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  • DE-76137 Karlsruhe
  • 12/2012
  • Ergebnis
  • (ID 2-115022)

Knielingen 2.0


  • 2. Preis

    © florian krieger - architektur und städtebau

    Architekten
    florian krieger architektur und städtebau gmbh, Darmstadt (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Florian Krieger

    Erläuterungstext
    Grundidee
    Der Entwurf für das Wohnquartier Knielingen 2.0 basiert auf einer „vierdimensionalen modularen Struktur“. Was ist darunter zu verstehen?
    Im Gegensatz zum klassischen Siedlungsbau werden nicht einzelne, in sich abgeschlossene und dadurch „starre“ Häuser auf einem zweidimensionalen Quartiersgrundriss angeordnet, sondern es wird eine Clusterstruktur geschaffen, innerhalb derer „Häuser“ und Wohnungen je nach familiärer und beruflicher Situation bzw. Lebensphase wachsen und schrumpfen können. Die vorerst dreidimensionale Struktur ist einem ständigen Veränderungsprozess unterworfen und wird so „dynamisch“ und „vierdimensional“.
    Dieser Struktur liegt eine einfache zweidimensionale Grundrissmatrix zugrunde auf der Raummodule zu den unterschiedlichsten Wohnungstypologien, räumlichen Konfigurationen und Clustern gefügt werden. Dabei entsteht die für das gesamte Quartier charakteristische räumliche Vielfalt. Sie macht die Vielfalt der Wohnmodelle und Bewohnerstruktur ablesbar. Die Gebäudestruktur einschließlich ihrer Dichtekennzahl ist dabei nicht wie bei einem herkömmlichen Massenplan von vorneherein festgelegt, sondern im weiteren Planungsprozess fein steuerbar.


    Wohnen
    Typologische Grundeinheit der Clusterstruktur ist das winkelförmige Hofhaus. Seine Stärke liegt in dem von außen nicht einsehbaren Freibereich mit seinem unmittelbaren Bezug zu den Wohnräumen und deren Beziehung über Eck, die wiederum eine ganztägige Besonnung (Südost- und Südwestfassade am Hof) ermöglicht.
    Das Hofhaus kann als ein „Familienhaus“ genutzt oder geschossweise in einzelne Wohnungen getrennt werden. Im EG entsteht dann eine für Senioren, Singles oder Paare geeignete barrierefreie Zweizimmerwohnung mit Patio, in den Obergeschossen ein Dreizimmerwohnung mit großer Dachterrasse.
    Zusätzlich zur Ausdehnung und Schrumpfung in der Vertikale ist auch ein Zuschalten von Raummodulen („Schaltzimmern“) in der Horizontale möglich - der winkelförmige Grundriss verlängert oder verkürzt sich nach Bedarf in den verschiedenen Geschossen (wodurch auch räumliche Verschränkungen entstehen). Das winkelförmige Grundelement kann sich in bestimmten Fällen so auch zu einer t-förmigen Struktur mit zwei Höfen wandeln. So können auch Sondertypen wie größere ebenerdige und dadurch barrierefreie Wohnungen bis hin zur Wohngemeinschaft für Senioren oder Wohnungen bzw. Häuser mit einem separat erschlossenen, gewerblich nutzbaren Raum oder einem Miniapartment für ein erwachsenes Kind (z.B. bei „Patchworkfamilien“), einen Student oder eine Pflegekraft angeboten werden.

    Das Schrumpfen und Wachsen geschieht ohne aufwändige bauliche Maßnahmen, da sich der Eingangsbereich des Familienhauses mit dem Einbau von Türen in einen Verteilerraum für mehrere Wohnungen umwandeln lässt. Hier wird allen Wohnungen auch der Zugang zum Keller und zur Tiefgarage ermöglicht. Zusätzlich zur Flexibilität in der Planungsphase aufgrund der modularen Struktur ergibt sich so eine Flexibilität in der Nutzungsphase (vgl. „Katalog“ von Grundrisstypologien)

    Das mit seiner rückwärtigen Erschließung sehr flexible „einreihige“ Hofhaus kann an seiner Südseite durch vorderseitig erschlossene Grundrisstypen angebaut werden. Dadurch entstehen tiefere doppelreihige Clusterstrukturen, die sich durch große räumliche Effizienz und Kompaktheit bei gleichzeitiger Wahrung der Privatheit auszeichnen.

    Städtebau und Erschließung
    Das städtebauliche Grundgerüst umfasst drei räumliche Kategorien: den öffentlichen Raum des zentralen Quartiersparks mit Spielplatz als grüne bzw. soziale Mitte, die gemeinschaftsfördernden Höfe der großen Wohncluster und die privaten Wohnhöfe der Wohnungen und Häuser. Diese sind vom öffentlichen Raum nicht einsehbar, weshalb der öffentliche bzw. gemeinschaftliche Raum bis an die Häuser heranreichen kann und klar definierte Grenzen vorfindet – kaum nutzbares „Abstandsgrün“ wird vermieden. Verbindendes Element zwischen den beiden Teilquartieren ist ein wegebegleitendes „Grünes S“ aus prägnanten Bäumen.
    Die beiden Teilquartiere sind intern autofrei. Jeder Wohncluster ist mit einer eigenen Tiefgarage mit je zwei öffentlichen aber auch direkten Zugängen zu den Wohnhäusern unterbaut. Nebenanlagen wie Müll- und Fahrradräume sind genauso wie die Tiefgaragenrampen in die Gebäude integriert, um den öffentlichen Raum nicht zu beeinträchtigen.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.