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  • DE-70188 Stuttgart
  • 12/2012
  • Ergebnis
  • (ID 2-104120)

Schoch-Areal und Umgebung


  • 1. Preis

    Tor zu Feuerbach und Bahnhofsvorplatz

    Landschaftsarchitekten
    faktorgruen, Freiburg im Breisgau (DE), Rottweil (DE), Heidelberg (DE), Stuttgart (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Martin Schedlbauer

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Thomas Schüler Architekten und Stadtplaner, Düsseldorf (DE), Stuttgart (DE)

    Preisgeld
    21.000 EUR

    Erläuterungstext
    Tor zu Feuerbach

    Die Strategie
    Das Konzept entwickelt sich aus den vorgefundenen Strukturen und führt in selbst-verständlicher Weise die Blockrandbebauung mit seinen ortstypischen Merkmalen fort.
    Dieser klare und robuste Rahmen schafft die Voraussetzung für eine kleinteilige bauliche Entwicklung mit einem Höchstmaß an individueller Freiheit. Durch wenige typologische Vorgaben soll die Grundstruktur für ein neues Stadtquartier geschaffen werden - stadträumlich integriert und flexibel für neue Konzepte.

    Stadträume - Bahnhofsvorplatz und Quartiersplätze
    Die beiden Baufelder werden durch klare Raumkanten geprägt, die den neuen städtischen Raum definieren. Durch Rücksprünge und Aufweitungen werden unterschiedliche räumliche Situationen ausgebildet und ein räumlich spannungsvolles Gefüge geschaffen. Es entsteht ein Freiraumgerüst aus dem großen zentralen Bahnhofsplatz und den drei angrenzenden Quartiersplätzen, dem Burgenland Platz, dem Dornbirner Platz und dem Pöchlarner Platz, kleine Platzräume im Übergang zum Stadtteil. Die durchgängige Raumkante zum Bahnhofsvorplatz bildet die neue repräsentative Adresse für Feuerbach, wobei die Burgenlandstraße durch eine markante Aufweitung betont wird, das „Tor zu Feuerbach“. Das alte Postgebäude wird wie selbstverständlich in den Stadtraum integriert und erhält seine Funktion als „Grünes Quartiershaus“ mit gemeinschaftlichen Flächen und Gastronomie.

    Der Bahnhofsvorplatz Feuerbach

    Der Bahnhofsplatz als neues Entree von Feuerbach wird als großzügiger, offener und heller Platz gestaltet, der zum Verweilen einlädt. Ein einheitlicher, prägnanter Platzbelag in Form von großformatigen Naturstein- oder Betonplatten bildet eine Plattform für die verschiedenen Nutzungen und verbindet die Platzbereiche über die U-Bahnlinie hinweg.
    Der Bahnhofsvorplatz wird als stadträumlicher Mittelpunkt und Entree für Feuerbach weiterentwickelt, auf den sämtliche Straßen und Baumachsen einmünden.
    Der umlaufende Pflaster-Belag verknüpft den Platz mit den angrenzenden Quartieren, Lichtstelen zu beiden Seiten der Platzkanten bilden den Rahmen für den Platz. Die vorhandenen Einbauten wie z.B. die U-Bahnhaltestelle und die Bunkereingänge werden zu integralen Elementen der Platzgestaltung und nicht länger als störend empfunden.
    Entsprechend der angrenzenden Nutzungen erhält der Platz jeweils unterschied- liche Qualitäten in der Ausgestaltung und Möblierung. Während der östliche Teil die Funktionen des öffentlichen Nahverkehrs wie den Busbahnhof oder die unmittel-baren Bahnnutzungen aufnimmt, erzeugt eine Wasserfläche mit Fontänenfeld am Eingang und Übergang ins Quartier ein belebendes Moment auf dem Platz. Ein grün angelegtes Platzfeld bietet Raum für vielfältiges Spiel und Aufenthalt und betont so auf der Westseite den wohnungsnahen Charakter eines Quartiersplatzes.
    Der Platz wird locker mit Bäumen überstellt, die ihm durch ihre Besonderheit in Blüte und Herbstfärbung seinen eigenen Charakter verleihen, z.B. Blauglocken- bäume oder ein Gleditschien. Die Bestandsbäume können integriert werden.
    Große Bänke unter den Bäumen laden zum Verweilen ein und geben dem Platz den
    Charakter eines Wohnzimmers für die angrenzenden Bewohner des Quartiers.
    Der Übergang zwischen dem Bahnhofsplatz und der städtebaulichen Achse der Burgenlandstraße wird durch eine Aufweitung des Raumes betont, und somit ein fließender Übergang zur Mitte Feuerbachs hergestellt.

    Die Quartiersplätze
    Die beiden Stadtplätze, der Burgenlandplatz und der Dornbirner Platz befinden sich im Randbereich der Baufelder im Übergang zum Stadtteil. Sie funktionieren als Quartiersplätze mit hoher Aufenthaltsqualität und betonen wichtige stadträumliche Situationen.
    Die bereits vorhandenen Beläge im Rahmen der Entwicklung des Roser-Areals werden aufgegriffen und fortgeführt, die neuen Areale werden so wie selbstverständlich in das Stadtgefüge von Feuerbach eingebunden und miteinander verwoben.
    Cafe´s und Läden beleben die Plätze und lassen Kommunikationsflächen zwischen den Bewohnern des Stadtteils und des neuen Wohnviertels entstehen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurf fügt sich durch die einfache stringente Blockrandbebauung gut in den städtebaulichen Kontext ein. Diese klare Struktur lässt sich flexibel in kleinteiligere Baukörper bzw. Bauabschnitte und Funktionen gliedern.
    Mit vier bis fünf Geschossen passt sich die Neubebauung vom Maßstab und Gliederung her gut in das bestehende Stadtquartier ein. Dadurch werden allerdings nur wenige neue architektonische und städtebauliche Akzente gesetzt. Durch die konsequente Raumkantenbildung entlang der Straßenfluchten ergeben aber auch insbesondere für Wohnungen in den Eckbereichen Situationen, die für die Architektur hohe Anforderungen stellen.
    Die zu untergliedernden Baukörper sind vom Äußeren individuell z. B. mit einer modernen Lochfassade und abwechslungsreich, gestaltungsfähig. Auch lassen sich gut verschiedene Wohnungstypen und -größen, für alle Nachfragergruppen entwickeln, hier insbesondere Baugruppen oder Mehrgenerationenwohnen.
    Die Umbauung des gewerblich genutzten nördlichen Bereichs besteht aus Läden und Gastronomie im EG, Büros und Praxen und Ateliers in den Obergeschossen und nimmt insoweit Rücksicht auf die Erweiterungsabsichten der dort ansässigen Firma. Die Belichtung der Räume wird durch kleine Innenhöfe gewährleistet.
    Die äußere Erschließung stellt mit der Achse „Burgenlandstraße“ den ehemaligen Stadtgrundriss wieder her, wobei als besonderer Akzent gerade diese aufgeweitete Achse zum Bahnhof als Grünachse = Planie mit einem vorgelagerten Fontänenfeld eine neue Attraktivität als „Tor zu Feuerbach“ gewinnen kann. Das Quartier ist durch drei prägnante Plätze geprägt – außer dem bestehenden Wiener Platz – der aufgewertet werden soll, wird insbesondere die Funktion und Aufenthaltsqualität in den Verkehrsknotenpunkten - Burgenlandplatz, Kremser Platz - bezweifelt. Schön wird die Wegeverbindung zum Killesbergpark dargestellt.
    Der Wohnhof im Inneren des Baublocks hat dagegen hohe Aufenthaltsqualitäten für Nachbarschaften und zum Spielen, zumal dieser Bereich nicht durch eine Tiefgarage unterbaut ist und somit auch Potential für größere Anpflanzungen bietet.
    Die kompakte Bebauung mit großen Freibereichen und Dachbegrünungen bieten energietechnisch und hinsichtlich Nachhaltigkeit, Klima – Luftaustausch - viele Vorteile. Insgesamt stellt der Entwurf sowohl städtebaulich als auch von der Gestaltung der öffentlichen Bereiche her einen guten Ansatz zur Stadtreparatur und Neubebauung des Schoch-Areals dar.