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  • DE-45891 Gelsenkirchen
  • 10/2012
  • Ergebnis
  • (ID 2-104777)

Schalke 04 - Standortentwicklung Schalker Feld


  • 3. Preis

    Blick vom Oberrang des Stadions, © dna Trint + Kreuder

    Architekten
    trint + kreuder d.n.a, Köln (DE), Paris (FR) Büroprofil

    Mitarbeit
    ho seop kim

    In Zusammenarbeit mit:
    Szenographen: simple GmbH, Köln (DE)
    Tragwerksplaner: Dr. Naumann+Partner Ingenieurgesellschaft mbH, Köln (DE)

    Preisgeld
    10.000 EUR

    Erläuterungstext
    In Zusammenarbeit mit:
    simple GmbH, Köln (Ausstellung, Kommunikation)
    Dr. Naumann + Partner, Köln (Statik)


    - In Bewegung
    Die weitläufige Parklandschaft, die sich von den Wäldern rund um die weite Mulde des ehemaligen Parkstadions im Norden bis zu den sich schlängelnden Wegen in Richtung Süden erstreckt, ist ein ideales Gelände, um das Wesen des Fußballs in eine landschaftlich-architektonische Komposition zu übersetzen. Die Vielzahl der bereits vorhandenen topografischen Variationen – Enge, Weite, Erhebungen, Senken etc. – sind ein guter Grundstock, die Besucherströme ähnlich den Bewegungen von Ball und Spielern in Landschaft und Architektur zu übersetzen.

    - Die Bewegungen der Fans formen die Strukturen
    Im Zentrum der Bewegungen stehen die Fans, die Seele der Schalker Familie, die zur Arena, zum Training, zum Fanshop oder zur Schatzkammer strömen. Hierhin tragen sie aus allen 4 Himmelsrichtungen ihr Vereinsemblem zusammen, so dass sich im Schnittpunkt der Bewegungen, im Zwischenraum der 4 Embleme ihr Treffpunkt abbildet, das Fan- und Besuchergebäude Auf Schalke.
    Die Intensität des Zusammentreffens scheint die Embleme anzuheben und sie zur räumlichen Bogenfigur des Gebäudes zu verschmelzen.
    An Heimspieltagen sammelt der Gebäudebogen die Besucher aus allen Richtungen, fängt sie ein wie in einer großen Schale im Markt Auf Schalke gegenüber der 1000-Freunde-Mauer und bildet so das kräftige Rückgrat vor dem Haupteingang zur Veltins-Arena.
    Spektakulär ist der Weg vom ÖPNV im Westen und von Norden kommend. Hier taucht der Besucher jeweils unter dem gebogenen Dach hindurch (Tor Auf Schalke) und gelangt so auf den neuen Markt Auf Schalke.
    An „normalen“ Tagen leitet das Gebäude, gewölbt wie ein Muskel, die Durchwegungen auch über seinen Rücken hinweg. Von dort oben bietet es einen panoramaartigen Überblick über Arena, das erweiterte Trainingsfeld und die zu neuem Leben erweckte Mulde des ehemaligen Parkstadions.

    - Fan- und Besuchergebäude
    Das Fan- und Besuchergebäude selbst liegt als gläserne Figur im aufgespannten Raum zwischen der Marktplatzebene auf 55 ü.NN und dem Gebäudebogen, der sich bis auf 65 ü.NN erhebt.
    Es öffnet sich sowohl nach Süden zum Markt Auf Schalke als auch nach Norden zum erweiterten Trainingsfeld, das nun fast bis zum Fangebäude reicht.
    An der schmalsten Stelle mittig des Gebäudes, im unmittelbaren Spannungsfeld zwischen Markt und Training, liegt das Foyer mit der Schatzkammer.
    Die Serviceeinrichtungen von Cafeteria, Foyer und Fan-Store sind beiderseits wie überdimensionale Möbel eingestellt. Die Außenseiten dieser Möbelkörper werden umrundet und sind als Counter, als Schließfächer, als Auslagen und Kassen für den Fan-Store bzw. als Theke und Speiseausgabe der Cafeteria konzipiert.

    - Die Schatzkammer konzentriert das Leitbild des FC Schalke 04
    Wie ein königsblauer Monolith steht die Schatzkammer im Zentrum des Fan- und Besuchergebäudes und vereinigt die drei Kernelemente Schalker Identität: Tradition, Erfolg und Fans.
    Die Schatzkammer ruht auf einem Stollen aus geschichteter Steinkohle. Sein Inneres könnte mit Ausstellungen bespielt werden, die die Wurzeln des FC Schalke 04 in seiner Bergbautradition untermalen.
    Darüber, nur durch einen Gitterrost getrennt, strahlt das Innere der Schatzkammer, in der die kultischen Objekte des sportlichen Erfolges „leibhaftig“ werden.
    Auf der äußeren, königsblauen Oberfläche der Schatzkammer, die weit auf den Markt und auf das Trainingsfeld strahlt, werden überlebensgroß die Ehrenspielführer und die Spieler der Jahrhundertelf geehrt. Auf Plasma-Screens sind die jeweils dramatischsten Spielszenen ihrer Zeit individuell aufrufbar und im Originalton „live“ zu verfolgen.
    Über allem, mit ihren Fahnen die Deckenkontur der Schatzkammer in den Himmel des Gebäudebogens malend, die Fans, ihre Treue, ihre Begeisterung und ihre Geschichten, eingeprägt in das Blau der Oberfläche.

    - Ehrliche Konstruktion – zweckmäßige Materialien
    Trotz aller „Andersartigkeit“ des Gebäudes ist seine Konstruktion pragmatisch – die vertikalen Lasten werden geradlinig über Stahlstützen abgeleitet, die in die Glasfassaden integriert sind. Die Stahlbetonschale des Gebäudebogens selbst wird im Verbund mit Decke und Bodenplatte zur horizontalen Stabilisierung genutzt.
    Die Glasfassade, die von der Marktebene bis unter den Gebäudebogen ragt, nutzt die Stahlstützen als Windaussteifung und kann so sehr einfach als 3-fach-Verglasung ausgeführt werden. Sonnenschutz-Rollos in Farben und Motiven des Vereins sind in die blaue Bogenkante integriert.
    Ein pigmentierter Terrazzo als homogener Belag bindet sämtliche Bereich zusammen und ist den Belastungen bei hohem Besucherandrang gewachsen.
    Im Belag des Daches wird der Asphalt der Wegeverbindungen (Herbert-Burdenski-Weg) weitergeführt.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Verfasser entwickeln die Struktur aus der weitläufigen Parklandschaft. Die
    Anordnung der Trainingsfelder lässt einen großen Parkierungsbereich zu und
    ermöglicht eine gute Besucherführung mit schönen Einblicken auf die Spielfelder.
    Der Grundgedanke des Gebäudes, sich aus den Verbindungswegen und Linien des
    Geländes zu einem Gebäude aufzuspannen, ist leicht nachvollziehbar und lässt eine
    einzigartige Form entstehen, die dem Wunsch eines identifizierbaren und
    eigenständigen Zeichens für das „Tor Auf Schalke“ gerecht werden kann. Bei
    genauerer Betrachtung fallen aber auch Probleme des formalen Ansatzes auf.
    Ungelöst bleibt die wichtige Frage nach einer Begehbarkeit des Daches, den damit
    verbundenen Fragen nach Anfang und Ende des Weges und den notwendigen
    Sicherheitsvorkehrungen (Absturzsicherungen, Schneeräumung usw.), die das
    Konzept empfindlich stören können.
    Aber auch unterhalb des Daches entstehen wenig akzeptable Räume in den
    Anfangs- und Endpunkten der Form, die sich mit dem weitläufigen Gelände
    verschleifen müssen. Vor der Kasse West wird es zum Stau kommen, da die
    Menschenmassen – vom Herbert-Burdenski-Weg kommend - nachschieben und den
    Zugang zum Schalker Markt versperren werden.
    Funktional ist der Lösungsvorschlag leicht nachvollziehbar. Die Hauptfunktionen
    (Foyer, Café, Verkauf, Schatzkammer) sind auf Erdgeschossniveau platziert und sind
    sowohl vom Personal als auch von den Fans gut nutzbar und übersichtlich
    organisiert.
    Der Blick von hier nach Norden wäre allerdings wertvoller, wenn er nicht auf
    parkende Autos, sondern auf die Trainingsplätze fallen würde.
    Insgesamt kann der formale Ansatz gut nachvollzogen werden, wirft jedoch in der
    Durcharbeitung Fragen auf.