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  • ein 3. Preis


    Architekten
    Peter W. Schmidt Architekt BDA, Pforzheim (DE), Berlin (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Peter W. Schmidt

    Mitarbeit
    Tobias Schmidt, Barbara Senepart

    Preisgeld
    3.000 EUR

    Erläuterungstext
    Mit dem Entwurf eines Vereinsheims nebst Mehrzweckhalle für die Turn- und Sportgemeinde Rheinau in direkter Nachbarschaft zum Neubau einer Lidlfiliale wird an dem bestehenden Sportgelände der TSG ein städtebauliches Zeichen gesetzt.
    Mit der gewählten städtebaulichen Figur wird die Ablesbarkeit der einzelnen Nutzungen ermöglicht, gleichwohl das Bauvolumen als Ganzes verstanden und umgesetzt.

    Die Stellung der Lidlfiliale parallel zum Rheinauer Ring ist aus der städtebaulichen Großform abgeleitet. Uns war es wichtig ein einheitliches Bauvolumen zu schaffen, welches eine Realteilung der beiden Nutzungen zulässt und eine präzise außenräumliche Abgrenzung ermöglicht, damit das klassische Konfliktpotential von Beginn an begrenzt wird.

    Den nutzerspezifischen Anforderungen werden mit der Anordnung der Lidlfiliale im Norden und der dortigen Zufahrt für die Stellplätze und die Anlieferung Rechnung getragen. Eine „Brandwand“ zur Filiale und dem Parkplatz schafft eine Zäsur zum neuen Vereinsheim und der Mehrzweckhalle der TSG Rheinau.
    Die Ausrichtung des Vereinsheims nach Südwesten, mit dem in den Baukörper eingeschnittenen Hof, verleiht dem Neubau die nötige Präsenz und Atmosphäre, die der altehrwürdigen Turn- und Sportgemeinde Rheinau gerecht wird. Die Lage des Vereinsheims am Rheinauer Ring gegenüber dem Nachbarschaftshaus spannt einen perspektivischen Außenraum auf, der seinen Fokus an der Waldgrenze hat. Die ehemalige Baumallee, südlich der bestehenden Parkierungsanlage des Nachbarschaftshauses ist ein wichtiges landschaftsplanerisches Element, welches wieder herausgearbeitet wird und in den Entwurf eingebunden ist. Die Stellplätze an sich werden nicht verändert. An die Stadt geht die Empfehlung über eine veränderte Belagswahl, eine dem Ort angemessene und mit dem Neubau in Verbindung stehende Gestaltung zu erreichen.
    In Verlängerung des Vereinsheims und der Mehrzweckhalle wird östlich eine Zone, die mit einer Baumreihe von den Lidl-Parkplätzen abgesetzt ist, ausgebildet. In diesem Geländestreifen sind die für den Verein notwendigen Stellplätze “eingelassen“. Wir gehen in der Arbeit davon aus, dass oberste Priorität die Erhaltung der bestehenden Bäume besitzt, die durch eine sorgsame Ergänzung eine unvergleichliche Qualität entstehen lässt. Ein Parken unter Bäumen, dadurch abgesetzt, dass die Fläche für die Parkierung als wassergebundene Decke ausgebildet wird. Ebenso die Zufahrt, die über die bestehenden Parkplätze des Nachbarschaftshauses erfolgt.
    Zu Gunsten der Außenraumqualität und eines fließenden Übergang vom Wald zu unserem östlich angelagerten Freiraum, der auch die neue Wegebeziehung zu den Außensportflächen definiert, wird auf die Ausweisung scharf eingeschnittener Stellplatzflächen verzichtet.

    Das Raumprogramm des Vereinsheims fordert eine Gaststätte mit dazugehöriger Außengastronomie. Sie ist geschützt und geborgen zwischen Mehrzweckhalle und der ebenerdigen Restaurantfläche im Hofbereich vorgesehen. Nach Belieben und Bedarf kann sich die Außengastronomie nach Süden erweitern.
    Die Präsenz des neuen Vereinsheims wird durch die Ausbildung eines Kopfgebäudes am Rheinauer Ring gestärkt und rückt mehr in das Bewusstsein der Öffentlichkeit.
    Das Vereinsheim zeichnet sich durch eine eindeutige Gliederung der geforderten Nutzungs- und Funktionseinheiten aus. Die Anordnung des Gymnastik- und Veranstaltungsraums im Obergeschoss ebenso wie Sitzungsraum und Büro erlaubt eine Verdichtung der Baumasse, die dem Gesamtentwurf sehr entgegenkommt. Der Gymnastik- und Veranstaltungsraum ist zudem über eine Dachterrasse direkt von außen erreichbar, es ergibt sich eine weitere Nutzungsoption für den Verein. Die Pächterwohnung erhält ihren eigenständigen Zugang vom Rheinauer Ring und hat als besonderes Merkmal eine große Dachterrasse, die der Wohnung eine besondere Qualität gibt.

    Die Besonderheit des Entwurfs besteht darin, ein Ensemble zu entwickeln, mit unterschiedlichen Nutzungen, die zudem mit einer anderen Frequenz von Kunden und Besuchern umgehen muss. Die Bauflucht entlang des Rheinauer Rings ist in dem eher heterogenen Umfeld ein Blockrand, der den gegenüberliegenden Wohnbebauungen in Verbindung mit dem Baumbestand eine ruhige Blockrandbebauung gegenüberstellt, die in ihrer Höhe moderat ausfällt. Alle Flachdächer sind extensiv begrünt, so dass sich vor dem Wald im Hintergrund eine teppichartige Grünstruktur entwickelt.

    Die Konstruktion des Gebäudes besteht aus einem konventionellen zweischaligen Mauerwerk mit Sichtmauerwerk als äußere Schale. Für Tragkonstruktion der Halle sind Leimholzbinder vorgesehen, welche die ästhetische Qualität im Inneren der Halle maßgeblich mit beeinflussen und in Verbindung mit den Prallwänden eine Einheit darstellen.
    Die Mehrzweckhalle ist nach Südwesten auf gesamter Länge als Glasfassade konzipiert. Feststehende Sonnenschutzlamellen sorgen für einen dauerhaften Sonnen- und Blendschutz, der durch außenliegende Jalousien ergänzt wird.

    Die Wahl einer Klinkerfassade für die Lidlfiliale und das Vereinsheim spiegelt einen zeitlosen Charakter wider, der zudem die Gebäude, welche auf Dauer angelegt sind, in Würde altern lässt und durch die Patina, die sich im Lauf der Jahre einstellt, einen spezifischen Charakter verleiht.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurf fasst die unterschiedlichen Funktionen „Lidl Markt, Turnhalle, Gaststätte, Vereinsheim und Wohnung „ in einem einzigen winkelförmigen Baukörper zusammen.

    Durch diese Ballung der Baumasse entsteht eine städtische Figur, die am Waldrand Rheinaus nicht überzeugt. Die Darstellung des Grünraums erscheint dabei wenig durchgearbeitet.

    Gestalterisch ist der Entwurf dagegen gut durchgearbeitet, dabei macht die Klinkerfassade einen sehr wertigen Eindruck, unterstreicht aber die kritisch gesehene städtische Anmutung.

    Funktional weist die Grundrissdisposition verschiedene Mängel auf:
    - die Außengastronomie am Eingangshof und in schalltechnisch kritischer Nähe zum Nachbarschaftshaus und ohne Beziehung zum nahen Wald
    - die Anordnung der Stellplätze jenseits der Turnhalle
    - die Lage von Vereinsräumen im OG, welches den Bau eines Aufzugs nach sich ziehen würde
    - der Zuschnitt des Gymnastikraums
    - die einseitige Anordnung des Geräteraums, die bei hälftiger Teilung der Turnhalle nicht funktioniert

    Insbesondere die recht teure Klinkerfassade und der notwendige Aufzug schlagen bei der Betrachtung der Wirtschaftlichkeit negativ zu Buche.
    Insgesamt eine interessante, architektonische Lösung, die aber städtebaulich an diesem Ort deplatziert erscheinen würde.

    Beurteilung Lidl: Zufahrt und Lage aus Sicht von Lidl gut. Sichtbarkeit schlecht.

    Beurteilung Schallschutz: Der Entwurf zeigt eine schalltechnische Optimierung der Stellplätze der Lidl-, als auch der Vereinsnutzungen und der Andienung. Die Außengastronomie ist aus schalltechnischer Sicht ungünstig gelegen.