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Nichtoffener Wettbewerb | 12/2012

Errichtung einer Gesamtschule mit Sporthalle

4. Preis

Preisgeld: 11.000 EUR

f64 Architekten

Architektur

realgrün Landschaftsarchitekten

Landschaftsarchitektur

Erläuterungstext

Städtebau und Architektur:
Das Leitbild des Entwurfes war die Weiterentwicklung des Areals zu einer modernen Campusschule mit den Bausteinen Gesamtschule, Grundschule, Sport- und Schwimmhallen und der Kompletterhalt des Theodor-Heuss-Parks.
Der Ansatz die neue Gesamtschule durch Umbau und Erweiterung des Bestandsgebäudes der Pestalozzi-Schule zu schaffen, erscheint in mehrfacher Hinsicht nicht sinnvoll:
- für den Erhalt des Freiflächenangebotes und des Parks ist bei der im Raumprogramm vorgesehenen Flächenverdopplung eine dreigeschossige Ausbildung des Gebäudes notwendig. Eine Aufstockung ist aber statisch nicht möglich.
- Die Raumgrößen des Raumprogramms erfordern große Eingriffe in die tragende Substanz. Ein Großteil der tragenden Zwischenwände zwischen den Klassenräumen müsste entfernt und mit Unterzügen aufwändig abgefangen werden.
- Das moderne Schulkonzept der Teamschule mit möglichst abgeschlossenen Jahrgangsclustern lässt im Bestand nur bedingt umsetzen.
In der funktionalen und wirtschaftlichen Gesamtbetrachtung ist ein Komplettabbruch der Pestalozzi-Schule und Neubau der Gesamtschule alternativlos.
Der neue Schulbaukörper wird als kompakter Ring mit Innenhof platzsparend im Bereich der ehemaligen Schule angeordnet.
Das bestehende verwachsene Konglomerat aus Zweifach-Sporthalle, Schwimmhalle und Grundschul-Sporthalle wird durch Entfernen der gestalterisch unbefriedigenden An- und Verbindungsbauten aufgelöst, der Schulcampus wird zukünftig durch vier solitäre Sportgebäude ergänzt.


Erschließung und Funktionen:
Mit dem vorgeschlagenen Konzept vollzieht sich der Paradigmenwechsel zur offenen Ganztagsschule in baulicher Weise in der neuen Gesamtschule Lippstadt.
Durch die Konzeption eines durch den Baukörper durchgesteckten Pausenhofes entstehen Ruhe-, Warte- und Bewegungszonen im überdachten und freien Bereich.
Die erdgeschossigen Erschließungsbereiche und die angrenzenden Pausenflächen werden miteinander verschränkt, Innen- und Außenraum bilden eine Funktionale und gestalterische Einheit.
Die über den Pausenhof erschlossene zentrale Aula dient der schnellen Verteilung der Schülerströme und als Foyer für das erweiterte Forum bei Veranstaltungen.
Im Sockelgeschoss befinden sich mit dem Ganztagsbereich, Bibliothek, Cafeteria, Mensa, Kunst- und Werkräumen die für den Ganztagesbetrieb notwendigen Nutzungsbereiche auf einer Ebene. Sie haben direkten Zugang zum Freiraum mit den Beschäftigungsangeboten im Außenbereich und der Außenbewirtungsfläche vor der Mensa angrenzend an den Theodor-Heuss-Park.
Der neue multifunktionale Bereich Forum /Mensa im südlichen Teil des Neubaus kann durch Stützenfreiheit und komplett öffenbare Wände vielfältig genutzt werden:
Vom Mensaraum mit 200 Essensgästen bis zu 550 Zuschauerplätzen bei Stuhlreihenveranstaltungen. Es entsteht ein ca. 580 qm großer Saal für Theater, Bewegung und Aufführungen.
Im 1.Obergeschoss sind das Unterstufencluster und die Räume für Naturwissenschaften angeordnet. Im 2.Obergeschoss befinden sich die Jahrgangscluster der Mittel- und Oberstufe. Zudem ist auf dem Dach über der Aula der Schul- und Versuchsgarten mit Hochbeeten situiert.


Freiraum und Landschaftsarchitektur:
Ziel des vorgeschlagenen Freiraumkonzeptes ist die Entwicklung differenzierter vielfältig nutzbarer Freibereiche und die Integration und konsequente Weiterentwicklung der Bestandsstrukturen unter Berücksichtigung der ortsbildprägenden Parkrandlage.
Park und Schulcampus folgen einem übergreifenden Vegetationsbild. Frei gruppierte Großbäume, eingestreute Obstbäume und Strauchpflanzungen setzen Park und Schulcampus in eine spannende Beziehung und definieren kontextuell den Stadtraum.
Den Schulen werden jeweils multifunktionale Pausenhofflächen zugeordnet. Sitzgelegenheiten unter Bäumen, wettergeschützte überdachte Aufenthaltsbereiche, Boulderwände an den geschlossenen Sporthallenfassaden, wie auch ein Verkehrsparcour und Sport- und Spielflächen im Grundschulbereich dienen der Freizeitgestaltung und animieren zu verschiedensten Aktivitäten im Freiraum.
Die grüngeprägten Freiräume werden als Rückzugsbereiche oder als “Grüne Klassenzimmer” aktiviert, mit Hecken räumlich gefasst und mit freier Bestuhlung ausgestattet.
Die nachzuweisenden Parkplätze werden ebenfalls mit freigruppierten Baumgruppen überstellt und somit in das parkartige, grün geprägte Gesamterscheinungsbild eingebunden. Fahrradstellplätze werden den jeweiligen Nutzungseinheiten dezentral zugeordnet.
Die umgreifende Randeingrünung wird durch Neupflanzungen ergänzt.
Der vorhandene Baumbestand wird weitestgehend geschützt und ist integrativer Bestandteil des Gesamtkonzeptes.


Tragwerk, Materialkonzept, Belichtung:
Die Materialwahl entspricht den hohen Anforderungen an Robustheit, starker Beanspruchungsfähigkeit und Wirtschaftlichkeit:
Nach außen präsentiert sich die Schule mit ruhigen, vertrauten Oberflächen: eingefärbter sandgestrahlter Sichtbeton, eloxiertes Aluminium und Glas. Innen wird die reduzierte Materialwahl (Holz-Alu-Fensterelemente für Fenster, Holz- und Sichtbetonflächen) akzentuiert durch farbige Linoleum-Beläge. Die Aufweitungen der Kommunikationszonen und Differenzierungsräume mit raumhohen Glaswänden zu den Fluren sorgen für eine optimale natürliche Belichtung auch aller Mittelflurbereiche.
Durch Materialwahl in sandsteinfarbenem Sichtbeton differenziert sich der Neubau von den Bestandsgebäuden in Graubeton. Die Fassade wird aus einer Reihung von großformatigen Sichtbeton-Rahmen gebildet, aus denen sich herrliche Panoramaausblicke insbesondere durch die Baumkronen des Parks ergeben.
In der Sockelzone und zum Innenhof werden raumhohe Pfosten-Riegel-Fassaden ausgebildet. Es ergibt sich ein Wechselspiel zwischen transparenter bzw. siebbedruckter halbtransparenter Verglasung oder opaken Paneelelementen.
Eine einfache Tragkonstruktion der Schule in konventioneller Massivbauweise ist konzipiert. Das Stahlverbundtragwerk der Sporthalle und von Forum/Mensa (Obergurt unsichtbar in die Stahlbetondeckenplatte integriert, Untergurt als unterspannter Träger) hat eine äußerst filigrane Ausbildung.


Wirtschaftlichkeit, Nachhaltigkeit und Energieeffizienz:
Das Gebäude wird im Standard eines Passivhauses geplant, sämtliche Lebenszykluskosten der wesentlichen Bauteile werden in der Planung berücksichtigt.
Ein hoher Vorfertigungsgrad durch die modulare Bauweise aus Fertig- bzw. Halbfertigteilen aus Stahlbeton ermöglicht verkürzte Bauzeiten, in der Summe wird ein wirtschaftliches Projekt erwartet.
Im raumbildenden Ausbau der Innenwandverkleidungen werden akkustisch wirksame Wandverkleidungen aus Holz vorgeschlagen.
Neben dem hohen Energiestandard werden weitere ökologische Kriterien in das Gesamtkonzept miteinbezogen:
Die Dachflächen werden extensiv begrünt. Regenwasser wird wo möglich als Brauchwasser gesammelt und für die WC-Spülung und Gartenwasser genutzt. Die restlichen Regenwassermengen versickern auf dem Grundstück.


Lüftung, Raumluftqualität und Nachtauskühlung:
Aufgrund der hohen Belegungsdichten und eher kurzen Nutzungszeiten ist zur Verbesserung der Luftqualität eine ausreichende Außenluftzufuhr zwingend zu gewährleisten. Dies ist im Winter nur durch eine kontrollierte Lüftung mit Wärmerückgewinnung energiesparend möglich. Im Sommer ist eine Entlüftung der Sanitärbereiche während der Nutzung ausreichend, in den Aufenthaltsräumen kann über die Fenster gelüftet werden. Für eine natürliche Lüftung sind ausreichend öffenbare Fenster vorgesehen und in der Nacht kann die mechanische Lüftung eine Nachtauskühlung unterstützen. Dazu werden geeignete Öffnungsflügel vorgesehen, die temperatur- und wettergesteuert motorisch öffnen, um eine effektive Regelung der Nachtauskühlung zu gewährleisten.


Gebäudeheizung:
Die Schulerweiterung wird über den Bestand mit Heizenergie versorgt. Die Beheizung der Klassen erfolgt über eine Niedertemperatur-Fussbodenheizung. Durch den relativ geringen Energiebedarf bei der Passivhausbauweise ist ein energiesparender Nacht-Absenkbetrieb realisierbar.


Akustik:
Durch die Kombination der abgehängten Klimadecke mit flächenbündig eingegossenen Akustik-Absorbern werden in Klassenzimmern beste akustische Qualitäten bei glatten Deckenuntersichten erreicht. Die Holzoberflächen von Wänden in den Klassenräumen werden durch Rillenfräsungen akustisch aktiviert.


Tageslichtnutzung:
Orientierung und Gestaltung der Fenster ohne Sturz in allen Klassenräumen sorgen für bestmögliche Tageslichtquotienten bis in die Raumtiefe. Zusätzlich kann nordseitig ein Tageslicht lenkendes System eingesetzt werden um blendfreies Tageslicht in die Raumtiefe zu bringen.


Flexible Nutzungsqualität:
Die Trennwände zwischen den Klassenzimmern werden in Leichtbauweise ausgeführt um auf geänderte Nutzungsanforderungen, Klassengrößen oder andere Nutzungen reagieren zu können.


Brandschutzkonzept:
Fluchtweglängen aus allen Aufenthaltsräumen < 35m in anderen Brandabschnitt bzw. direkt ins Freie.

Beurteilung durch das Preisgericht

Die Verfasser setzen das vorgegebene Raumprogramm in einem dreigeschossigen, rechteckigen Baukörper um, der Bestandsbau wird komplett zurückgebaut.
Raumprogramm und funktionale Vorgaben sind weitgehend konventionell umgesetzt. Bauordnungsrechtliche Anforderungen sowie die Anforderungen der vom Bauherrn gewünschten Passivhaus Projektierung sind angemessen berücksichtigt. Der konzeptionell einfache und in seinem architektonischen Ausdruck angemessene Schulbau wird durch den in das zentrale Atrium hindurchgesteckten Pausenhof erschlossen. Hierdurch ergeben sich differenzierte Aufenthalts- und Pausenflächen, teilweise überdacht. Die teils einbündige Grundrissorganisation um das zentrale Atrium erreicht einen übersichtlichen und transparenten Schulbau. Cluster und Fachraumbereiche sind klar zoniert und gut auffindbar.
Die Gesamtkubatur des Projektes in der städtebaulich umgebenden Körnung kann in seiner Relation zur Umgebung nicht ganz überzeugen.
Eine in der Summe ambitionierter, interessanter Beitrag, der unter wirtschaftlicher Betrachtung von Erstellung und Betriebskosten aufgrund der einbündigen Erschließung sowie sich ergebender Hüllflächen eher im oberen Bereich angesiedelt ist.
Lageplan 1:500

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Lageplan 1:200

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Schnitte

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