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  • DE-10555 Berlin
  • 12/2012
  • Ergebnis
  • (ID 2-117742)

Wohnungsneubau Bachstraße 1-2


  • Anerkennung

    Lageplan

    Architekten, Stadtplaner
    Peter W. Schmidt Architekt BDA, Pforzheim (DE), Berlin (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Peter W. Schmidt

    Mitarbeit
    Pierre Schilling, Levan Kiknavelidze, David Manjavidze, Lydia Benner

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: relais Landschaftsarchitekten, Berlin (DE)

    Preisgeld
    2.000 EUR

    Erläuterungstext
    Auf dem Grundstück Bachstraße / Ecke Altonaer Straße im Bezirk Mitte, direkt an der Spree und in unmittelbarer Nähe zum Tiergarten, wird ein familienfreundlicher Wohnungsbau für unterschiedliche Gesellschaftsschichten errichtet.

    Um dem, von schwierigen Randbedingungen geprägten Ort gerecht zu werden, wird mittels der präzisen Setzung aufeinander abgestimmter Kubaturen eine städtebaulich markante Figur entwickelt, die in der Lage sein kann ein Stück Stadtreparatur zu leisten. In die heterogene Umgebung wird eine klar ausgerichtete Zeilenbebauung eingefügt mit dem Ziel eine hohe Dichte mit gleichzeitig hoher Wohn- und Aufenthaltsqualität zu erzeugen.
    Zwei Zeilen positionieren sich im rechten Winkel zueinander entlang der Hauptverkehrsstraßen und bilden einen Hof mit reduziertem Immissionseintrag, in dem drei kleinere Riegel in gleichmäßiger Reihung eingestellt sind. Dabei fungiert die Bebauung entlang der Altonaer Straße sowohl als Bindeglied als auch als Schlussstein des Ensembles. Die Erhöhung setzt einen städtebaulichen Akzent und ist somit ein wichtiger Orientierungspunkt.
    Die straßenseitig in einer Flucht verlaufenden Kubaturen erzeugen nach außen einen klar gefassten Straßenraum. Im Inneren werden die Volumen durch die vorgeschobenen Loggien und auskragenden Balkone aufgebrochen und wirken somit kleinteiliger. Die Gliederung der Zeile entlang der Bachstraße steht in direktem Bezug zu der Bebauung im Hof und verstärkt somit den Siedlungscharakter.
    Ein 1m hoher Sockel bildet die Basis und generiert eine halbprivate Ebene, welche über großzügige Treppen und Rampen erschlossen wird. Unter Berücksichtigung der nachbarschaftlichen Bezüge wird eine 6- bzw. 7-geschossige Bauweise an den Rändern und eine 4- bzw. 6-geschossige Bauweise in Richtung Spree gewählt. Durch die bewusste Setzung der „Köpfe“ in den Norden der Uferbebauung als auch in die Zwischenräume der Spreezeilen wird der Spagat zwischen einer maximalen Dichte und einer optimalen Belichtung bei gleichzeitig attraktiver Ausrichtung vollzogen.

    Die modular gestalteten Typologien und deren Gliederung ermöglichen die Einteilung in mehrere wirtschaftliche Einheiten und somit die Teilung des Grundstückes in vier Parzellen, was die Entwicklung in entsprechenden Bauabschnitten ermöglicht. Durch die zurückhaltendende Kommunikation der Kubaturen miteinander wird in jedem Bauabschnitt eine Einheit erzeugt, wodurch das Ensemble eine sukzessive Entwicklung verträgt ohne in dem jeweiligen Stadium unfertig zu wirken.

    Klar strukturierte Freiräume mit attraktiver Ausrichtung sowie eine zurückgenommene qualitative Gestaltung prägen die Außenräume. Bis auf die Zeile entlang der Bachstraße erfolgt die Erschließung der Gebäude über eine interne Wegführung im Innenhof. Diese hält zum einen aus Respekt zu den Wohnungen im Erdgeschoss einen entsprechenden Abstand zu den Gebäuden und schafft zugleich private Bereiche für die Bewohnergärten. Zusätzliche großzügige Aufenthalts-bereiche und Spielplätze werden mit Rücksicht auf die mögliche Beeinträchtigung der Nachbarschaft auf den nicht überbaubaren Flächen mit der Orientierung zur Spree angeboten.
    Die Zufahrt zur Tiefgarage und die Feuerwehrzufahrt befinden sich in der verkehrsberuhigten Cuxhavener Straße. Aufgrund des 1m hohen Podestes ist die Tiefgarage nur minimal eingegraben und vermeidet somit Zusatzaufwendungen bezüglich des Grundwasserspiegels.

    Die sensible Gestaltung und eine disziplinierte Strukturierung der Fassade gibt dieser eine gewisse Selbstverständlichkeit und Zeitlosigkeit, wodurch nicht nur eine ästhetische Nachhaltigkeit generiert wird. Als Antwort zu dem heterogenen Umfeld strahlen die Baukörper so eine gewisse Ruhe und Unabhängigkeit aus.
    Je nach Typologie und Ausrichtung erfolgt unter Verwendung widerkehrender ähnlicher Proportionen ein differenzierter Umgang mit der Fassade um den unterschiedlichen Bezügen der Umgebung gerecht zu werden. Während die Fassade nach Norden mit ihren schmalen Öffnungen einen rigiden Ausdruck bekommt werden diese nach Süden hin aufgelockert. In Richtung Spree werden die Fassaden mit großformatigen Verglasungen am großzügigsten geöffnet.

    Um verschiedenen Zielgruppen sowie unterschiedlichen Gesellschaftsschichten gerecht zu werden, wird auf jeder Parzelle ein entsprechender Wohnungsmix angeboten wodurch eine entsprechende Durchmischung der Überbauung erreicht wird; von 2- bis 5- Zimmer- Wohnungen bis hin zu Maisonette- und Dachwohnungen mit Terrassen. Der Wunsch nach 1,5- Zimmer-Wohnung seitens des Bauherrn wird im ersten Bauabschnitt berücksichtigt.
    Die Wohnräume der Zeilen an der Spree und der Altonaer Straße werden straßenabgewandt Richtung Süden orientiert und erhalten jeweils einen großzügigen Balkon. Bei der Zeile entlang der Bachstraße orientieren sich die Wohnungen mit den vorgelagerten Loggien Richtung Innenhof und profitieren somit von der Westsonne, während die eingezogenen Loggien entlang der Bachstraße fassadenbündig verglast und so als Pufferzone den Wohnräumen vorgeschaltet werden, um die Lärmeinwirkung zu minimieren. Zudem werden hier im Erdgeschoss zu den Nebennutzungen kleinere Gewerbeeinheiten angeboten. Die Aufzüge gewährleisten einen hindernisfreien Zugang in die barrierefreien Wohnungen. Die gemeinsame Tiefgarage kann in zwei funktionale Bereiche unterteilt und somit in zwei Bauabschnitten realisiert werden.
    Aufgrund der gezielten Positionierung der Treppenhäuser sowie der überwiegend natürlich belüfteten Nasszellen können die übrigen Flächen frei bespielt und so an gesellschaftliche Veränderungen angepasst werden.

    Die Bebauung soll mit einer massiven Konstruktion in Mischbauweise realisiert werden, während die Gebäudeaussteifung durch die massiven Treppenhaus- und Aufzugskerne gewährleistet wird. Die soliden Fassaden aus Dämmsteinen werden mit verschiedenen Putzoberflächen gegliedert. Schallschutzgläser entlang der Straßenfassaden sollen die Lärmbelastung minimieren.
    Durch die Reduzierung der gestalterischen Elemente, den bewussten Einsatz hochwertiger Materialien sowie die mehrmalige Verwendung modularer Einheiten wird eine wirtschaftliche als auch nachhaltig qualitätvolle Architektur erzeugt.

    Mit den kompakten Gebäudekubaturen wird ein sehr gutes Verhältnis von Gebäudehülle zu Energiebezugsfläche erreicht und somit der Transmissionsverlust reduziert. Durch Anwendung moderner Energietechnik wird der Erfüllung der aktuellen EnEV Genüge getan und die Anforderungen an den Primärenergiebedarf erfüllt. Der Einsatz einer Wärmepumpe mit Erdsonden zur Unterstützung der Wärmeerzeugung soll als sinnvolle Maßnahme geprüft werden. Raumlufttechnischen Anlagen werden im Sinne der Nachhaltigkeit mit hocheffizienten Wärme- bzw. Energierückgewinnungssystemen ausgestattet. Die energetischen Berechnungen werden im Zuge der Objektplanung detailliert - mit allen getroffenen Maßnahmen wird ein energieoptimiertes Gesamtkonzept erreicht.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurf greift auf ein bewährtes Siedlungsmotiv (Kammstruktur) zu-rück, das viele der Wettbewerbsvorgaben erfüllt. Durch die baustrukturelle Klarheit und Rationalität und die modulare Gestaltung der Baukörper entsteht eine klare Ablesbarkeit und schrittweise Realisierbarkeit der Bauabschnitte sowie eine eindeutige Adressbildung. Der Entwurf schafft mit seiner Zeilenbebauung an der Bach- und Altonaer Straße eine Abschottung zu den lärmbelasteten Straßen und stellt drei Querriegel in den Innenbereich. Der Hochpunkt an der Kreuzung Altonaer/Bachstraße korrespondiert mit der gegenüberliegenden Schule.

    Positiv bewertet wird die Offenheit und Orientierung zur Spree. Die orthogonale Ausrichtung der Querriegel im Binnenbereich ermöglicht einen wenn auch eingeschränkten Spreeblick für alle Wohnungen. Die Siedlungs-typologie an sich scheint nach Ansicht des Preisgerichtes diesem inner-städtischen Ort nicht angemessen. Vermisst wird der Diskurs mit den besonderen Anforderungen des Ortes.

    Problematisch gesehen wird die Öffnung des Blocks an der am stärksten durch Lärm belasteten Ecke Bach-/Altonaer Straße, wodurch der positive Ansatz, einen geschützten Binnenbereich zu schaffen, konterkariert wird.

    Nicht nachvollziehbar ist die Anordnung der Gewerbeeinheiten an der Bachstraße, die aufgrund der Höhendifferenz des Sockels für Gewerbe eher ungeeignet ist; auch die Anordnung von Wohnungen im EG an der Altonaer Straße wird äußerst kritisch gesehen.

    Das dargestellte Erschließungskonzept entspricht nicht den vorhandenen topographischen Bedingungen, der Binnenraum ist nur über Treppenanlagen bzw. über Umwege mittels Rampen – die im Konzept aufgrund der nicht berücksichtigten Topografie zu kurz dargestellt sind – zu erreichen. Insgesamt ist das Freiflächenkonzept wenig differenziert und lässt eine angemessene übergreifende Vernetzung und Einbindung vermissen. Positiv werden die Mietergärten für die Erdgeschosswohnungen bewertet.

    Die Gebäuderiegel im Innenbereich sind aufgrund ihrer sehr geringen Gebäudetiefe problematisch, das Verhältnis von Hüllfläche zu Geschossfläche dadurch unwirtschaftlich. Der gewünschte Wohnungsmix wird nur durch Maisonetten erreicht und dadurch erheblicher Flächenverlust in Kauf genommen.

    Die vorhandenen Leitungen der Wasserbetriebe werden mehrfach überbaut, eine Aussage zur Verlegung der Leitungen wird nicht gemacht.