Löffelhardt , Bernhard Wondra

    In Zusammenarbeit mit:
    TGA-Fachplaner: Ingenieurbüro htp, Weinheim (DE)
    Tragwerksplaner: Prof. Dr. Alexander Stahr, Weimar (DE)

    Preisgeld
    42.500 EUR

    Erläuterungstext
    Ort und Ensemble

    Dem Büroneubau Wintergartenareal kommt in seinem heterogenen Umfeld eine besondere Bedeutung zu. Auf der einen Seite geht es um die städtebauliche Fassung des durch den Bahnhofbau von Lossow und Kühne und die flankierenden Hotelbauten aber auch ein starkes Verkehrsaufkommen geprägten Willy-Brandt-Platzes, und den Beginn des durch Plattenbauten geprägten östlichen Stadtringes, andererseits um die Ausbildung eines beruhigten Wohnquartiers, das gleichsam den Eingang und Auftakt zur Oststadt bildet. Mit dem Wintergartenhochhaus und dem gegenüberliegenden Hotelgebäude hat der Büroneubau zwei in ganz unterschiedlicher Weise markante Nachbargebäude, gegen die er sich behaupten, diese aber auch zu einem Ensemble zusammenfügen muss.

    Stadt und Gestaltung

    Das Bürogebäude nimmt die gestalterischen Einflüsse seiner näheren und weiteren Umgebung auf, und entwickelt daraus eine eigene, zeitgenössische Formensprache. Die Rundungen und liegenden Formate greifen bewusst die Formensprache der in Leipzig städtebaulich bedeutenden 20er Jahre auf, wie sie sich beispielsweise in der Wohnanlage Coppistraße oder der Konsumzentrale von Fritz Höger findet. Gleichzeitig stellt die Bandfassade die optimale Fassade für ein Bürohaus im Passivhausstandard dar. Die Fassadengliederung reflektiert die nicht nur im benachbarten Hotelbau, sondern auch im Zentrum Leipzigs häufig anzutreffende Gleichzeitigkeit starker Vertikalität und Horizontalität.
    Mit seinen leicht verspringenden Fensterhöhen erhält das Gebäude eine erst auf den zweiten Blick wahrnehmbare Differenzierung, die besonders durch die Bewegung um das Gebäude herum, gerade mit hohen Geschwindigkeiten, sowie in den verkürzten Ansichten zur Geltung kommt. Die Fassade aus sandfarbenen Betonfertigteilen gewährleistet eine lange Haltbarkeit bei minimalem Pflegeaufwand und nimmt Bezug sowohl auf den Naturstein als auch auf die Fassadentafeln der Nachbargebäude.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit stellt einen interessanten Ansatz zur Lösung der Wettbewerbsaufgabe dar. Dies gilt sowohl für die Weiterentwicklung eines der Siegerentwürfe aus dem vorausgegangenen städtebaulichen Wettbewerb als auch für das Bürogebäude der LWB als erstem konkreten Bauvorhaben.

    Die Raumkanten der drei Baukörper zum öffentlichen Raum um das Wintergartenhochhaus sind grundsätzlich richtig gesetzt. Auch der Vorschlag, die Wohngebäude u-förmig auszubilden und begrünte Wohnhöfe auf dem Dach des Erdgeschosses, das tertiäre Nutzungen aufnimmt, anzubieten, wird positiv gewertet. Insgesamt haben diese Blöcke die Chance, ein qualitätvolles, innerstädtisches Wohnen anzubieten.

    Das Bürogebäude selbst fügt sich unspektakulär, aber doch selbstbewusst in den heterogenen städtebaulichen Kontext ein. Die Kubatur findet mit den sechs Geschossen zum Ring und den fünf Geschossen zum "inneren" Bereich das richtige Maß. Die teilweise nach innen gegebene Überdeckung der Abstandsflächen erscheint rechtlich lösbar.

    Die Gliederung der Fassade und die abgerundete Ecke reagieren auf die historische Bebauung in zeitgemäßer Formensprache. Das vorgeschlagene Merkmal der Fassade nimmt plausibel Bezug sowohl auf das Hochhaus als auch auf die kontextprägende "Gründerzeitbebauung".

    Der Baukörper ist geprägt von einer hohen Flächeneffizienz. Die innere Organisation weist eine große räumliche Flexibilität und Offenheit aus. So lassen sich unterschiedliche Bürokonzepte sowie Raumstrukturen verwirklichen. Der Baukörper ist von einer guten inneren Erschließung geprägt, die kurze Wege zwischen den Struktureinheiten der LWB mbh ermöglicht. Im Erdgeschossbereich könnte jedoch die Trennung zwischen Cafeteria und Kundenzentrum optisch etwas deutlicher ausgeprägt sein.

    Eine gute energetische Bilanz kann während der Lebensdauer des Objektes zu optimierten Nebenund Instandhaltungskosten führen. Der hohe Vorfertigungsgrad und die Kompaktheit des Objektes versprechen Kostensicherheit und ermöglichen kurze Bauzeiten. Darüber hinaus prägt die allgemeine Wirtschaftlichkeit des Entwurfs den Wettbewerbsbeitrag positiv. Der Entwurf bietet einen hohen Nutzerkomfort unter Einhaltung aller wesentlichen Nachhaltigkeitsprämissen. Auch das Atrium scheint bauphysikalisch ausgereift.

    Die Anbindung der Tiefgarage liegt richtig. Die notwendige Zahl der Stellplätze ist zumindest für den Bürobereich erreicht bzw. ist hinsichtlich des Gesamtbedarfs im weiteren Verfahren zu klären.

    Zusammengefasst weist der Entwurf in den wesentlichen Elementen eine hohe Qualität auf und übersetzt die Firmenphilosophie der LWB in überzeugender Weise in eine bauliche Realität.