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  • DE-77694 Kehl, FR-67000 Straßbourg
  • 01/2013
  • Ergebnis
  • (ID 2-105468)

"Grenzen überwinden - Stadträume gewinnen"


  • ein 1. Preis


    Landschaftsarchitekten
    SINAI Gesellschaft von Landschaftsarchitekten mbH, Berlin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: kleyer.koblitz.letzel.freivogel, Berlin (DE), München (DE)

    Erläuterungstext
    Mitarbeit
    Stephanie Braconnier, Elena Emmerich, Jedidiah Gordon-Moran, Britta Horn, Maja van der Laan, Henning Pagels, Jakob Trzebitzky

    Place de deux rives

    Zwischen den Brücken entsteht beiderseits des Rheins ein markanter stadträumlicher Kulminationspunkt. Der Doppelplatz mitseiner signifikanten Bebauung greift dabei die ideele Strategie der übergreifenden oder doppelten Dominanten auf:
    Zur Passerelle de deux rives und dem Garten der zwei Ufer tritt der Place de deux rives als verbindende Klammer über den Fluss hinweg. Dabei wird sowohl in Straßburg wie auch in Kehl ein Schlussstein ins jeweilige städtische Gefüge gesetzt.

    Situation

    Aufgrund seiner wechselvollen Geschichte hat das Gebiet einen hohen symbolischen Wert für die Städte Kehl und Straßburg.
    Lange beherrschten Grenzanlagen und Kasernen den Ort. Heute ist es ein Ort des Zusammenwachsens.
    Die Flächen bieten gute Expansionspotentiale für beide Städte. Sie bestechen vor allem durch ihre attraktive Lage beiderseits des Rheins mit seinen Uferanlagen und weisen dabei eine hervorragende Zentralität auf. Sie sollten nachhaltig städtedienlichentwickelt werden. Identitätsstiftende Gebäude und Anlagen können Ansatzpunkte für die Quartiersbildung bieten.
    Die größte Herausforderung bestehet zweifellos in der Barrierewirkung der Verkehrsbauwerke mit ihren topografischen Rampen. Ausgerechnet die verbindenden Brückenbauwerke über den Rhein wirken damit in Nord-Süd-Richtung
    zerschneidend.

    Ziele

    Die prioritären Ziele des Entwurfes sind:
    - Die Formulierung eines städtebaulichen Brückenschlags über den Rhein
    - Die Entwicklung von neuen Stadtkanten am Rhein
    - Die Definition eigenständiger und positiver Quartiersidentitäten
    - Die Schaffung von verdichteten, städtischen Wohn- und Lebensformen
    - Die Konzentration auf klare Raumfolgen die Barrieren überwinden

    Entwurf
    Zollhof/Cour des Do

    Auf beiden Seiten des Rheins entsteht eine neue Stadtsilhouette, die jeweils die Eingänge in die Stadt symbolisiert und bestehende Höhendominanten in die umgebende Bebauung einbindet. Durch diese neue signalhafte Bebauung werden die Städte weiter an den Rhein heran geführt und am Wasser sichtbar gemacht.
    Die Gebäude bilden zusammen mit einer spezifischen Topografie eine städtische Landschaft, die zwischen der Bahn- und Europabrücke bis an den Rhein heran wächst und dort neue urbane Räume schafft. Die entstehende Dichte führt zur Belebung des Ortes.

    Der Freiraum um die markanten Gebäude wird auf beiden Seiten als städtisches Relief ausgeformt: Die Fläche steigt vom Bahnhofsplatz wie auch vom Quartier du Port du Rhin zum Rhein hin leicht an und folgt damit etwa dem Geländeverlauf der Brückenrampen. Das Gebiet wird damit aus der Senklage herausgehoben. Der Platz erreicht eine Höhe von ca. 142.00 bzw. 145,00 (in Kehl) und stellt sich damit als Balkon über dem Fluss dar. Über Sitzstufen mit Rampen entsteht ein prägnantes Relief das die charakteristische Ufer- und Deichebene (138,00 bzw. 140,00) anbindet. Auf Kehler Seite wird dieses Ebenenspiel nach Norden weiterentwickelt zur Fassung des zweigeschossig gefassten Hafenbeckensn wie auch in der Anbindung der Wege des Uferparks im Süden. Die bestehenden Unterführungen werden dabei genutzt. Eine wichtige obere
    Zugangsachse wird in Verlängerung der Hermann-Dietrich-Straße über die Europastraße hinweg formuliert.

    Auf französischer Seite erfolgt die Verknüpfung der Uferebene über ein vorgelagertes Plateau, dass die Unterquerung der Brücken ermöglicht. Die Doppelpromenade am Ufer wird so über ein Platzgelenk angebunden.
    Ein Stadtboulevard über dem Rhein und an der Europastraße verbindet entlang der neuen Straßenbahnverbindung Kehl mit Straßburg. Es wird vorgeschlagen eine weitere Fuß- und Radwegeverbindung im Anbau an die Bahnbrücke zu prüfen.
    Die gemischte Nutzungsstruktur mit Dienstleistungseinrichtungen, Gastronomie, Hotel, Freizeiteinrichtungen, Wohnen belebt die Orte beiderseits des Rheins. Der Rhein selbst kann durch temporäre Nutzungen (Badeschiff?), Schiffsanleger etc. in die Inszenierung und Vereinnahmung des Ortes einbezogen werden.

    Hafenquartier

    Nördlich der Bahn wird die Konzentration auf nur ein Quartier mit einem klaren Bezug zum Wasser und zum Hafen vorgeschlagen.. Um den ehemaligen Kasernenhof und den Hafen wird die Stadt weiter entwickelt und eine gemischte Nutzungsstruktur mit hochwertigen Freiräumen und Bezügen zum Wasser entwickelt.
    Der bestehende Sporthafen wird dabbei dergestalt überformt dass er unmittelbar an das Ensemble an der Bahnbrückeheranrückt und damit auch die Klammer zwischen den Quartieren darstellt.
    Drei- bis viergeschossige, gemischt genutzte Gebäude fassen das Hafenbecken städtisch-urban ein und formulieren eine neue Stadtkante.
    Es wird von einer Hafenpromenade umfasst, die bis an den Raum zwischen den Brücken angebunden wird. Entlang der Promenade werden belebende Nutzungen angesiedelt. Das Hafenbecken selbst belebt das Quartier und kann im Sommer
    auch für Open-Air Veranstaltungen (z. B. Kino auf dem Wasser) genutzt werden. Die Mole wird als Teil des Hafens erlebbar gestaltet. Dahinter werden Flächen für die Kreativwirtschaft und das Wohnen entwickelt. Ein robustes Netz baumbestendener
    Straßenräume mit Öffnungen zum Wasser strukturiert die Flächen. Der Exerzierplatz wird zum Stadtgarten umgestaltet mit Spielangeboten und einer Optionsfläche für eine Kita.

    Quartier südlich der Europabrücke

    Die Flächen südlich der Europabrücke werden als Wohnstandorte am Rand des Landschaftsraumes mit Bezug zum Rhein entwickelt.
    Das Quartier ist stark durchgrünt und bildet den Übergang zwischen Landschaft und Stadt. Wege werden über das Quartier bis an die Promenade entlang des Rheins geführt.

    Erschließung

    Die Erschließung des Hafenquartiers erfolgt wie bisher über die Hafenstraße. Sie wird verschwenkt und dient weiterhin zur Erschließung des P+R-Platzes hinter dem Kehler Bahnhof. Dort werden zusätzliche Stellplätze oberirdisch und im Sockel eines
    Gebäudes vorgesehen.
    Die Lage der Europabrücke wird beibehalten. Eine Verlegung der Brücke trägt nicht zu einer nachhaltigen städtebaulichen Struktur und zur Schaffung attraktiver Stadträume bei.
    Die neue Trambrücke kann so eine attraktive, beruhigte Verbindung für den Fußgänger- und Fahrradverkehr werden - ein Boulevard über den Rhein.
    Promenaden entlang des Rheins und über den Rhein hinüber schaffen neue Verbindungen zwischen Straßburg und Kehl und tragen zu einer Aufwertung der Flussufer bei. Über Fuß- und Radwege sind alle Orte optimal vernetzt.

    Bauen in Phasen

    Auf Kehler Seite kann die Stadt im ersten Schritt bis an den Rhein entwickelt werden. Gleichzeitig können die Flächen um den Kasernenhof bebaut werden. Nach der Verschwenkung der Hafenstraße wird im zweiten Schritt die neue Stadtkante um den
    Yachthafen gebaut. Auf Straßburger Seite wird die Stadt bis an den Rhein entwickelt.

    Fazit

    Durch den Entwurf wird ein besonderer Ort entwickelt. Zwei Städte am Rhein werden über den Rhein zusammen geführt, die Nahtstelle wird durch hohe skulpturale Gebäude definiert, die eine integrative Stadtkante schaffen. Die Rheinufer und der Hafen werden entwickelt und als städtisch-urbaner Raum definiert. Bislang nicht erlebbare Stadträume werden zu qualitativ hochwertigen Lebens- und Aufenthaltsräumen am Rhein.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.