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  • DE-54290 Trier
  • 12/2012
  • Ergebnis
  • (ID 2-111644)

Römerbrücke und Umfeld


  • 1. Preis


    Landschaftsarchitekten
    lohrer.hochrein landschaftsarchitekten und stadtplaner gmbh, München (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Till Kwiotek, Nicole Buttke

    In Zusammenarbeit mit:
    Lichtplaner: DAY & LIGHT LICHTPLANUNG, München (DE)

    Preisgeld
    27.000 EUR

    Erläuterungstext
    Erläuterungstext

    Konzept | Trier wendet sich wieder der Mosel zu. Tradierte Bilder dieses Ortes am Fluss wie beispielsweise die des linearen Treidelpfades und der flächigen Kaianlagen werden überlagert, neuinterpretiert und zu einer offenen, terrassierten und flusszentrierten Parkanlage entwickelt. Die Römerbrücke bildet den zentralen Blickfang und wird das Herz dieser freiräumlichen Inszenierung. Gestalterisch werden rechtes und linkes Ufer entsprechend der städtebaulichen Wichtung unterschiedlich intensiv entwickelt. Beide Seiten setzen sich merklich von der ansonsten üblichen vorbeigleitenden Freiraumgestaltung entlang der Mosel ab, verweisen auf das Dahinterliegende und markieren so deutlich die Besonderheit in diesem Abschnitt. Sie spielen mit dem Begriff „Ufer“, machen Wasser erlebbar und sind durch ein changierendes Netz an Wegen und Zugängen eng mit den angrenzenden Quartieren verknüpft.


    Verkehrskonzept | Das beigelegte Rahmenkonzept bildet die Basis für das vorliegende Gestaltungskonzept.


    Rechtes Moselufer | Eine einladend breite „Terrasse“ prägt das östliche Moselufer. Sie ergänzt die obere, auf der Höhe der Straße befindliche und von Schnittplatanen gesäumte Terrasse durch eine westexponierte und flexibel nutzbare offene Ebene auf dem unteren Niveau in der Nähe des Flusses. Ein breiter Sockel aus Betonfertigteilen ist Stützmauer und durchgehender Radweg zugleich. Er fasst die ansonsten mit Katzenkopfpflaster befestigten Flächen. Angelehnt an die historischen Flutmauern finden sich begleitend lang gestreckte Sitzsteine.
    Die Terrasse wird durch großzügige Rampen- und Treppenanlagen und durch zwei barrierefreie platzartige Unterführungen (Krahnenstraße, Südallee) eng an die Innenstadt angebunden. Im Umfeld der Römerbrücke öffnet sich die Baumsilhouette. Der mittelfristig entstehende stadtseitige Vorplatz schafft ausreichend Verweil- und Orientierungsraum. Medienstele und neues gläsernes Café rahmen den Blick auf Brücke, Fluss und gegenüberliegendes Ufer.


    Römerbrücke | Die Römerbrücke wird auf ihr historisches Profil zurückgebaut. Die erforderliche Absturzsicherung wird durch ein lesbar zeitgenössisches wie dezent schlichtes Stabgeländer gewährleistet. Der Belag aus engfugigem Großstein im Flechtverband und gebundener Bauweise entspricht der historischen Wertigkeit der Brücke, ist aber zugleich ausreichend belastbar für die weiterhin intensive Busbefahrung. Aus dem Belag heraus entwickelte Muldenrinnen markieren mittig deren Fahrbereich.


    Linkes Moselufer | Das linke Ufer ist landschaftlich geprägt. Zwei alternierend schwingende Wege erschließen das Ufer in der oberen und unteren Ebene. Kleinere Auftaktplätze gliedern die Wegestrecke und verweisen auf die nach hinten führenden Stichwege.
    Höhepunkt bildet der westliche Brückenkopf, der durch eine platzartige, flache Freitreppe bis an das Wasser hinunter führt.

    Westlicher Brückenkopf | Der Bereich zwischen westlichem Brückenkopf und Bahnhof wird als offener Platz entwickelt. Die zukünftige Bahnparallele erlaubt es, den Platzbereich als verkehrsberuhigten Bereich auszuweisen. In der ansonsten ebenen Fläche wird der Durchfahrtsbereich durch Plattenbänder markiert. Die Bushaltestellen erhalten barrierefreie Kasseler Borde.


    Geschichtspromenade | Die Südallee wird mit einem einladend breiten Fußweg zu einer Geschichtspromenade weiterentwickelt, die die wesentlichen historischen/archäologischen Orte miteinander verbindet.
    Die Anbindung zur Mosel wird mittelfristig barrierefrei fern vom Verkehr über eine Unterführung gewährleistet.


    Phasenweiser Umbau | Das Konzept ist modulhaft ausgebaut und kann in entsprechenden Teilabschnitten Schritt um Schritt umgesetzt werden. Für den Bereich der Römerbrücke wird bis zum Rückbau der Auskragungen ein einfacher Zwischenschritt in ebener Fläche aus Asphalt vorgeschlagen


    Lichtkonzeption | Die Beleuchtung der Brücke schafft eine unverwechselbare Lichtidentität des Ortes. Sie unterstreicht den historischen Charakter durch eine angemessene Inszenierung der Materialität, bleibt aber gleichermaßen unaufdringlich. Die Seitenflächen werden von den Brückenpfeilern aus mit einer warmen Lichtfarbe angestrahlt. Die Pfeiler selbst erhalten an der oberen Kante ein Lichtband, welches entlang der Pfeileroberfläche nach unten strahlt. Die Verkehrsfläche auf dem Viadukt bleibt frei von auffallenden Leuchtenkörpern. Die Beleuchtung erfolgt nur aus der Geländerbrüstung heraus. Der Uferweg wird durch gut entblendete Wandeinbauleuchten von der Mauer aus beleuchtet. So bleibt der Blick auf Mosel und Brücke ohne Störung durch Lichtpunkte und deren Reflexionen im Wasser.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit überzeugt durch ihre Leitidee, die Stadt Trier an die Mosel zu bringen. Hierbei ist besonders neben der Unterschiedlichkeit der beiden Ufer die Ausprägung des östlichen Ufers nennenswert.

    Die Aufnahme der flächigen Ausdehnung der historischen Hafenanlage wird positiv bewertet. Diese wie eine Klammer wirkende Vernetzung bietet einen guten innerstädtischen Rundweg. Auch der Vorschlag der neuen Fußgängerbrücke über die Pferdeinsel wird als gut bewertet. Die Verzahnung im Bereich des Westufers erscheint klar: Die Darstellung mit den Baumreihen und der Baumallee auf der Aachener und der Luxemburger Straße wirkt etwas banal.

    Die Ausbildung dieser "Geschichtspromenade" mit Integration der historischen Flutmauern, den historischen Krananlagen und der Ausbildung von zwei Promenaden auf zwei unterschiedlichen Höhen überzeugt. Die Wahl des Oberflächenmaterials Kopfsteinpflaster ist im Hinblick auf den angestrebten Hafencharakter nachvollziehbar, wird aber kontrovers gesehen. Auch die Ausbildung des Anlegestegs am alten Kran erscheint nicht gelungen.

    Der Brückenkopf auf der Westseite ist in seiner Aufteilung angemessen. Die verkehrliche Situation ist funktional und insbesondere der vorgesehene Bushalt wirkt belebend für den Platz.

    Der Entwurf ignoriert die Topografie zum Bahnhofsgelände hin. Die Dimensionierung der Treppenanlage und ihr formalistischer Abschluss werden negativ bewertet. Aber bei beiden Seiten bleiben die Brückenköpfe gut ablesbar.

    Auf der östlichen Seite wird sehr positiv gesehen, dass der Entwurf von einer realistischen Verkehrsplanung ausgeht und darauf aufbauend eine sehr gut umsetzbare Lösung aufzeigt. Die Anbindung der Südallee an das Moselufer geschieht oberirdisch an der richtigen südlichen Seite. Die vorgeschlagene Unterführung respektiert den historischen Gebäudebestand und zeigt somit die bestmögliche Variante, wobei die Thematik der Unterführung grundsätzlich kritisch gesehen wird. Die Anbindung an das Moselufer über die nach Süden lang gestreckte Rampe überzeugt nicht.

    Durch die Wegnahme der nördlichen Eckbebauung an der Karl-Marx-Straße und die Ausbildung eines angemessenen Platzraumes bei gleichzeitiger Akzentuierung des vorhandenen Baukörpers wird der Entwurf der stadträumlichen Bedeutung dieser Straße als Anbindung zur Trierer Innenstadt gerecht.

    Die Aufteilung der Brückenoberfläche, das dezente transparente Stabgittergeländer und das auf Mastleuchten verzichtende Lichtkonzept sind nachvollziehbar.

    Im Gesamten bietet diese Arbeit eine gute städtebauliche Perspektive unter respektvoller Würdigung der histori-schen Spuren in der Stadt Trier. Die Arbeit scheint eine nachhaltige und wirtschaftliche Lösung für die gestellte Aufgabe zu bieten.