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  • Anerkennung


    Landschaftsarchitekten
    Planergruppe GmbH Oberhausen, Essen (DE) Büroprofil

    Preisgeld
    3.000 EUR

    Erläuterungstext
    Die neue Klarheit
    Die Altstadt Grevens zeichnet sich durch seine hochwertige historische Bausubstanz aus, die den vielgestaltigen mittelalterlichen Stadtgrundriss verstehen lässt und die Innenstadt atmosphärisch akzentuiert. Der Klinker ist der einheitliche Belag der Innenstadt. Er ist die durchgehend gespannte Oberfläche der Altstadt und hält so die Vielfalt zusammen. Die vorhandenen Pflastermuster aus Basalt und Granit werden zugunsten einer einheitlichen Klinkeroberfläche zurückgebaut.

    Ein Spannungsbogen
    Dieser wohltuenden Vielfalt wird in Markt- und Alte Münsterstraße eine klare Linie entgegengesetzt, die Spannung erzeugt. Sie schwingt in langen Bögen durch die Gasse und markiert an der Rathausstraße den Übergang zwischen Markt- und Alte- Münster- Straße. Hier überspannt der Klinkerbelag als Signal des Vorrangs der Querung für Fußgänger und Radfahrer die Rathausstraße.
    Die Linie wird als ca. 80 cm breites Plattenband aus hellen Natursteinplatten gebildet, das asymmetrisch im ansonsten einheitlichen Klinkerbelag verläuft. Sie wird in der dritten Dimension durch LED- Lichtstelen (Linea, Fa. Philips) nachvollzogen, die in der Tiefe des Straßenraums weit sichtbar wird. Diese Linie nimmt nahezu alle Ausstattungselemente auf (Bänke, Spielanlässe, Fahrradständer, Papierkörbe, Leuchten, teilweise Punktentwässerung…) und klärt so den öffentlichen Raum. Einzelne kleinkronige Bäume (Blumeneschen) setzen Akzente und antworten auf den schönen Einzelbaumbestand.
    In der feinteiligen Vernetzung der Altstadt wäre die Öffnung des Parks der Biederlack-Villa sehr wünschenswert, zumal von hier die Terrassenkante zur Ems besonders erlebbar ist.

    Der Teppich
    Der Marktplatz wird mit einem neuen Teppich aus hellem Naturstein betont und das starke Gefälle im Bereich des Brunnens gemildert. Der unbequeme und für das Marktgeschehen nicht gut geeignete Großpflasterbelag wird durch leicht begehbare und einfach zu reinigende großformatige Natursteinplatten ersetzt.
    Der Platz wird zusätzlich durch eine winkelförmige LED- Leuchte betont. Um den besonders hochwertigen Standort für Gastronomie unter den Bäumen an der Südflanke des Marktplatzes besser nutzen zu können, sollte geprüft werden, ob der wenig attraktive Durchgang durch die beiden Gebäude nicht besser für mehr Gastronomiefläche genutzt werden kann. Für den höher liegenden Teil des südlichen Gebäudes könnte eine Gastronomiebastion diesen geschützten Südwinkel nutzen mit Blick in die Rathausstraße.
    Auf dem Kirchplatz mit Blick auf den Markt wird unter dem stattlichen Baum vor der Apsis der Martinikirche ein Aufenthaltsort geboten. Eine brüstungshohe Hecke rahmt den Platz. Die Stützmauer wird vom Marktplatz aus mit einer langen Bank versehen.

    Die Verknüpfung
    An der Einmündung der Marktstraße in die Rathausstraße wird der Fahrbahnquerschnitt auf das notwendigste einer 2-spurigen Straße reduziert. Der Flächen- Gewinn wird der Nordseite zugeschlagen, so dass hier mehr Aufenthaltsraum entsteht. Durch diese Verbreiterung des nördlichen Gehwegbereichs kann das Gefälle aus der Marktstraße länger ausgezogen werden. Ohne Mauern, Hochbeete und Treppen wird man deutlich Richtung Alte- Münster- Straße geführt.
    Der Klinkerbelag läuft wie ein roter Teppich über die Rathausstraße und signalisiert so die Verknüpfung mit der Alte- Münster-Straße. Schon von weitem sieht man die Fortsetzung des Bandes in der Alten- Münster-Straße durch das Natursteinband mit der Stelenreihe, die Gestaltung dieses Fußgängerzonenbereichs bildet der Marktstraße eine Einheit.
    Am südlichen Ende der Alte- Münster- Straße führte die Linie zu einem neuen Akzent:

    Der „Münstergarten“
    Das schöne Fachwerkgebäude der Touristeninformation wird in einen gebührenden Rahmen, in einen Bauerngarten gestellt und so neu erlebbar. Ein mit Hecken gefasster Kräuter- und Blumengarten gibt diesem Ankunftsort neue Aufenthaltsqualitäten. Das heute dort dominierende Parken wird beidseits der Pfarrer- Mersmann- Stiege leicht reduziert und platzsparend organisiert.

    Die Martinistraße
    Auch sie wird klar geordnet. Die Klinkeroberfläche spannt sich auch hier von Haus zu Haus. In der Mitte liegt ein schmales Band aus Basaltpflaster, das aus den vorhandenen Pflaster- Mustern gewonnen wird. Dieses Band ist ca. 1,80 m breit und signalisiert den Autofahrern, dass hier langsam gefahren werden muss.

    Alternativen zum Niederort
    Die besondere Qualität des Niederorts ist zum einen die gute Bausubstanz, zum anderen die stattlichen Bäume, die in Zeiten der Klimaerwärmung wohltuenden Schatten spenden. Wir schlagen vor, nur ca. jeden zweiten der recht dicht stehenden Bäume zu entfernen, damit sich die anderen besser entwickeln können und mehr Licht auf den Platz fällt. Dieser Platz gehört zur Altstadt und sollte von daher in die Klinkeroberfläche der Altstadt eingebettet bleiben.
    Das Baumdreieck wird mit wassergebundener Decke befestigt, in die das Bild des Grevener Emsverlaufs und weitere „Tropfenpunkte“ als Spielpunkte eingelassen sind. Dieser auf der Niederterrasse der Ems liegende Ort wird zum Wasserspielplatz: Fische springen die dargestellte Ems entlang (in Form von Wackelfischen). Auf grünen, wackelnden „Wasserlinsen“ lässt sich balancieren. Überraschungsfontänen können auf den Tropfenpunkten erhascht werden. Auf Drehscheibenkreisel symbolisieren Wasserwirbel. So kann der Niederort zu einem attraktiven Anlaufpunkt in der Stadt werden, der auch weitere Gastronomie anziehen kann.

    Recycling
    Das hochwertige Natursteinmaterial der vielen Muster im Belag der Altstadt wird mit diesem vorliegenden Gestaltungskonzept wiederverwertet:
    - der Basalt der quadratischen Rasterflächen im neuen 1,80m breiten Band der Martinistraße,
    - der Granit der Rahmen der Quadratraster im „Münstergarten“ an der Touristeninfo,
    - der Klinker vom Niederort und von der Martinistraße zum Auffüllen der Muster.
    So wird auch im Umgang mit den Materialien ein Beitrag zur Nachhaltigkeit geleistet.

    Beleuchtungskonzept
    Wie schon erwähnt wird die klare Linie in Markt- und Alte- Münsterstraße mit LED- Lichtstelen (3,50 m Lichtpunkthöhe) markiert. Sie stehen ca. 15 m auseinander und bilden so eine deutlich schwingende Linie
    Der Marktplatzteppich wird mit den LED- Winkelleuchten betont.
    Die markanten Einzelbäume, wie die Buchen der Biederlack- Villa, der Ahorn am Marktbrunnen könnten angeleuchtet werden. Auch die besonderen Gebäude der Altstadt sollten mit Licht in Szene gesetzt werden.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Das Gesamtkonzept erscheint im ersten Moment schlüssig. Als neues Leitelement wird eine Linie aus Naturstein in den vorhandenen Belag integriert.

    In dieser Leitlinie werden neue Elemente wie Lichtstelen, Bänke und Spielelemente bandartig aufgereiht.

    Die räumliche Aufweitung an der Marktstraße/Rathaus wird positiv bewertet. Der neue Belagsteppich auf dem Marktplatz betont diesen Ort und erweitert den Platz in Richtung Osten, dieses wird positiv bewertet.

    Der Stadteingang obere Marktstraße kann nicht überzeugen. Die neue Leitlinie wirkt zufällig angeordnet und ist nicht stark genug um den Ort zu betonen. Die Baumstellungen schließen den Platz eher ab, anstatt ihn zu öffnen.

    Der Garten auf dem Fritz- Pölking-Platz überzeugt nicht. Er besetzt die Platzmitte und suggeriert eine Ruheinsel, die an dieser Stelle städtebaulich nicht nachvollziehbar ist.

    Die neue Linie ersetzt lediglich die bereits vorhandene Leitlinie aus Naturstein.

    Darüber hinaus widerspricht die Bestückung der neuen Linien mit unterschiedlichen Ausstattungselementen dem Ziel, den öffentlichen Raum zu beruhigen.

    Negativ wird bewertet, dass zur Herstellung der neuen Leitlinie die vorhandenen Natursteine in der Marktstraße und der Alten Münsterstraße ausgebaut werden sollen, um sie dann in der Martinistraße und dem Garten auf den Fritz-Pölking-Platz wieder einzubauen. Hiermit ist ein relativ hoher Bauaufwand verbunden, der im Rahmen der zur Verfügung stehenden finanziellen Mittel überzogen erscheint. Die Gestaltung des Übergangs an der Rathausstraße durch ein Abknicken der Bänderung beidseits der Rathausstraße wird positiv bewertet, da so ein Aufmerksamkeitssignal bzgl. der Verkehrssituation gesetzt wird. Der rote, niveaugleiche Pflasterteppich ist geeignet, die Straßenquerung angemessen herzustellen.


INFO-BOX

Angelegt am 28.03.2013, 11:58
Zuletzt aktualisiert 04.04.2013, 11:14
Beitrags-ID 4-65912
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