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  • DE Gilching
  • 12/2005
  • Ergebnis
  • (ID 2-3448)

Städtebaulicher Ideenwettbewerb "Gilchinger-Glatze"


  • 3. Preis

    Städtebaulicher Entwurf

    Landschaftsarchitekten
    Lohaus · Carl · Köhlmos PartGmbB Landschaftsarchitekten · Stadtplaner, Hannover (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Irene Lohaus Leonore Voland

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: SCHIRMER Architekten + Stadtplaner GmbH, Würzburg (DE), München (DE)

    Erläuterungstext


    Die Idee
    Die Stärkung und der Ausbau der bestehenden Siedlungsfuge als ortsgliedernder Grünzug stehen im Mittelpunkt der städtebaulichen Entwicklungsstrategie. Die Grün- und Freiflächenstruktur bildet das Grundgerüst der städtebaulichen Entwicklung. Der Grünzug gliedert sich dabei in unterschiedliche Bereiche:
    Die landschaftsverbindenden Korridore als nord-west- und süd-ostorientierte Landschaftsbänder und die Gilchinger Glatze, die in Querrichtung zu den Landschaftskorridoren die westlichen Wohnquartiere und die Ortmitte mit den Freiräumen verbindet. Entsprechend ihrer Lage und Funktion sind diese Freiraumelemente differenziert gestaltet.

    Der nordwestliche Landschaftskorridor
    schließt zum Gewerbegebiet mit einem dichten Grünsaum ab, der damit eine eindeutige Kante definiert. Der Übergang zu den Wohngebieten hingegen wird über Streuobstwiesen mit lockerer Baumstellung hergestellt. Durch eine Arrondierung der Wohnlagen mit einer Mischung von freistehenden und verdichteten Einfamilienhäusern werden die Ränder von Siedlung und Landschaft eindeutig geprägt und der Charakter eines zusammenhängenden Freiraums auch unter Beibehaltung der landwirtschaftlich genutzten Flächen erreicht. Der vorhandene Festplatz ist ebenfalls in das robuste Konzept des Landschaftskorridors eingebunden. Der Übergang zur Gilchinger Glatze erfolgt über den Starnberger Weg, der als dichte Allee gestaltet ist, sowie über den neu gestalteten Platzbereich am Knotenpunkt Karolinger Straße.

    Der südöstliche Landschaftskorridor
    folgt den Gestaltungsprinzipien des nordwestlichen Landschaftsbereichs. Die nordöstliche Begrenzung erfolgt ebenfalls durch eine Wohngebietsarrondierung, deren Oberflächenentwässerung in den Landschaftsbereich führt. Ein lichter Baumhain grenzt den gegenüber liegenden Schulbereich ab, der an der Nahtstelle zur Landschaftsfuge zukünftig zu einem Freizeit- und Sportbereich für den Gesamtort entwickelt werden kann. Die Fuge zwischen dieser Freizeitzone und den bestehenden Wohnlagen steht als zusätzliche, attraktive Erweiterungsfläche für das innerörtliche Wohnen zur Verfügung. Die räumliche Verbindung mit der Gilchinger Glatze erfolgt über die Verlängerung der Baumhainachse bis in die grüne Ortmitte und unterquert dabei die Bahntrasse sowie die neue Verkehrsverbindung von Sonnen- und Römerstraße.

    Die Gilchinger Glatze
    unterscheidet sich in ihrer Gestaltung von den Landschaftskorridoren durch eine städtische Ausprägung. Sie bildet einen große innerörtlichen Freiraum, der in den Randbereichen intensiv mit Bäumen eingefasst wird. Flächen für die Versickerung des Oberflächenwassers sind ebenfalls in den Randzonen angeordnet. Die Wegeverbindungen folgen der Funktion der Fläche als Freiraumgelenk zwischen den Wohnquartieren, der Ortsmitte und der Landschaft. Die Anordnung der Bebauung orientiert sich am vorhandenen Siedlungsgefüge indem die bestehenden Siedlungsfelder arrondiert werden. Die grüne Mitte des Ortes wird so mit einfachen Mitteln räumlich gefasst und in Struktur und Dichte mit dem Ort verbunden.

    Die Baustruktur
    baut auf der Typologie einer Blockrandbebauung auf und folgt folgenden Prinzipien:
    Gewährleistung von Privatheit trotz hoher Baudichte durch Anordnung der Gebäude um einen privaten Innenbereich.
    Flexibilität im Wohnungsangebot durch Mischung von Geschosswohnungsbau und Reihenhäusern in 3-geschossiger Bauweise.
    Berücksichtigung der unterschiedlichen Besonnungs- und Umweltverhältnisse durch Besetzung der Blockränder mit Einzelbaukörpern, die in der Erdgeschossebene miteinander verbunden sind.

    Die Erschließungsstruktur
    nimmt das Netz der bestehenden Straßen und Wegeverbindungen auf. Ihre Vernetzung mit dem Planungsgebiet ist so gewählt, dass Konflikte zwischen der Aufenthaltsfunktion des öffentlichen Raums und der Verkehrsfunktion vermieden werden. Das engmaschige Wegenetz steht deshalb in erster Linie dem Fußgänger zur Verfügung. Die Wohnbereiche sind autofrei. Die Stellplätze werden ausschließlich von Außen erschlossen. Die Erschließung der Wohnungen erfolgt über angehobene Erschließungsdecks und über separate Stellplatzebenen, die ein halbes Geschoss abgesenkt sind.
    Durch die Verlegung der geplanten Verbindung von Sonnen- und Andechser Straße unmittelbar an die S-Bahn-Trasse wird die Aufenthaltsqualität der öffentlichen Freiräume gestärkt, die Anbindung des Bahnhofs verbessert und die Trennwirkung durch Zusammenlegung von Bahn und Straße erheblich reduziert.

    Die Freiflächen- und Grünstruktur
    unterstützt die räumliche Verbindung der Ortsmitte mit der Landschaft und sichert die Gilchinger Glatze als nutzungsoffene Freifläche in Gestalt einer großen Wiese im Zentrum des Ortes. Hierdurch bleiben die attraktiven Sichtbeziehungen nach Außen auch weiterhin bestehen. Lichte Baumhaine markieren als charakteristische Bänder die Übergangsbereiche in die Landschaft. Die Wege zwischen den Wohnquartieren und der Ortsmitte werden durch frei gestellte Bäume und Baumgruppen begleitet. An diese Wegebeziehungen ist auch Neugilching angebunden.
    Die gebietsbegrenzenden Straßen sind als Alleen gestaltet und stärken damit das Grundgerüst des öffentlichen Raums. Der Bolzplatz findet am süd-westlichen Rand einen Standort, der eine weitgehende Minimierung der Nutzungskonflikte mit der angrenzenden Wohnfunktion ermöglicht.

    Beurteilung durch das Preisgericht



    Der Verfasser schafft mit dem neu entwickelten Grünzug einen bemerkenswerten Außenraum, der die Verbindung zu dem nordwestlichen und südöstlichen Freibereichen glaubhaft darstellt.

    Sowohl die richtig dimensionierte Unterführung der S-Bahnlinie, als auch das Verbindungsgelenk am nordwestlichen Ende der Gilchinger Glatze, stellt einen positiven Beitrag für das Gelingen eines durchgehenden Grünzugs dar. Die Baumreihen unterstützen diesen Gedanken und sind an der richtigen Seite der weiterführenden Grünräume angeordnet (Eingrünung des Gewerbes und Trennung zum Schulbereich).

    Die Verbindung zum Rathaus würdigt der Verfasser ihrer Bedeutung entsprechend.

    Die Größe des verbleibenden zentralen Freiraums liegt im unteren Bereich, ist jedoch wirtschaftlich und überzeugt durch eine vom Preisgericht gelobt Typologie der Randbebauung.

    Die Platzqualität wird nicht durch tangentiale Straßen geschmälert, sondern aufgrund der sensibel angehobenen und differenzierten Randbebauung gesteigert.

    Die Erschließung der Quartiere über versetzte Stellplatzgeschosse ist städtebaulich begrüßenswert jedoch wirtschaftlich aufwändig. Die großmaschige Blockrandstruktur kann nur mit den hierfür bereitgestellten Gebäudetyp und wohl auch nur mit einer Handschrift realisiert werden, gerechtfertigt werden. Insgesamt handelt es sich um eine Lösung, die auch abschnittsweise eine städtebauliche Qualitätssteigerung verspricht.

    Die vom Verfasser vorgeschlagene Stelle für den Bolzplatz führt zu Lärmproblemen.