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  • 3. Preis


    Architekten
    ELEMENT A, Heidelberg (DE), München (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: geskes.hack Landschaftsarchitekten GmbH, Berlin (DE)

    Preisgeld
    15.000 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebau _ drei Baukörper formulieren im Gefüge des Masterplans die stadträumliche Grundlage. Bauliche Setzungen, Form und Proportion werden aus den Raumkanten und Richtungen der übergeordneten Gesamtplanung entwickelt. Durch leichtes Drehen oder Aufweiten entstehen spannungsvolle Platzräume.

    Stadtplatz _ der Gadamer Platz begreift sich als klar konturierter, städtischer Platz. Er bezieht bewusst den Verkehrsraum der grünen Meile mit ein und wird als vitaler, heiterer Platz verstanden. Der linearen Ordnung der ankommenden Straßenräume stellt er eine luftige, freie Komposition seiner Elemente gegenüber.
    Es werden variantenreiche Kleinräume und Bezüge innerhalb des gefassten Stadtraumes formuliert. Eine Vielzahl von Aktivitäten ist möglich.
    Die unterschiedlichen Nutzungsangebote entlang der Raumkanten stärken die Bedeutung des Platzes im Gefüge des neuen Stadtteiles.
    Eine Gliederung der Raumfolge erfolgt durch die Setzung von Solitärbäumen mit zugeordneten, großzügigen Sitzobjekten und durch eine klare Differenzierung der Beläge. Als große eingelegte Intarsie mit klarer Kontur wird der zentrale Bereich des Platzes mit großformatigem Plattenbelag ausgeführt. In freier Gruppierung werden innerhalb dieses Feldes Solitärbäume mit Sitzinseln angeboten. Objekthafte Mastleuchten besetzen die Raumkante der im Platzbereich aufgelösten doppelten Baumreihe der Grünen Meile. Der Übergang zur Gadamer Terrasse wird durch eine lineare Verdichtung von Bäumen und Lichtpunkten unterstützt. Eine Lichtlinie, die Ihre Fortsetzung auf der Pfaffengrunder Terrasse Terrasse finden sollte.

    Das Haus des gemeinsamen Lernens_ verankert sich in den übergeordneten Koordinaten der Bahnstadt und spielt sich doch als Solitär frei. Das Bürgerzentrum gibt dem Platz sein Gesicht, während die Schule mit ihrer bergenden Geste das Volumen herstellt und die Kindertagesstätte ganz zum ruhigeren Bereich der Pfaffengrunder Terrasse und den angelagerten Wohnfeldern orientiert ist. Die Zusammengehörigkeit wird durch die gemeinsame Figur betont, die Lesbarkeit der Einzelteile bleibt durch formale Differenzierungen und durch die Materialwahl angedeutet.
    Gemeinsam lernen und erleben, einander begegnen und ergänzen, in diesem Sinne werden die jeweiligen Nutzungsschwerpunkte aufeinander bezogen und formulieren in Summe das Haus des gemeinsamen Lernens als ein Haus für die BahnStadt insgesamt. Das aus der Zusammenfassung der unterschiedlichen Nutzungsbausteine formulierte AtriumHaus des gemeinsamen Lernens umschließt den zentralen hausbezogenen Freiraum Schulhof. Die Programmorganisation und Erschließungsangebote erlauben grundsätzlich die unabhängige Nutzung der zentralen Einrichtungen Bürgersaal und Gruppenräume, aber auch eine Nutzung von Mensa und Sporthalle außerhalb des normalen Schulbetriebes.

    Kita_als eingeschossiger Baukörper wird die KITA im Süd-Westen zum Langen Anger und zur Pfaffengrunder Terrasse hin orientiert. Vom Gadamer Platz erschlossen wird die Kita eingeschossig organisiert, alle Gruppenräume erhalten einen direktem Zugang zur angehobenen, von einer perforierten Spielwand umschlossenen Freifläche. Mehrzweckraum / Foyer und Essbereich sind zusammenschaltbar und verbindet Schulhof Kita und Außenspielfläche. Die Innenwelt der Kita wird durch zentral eingestellte große „Möbelstücke“ mit Sanitärräumen und Werkstatt bereichert. Lichtöffnungen gewähren Durchblicke, Lichtstimmungen und Orientierung.

    KinderGarten_Spielangebote im Freibereich werden im Dialog mit der umschließenden Spielwand, dem KinderGartenzaun konstituiert. Geländemodulation und integrierte Spielobjekte entwickeln den zum Stadtraum angehobenen und durch die bergende Schale klar gefassten Freiraum zu einer attraktiven, assoziativ bereichernden Spielwelt jenseits der üblichen Spielgerätemöblierung. Den Gruppenräumen vorgelagerte Terrassenflächen sind Übergangsräume zwischen Innen und Außen

    Bürgerzentrum_die Adresse des Bürgerzentrums ist der Platz. Foyer / Saal und Ergänzungsnutzungen besetzen die prominente Lage am Gadamer Platz.
    Auf Platzebene werden Foyer, Saal – und Verfügungsfläche, Bürgerbüro und dem Saalbetrieb zugeordnete Versorgungsräume angeordnet. Die Verfügungsfläche wird als kleiner Saal“ und als potentielle Erweiterungsfläche für den Bürgersaal vorgeschlagen. Bühnenoption mit Nebenraumanbindung auf gleicher Ebene aber auch die Anbindung des Saals an Nebenräume im Untergeschoss durch unmittelbar angrenzenden Aufzug und Treppe gewährleisten eine vielfältige Nutzung der Saalflächen.

    Aus dem Foyer werden auch die im 1. Obergeschoss angeordneten Seminar – und Gruppenräume erschlossen. Ein doppelgeschossiges Foyer lädt ein und verbindet die Raumangebote des Bürgerzentrums. Über das Bürgerzentrum ist weiterhin eine vom Schulbetrieb unabhängige Nutzung der Sporthalle gewährleistet.

    Seine großzügige Adressierung zum Platz und eine schillernde, feinmaschige Fassade markieren das Bürgerzentrum als zentralen Ort mit vielfältigen Raumangeboten für ein lebendiges Bürgerleben in der Bahnstadt.

    Schule _Durch die zentrale Eingangshalle wird die Schule vom Schulhof und aus der Da Vinci Straße erschlossen. Mensa und Veranstaltungsfläche werden auf Platz und Schulhofebene mit Erweiterung in den Hallenraum angeboten.

    Die Nutzungsbereiche des Schulalltages werden im 1. und 2. Obergeschoss auf zwei Ebenen organisiert. Verwaltungs – und Lehrerbereich, Klassenraumabfolge, Intensiv - und Betreuungsräume werden unmittelbar übereinanderliegend angeordnet.
    Die Lage der Treppen sorgt für kurze vertikale Wege. Dezentrale Sanitärbereiche für Schüler und Lehrer in jedem Geschosss gewährleisten kurze Wege und die unabhängige Funktionsfähigkeit der unterschiedlichen Teilbereiche.

    Der zentrale Foyer - Hallenraum ist Veranstaltungsschwerpunkt, Pausenraum und kommunikative, orientierende Mitte der Grundschule. Die Schülerbibliothek adressiert sich zur zentralen Halle. Einen funktionalen und räumlichen Schwerpunkt bildet die über dem Bürgerzentrum angeordnete Sporthalle für Schul - aber auch die Freizeitnutzung.

    Die klare Zonierung, verbunden mit der räumlichen Grunddisposition von Betreuungs- und Unterrichtsbereiches gewährleistet eine gute Orientierung und einen störungsfreien Schulablauf. Großräumige Zusammenhänge wie Bürgersaal, Foyerflächen und Schulmensa werden im höheren Erdgeschoss angeordnet.

    Schulhof _ Der baulich gefasste Schulhof öffnet sich großzügig in Richtung Osten. Die auf den Hof adressierten Nutzungen bereichern den Hofraum. Eine differenzierte Fassadensprache und Gliederung durch unterschiedliche Fassadenebenen verleihen dem baulich gefassten Raum eine angemessene Maßstäblichkeit Der Hof setzt sich als eine mit Terrazzoasphalt belegte Fläche in seiner Oberflächengüte vom Belag der öffentlichen Freiräume ab. Ein klar konturiertes Sitz – und Aktionsfeld gliedert die Hoffläche und formuliert ein Aktionsangebot für die Pausennutzung.
    Das Motiv der Sitzpodeste mit zugeordneten Bäumen wird variiert. Baulich überdeckte Freiflächen ergänzen das Freiflächenangebot.

    Architektur_Einander ergänzen, miteinander verklammern, die Bauteile bleiben durch Differenzierungen von Material und Fassadensprache erkennbar und bilden in Summe das Haus des gemeinsamen Lernens. Die Zusammengehörigkeit wird durch die gemeinsame Figur und den umschlossenen Freiraum betont. Der klar konturierte Baukörper besetzt kraftvoll und selbstbewusst den Standort. Formuliert werden einen Stadtkörper und eine differenzierte Hofschale. Es entstehen spannungsreicher Wechsel aus geschlossenen Wandflächen und klar geschnittenen Öffnungen. Horizontale Bandfenster bestimmen die Erscheinung zur Stadt.
    Die differenzierte, innere Fassade wird als Hofschale verstanden. Der Wechsel aus bodentiefen Fassadenabschnitten und geschlossenen Wandflächen erlaubt vielfältige Ein– und Ausblicke und bildet die Aktivitäten und Bewegungen innerhalb des Hauses in den Hof hinein ab.

    Erläuterungen zu Bau – und Haustechnik

    Passivhaus_ Das Gebäudevolumen wird durch eine hochwärmegedämmte homogene Gebäudehülle umschlossen. Eine Kombination aus massiven und aufgelösten Tragwerksteilen gewährleistet Flexibilität und bietet ausreichende thermische Masse für ein stabiles, angenehmes Raumklima innerhalb der unterschiedlichen Nutzungseinheiten. Die einfache Gebäudegeometrie und der weitgehende Verzicht auf Durchdringungen ist ein Garant für die Umsetzung einer dauerhaften Fugen– und Luftdichtigkeit der Gebäudehülle. Der aus funktionalen und städtebaulichen Gründen vorgeschlagene, nordorientierte Glasanteil zum Gadamer Platz wird durch die Verwendung von hochwertigen Bauelementen und ggf. erhöhten Dämmstärken im Bereich der Dach – und Wandflächen kompensiert. Dieser Prozess wird im Zuge einer weiteren Planung differenziert untersucht.

    Der unbeheizte TG Bereich wird im nicht überbauten Bereich des Schulhofes weitgehend entkoppelt von den Warmbereichen der Untergeschosse angeordnet.
    Unvermeidliche Anschlusspunkte werden durch Querschnittsreduzierungen und durch die Verwendung von thermisch entkoppelnden Systembauteilen optimiert, im Zuge der PHPP Nachweise berücksichtigt und durch Verbesserungen im Bereich der Regelflächen kompensiert. Im PHVP zum WB Verfahren wird der Grenzwert auf Grundlage der bisherigen U-Wert Festlegungen zunächst deutlich unterschritten.

    Wirksamer außenliegender Sonnenschutz vermeidet Überhitzung in den Phasen intensiver Sonneneinstrahlung und erlaubt die kontrollierte Nutzung solarer Gewinne. In Kombination mit Nachtauskühlung und ergänzender Betonkerntemperierung der Deckenbauteile zur Kühlung wird ein behagliches Raumklima gewährleistet.

    Lüftung_Bestandteil der Passivhauskonzeption sind effiziente Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung und hohem Gesamtwirkungsgrad.

    Um für die individuellen Nutzungszyklen der unterschiedlichen Bausteine eine jeweils optimale Lüftungsanlage zu konzipieren ist die Ausführung mehrerer, semi - zentraler Lüftungssysteme vorgesehen. Durch ein Angebot dezentraler Technikräume in den Untergeschossbereichen, für die Sporthalle auch innerhalb der Gebäudekontur in direkter Zuordnung zur Halle, werden kurze vertikale Steigepunkte vorgesehen und die erforderlichen Leitungslängen, aber auch die Grundflächen für Steigeschächte, reduziert.

    Die Verteilung von Zu – und Abluft wird im Regelfall innerhalb der Rohdecken vorgesehen. Eingelegte Rippenrohre dienen der Zu – und Abluftführung und werden gleichzeitig zur Betonkerntemperierung mit in die Rohdecken integriert. Die Rohdeckenintegrierte Installationsführung ermöglicht einen weitgehenden Verzicht auf Unterdecken und spart Geschosshöhe.

    Sporthalle, Mensa und die Saalflächen des Bürgerzentrums erhalten separate, auf die Nutzung und die resultierenden Luftwechselraten ausgelegte Lüftungsanlagen in direkter Zuordnung.

    Kühlung_ In Kombination mit Nachtauskühlung durch Querlüftung ist die Bauteilaktivierung der Geschossdecken zur Kühlung in den Sommermonaten vorgesehen. Durch den Einsatz von Absorptionskühlaggregaten wird das Wasser für die unterschiedlichen Kreisläufe gekühlt. Als Energieträger für die Kühlaggregate ist der Einsatz von Fernwärme vorgesehen. Durch Fernwärmeabnahme außerhalb der Heizperiode wird die Effektivität (Jahresnutzungsgrad) des Fernwärmesystems verbessert. Eine Kombination von Solarthermie als Ersatz der Fernwärme ist grundsätzlich möglich, erfordert jedoch eine Überprüfung der Wirtschaftlichkeit.

    Zur Wahrung der Kühlleistung werden akustische Maßnahmen in den Klassenräumen und in den Seminarraumflächen durch offene Systeme aus Akustiksegeln vorgesehen

    Heizung_ Um für die raumweise unterschiedlichen Nutzungszyklen und die wechselnden inneren Lasten bedarfsgerecht reagieren zu können, wird der in den Wintermonaten anfallende Restwärmebedarf durch konventionelle , individuell regelbare Heizkörper gedeckt. Die zentrale Niedertemperaturheizung wird über die anliegende Fernwärme versorgt.

    Tragwerk_Das Gebäude ist als Massivbau mit tragenden Wand - Stützenelementen und unterzugslosen Flachdecken aus Stahlbeton konzipiert. Im Gebäudeteil zum Gadamer Platz mit Zugangsfoyer zum Bürgerzentrum werden die Hallenflächen des Bürgersaal und der Sporthalle als Räume mit überdurchschnittlichen Stützweiten für die Tragwerke übereinandergelegt. Für die weitgespannte Saal- bzw. Turnhallendecke werden vorgespannte Hohlkörperdecken mit einer Stärke von ca. 40 cm eingesetzt.
    Im Seminar und Clubraumgeschoss sorgen eingespannte Wandscheiben für eine zusätzliche Aussteifung um Resonanzschwingungen des Sporthallenbodens auszuschließen. Die freigestellte, auskragende Gebäudeecke über dem Foyerbereich des Bürgerzentrums wird über die darüberliegenden, als Träger ausgebildeten Wandscheiben im Bereich Sporthalle und Umkleiden abgetragen. Das Hallentragwerk der Sporthalle wird als einfaches, einachsig gespanntes Tragwerk aus Einfeldträgern ausgeführt.

    Unbeheizte TG Bereiche werden als entkoppelte Konstruktion im nicht überbauten Bereich des Schulhofes, weitgehend außerhalb der Warmbereiche der Untergeschosse vorgesehen. Unvermeidliche, lastabtragende Anschlusspunkte und Durchdringungen werden wo möglich durch Querschnittsreduzierungen, durch Schleppstreifen und / oder durch die Verwendung von thermisch entkoppelnden Systembauteilen optimiert,

    Die Dachflächen werden als Warmdachkonstruktion mit extensiver Begrünung ausgeführt. Die Dachränder werden ohne massive Aufkantung durch eine entkoppelte Systemlösung wärmebrückenfrei ausgeführt

    Das Haus des gemeinsamen Lernens ist mehr als die Summe der Teile.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurf bildet ein Solitär angeordnetes kompaktes Rechteck mit Innenhof. Der Baukörper liegt im Süden und definiert damit den Gadamerplatz im Norden zum künftigen Geschäftszentrum hin orientiert. Dieses wird positiv beurteilt, genau wie die Verlagerung der angemessen gestalteten KiTa Freiflächen im Süden zur Pfaffengrunder Terrasse.
    Im Osten verbleibt im Verlauf der Galileistraße ein keilförmiger Platzraum, an dem sinnvoller Weise die Zugänge zum Bürgerforum, der Schule und der KiTa liegen. Das Bürgerforum ist an der Nordostecke zum Gadamerplatz gut positioniert, jedoch in seiner Zweigeschossigkeit personell nur schwer bespielbar. Das Entree der KiTa sowie deren innere Organisation sind großzügig gelöst. Die KiTa überschreitet damit allerdings die vorgegebne Programmfläche. Umstritten ist in der Jury allerdings das ausgeklappte Erdgeschoss.
    Die Schule wird sowohl von Osten über den Schulhof als auch von der Da-Vinci-Straße im Westen über ein großzügiges Foyer – welches sinnvoll mit der Mensa in Verbindung steht – erschlossen. Dieses wird von der Jury ausdrücklich gewürdigt, führt allerdings auch hier zu Programmflächenüberschreitungen. Über das Foyer sind in übersichtlicher und großzügiger Weise die beiden Obergeschosse der Grundschule einhüftig angeordnet. Auch hier ergeben sich wieder Flächenüberschreitungen. Genau wie der Bürgersaal ist die Turnhalle in der nordöstlichen Gebäudeecke positioniert, jedoch gleichfalls ohne räumlichen Bezug zum Gadamerplatz.
    Kritisiert wird der Versuch mit der künstlichen Dachschräge die überhöhte Turnhalle einzubinden.
    Die Jury würdigt die insgesamt solide Arbeit mit den gut entwickelten Zuordnungen der drei Entwurfsbausteine und darüber hinaus die neutrale Haltung zu dem Z1-Baufeld.
    Die stark strukturierte Oberfläche und die vielen Durchbrüche des Baukörpers machen die energetische Kompaktheit ungünstig. Unter passiven solaren Gesichtspunkten ist die Orientierung und Dimensionierung der Fenster ausgewogen, aber die gegenseitige Verschattung einzelner Fassadenteile ist kritisch anzumerken. Sommerlicher Wärmeschutz und erneuerbare Energien sind im Konzept gut berücksichtigt.