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  • DE-45549 Münster
  • 12/2003
  • Ergebnis
  • (ID 2-140)

Kulturforum Westfalen


  • ein 1. Preis

    Lageplan

    Architekten
    [lu:p] Architektur GmbH, Grub am Forst (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Renee Lorenz

    Mitarbeit
    Mitarbeit: Verena Bischoff Gabi Schillig

    Erläuterungstext
    Gegenstand des Wettbewerbsentwurfes ist die Entwicklung einer städtebaulichen, freiraumplanerischen und architektonischen Konzeption für das „Kulturforum Westfalen“ auf dem Hindenburgplatz Münster. Es ist das Ziel dieser Planung, einen lebendigen Ort zu erschaffen, der im Einklang mit dem Schloss zum kulturellen Zentrum der Region werden kann.
    Die Entwurfsidee greift das Thema Band auf. Ein „Kulturband“ ebnet den neuen Bauten auf dem Hindenburgplatz den Grund und umwickelt die zentralen Einheiten des Kulturforums. Das Band umschließt die Ausstellungsräume des Museums und umhüllt die beiden Konzertsäle der Musikhalle.


    Städtebau

    Das neue Museum und die Konzerthalle liegen sich in der den Hindenburgplatz bestimmenden Nord-Süd-Richtung direkt gegenüber. Die beiden Gebäude sind bis auf einen Mindestabstand an die Promenade gerückt, um so einen möglichst großen Freiraum zur Straße Hindenburgplatz zu erhalten. Die Kulturbauten sind durch ein Band in der Platzebene verbunden. Diese Esplanade fällt von der Schlossplatzstraße zur Musikhalle um ca. 50cm ab. Zum Museum neigt sich der Grund auf ca. 2m unter die Platzoberfläche. Aus der schrägen Ebene entwickeln sich parallel zur Esplanade Treppenstufen, um eine Durchquerung des Bandes in Ost-West-Richtung an jeder Stelle zu ermöglichen.
    Die Esplanade verläuft im rechten Winkel zur barocken Schlossachse und bricht so die strenge Ost-West-Achse auf, um ein Gleichgewicht und eine Einheit aus Schloss, Museum und Musikhalle zu schaffen. Die Esplanade mit dem Kulturforum wird so zum Bindeglied zwischen Schloss und Altstadt.
    Studierende beleben den Platz, sitzen auf den Stufen der Esplanade und nutzen die neuen Freiräume für wissenschaftliche und künstlerische Arbeiten. Durch den Abstand der Kulturbauten voneinander, wird das Blickfeld zwischen Altstadt und Schloss freigehalten. Die Baumreihen der Promenade werden aufgebrochen, die Bäume entlang der Straße Hindenburgplatz werden entfernt. Die Sichtachsen werden geöffnet, so dass ein freier Blick vom Schloss über die Esplanade zur Altstadt möglich ist. Der Hindenburgplatz und der Kalkmarkt werden räumlich zusammengefasst, die zwei Solitäre der Kulturbauten präsentieren sich auf dem neuen Hindenburgplatz und lenken so die Blicke auf das in ihrem Zentrum liegende Schloss. Die neue Einheit aus Kulturforum und barockem Schloss kann durch die großzügige Öffnung zur Altstadt und den umgebenden Straßen zum Anziehungspunkt für die Bürger Westfalens und Touristen aus aller Welt werden.
    Der Hindenburgplatz ist durch eine Tiefgarage unterbaut. Die Zufahrt zur Tiefgarage, über die auch die Anlieferung der Musikhalle ermöglicht wird, erfolgt über eine Einmündung an der Straße Hindenburgplatz auf Höhe der Überwasserstraße. Eine zweite Zufahrtsmöglichkeit, z.B. für Personal und Künstler bietet sich von der Straße auf der dem Platz abgewandten Seite der Promenade.


    Architektonisches Konzept

    Die Idee des umschließenden und verbindenden Bandes bildet die Grundlage des Entwurfes. Auf einer Esplanade, die von der Schlossachse in Richtung der Bauten des Kulturforums im Boden leicht abfällt, befinden sich die beiden Solitäre des Museums und der Musikhalle. Die beiden Bauten bilden die Endpunkte der Esplanade, sie sind Ausgangspunkt und Ziel zugleich.
    Durch die Esplanade mit den beiden Neubauten entsteht ein Gleichklang mit Schloss, Schlossplatz und barocker Schlossachse.
    Das Museum ist ein kubischer schlichter Baukörper der als Endpunkt der Esplanade im Süden auch den Hindenburgplatz räumlich abschließt. Die Ausstellungsräume des Museums scheinen über einem gläsernen Sockel, in dem sich alle sonstigen Museumsflächen befinden, zu schweben. Die Räume für die Kunst sind von einem Fassadenband umhüllt, welches die Innenräume, sowie den Außenraum gestalterisch bestimmt.
    Der dynamische Baukörper der Musikhalle bildet den Gegenpol zum Museum und liegt am nördlichen Rand des Hindenburgplatzes. Auch die Musikhalle wird vom Thema Band bestimmt. Ein Band wickelt sich um die beiden Konzertsäle und hüllt diese ebenso ein, wie das Band des Museums die Flächen mit den Ausstellungsstücken einhüllt. Das architektonische Konzept sieht so drei Bänder in differenzierter Form für das Kulturforum vor. Ein Band in ausgestreckter Form als Grundlage und Verbindung, ein Band als Fassadenthema am Museum und ein dreidimensionales Band, als Umhüllung der Musikhalle.
    Der barocke Gedanke, Unendlichkeit durch die Ausbildung von Achsen mit Ausblicken in die Ferne zu thematisieren, wird durch das Konzept des Bandes zeitgemäß neu interpretiert. Auch das Band spielt mit dem Ideal der Unendlichkeit, wickelt sich, umhüllt und kehrt zum Anfang zurück. Von dort setzt sich die Bewegung erneut und unendlich oft fort. Das barocke Thema der Unendlichkeit und Bewegung, das auch im benachbarten Schloss Anwendung findet, wird durch die Bauten des Kulturforums in die heutige Zeit übertragen. Auf diese Weise entsteht neben der räumlichen Einheit auch eine architekturtheoretische, ideelle Einheit aus Kulturforum und Schloss.


    Gestaltungs- und Konstruktionsprinzip

    Das Museum wird durch die sich neigende Esplanade betreten. Vor dem Eingang befindet sich bereits eine Freiterrasse des Museumsrestaurants. In ca. 6m Höhe scheint die Kunst über dem gläsernen Sockelgeschoss zu schweben. Durch die bandartige Umhüllung setzen sich die Ausstellungsräume klar von den restlichen Räumen ab. Das hohe Museumsfoyer wird auf der der Promenade zugewandten Seite in zwei Ebenen unterteilt. Die untere Ebene beherbergt die Nebenräume, Bibliothek, Shop etc., die obere Ebene ist den Verwaltungsräumen und den Atelierflächen vorbehalten. Das Foyer, das Restaurant und der Vortragssaal erstrecken sich über die gesamte Geschosshöhe. In den oberen Ebenen des Museums befinden sich die Ausstellungsflächen, die über Rampen vom Foyer aus erschlossen werden. Durch die Öffnungen des Fassadenbandes wird eine interessante Lichtwirkung erzielt, die am Tag das Museum erhellt und bei Nacht spektakuläre Lichteffekte aus dem Museumsinnenraum auf den Hindenburgplatz ermöglicht. Ein reizvolles Spiel aus transparenten und opaken Flächen entsteht.
    Auf direktem Weg, gegenüber dem Museum, liegt der Eingang der Musikhalle. Durch einen Einschnitt im Baukörper öffnet sich die Eingangsseite gleichzeitig in Richtung Museum und Altstadt. Die dynamische Gestaltung der Musikhalle lässt Rückschlüsse auf den funktionalen Inhalt zu. Musik ist dynamisch, ein Gebäude für Musik muss diese Bewegtheit spüren lassen. Eine Schleife umhüllt die beiden Konzertsäle. Ein Blick entlang der Saalwände nach oben führt ins Freie, Streiflicht fällt an den Saalwänden herab ins Foyer. Von allen Foyerebenen der Musikhalle sind Blicke nach oben und unten möglich. Trotz der räumlichen Dichte entsteht der Eindruck von Großzügigkeit und Weite.
    Das Museum, wie auch die Musikhalle erhalten ein Tragsystem aus Stahlbetonwänden und –deckenplatten, wobei versucht wird, durch die Verwendung von vorgefertigten Bauteilen, eine kostengünstige Lösung zu erzielen. Die Ausstellungsräume des Museums sind stützenfrei, die Decken werden über die Fassade bzw. die Kernzone abgelastet. Auf diese Weise entsteht eine absolut flexible Ausstellungsfläche, in die Trennwände nach einem Modulprinzip individuell eingebaut werden können.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.