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  • DE-10969 Berlin
  • 12/2012
  • Ergebnis
  • (ID 2-115021)

Archäologisches Besucherzentrum Petriplatz


  • 4. Preis


    Architekten
    Bruno Fioretti Marquez Architekten, Berlin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Vogt Landschaftsarchitekten, Zürich (CH), London (GB), Berlin (DE)

    Erläuterungstext
    Volumetrische Setzung
    Der Baukörper
    Der Perimeter der alten Lateinschule wird im Grundriss des Neubaus nachgezeichnet und mit einem zweiten, komplementären Gebäudeteil ergänzt. Die Extrusion dieser Form bildet die Grundmasse des neuen Baukörpers. Das neue Volumen registriert die Besonderheiten seiner Umgebung und reagiert zu jeder Seite unterschiedlich.

    Skulpturale Bearbeitung
    Ein Rücksprung im 4. OG zur Scharrenstrasse lässt das Gebäude die vorgegebene Traufhöhe einhalten und eine angemessene Distanz zu seinem Nachbargebäude wahren.
    In der Gertraudenstrasse rückt der Baukörper bis in die Flucht der Arkaden vor, wodurch die Strasse in ihrer Breite reduziert wird. Durch einen Unterschnitt wird das vertraute Thema des Arkadengangs aufgegriffen: unter dem auskragenden Baukörper wird ein Raum ausgebildet, der den Fußgängerverkehr aufnimmt und den Haupteingang des Neubaus markiert. Die Fassade zur Gertraudenstrasse bildet aufgrund ihrer Fernwirkung und ihrer Präsenz im Stadtraum das Gesicht des Neubaus.
    Die Fassade zum Petriplatz hingegen bildet ein Gegengewicht zu dem geplanten Bau auf der Petrikirche. Die Außenanlagen am Petriplatz werden von diesen beiden Baukörpern eingefasst und finden durch sie ihren Abschluss. Um die Fassade zum Petriplatz in dieser Rolle zu stärken wurde das oberste Geschoss hinzugefügt. Die Staffelung zum Straßenraum betont den Bezug des Gebäudes zum Petriplatz, da es sich nur zu dieser Seite in seiner vollen Höhe entwickelt. Durch seine Dimensionen und seine räumliche Ausrichtung zum Petriplatz ist der Neubau in der Lage, den Platz auch ohne Unterstützung des geplanten Bet- und Lehrhauses baulich zu artikulieren.

    Raumkonzept
    Rundgang am Petriplatz
    Der Besucher startet seinen Rundgang am Petriplatz, an dessen Nordost-Seite er über eine Rampe in den tiefer gelegenen archäologischen Bereich gelangen kann. An diesem Außenrundgang liegen das Ossarium und die Ausgrabungen der alten Petrikirchen. Am südwestlichen Ende des Petriplatzes kann der Besucher über eine Treppe zur Scharrenstrasse den Rundgang verlassen oder im Untergeschoss des archäologischen Besucherzentrums fortsetzen.

    Haube
    Das archäologische Besucherzentrum wird als eine schützende Haube über die Grundmauern der alten Lateinschule gesetzt. Der gesamte Bereich wird komplett frei gelassen, es sind lediglich ein paar Nebenräume sowie ein Treppenkörper und Aufzug vorgesehen. Der Neubau spannt sich wie eine Brücke über die Ausgrabungen und fußt an den Straßenseiten des Baugrundstücks, ohne die Mauerreste zu berühren. Diese liegen behütet unter dem Bauch des neuen Baukörpers, der durch die Geste der Überdachung einen witterungsgeschützten, von innen wie von außen zugänglichen Kaltraum definiert. Nähert sich der Besucher diesem Bereich über die tiefer liegenden Außenanlagen kann er bereits von weitem die markante Form der Mauerreste der Lateinschule erkennen, die von der ruhigen Geometrie der langen Gebäudeöffnung kontrastiert wird.

    Schichtung und Hohlräume
    Die oberen Geschosse bilden wie geschichtete Erdmassen das Hauptvolumen des Neubaus und haben alle eine lichte Höhe von 3m i.M. Sie beinhalten sämtliche Räumlichkeiten, die dem wissenschaftlichen Betrieb dienen. Wie ein Stollengang zieht sich durch diese Schichten der öffentliche Weg des Ausstellungsbereichs hindurch.

    Rundgang und Sichtbezüge
    An diesem Weg liegen doppelgeschossige Kammern mit einer lichten Höhe von ca. 6m, die wie Hohlräume in einem massiven Körper konzipiert sind. Sie beinhalten besondere Fundstücke und inszenieren diese durch die großzügigen Raumproportionen. Auf jedem Geschoss kann der Besucher auf seinem Rundgang eines dieser Schaulager betreten oder von oben in eines einsehen.
    Alle Kammern weisen in der Fassade großformatige Fensteröffnungen vor, um gezielte Ausblicke nach außen zu ermöglichen. Die fragmentarische Anordnung der Außenfenster baut einen Bezug zur Welt der Archäologie auf, in der Fundstücke meistens unvollständig und Leerstellen im Gesamtbild üblich sind. Die zum Petriplatz ausgerichteten Kammern öffnen sich zudem zur Fassade hin trichterförmig, um den Blickbezug zu den Ausgrabungen stärker zu unterstreichen. Im Erdgeschoss wird der Ausgrabungsbereich der alten Lateinschule durch Einblicke in den Besucherrundgang eingebunden. In den mittleren Geschossen richten sich die Ausblicke auf den Petriplatz und setzen die Fundstücke mit ihrem Fundort in eine direkte, erfahrbare Verbindung. In den Kammern der Obergeschosse und zuletzt auf den großen Aussichtsterrassen weitet sich der Blick des Besuchers zunehmend auf die Stadt und setzt dadurch den Fundort in Verbindung mit seiner Umgebung.

    Der Weg der Fundstücke
    Diese dem Rundgang eigene Entwicklung in der Vertikalen hat ihre Entsprechung in dem Weg, den die Fundstücke im Laufe der Zeit durch das Gebäude nehmen. Von ihrem Fundort unter der Erde im Untergeschoss gelangen sie schrittweise nach oben ans Licht. Dabei werden sie in den Werkstätten jedes Geschosses aufgearbeitet und dokumentiert, bis sie ihren Platz im Schaulager einnehmen können. Die Arbeitsweise der Archäologen, die mit dem Abtragen jeder weiteren Sedimentschicht tiefer in die Vergangenheit vorstoßen und ihre Fundstücke freilegen, findet im inneren Aufbau dieses Gebäudes ihre direkte Analogie.

    Erschließung
    Erschließung allgemein
    Das archäologische Besucherzentrum kann auf zwei Wegen betreten werden. Über den Haupteingang an der Gertraudenstrasse gelangen die Besucher in den zentralen Eingangsbereich im Erdgeschoss, in dem sich die Kasse und der Einlass befinden. An dieser Stelle mündet auch der Weg der Besucher, die sich dem Gebäude über die Außenanlagen am Petriplatz genähert und es über den zugänglichen Ausgrabungsbereich unter dem Bauch des Gebäudes betreten haben.
    Von hier aus führt der Rundgang über ein zweiläufiges Treppenhaus in die oberen Geschosse. Die zwei ineinander verschachtelten Treppenräume, die im Brandfall als Fluchtreppen dienen, ermöglichen eine getrennte öffentliche und interne Erschließung. Die sanfte Treppensteigung dehnt die Treppe in ihrer Länge und inszeniert den Aufstieg der Besucher durch das langsame, würdevolle Schrittmaß, das sie vorgibt. Die Anlieferung erfolgt getrennt von der Scharrenstrasse aus.

    Materialität
    Der Bau wird in Massivbauweise errichtet, wobei dem Architektonischen Konzept entsprechend die Kammern besonders hervorgehoben werden. Diese erhalten eine Innenverkleidung aus hell lasiertem Ziegelmauerwerk. Die Ziegelschale ist ein neutraler und roher Hintergrund für die auszustellenden Fundstücke und erzeugt eine archäologische Atmosphäre im Raum. Diese Innenschale integriert die Haustechnik im Gebäude und gewährleistet durch ihre Masse einen energiearmen Betrieb der Ausstellungsräume durch ihre Funktion als Feuchte- und Temperaturregler. Die hallenartige Stimmung der Räume ist durch die gezielte Gestaltung von Fugen und Verband optimiert.
    Die tragende Struktur des Gebäudes aus Stahlbeton, Rippendecken und Wandträgern ermöglicht die Überwindung von großen Spannweiten, eine freie Grundrissgestaltung und die Schonung des archäologischen Bodens. Die Struktur bestimmt das Erscheinungsbild des Gebäudes. Ein leichgefärbter Weißbeton wird durch Hochdruckwasser bearbeitet, die Abrasionskraft verwandelt den Guss in einen fein strukturierten Kunstsein, der mit seiner Struktur die Unregelmäßigkeiten des ausgegrabenen Mauerwerks der widerspiegelt. Die mineralische Innendämmung wird den entsprechenden Funktionen angepasst und gewährleistet eine hochgedämmte Gebäudehülle.

    Außenanlagen
    Gestaltung Petriplatz
    Die Gestaltung der Außenanlagen des Petriplatzes geht vorerst von einem Stand ohne das geplante Bet- und Lehrhaus aus. Die dort vorhandenen Mauerreste werden mit gestampfter Lehmerde eingedeckt, wodurch die Befunde optimal geschützt sind. Farblich wird der Stampfbeton an die freigelegten Bodenschichten angepasst, womit das Bild der Grabungen konserviert wird. Die Lehmerde lässt sich bei Bedarf mit wenig Aufwand wieder entfernen und ermöglicht eine alternative zukünftige Gestaltung der Anlage.
    Das Eindecken der Grabungsmauern mit Stampfbeton erzeugt eine begehbare Fläche auf Straßenebene, auf der Besucher wie auf einem Belvedere über den Grabungen spazieren und die unteren Bereiche einsehen können. Eine neue Stützwand aus Stampfbeton zur Scharrenstrasse stützt die vorhandenen Bäume und fasst auch das geplante Ossarium ein. Eine Rampe und eine Treppe erschließen die tiefer gelegenen Flächen.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.