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  • DE-10117 Berlin-Mitte
  • 01/2013
  • Ergebnis
  • (ID 2-118962)

Freiraumgestaltung Umfeld Humboldt-Forum


  • 2. Rundgang


    Landschaftsarchitekten
    k1 Landschaftsarchitekten - Kuhn Klapka GmbH, Berlin (DE) Büroprofil

    Erläuterungstext
    Bearbeitung
    Catherine Kuhn, Heyden Freitag, Florian Mänz, Magdalena Sosnik, Torsten Wolff, Peter Young
    Visualisierung: Martin Joswig


    Städtebauliche Situation und Leitidee
    Das Humboldtforum wird als offener, räumlich differenzierter Stadtraum entwickelt. Die historischen Schichten werden nach ihrer Relevanz interpretiert und bilden unterschiedliche Schichtungen, die als Gesamtkomposition eine eigenständige Platzfläche beschreiben. Wie auch das Schloss, erhält das Humboldtforum zeitgemäße Ergänzungen, die Bezug auf das städtebauliche Umfeld nehmen und das Forum im Gesamtgefüge verankern.

    Stadträumlich wichtige Sicht- und Wegebeziehungen werden wieder aufgenommen und knüpfen an die historischen Bezüge an. An Stellen, an denen diese Bezüge durch eine weitreichende Veränderung des Stadtgrundrisses nicht mehr bestehen, werden neue, zeitgemäße Verbindungen herausgearbeitet, die das städtische Gefüge bereichern.

    Durch die unterschiedlichen Funktionen und städtebaulichen Bezüge gliedert sich der Schlossplatz in vier Zonen, die durch eine einheitliche Oberfläche weiterhin miteinander verknüpft bleiben. Die Fläche vor dem Schloss, zwischen Karl-Liebknecht-Straße, Spreekanal und Spree, wird als eigenständige Platzfläche gesehen (Schlossplatz Nord), die mit einer zeitgenössischen Interpretation der Schlossterrassen abschließt und ein Pendant zum Lustgarten bildet. Der historische Kontext wird aufgenommen und insbesondere in Form der Schlossterrassen, die im Umgriff auf die historischen Terrassen Bezug nehmen, neu interpretiert. Die Fläche des ehemaligen Apothekenflügels und dem anschließenden Vorgarten wird mit einem Lindenhain besetzt, der den Raum abschließt und die Platzfläche nach Ost rahmt.

    Im Gegensatz dazu ist im südlichen Teil des Humboldtforums das historische städtische Gefüge nicht mehr erhalten. Die historischen Sichtachsen werden nachgezeichnet und zusätzlich wird die Möglichkeit aufgegriffen, hier neue Beziehungen zur Umgebung herauszuarbeiten.

    Aufgrund der nicht mehr vorhandenen historischen Bauvolumina des Apotheken- und Herzoginnenflügels an der Spree, wird, benachbart zu der neuen Stadtloggia, ein Stadtbalkon mit vorgelagerten Spreeterrassen geplant und eine moderne, differenzierte Verbindung zur Spree hergestellt.

    Die Schlossfreiheit wird mit dem Einheitsdenkmal und der Öffnung zum Wasser am Spreekanal sowie der gliedernden Fahrbahn der Schlossfreiheit determiniert.

    Durch die Materialverwendung mit einer einheitlichen materiellen Ausgestaltung werden nicht nur die unterschiedlichen Bereiche des Humboldtforums zusammengeführt, sondern auch an das direkte Umfeld des Humboldtforums angebunden.

    Schlossplatz Nord
    Der Schlossplatz Nord stellt sich stadträumlich als große, offene Pflasterfläche dar. Südlichen Abschluss bilden die Schlossterrassen, die in einer schlichten Interpretation wieder aufgenommen werden. Großformatige Granitplatten zeichnen die Flächen der Schlossterrassen nach und verorten das neue Humboldtforum auf dem Platz. Dem Lustgarten zugewandt heben sich die Terrassen ca. 30cm über das umliegende Gelände. Auf einer Breite von 10m sind sie mit einem dünnen Wasserfilm bedeckt, der über die vordere Kante abfließt. Der in sich ruhende Wasserspiegel verleiht dem Platz Weite und repräsentative Eleganz. Nachts werden die Flächen dezent von unten beleuchtet, so dass sich ein heller Schimmer über den Platz legt. An dieser Stelle wird auf eine Wiederbelebung des ehemaligen Figurenschmucks verzichtet. Die Standorte der Rossbändiger im Bereich von Portal IV werden durch stilisierte Sockel kenntlich gemacht.
    Die Platzkante zum Straßenraum unter den Linden wird analog zum Lustgarten mit einem linearen Element markiert. Hierbei handelt es sich um eine Intarsie aus großformatigen Platten, die auch die Ausstattungselemente aufnimmt.

    Südlicher Vorplatz des Berliner Doms
    Der Vorplatz des Berliner Doms wird in den Grundzügen, wie vom Büro Schmidt Seifert vorgeschlagen, mit einer Stufenanlage gestaltet. Anstelle der Baumpflanzungen schlägt der Verfasser ca. 1,20m hohe Heckenkörper vor, die in die Stufenanlage integriert werden und für die etwas tiefer liegenden gastronomischen Einrichtungen als Blickschutz zur Straße fungieren. Dadurch bleibt der Blick auf die Fassade des Doms unverstellt.

    Ideenteil Straßenraum
    Für die Oberflächengestaltung der Karl-Liebknecht-Straße wird aufgrund der hohen Frequentierung der Straße und aus Sicherheitsaspekten eine Asphaltoberfläche vorgeschlagen, die sich deutlich von den umgebenden Pflasterflächen abhebt. Zur Verbesserung der Querungsmöglichkeiten, wird die Fahrbahn in den Querungsbereichen leicht angehoben und mit den entsprechenden Lichtsignalanlagen ausgestattet. In der nördlichen Verlängerung der Spreeterrassen wird eine zusätzliche Lichtsignalanlage vorgeschlagen, um eine optimale Anbindung des Humboldtforums an die Museumsinsel zu gewährleisten.

    Schlossfreiheit
    Die Straße Schlossfreiheit wird als „shared space“ gestaltet, wobei die gepflasterte Fahrbahn mit 3cm Höhendifferenz fast bündig über die Platzfläche geführt wird. 50cm breite Plattenreihen fungieren als Bord für die Straße und trennen den Bereich optisch ab.
    Nördlich des Freiheits- und Einheitsdenkmals führt eine neue Treppenanlage zum Spreekanal und schafft damit eine neue Anbindung der Platzanlagen zum Wasser. Das Spiel mit den unterschiedlichen Höhensituationen schafft benachbart zu der erhöhten Fläche des Freiheits- und Einheitsdenkmals eine reizvolle Situation am Wasser. In Verlängerung der Spiegelbecken auf den Schlossterrassen erzeugt ein Wasserspiel eine angenehme Geräuschkulisse im Gegensatz zur belebten Platzfläche.
    Das Schleusengärtchen stellt mit neuen Sitzelementen und einer Rasenfläche mit Frühjahrsblühern einen beschaulichen, etwas versteckten, Rückzugsort dar.

    Schlossplatz Süd
    Der Verlust des bürgerlichen Umfeldes und des historischen Stadtgrundrisses führt hier zu einer Neugestaltung des Platzes, der neue Beziehungen zu seiner Umgebung herausarbeitet. Die Platzfläche wird bis an die Südliche Platzkante mit dem Marstall und dem ehemaligen Staatsratsgebäude als offene, verbindende Pflasterfläche hergestellt. Analog zum Schlossplatz Nord findet der Platz im Westen seinen Abschluss in einem Lindenhain, der mit einer leicht abgesenkten wassergebundenen Wegedecke unterlegt ist und entsprechende Aufenthaltsqualitäten bietet. Die Neugestaltung des Spreeufers mit einer großen Treppenanlage zum Schlossplatz ermöglicht eine neue, enge Verbindung der Platzfläche mit der Spree, die bisher so nicht bestand. Die Verbindung zum Spreeufer wird mit gärtnerischen Buchselementen und Aufenthaltsflächen herausgearbeitet, die mit einer lockeren Baumstellung überstanden werden. Die Achse von der Breiten Straße zum Portal II wird freigehalten und ermöglicht eine starke Verbindung über den Straßenraum bis zum Petriplatz.

    Spreeufer und Spreebalkon
    Der neue Spreebalkon, als die der Stadtloggia vor gelagerte Fläche, bietet eine neue Verbindung des Humboldtforums zur Spree und den gastronomischen Einrichtungen eine großzügige Fläche für die Außenbewirtung. Die Gestaltung der Spreeterrassen verzahnt wie ein Gelenk die beiden städtebaulichen Richtungen des Lustgartens und die des alten Schlosses. Die Anbindung an die Spree erfolgt mit einer großzügigen Rampen- und Stufenanlage aus Granitstein, deren Gestaltung sich bewusst von einer symmetrischen Anordnung zur Schlossfassade löst und einen eigenständigen Bereich an der Spree darstellt. Eine barrierefreie Erschließung ist sowohl von Norden als auch von Süden gegeben. Mit den Rampen und Treppen verschränken sich unterschiedlich hohe und breite Sitzstufen mit Holzdecks, die vielfältige Aufenthaltsmöglichkeiten am Wasser bieten und Ruhezonen zu den ansonsten sehr belebten Platzflächen darstellen.



    Schlüterhof und Schlosspassage
    Der Schlüterhof wird in Anlehnung an die historische Gestaltung mit einer durch rautenförmige Pflasterbänder gegliederten, offenen Pflasterfläche versehen. Nach historischem Vorbild und mit Rücksichtnahme auf eine größtmögliche Flexibilität im Hinblick auf die Nutzung als Veranstaltungsfläche wird im Schlüterhof auf Ausstattungsgegenstände wie Bänke oder Bepflanzung verzichtet.

    Historische Spuren
    Die Flächen und Bauvolumen des Humboldtforums waren im Verlauf der Historie vielfältigen Umgestaltungen und Veränderungen unterworfen. Diese sollen nach Möglichkeit für die Besucher sichtbar gemacht werden. Dies kann durch eine zeitgenössische Neuinterpretation, wie im Falle der Schlossterrassen oder aber durch gezielte Informationen geschehen. Hierzu kommen Informationsstelen und Periskope zum Einsatz. Auf eine Nachbildung historischer Skulpturen und Ausstattungselemente wird verzichtet. Die unterschiedlichen Bauzustände werden durch unterschiedlich breite Messingbänder mit einer entsprechenden Prägung im Pflaster abgebildet.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.