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  • DE-54290 Trier
  • 12/2012
  • Ergebnis
  • (ID 2-111644)

Römerbrücke und Umfeld


  • Anerkennung

    Römerbrücke und Johanniter-Terrassen

    Landschaftsarchitekten
    LA.BAR Landschaftsarchitekten bdla, Berlin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: de+ architekten, Berlin (DE)

    Preisgeld
    3.333 EUR

    Erläuterungstext
    Mitarbeiter:
    Rüdiger Amend, Rike Kirstein, Johanna Kahabka, Heidrun Fehr, Anna Ludwig, Katrin Jacob, Sybille Jünger, Jan Gordon (Perspektiven).


    Erläuterungstext
    Ziel ist eine langfristige Entwicklung, welche die Stadt an die Mosel führt. Hierfür ist das Erscheinungsbild der urbanen Silhouette entlang der Mosel neu zu formulieren und zu gestalten. Die Moselufer sollen zu innerstädtischen Freiräumen mit hoher gestalt- und Aufenthaltsqualität entwickelt werden. Vorhandene Qualitäten sollen dabei gestärkt, aber nicht überformt werden. Vorhandene Materialitäten sollen weiterverwendet und dezent mit neuen Materialien ergänzt bzw. kontrastiert werden. Die Vernetzung des Flussraumes mit den angrenzenden Quartieren soll verbessert werden. Neue Treppenanlagen, Terrassen und Rampen sollen den Zugang zur Mosel sowie die Aufenthaltsqualität am Fluss und in unmittelbarer Nähe der Römerbrücke verbessern.

    Die Römerbrücke ist das zentrale Element für die an der Mosel liegenden Stadtbereiche und als älteste Brücke Deutschlands von großer historischer und touristischer Bedeutung. Sie soll zu einem lebendigen Baustein der anliegenden Quartiere und der Stadt Trier entwickelt werden. Besucher sollen zukünftig die Brücke als historisches Relikt der Römerzeit in einem lebendigen und attraktiven Umfeld erleben. Die Römerbrücke soll Funktionalität mit einer hohen Aufenthaltsqualität im Alltag verbinden, aber auch ein attraktiver Ort für kulturelle Veranstaltungen werden.

    Die Brückenköpfe sollen nicht wie heute überwiegend als Straßen- und Verkehrsraum wahrgenommen werden, sondern als attraktive Erlebnisräume mit hoher Aufenthaltsqualität in das Stadtleben einbezogen werden. Sie bilden das Entree in die jeweiligen Stadtquartiere. Ihr heutiges Erscheinungsbild wird dieser Aufgabe nur wenig gerecht. Daher sollen hier neben den Gebäuden auch die öffentlichen Verkehrs- und Platzflächen neu gestaltet und gefasst werden.

    Auf der Ostseite werden die vorhandenen Gebäude rechts und links der Einmündung der Karl-Marx-Straße durch Neubauten ersetzt. Sie bilden den Eingang zur historischen Altstadt. Die Front des nördlichen Blocks springt in Richtung Innenstadt zurück. Der Raum nach Norden wird durch eine Blockrandbebauung neben dem ehemaligen Zollamt abgeschlossen. Auf diese Weise entsteht ein attraktiver Boulevard am Johanniter Ufer, der Platz für Außengastronomie mit Abendsonne und Blick auf die Römerbrücke bietet. Durch eine weitere Ampelanlage wird der Haltebereich des südlich fließenden Verkehrs an die Dampfschiffstraße verlegt, so dass der Anteil der im Bereich des neuen Boulevards anfahrenden LKW und PKW reduziert wird und die Aufenthaltsqualität steigt.
    Die Front des südlichen Blocks springt wieder in Richtung Mosel. Hier verläuft der Boulevard in einer Arkade bis zur Kaiserstraße.
    Am Alleenring ergänzt ein neuer Kopfbau die vorhandene Bebauung und schließt das Bild der neuen Stadtsilhouette ab. Die heutige Umfahrung von Kaiserstraße und Südallee entfällt und wird Teil des neuen Boulevards. In Verlängerung der Südallee führen die neuen Barbara-Treppen hinab zur Mosel und einer neuen Stufenanlage am Fluss. Von der Mosel aus gesehen stellen Sie eine neue Verbindung zu dem Areal der Barbara-Thermen dar.

    Die Barbara-Thermen bilden ein noch zu erschließendes Potential für das Erlebnis des römischen Erbes in Trier. Im Block westlich der Grabungsstätte befinden sich mehrere unbebaute oder mindergenutzte Grundstücke welche zusammengenommen den Ausgangspunkt für einen lang gestreckten Riegel bilden. Das neue Gebäude schafft eine weitere Verbindung zwischen der Mosel und der Ausgrabungsstätte. Als Nutzung sind hier die Neuen Barbara-Thermen mit verschiedenen Sauna- und Wellnessangeboten vorstellbar, die einen Anknüpfungspunkt zur Besonderheit des Ortes schaffen.

    Auf der Westseite der Mosel steht der ehemalige West-Bahnhof unmittelbar in der Achse der Brücke. Mit der Wiederinbetriebnahme dieses Bahnhofs bildet dieser Bereich für Reisende den westlichen Eintritt zur historischen Altstadt. Der Bahnhofsvorplatz und der Brückenkopf als Ausgangs- und Endpunkt der Römerbrücke müssen hierzu grundsätzlich neu geordnet und gestaltet werden. Der Bahnhof und die flankierenden, teilweise neu zu errichtenden Gebäude bilden den Rahmen für den Vorplatz. Nach Entfall des Individualverkehrs über die Römerbrücke in 2025 kann die nördlich des Bahnhofs über die Gleise führende Eurener-Straßen-Brücke rückgebaut werden. Auf die Ausbildung einer Kreuzung oder eines Kreisverkehrs kann dann verzichtet werden. Eine Fußgänger- und Fahrradbrücke verbindet den Bahnhofsvorplatz mit dem neuen Quartiersplatz auf der Westseite der Gleisanlagen. Vom Bahnhof führt eine von zwei formalen Baumreihen gesäumte Stufenanlage zur höher gelegenen Aachener Straße, die in diesem Abschnitt zu einem Shared Space umgestaltet und in die Platzanlage integriert wird. Dieser Platz erhält den gleichen Belag wie die Brücke und ist mit Bäumen locker bestanden. Auch die Sitzelemente sind wie hingestreut auf dem Platz verteilt. Unmittelbar am Westlichen Brückenkopf wird das Gebäude der heutigen Sparkasse durch ein markantes, punktförmiges Gebäude mit Aussichtsterrasse ersetzt. Dieses bildet ein städtebauliches Pendant zu den Neubauten auf der Ostseite. Eine neue Stufenanlage ergänzt die vorhandene Terrassierung und führt vom Platz zur Mosel.

    Mit den markanten historischen Gebäuden Aachener Straße 6 und Luxemburger Straße 2 – dem ehemaligen Bahnhof (das heutige Benedikt-Labre-Haus) – befinden sich hier auch zwei Baudenkmale. Das Gebäude Aachener Straße 1 besitzt einen historischen Wert. Ähnlich wie auf der östlichen Uferseite springt im Bereich des heutigen Hotels Römerbrücke die Gebäudefront zurück und ermöglicht so eine attraktive Verbindung zur Mosel. Die neuen Moselterrassen schaffen in Verbindung mit einer gastronomischen Nutzung einen attraktiven neuen Ort mit Blick auf die Römerbrücke.

    Neben dem Umbau der vorhandenen Büro- und Geschäftshäuser soll zukünftig auch das Wohnen in der Stadt insbesondere am Ufer der Mosel gestärkt werden. Hierzu bieten sich unterschiedliche Quartiere an. Im Bereich der Innenstadt sind es vor allem die Randbereiche des Krankenhausareals am Krahnenufer, welches durch eine punktförmige Bebauung mit Blick auf die Mosel verdichtet werden kann.
    Auf der Westseite bietet sich das Quartier zwischen Römerbrücke und Europäischer Kunstakademie für hochwertiges Wohnen an. Hierfür soll langfristig eine Nachverdichtung vor allem entlang der Uferseiten angestrebt werden. Im Bereich der Gewerbeflächen Richtung der Gleisanlagen sollte der Straßenraum durch eine flankierende Bebauung gestärkt werden.

    Nördlich der Europäischen Kunstakademie bietet das Areal des momentan als Skaterhalle genutzten Gebäudes ein hohes Entwicklungspotential vor allem für kulturelle Einrichtungen. Ein zum Ufer hin orientierter Platz bietet Raum für Veranstaltungen und Gastronomie. Eine Fortführung des Platzes an den Uferweg und über diesen hinaus als Platz am Ufer verankert die Institution der Akademie weithin sichtbar an der Mosel und bietet einen vielseitig nutzbaren Anknüpfungspunkt an den Moselradweg. Eine Fähre stellt eine direkte Verbindung zwischen Krahnenufer und der Akademie her und ermöglicht so einen neuen attraktiven Rundweg am Moselufer und die Integration der Ufer in die Touristenroute. Ein der Akademie vorgelagerter Kunststrand bildet in Verbindung mit der Fähre eine zusätzliche (touristische) Attraktion, wie es beispielsweise die Fähre „Hal Över“ und das „Café Sand“ in Bremen nachhaltig gezeigt haben.


    Das neue Moselufer

    Thematisch gibt es zwei Ebenen, die deutlich den Wechsel von steinerner, Menschen gemachter Welt zum natürlichen Flussraum symbolisieren. Der Uferweg der schwerpunktmäßig das Bild der natürlichen Flusslandschaft bedient steht hierbei im Kontrast zu den Boulevards und Plätzen im Bereich der gebauten Stadt.

    Entsprechend der Zielstellung, die Stadt mit der Mosel zu verbinden werden die Uferbereiche punktuell neu gestaltet und setzen so neue Akzente in der Stadt. Ausgangspunkt für diese Interventionen bilden die vorhandenen topografischen Verhältnisse sowie die historischen Krananlagen und Mauern. Die Uferwege werden zur Aufnahme der heutigen Verkehrsbelastung durch Fußgänger, Fahrradfahrer und Skater auf mindestens 5m verbreitert.

    Die städtebauliche Aufwertung des Johanniter-Ufers findet ihre Fortführung in den Johanniter Terrassen. Über eine neue Treppe gelangt man direkt von der Römerbrücke auf einen kleinen Platz am Pegelhäuschen. Eine steinerne Sitzstufenanlage führt an die Mosel und lädt zu einer Pause am Fuße der Römerbrücke ein. Die gastronomische Versorgung erfolgt neben den Restaurants und Cafés am Johanniter Boulevard durch einen neuen Pavillon auf dem oktogonalen Plateau vis á vis der Dampfschiffstraße. Hier befindet sich auch eine weitere Treppenanlage.

    Südlich der Römerbrücke gehen die Johanniter Terrassen über in die neuen Barbara Terrassen und den Barbara Balkon. Eine neue Freitreppe in Verlängerung des Allenrings – die Barbara Treppe – und eine Rampenanlage an der Konstantinsäule führen an die Mosel und verbinden den Moselweg mit den Barbara Thermen.

    Das Ufer am Alten Kran wird durch touristische und gastronomische Angebote aufgewertet und zu einem Ort, von welchem Stadt, Brücke, Fluss und Landschaft auf einzigartige Weise erlebt und gesehen werden können. Eine neue Treppenanlage am Ende der Krahnenstraße und eine neue Querung über das Krahnenufer binden diesen Ort an die Krahnenstraße und weiter an die Innenstadt an, ohne in den Bestand einzugreifen. Die vorgefundene Topografie mit den lang gestreckten Rampen und Höhensprüngen bildet die Grundlage für die Gestaltung dieses besonderen Ortes. Eine Stufenanlage führt zu einem neuen Platz, der sich auf dem Niveau der vorhandenen Kaimauer befindet. Diese wird nach Süden verlängert und durch Rasenstufen ergänzt. Am unteren Platz befindet sich der Liegeplatz für ein Restaurantschiff mit Außengastronomie. Von hier hat man einen wunderbaren Blick auf den Kunststrand und die Römerbrücke. Der Kaimauer vorgelagert befinden sich eine Treppenanlage und eine Rampe für die Fähre, die das Krahnenufer mit dem Kunststrand und der Kunstakademie verbindet. Weiter nördlich befinden sich Liegeplätze für Wassersportler und –touristen. Alle Ebenen sind auch barrierefrei zu erreichen.

    Der Abschnitt zwischen Johanniter Terrassen und dem Alten Kran wird als grün geprägtes Ufer gestaltet. Die Bäume bleiben erhalten, die Strauchpflanzungen werden zugunsten großzügiger Wiesenflächen entfernt. Das Ufer erhält eine durchgehend gefasste Kante. Durch die vorhandene Mauer von dem Verkehr der Krahnenuferstraße geschützt, wird nördlich des Zollkrans ein großzügiger Aufenthaltsbereich mit erhöhter Aussicht auf die Mosel geschaffen.

    Auch das westliche Ufer bleibt überwiegend grün geprägt. Die Bäume bleiben erhalten, die Strauchpflanzungen werden zugunsten großzügiger Wiesenflächen entfernt. Das Ufer erhält eine durchgehend gefasste Kante die im Bereich des Kunststrandes durch Sitzstufen ergänzt wird.


    Die Römerbrücke 2015

    Die 8,10 m breite Fahrbahn wird auf zwei Fahrstreifen reduziert und erhält zusätzliche Radverkehrsanlagen. Die heutigen Bordsteine werden beibehalten. Über einen vorgezogenen Aufstellstreifen können Radfahrer geradeaus in die Karl- Marx-Straße fahren. Die Fußgängerwege sind ca. 2,35 m breit und verlaufen beidseitig.


    Die Römerbrücke 2025

    Die Brücke wird auf die antike Breite von 10,15m zurückgebaut. Dem Charakter der überkommenen Pfeiler entsprechend ist die Formensprache der Brücke reduziert, materialorientiert und ohne dekorative Elemente. Die neue Brüstung wird in einer massiven Bauweise aus rotem Sandstein mit einem Abschluss auch hellem Naturstein hergestellt. Die Fuge zwischen dem historischem Mauerwerk und der neuen Brüstung wird durch eine zurückspringende Steinreihe akzentuiert.
    Der Belag der Brücke wird weitgehend homogen aus hellroten Natursteinplatten gestaltet. Die Busspur verläuft in der Mitte der Brücke und wird durch zwei 50cm breite Pendelrinnen kenntlich gemacht.
    Die Busspur funktioniert abwechselnd im Einbahnsystem. Für den motorisierten Individualverkehr ist die Brücke gesperrt. Fahrradfahrer teilen sich den Verkehrsraum mit den Fußgängern, können aber auch die Busspur benutzen. Um die Aufenthaltsqualität für Passanten und Touristen auf der Brücke zu erhöhen werden Sitzgelegenheiten angeboten. Die Illumination der Brücke unterstreicht die reduzierte Formensprache. Strahler fluten die Bögen, Lichtbänder in der Brüstungsinnenseite unterstreichen die Linearität der Brücke. Einreihig angeordnete Mastleuchten beleuchten die Busspur und die Gehwege.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit stellt als Leitgedanken den Wechsel von der steinernen, gebauten Stadt zur natürlichen Flusslandschaft in den Mittelpunkt. Die Verfasser behandeln dabei beide Moselufer gleichwertig, akzentuieren und markieren durch die Ausgestaltung einzelner Uferbereiche besondere Anknüpfungspunkte zwischen Ufer und Stadt. Diese undifferenzierte Haltung hinsichtlich der Gestaltung der Ufer wird kritisch bewertet.
    Vorschläge für bauliche Ergänzungen und Umformungen stärken die Stadtsilhouette angemessen, ohne die vorhandene Stadtstruktur der Uferzonen gänzlich zu überformen und in Frage zu stellen.

    Die Ausarbeitung der hervorgehobenen Uferabschnitte ist auf den einzelnen und besonderen Ort abgestimmt. Dabei wird insbesondere die Ausgestaltung unter dem Brückenkopf auf der Ostseite mit einer durchgehenden Treppenanlage als konkurrierend zum Brückenkopf der Römerbrücke gesehen. Der behutsame Umgang mit der vorhandenen Uferlandschaft unter Beachtung der strömungstechnischen Verhältnisse lassen – mit Ausnahme des Kunststrandes – eine unproblematische Umsetzung der baulichen Anlagen in der Realisierung erwarten.

    Die zurückhaltende Verkehrsführung auf den beiden Brückenköpfen ermöglicht eine den besonderen räumlichen Bedingungen angemessene Gestaltung, die vor allem im Bereich des Bahnhofsplatzes die vorhandenen topografischen Verhältnisse klar definiert und für die Platzgestaltung nutzt.

    Besondere Anerkennung verdient die Gestaltung der Römerbrücke. Unter Rücknahme des Brückenquerschnitts auf das historische Maß werden die Brüstungen in gleiche Materialität wie die Sandsteinbögen mit neuen Sandsteinen ausgemauert. Eine klar ablesbare Mauerfuge trennt erkennbar die Brüstungen vom Bogenmauerwerk. Im Bild der Brücke treten die römischen Basaltpfeiler deutlich hervor, die Monumentalität des Bauwerkes wird durch die Materialbeschränkung gestärkt. Das Beleuchtungskonzept mit seiner Mischung aus wenigen Mastleuchten mit gestuftem Lichtaustritt, linearen, nach innen gerichteten Lichtbändern unter den Brüstungsabdeckungen und flächiger Aufhellung der unterleuchteten Brückenköpfen ist vielgestaltig.

    Mit nur einer Busspur bedarf die Führung des ÖPNV einer besonderen Verkehrssteuerung. Durch diesen Lösungsvorschlag können jedoch entsprechend großzügige, beidseitige Geh- und Radfahrbereiche gewonnen werden. Die einheitliche Belegung der Brücke mit Natursteinplatten ist konsequent, in ihrer technischen Reali-sierbarkeit im Bereich der Busspur zu hinterfragen.

    Die Vorschläge erscheinen mit ihrer Konzentration auf Gestaltungsschwerpunkte wirtschaftlich umsetzbar und mit vertretbarem Aufwand dauerhaft zu unterhalten.