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  • DE-82152 Martinsried
  • 07/2012
  • Ergebnis
  • (ID 2-127225)

Ortsmitte Martinsried


  • Gewinner

    Lageplan

    Landschaftsarchitekten
    Lex Kerfers_Landschaftsarchitekten und Stadtplaner BDLA, Bockhorn bei Erding (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Rita Lex-Kerfers

    Mitarbeit
    Alice Gundermann-Werner

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten, Stadtplaner: MORPHO-LOGIC | Architektur und Stadtplanung, München (DE)

    Erläuterungstext
    Angestoßen von der dynamischen Entwicklung des Biotechnologie-Campus und der geplanten U-Bahnverbindung des Ortes werden in einem Planungsprozess die Entwicklungsziele für die Ortsmitte neu definiert und in einem städtebaulichen Rahmenplan ausformuliert.
    Im Vordergrund stehen, eine dem Ort und der Aufgabe angemessene räumliche Strukturierung und Gestaltung der Aufwertung von Aufenthaltsqualitäten in den öffentlichen Räumen und der Vernetzung der Ortsmitte mit dem Campusgelände. Dabei gilt es besonders, die notwendigen Verkehrsfunktionen verträglich in ein Gesamtkonzept zu integrieren. Der Mittelbereich sollte zu einem Orientierung stiftenden Raum werden, der grundlegende Verbesserungen der Aufenthalts- und Erlebnisqualität aufweist. Gleichzeitig sollten die zentralen Grünräume mit den regionalen Grünzügen attraktiv vernetzt werden. Durch die Aktivierung des grünen Netzes erfährt die Ortsmitte eine Aufwertung, so dass das gesamte Profil Martinsrieds gestärkt hervorgeht.

    Der Kirchplatz im Süden von Martinsried gilt als identifikationsstiftende Mitte und wird als solche von den Bürgern sehr geschätzt. Dieser sollte als historischer Kern unter Bewahrung seines Charakters in die Ortsmittenentwicklung integriert werden und näher an die belebte Mitte gerückt werden. Das Augenmerk wurde dabei auf die behutsame Weiterentwicklung der dörflichen Struktur im Raum der Kirche gelegt. Gleichzeitig wurde darauf geachtet, den geschichtsträchtigen Kirchplatz in die Neugestaltung der öffentlichen Räume zu integrieren.

    Als Gegenpol zum historischen Kirchplatz gilt das moderne Campusgelände Martinsried. Planungsziele hierbei waren es, Ortsmitte und östlich davon gelegenes Campusgelände stärker miteinander zu verknüpfen sowie Angebote für Beschäftigte und Studierene in Form von Wohnen, Gastronomie und Handel in der Ortsmitte auszubauen. Die Ortsmitte sollte sich zum attraktiven Bezugspunkt für den Campusstandort Martinsried entwickeln und in diesem Sinne mit temporären und langfristigen Nutzungsmöglichkeiten ausgestattet werden.

    Die bislang isoliert nebeneinander liegenden Quartiere und Funktionsbereiche sollen in Beziehung zueinander gesetz werden. Dies geschieht zum einen durch eine Neuformierung bzw. Verlagerung von Nutzungen, zum anderen durch eine Neustruktur- ierung der öffentlichen Räume. Ausgehend von den vorhandenen Qualitäten soll ein Mehrwert an Funktionalität und Aufenthaltsqualität generiert werden. Die zentrale Ost-Westachse, die sich vom Zentrum Martinsrieds nach Gräfelfing im Westen und zum Campus im Osten erstreckt, ist Dreh- und Angelpunkt der Orts- entwicklung. Sie wird als sequentielles Band unter- schiedlicher räumlicher Atmossphären interpretiert. Schwerpunkt wird der neue Markt gefolgt von einem Anger der sich bis zum Campus erstreckt und seine Verlängerung im zentralen Freiraum des Campus findet. Im Westen mündet das sequentielle Band in eine gestärkte Fuß und Radwegeverbindung nach Gräfelfing. Im zentralen Bereich Martinsrieds strahlt das Band nach Norden und nach Süden aus und bindet Bereiche wie das alte Dorfzentrum und den Bildungschwerpunkt mit Schulen und Kindergärten ein. Die Nutzungsverteilung im Stadtraum orientiert sich an der Lage und Bedeutung der einzelnen Bereiche im Gesamtgefüge.
    Bestehende Nutzungsschwerpunkte werden ausgebaut und gestärkt - z.B. Einzelhandel, Dienstleistung und Bürgerhaus mit Gastronomie am neuen Markt. Wohnnutzung wird in Form von Senioren-, Familien und Sonderwohnformen für Studenten und Wissenschaftler sowohl im Zentrum als auch entlang der Verbindungsachse zum Campus angeboten. Ebenso ist geplant den Bildungs- schwerpunkt auszubauen und das Ortszentrum durch zusätzliche Wohneinrichtungen zu stärken. Die Situierung der U-Bahnendhaltestelle erfordert einen offensiven Umgang mit den zu erwartenden Verkehrsströmen. Ziel ist die Attraktivierung des ÖPNV und damit die schnelle und sichere Erreichbarkeit des U-Bahnhofes. Um dies auch in Spitzenzeiten zu gewährleisten, werden die Verkehrsarten auf der Röntgenstraße parallel und am Bahnhof getrennt geführt. Im Ortszentrum wird z.T. als verkehrsberuhigter Geschäftsbereich sowie "Shared Space" vorgeschlagen. Um die nicht motorisierte Mobilität zwischen den Ortsteilen zu fördern, wird die Installierung von Fahrradverleihstationen an mehreren Orten vorgeschlagen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Grüne Anger spannt sich zwischen Ort und Campus auf und bildet eine Klammer. Diese Freifläche wird auch sehr weit in den Grünzug hineingeschoben, wodurch diese Verbindung als sehr gelungen eingeschätzt wird. Auch die Verbindung nach Planegg spiele in diesem Entwurf eine ganz wesentliche Rolle. Es werde die Gelegenheit genutzt, diese Verbindung Richtung Westen zu stärken.

    Der langgestreckte und zweitgrößte Platz unter allen Beiträgen wird von einem Kopfgebäude abgeschlossen, welches die Bewegungen in beide Richtungen vermittle.

    Die Nutzungsstrukturen in den einzelnen Quartieren werden ergänzt und der Bereich um Schule und Kindergarten nachverdichtet. Diese Gestaltungsmöglichkeiten an der Grundschule werden positiv bewertet.

    Dieses Konzept betone die stufenweise Entwicklung. Beginnend mit kleinen Interventionen, dem „Aufräumen“ der Grünflächen, könne ein erster Impuls für weitere Investitionen gegeben werden.

    Die Verkehrswege werden entflechtet und in Schleifen geführt. Dadurch entstünden so wenig Kreuzungspunkte wie möglich für unterschiedliche Verkehrsteilnehmer.

    Aspekte der Beurteilung
    Die historischen Wegeführungen würden sehr raffiniert aufgespalten werden und zwei Äste bilden, die in „bester Art“ die Verbindung zwischen Ortsmitte und Campus herstellen würden. Der Anger als sehr artifizielle Grünfläche stelle darüber hinaus eine sehr gute Verzahnung der beiden Ortsteile dar und würde auch keinerlei Angsträume erzeugen. Die Verbindung von Bebauung und Freiraum sei in diesem Übergangsbereich sehr intensiv und gut gelöst.

    Der Solitär am zentralen Platz wirke wie ein Gelenk an diesem Kreuzungspunkt; die davor liegende Aufweitung an der Lochamerstraße würde sehr gut von Norden kommend auf den Platz lenken und Orientierung vermitteln.

    Generell sei dies ein sehr großzügiger Entwurf und ein solides städtebauliches Konzept, das starke Bezüge zum Campus herstelle und die Plätze gute im Raum anordne. Die Freiräume werden großzügig erhalten, was dem Raum eine hohe Qualität zuschreiben würde.