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  • DE-53840 Troisdorf
  • 03/2013
  • Ergebnis
  • (ID 2-123055)

Fußgängerzone


  • 1. Anerkennung


    Landschaftsarchitekten
    arbos Freiraumplanung GmbH, Hamburg (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Peter Köster

    Mitarbeit
    Franziska Husung, Sara Dahlheimer

    In Zusammenarbeit mit:
    Lichtplaner: Burkhard Wand Lichtplanung, Hamburg (DE)
    Visualisierer: Architekturbüro Ahnsorge, Lütjensee (DE)

    Erläuterungstext
    „Die Straße ist der Spiegel gesellschaftlicher Veränderungen.“

    Das Zitat aus Gustave Kahn´s ´L´Esthtique de la Rue´ verdeutlicht, welche Bedeutung die öffentlichen Räume für unsere Städte haben. Straßen und Plätze in Troisdorf sind gestalteter Stadtraum und Bühne für das städtische Leben zugleich. Wie zwei Seiten der gleichen Me-daille wirken beide zusammen.
    Ein Konzept für die Umgestaltung der Kölner Straße, der alten Poststraße und ihrer Plätze muss beidem gerecht werden. Die Gestaltungsvorschläge müssen auf der einen Seite die stadträumlichen Besonderheiten der Innenstadt herausarbeiten und sich gleichzeitig so weit zurücknehmen, dass die Bühne für das städtische Leben nicht verstellt wird.

    Stadträumliche Qualitäten stärken – Die Troisdorfer Perlenkette
    Der wichtigste Schritt des Konzeptes ist die Stärkung der unterschiedlichen stadträumlichen Qualitäten und der damit verbundenen Funktionen. In Troisdorf werden die unterschiedlich großen Platzräume wie Perlen an einer Kette aufgereiht. Die beiden Straßenzüge der Kölner Straße und der Alten Poststraße / Am Bürgerhaus werden durch die Aufweitungen im Bereich der Plätze auffällig gegliedert. Dieser Rhythmus von engem Straßenraum und aufgeweiteten Platzräumen soll gestärkt werden. Mit einer gezielten Gestaltung sollen die Plätze als stadtbildprägende Orte herausgearbeitet werden.

    Bäume pflanzen
    In enger Verbindung mit dieser Rhythmisierung des öffentlichen Raums steht die gewünschte Erhaltung und Neupflanzung von Straßenbäumen. Die räumlichen Konturen von Straßen und Plätzen können durch die Baumstellungen prägnanter gestaltet werden. Während die Straßenzüge durch strenge Reihen von Bäumen (Ahorn und Apfeldorn) charakterisiert wer-den, prägen die Plätze markante Solitärbäume. Kiefern, als Zitat aus der Wahner Heide, bringen atmosphärische Aspekte in den öffentlichen Raum. Die heute räumlich störenden Pflanzkübel werden entfernt und durch Baumscheiben ersetzt.

    Aufgaben zuordnen
    Jeder Platz sollte seine eigene Aufgabe im Netz des öffentlichen Raums erhalten. Der Kölner Platz wird Standort für den gewünschten Wochenmarkt, der Platz an der Feuerwache wird zum Bühnenplatz bei Veranstaltungen oder der Fischerplatz wird zum zentralen Ort für Aus-sengastronomie. Der Gabelungsplatz an der Kölner Straße und der Alten Poststraße wird auf Grund seiner zentralen Lage zum Treffpunkt in der Innenstadt und der Nobelplatz zum Fami-lienplatz mit Spielmöglichkeiten. Der Platz am Bürgerhaus wird zur Aufwertung des Wohnumfeldes als Grüner Salon und Spielplatz gestaltet. Die Plätze am westlichen und östlichen Ende der Fußgängerzone werden mit den beiden Stadttoren von Joachim Bandau und Viktor Bonato als einladende Eingänge in die Innenstadt gestaltet. Um diese zusätzlichen Funktionen zu ermöglichen, sollen keine neuen Einbauten vorgesehen werden, sondern in erster Linie barrierefrei zugängliche Plätze geschaffen werden.

    Identität stiften
    Troisdorf, das ist auch die industrielle Vergangenheit von Dynamit Nobel. Nicht nur einmal in der Geschichte der Stadt verursachten gewaltige Explosionen im Werk ein Scherbenmeer in der Innenstadt. Große scherbenartige Stahlplatten erinnern auf den Plätzen an diesen Teil der Troisdorfer Industriegeschichte. Die großen, polygonalen Stahlplatten kontrastieren mit den warmen Pflasterplatten mit Grauwacke-Splitt-Vorsatz im Bereich der Plätze. In den Straßenzügen wird dagegen Betonwerksteine in drei unterschiedlich hellen bzw. dunklen warmen Grautönen im römischen Verband vorgeschlagen. Im Bereich der Plätze sollen Steinformate von 24x12 und 12x12 und in den Straßenzügen Steinformate von 36x18 und 18x18 diagonal verlegt werden. Lediglich auf dem Fischerplatz soll das vorhandene Granit-pflaster wieder zum Einsatz kommen. Das gesamt Höhenkonzept und die Materialwahl des Entwurfs zielt auf eine barrierefreundliche Nutzung der öffentlichen Räume ab.

    Funktionen bündeln
    Um die notwendigen Einbauten wie Mastleuchten, Bänke, Bäume, Baumscheiben oder Fahrradständer in Zukunft gestalterisch stärker einzubinden, wird in der Kölner Straße ein Funktionsband vorgeschlagen. Zwischen zwei Stahlbändern werden die Einbauten linear angeordnet. Gleichzeitig markiert das Funktionsband die Grenzen für die gastronomische Nutzung des öffentlichen Raums. Auf der nördlichen Straßenseite übernimmt, der bestehenden To-pografie folgend, ein Entwässerungsband diese Aufgabe. In der alten Poststraße und Am Bürgerhaus wird ein ähnliches Funktionsband auf der Nordseite der Straße angeordnet. Auf Grund des historisch engeren Profils der Straße wird hier nur ein lineares Element im Straßenraum vorgesehen.

    Mit Licht orientieren
    Das räumliche Konzept von Straßen- und Platzräumen soll durch den Einsatz von Licht akzentuiert werden. Beleuchtung als Effekt tritt in den Hintergrund. Als verbindendes, identifika-tionsstiftendes Element tritt die Kunst im öffentlichen Raum hervor. Eine auf die einzelnen Objekte abgestimmte Beleuchtung (ggf. mit den Künstlern), unterstreicht die jeweiligen Merkmale des Ortes und führt den Besucher während der Dunkelstunden durch die Stadt. Für die Grundbeleuchtung sind 4-5m hohe Mastaufsatzleuchten vorgesehen, die einseitig positioniert, ein warmes und entblendetes Licht in den Straßenraum abgeben.
    Die Beleuchtung der Plätze und erweiterten Straßenräume erfolgt über Lichtstelen mit Richtstrahlern in größerer Lichtpunkthöhe. Lichtakzente auf Bäumen, am Boden und ein weiches, bodennahes Licht aus den Sitzelementen heben diese Bereiche von den übrigen Straßenräumen ab und schaffen eine angenehme Aufenthaltsqualität. Wirtschaftliche Lösun-gen sind derzeit sowohl mit LED-Technik als auch mit HIT-Leuchten möglich und mit den vorgeschlagenen Systemen umsetzbar.

    Fazit
    Die räumliche Abfolge von engen Straßenräumen und aufgeweiteten Platzflächen – die Troisdorfer Perlenkette - ist das Kernthema des Entwurfs. Durch das Zusammenspiel von akzentuierten Raumfolgen, Baumpflanzungen, Materialwahl sowie durch den Einsatz von Kunst und Licht kann dieses besondere Charakteristikum der öffentlichen Räume zu einem zukunftsfähigen Thema für die Troisdorfer Innenstadt werden.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.