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  • DE-64625 Bensheim
  • 02/2013
  • Ergebnis
  • (ID 2-118949)

Gesamtkonzept Beauner Platz und Neubau Bürgerhaus


  • Anerkennung


    Architekten
    Dierks Blume Nasedy Architekten BDA, Darmstadt (DE), Frankfurt am Main (DE) Büroprofil

    Preisgeld
    5.000 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebauliches Konzept

    Als ein Hauptkritikpunkt der derzeitigen Platzsituation wird die Treppen- und Wallanlage am nördlichen Ende des Beauner Platzes empfunden, die mühsam das Platzniveau selbst mit dem Eingangsniveau des Parktheaters einerseits und im weiteren Verlauf das Niveau des Torbogens des Dalbergerhof zur Innenstadt verbindet.
    Diese unklare Geländetopographie sorgt zusammen mit der zu langen Platzdimension für einen „Platz ohne Platzkanten“ und verhindert so einem adäquaten städtischen Raum und somit in hohem Maße das Funktionieren des Neumarktcenters, da diesem das attraktive Vorfeld fehlt.

    Der Neubau des Bürgerhauses ist so platziert, dass er zwei eindeutige Platzgefüge bildet:
    Einen oberen städtischen Platz gebildet durch das Parktheater, dem historischen Dalbergerhof , einer ergänzenden Wohnbebauung auf der Ostseite, sowie einer Zeile mit den historischen Maßstab der Altstadt aufnehmender Stadthäusern auf der Südseite.
    Das Bürgerhaus selbst bietet mit seiner geschwungenen Platzfassade einen festlichen Abschluss im Westen.
    Der Platz wird so zum erweiterten Foyer des Bürgerhauses
    die Bürgerhaus Gastronomie durch die zu öffnende Glasfassade sorgt für Platzbelebung.

    Der Stadträumlich wichtige Zugang zum oberen Platz von Norden wird von einem durch die Gebäudegeometrie gebildeten, sich aufweitenden Zugang von der Rodensteinstraße geschaffen.
    Flankiert wird dieser Zugang von einer, die umgebende Bebauung aufnehmenden Wohnbebauung, hinter der die bestehende unansehnliche Anlieferungszone des Parktheaters verschwindet, ihre Funktion aber unverändert behält.

    Von dem höhergelegenen Platz führt eine sich ebenfalls durch die Gebäudeform des Bürgerhauses öffnende Freitreppe zum tiefer gelegenen Beauner Platz, der nun einen angemessenen Zuschnitt erhält und mit der Eingangsfassade des Bürgerhauses ein eindeutige Platzkante als Gegenüber zur bewusst unverändert belassenen Fassade des Neumarkt-Centers bildet.

    Unterschiedlich sind die Platzqualitäten.
    Während der obenliegende Platz eine „intime“ Altstadtatmosphäre erhält, verfügt der untere Beauner Platz eher über einen offeneren Festplatz-Charakter.

    Architektur

    Das Bürgerhaus erhält durch seine eigenständige Form ein angemessenes Erscheinungsbild im Stadtkontext, verfügt aber gerade zur historischen Bebauung über moderate Gebäudehöhen und über eine zurückhaltende einheitliche Hülle aus Naturstein, welche je nach Funktion mit geschlossen, halboffene bzw. arkadenartiger Offenheit auf die jeweiligen Platzsituationen reagiert.
    Die funktionalen unterschiedlichen Raumhöhen werden durch die einheitliche Höhe der Hülle zusammengefasst.
    Oberlichter entlang des Saalkörpers sorgen für eine natürliche Belichtung und eine inszenierte Raumwirkung von Foyer und Saal.

    Erschließung

    Die Erschließung des Bürgerhauses für Besucher erfolgt von der Seite des Beauner Platzes bzw. als Vorfahrt überdacht von der Promenadenstraße.
    Im nördlichen Bereich der Promenadenstraße befindet sich die Anlieferung.
    Ein direkter Zugang von der bestehenden Tiefgarage unterhalb des Beauner Platzes ins Foyer ist über die ins UG führende Haupttreppe möglich.
    Die Tiefgarage kann optional bis unter den oberen Platz erweitert werden

    Die Garderobe und die Nebenräume sind ebenerdig vom Niveau Beauner Platz erreichbar. Eine großzügige Freitreppe führt zu dem dem oberen Platz zugewandten gastronomisch bespielten Pausenfoyer mit den Saalzugängen.
    Das untere Foyer ist über eine mit Tageslicht versorgte großzügige Verbindung an das Foyer des Parktheaters angeschlossen.
    Garderobe und Toilettenanlagen sind auf diese Art sowohl vom Bürgerhaus, als auch vom Parktheater nutzbar

    Nachhaltigkeit

    Das Gebäude verfügt über eine wartungsarme hinterlüftete Natursteinfassade mit Wärmedämmung als winterlicher und sommerlicher Wärmeschutz.
    Durch die tieferliegenden Dachbereiche kann Photovoltaik stadtbildverträglich kaum sichtbar auf den Dächern angebracht werden.
    Die Dimensionen der Wandaufbauten sowie die Fassadentechnik entspricht den neusten Anforderungen der Technik.
    Es wird empfohlen den naheliegenden Winkelbach via Wärmepumpentechnik als Medium zum Heizen und Kühlen umweltverträglich zu nutzen.
    Das Gebäude selbst wird mit einer Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung versorgt
    Statische Heizflächen im Bereich des Fußbodens sorgen für wirtschaftliche Beheizung.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Entwurf stellt in Bezug auf die städtebauliche Einbindung des Bürgerhauses eine ungewöhnliche und interessante Lösung dar. Durch seine freigestellte Positionierung schafft das Bürgerhaus an der Rodensteinstrasse und am Dahlberger Hof neue Raum- und Platzsituationen, die schlüssig ineinander übergehen.

    Durch diese Anordnung wird der Beauner Platz verkürzt. Leider machen die Verfasser keine Aussagen zum gegenüberliegenden Neumarktcenter das gerade bei dieser städtebaulichen Neuordnung eine wichtige Rolle spielen würde. Kritisch ist anzumerken, dass der städtebauliche Missstand Hoffartgelände und die Arrondierung des Dahlberger Hofes nur durch eine Maßnahme gelöst werden, die eine erfolgreiche Vermarktung durch Dritte voraussetzt.

    Die fußläufige Erschließung des Gebäudes erfolgt von der Promenadenstrasse. Ein Aufzug führt zum Foyer der Säle, das auf dem Niveau des Dalberger Hofes liegt. Dadurch entstehen Konflikten in Bezug auf Zugangs- und Pausensituationen.

    Problematisch wird auch die LK W-Andienung an der formal anspruchsvollen Spitze des Gebäudes gesehen. Die Anbindung an die vorhandene Tiefgarage gelingt sehr entspannt allerdings wird die PKW-Erschließung der Tiefgarage nicht verändert und trägt damit auch nicht zu einer Verbesserung der vorhandenen Situation bei.

    Die Architektur wirkt insgesamt solide und ist der Aufgabe angemessen. Die Anbindung an das vorhandene Parktheater lässt keine wünschenswerten Synergien erkennen.

    Funktional werden Probleme in Bezug auf die Nutzung des Foyers gesehen. Dieser Raum möchte sich selbstverständlich zum Dalberger Hof öffnen, dort fehlt aber sowohl ein Eingang bzw. Ausgang, der auch zu Nutzungsproblemen führen würde.

    Die Entwerfer schlagen solare Nutzung auf den Dachflächen vor, die sich durch die Art der Fassaden und Attikaausbildung unauffällig und stadtbildverträglich anbringen lassen.

    Der insgesamt städtebaulich und architektonisch interessante und gute Ansatz leidet unter der Abhängigkeit von Fremdinvestoren und stellt insgesamt eine in Bezug auf Volumen und Ausgestaltung eher kostspielige Lösung dar.


INFO-BOX

Angelegt am 08.02.2013, 14:33
Zuletzt aktualisiert 14.02.2013, 09:42
Beitrags-ID 4-64017
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