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  • DE-77933 Lahr
  • 03/2013
  • Ergebnis
  • (ID 2-115728)

Kanadaring


  • 4. Preis

    Lageplan

    Architekten
    Hähnig + Gemmeke Freie Architekten BDA, Tübingen (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Anthony Carimando, Jan Gienau

    In Zusammenarbeit mit:
    Landschaftsarchitekten: Stefan Fromm Landschaftsarchitekten, Dettenhausen (DE)

    Preisgeld
    7.000 EUR

    Erläuterungstext
    Die städtebauliche Entwicklungsplanung für den Bereich Kanadaring bietet die Möglichkeit das Quartier stadträumlich in den übergeordneten Kontext des Landschaftsraums Schutterpark und die Achse Landschaftspark Stegmatten/ Mauerfeldpark und Schutterlindenberg einzubinden.
    Mit der Neuordnung des Quartiers entstehen bisher fehlende Vernetzungen, Wegebezüge und klar definierte Straßen- und Platzräume.

    Durch klare Zonierungen, Nachverdichtungen und neue Orientierungen im Städtebau erfährt die heute vorhandene heterogene Siedlungsstruktur erlebbare Raumkanten, klar gegliederte Freibereiche im öffentlichen wie privaten Umfeld und die Verzahnung mit dem Landschaftsraum.

    Die vorhandene Bausubstanz wird in diese neue Stadtstruktur integriert, eingebunden bzw. erlebbar inszeniert. Durch die Schaffung von klaren Stadtquartieren, die sich um eine zentrale Platzsituation orientieren, entstehen urbane Strukturen, die neue Nachbarschaften, attraktive öffentliche Räume und, die Wohnnutzung ergänzende Infrastrukturen aufzeigen.

    Entlang der Schwarzwaldstraße entsteht eine neue Urbanität im Kontext von Bestand und Neuplanung. Der Charakter der heute solitär stehenden Gebäude wird zu einem Stadtquartier entwickelt. In diesem Bereich bildet der zentrale Platz das Gelenk zwischen dem blauen Band der Schutter, den nördlich angrenzenden Stadtgebieten und dem südlich anschließenden Landesgartenschau-Areal.
    Aus einer heute als Trennung, Zäsur empfundenen innerörtlichen Straße kann ein erlebbarer Stadtraum entstehen.
    Westlich und nördlich des Kanadarings prägen die denkmalgeschützten Punkthochhäuser und die zur Schutter orientieren neuen Wohnhofsituationen das städtebauliche Bild.
    Entlang der Schutter entsteht ein durchgängiges Fuß- und Radwegenetz welches den Flußlauf, den Naturraum in das Stadtgefüge zurückholt.
    Die vorhandene zeilenartige Bebauung in diesem Bereich wird durch Ergänzungen, Setzungen von Neubauten zu Wohnhöfen entwickelt. Es entstehen Orte hoher Identität. Alt und Neu wachsen zu einer neuen stadträumlichen Struktur zusammen.
    Der öffentliche Raum und die privaten Grundstücksbereiche erfahren klare Zuordnungen und tragen zur Klärung des Raumes bei.
    Der vorhandene Kanadaring dient als verkehrliche Ringerschließung und schafft klare Zufahrtssituationen zu diesen neuen Stadtbausteinen. Der Straßenraum wird als verkehrsberuhigten Bereich geplant, so dass der öffentliche Raum ein angemessenes Vorfeld für die angrenzenden Wohnnutzungen bietet. Durch die Ergänzung, Nachverdichtung der Bestandsbebauung besteht zusätzlich die Möglichkeit, heute fehlende barrierefreie Wohntypologien für Mehrgenerationenhäuser, betreute Wohnformen bis hin zu Singlewohnungen und familiengerechten Stadtwohnungen zu entwickeln. Die heute nicht bespielten Zwischenräume werden den zukünftigen Wohnnutzungen direkt zugeordnet. Die Anonymität des umgebenden Raumes wird aufgehoben.
    Durch die entstehende Hochparterresituation ist das Wohnen in den Erdgeschosszonen zum öffentlichen Raum hin geschützt und die Erdgeschosswohnungen können sich ebenerdig zu den innenliegenden Gärten orientieren. Halbgeschossig in die Topographie eingebunden entstehen erdüberdeckte Parksituationen für die neuen Wohnhöfe.
    Entlang des Flußlaufs der Schutter wird der Landschaftsraum erlebbar ausgebildet. Auftakt bildet im Westen die ehemalige Tabakfabrik als zukünftiger Kulturort.
    Der evangelische Kindergarten, der neue Kindergarten mit Abenteuerspielplatz und die kleine Platzsituation im Osten mit Anbindung an die Altmühlgasse bilden öffentliche Nutzungen, Orte die den Landschaftsraum „Schutter“ bespielen und aktivieren.
    Die vernetzenden Wegeverbindungen werden als verzahnender Brückenschlag über die Schutter in das übergeordnete Freiraumkonzept integriert. Bisher fehlende Anbindungen, Vernetzungen werden neu geschaffen. Die angrenzenden Stadtgebiete werden durch dieses Wegenetz in die städtebauliche Entwicklung „Kanadaring“ eingebunden. Die bedeutende Wegeachse nach Süden in den Mauerfeldpark und das 2018 fertiggestellte LGS-Areal wird durch Platzfolgen und Aufwertung bestehender Wegeverbindungen attraktiv gestaltet.
    Die Bebauungsstruktur südlich der Schwarzwaldstraße schaffte eine klare Raumkante zu dieser und öffnet sich mit Gartenhöfen nach Süden. Eine kleingliedrige Parzellenstruktur schafft Raum, Möglichkeiten für private Baugemeinschaften, Stadthäuser und gereihte innerstädtische Wohnformen. Die Bestandsbebauung wird in diese Gartenhofsituationen, wo möglich, eingebunden.
    Der städtebauliche Entwurf ermöglicht eine zeitlich unabhängige Entwicklung der jeweiligen Strukturen. Bauabschnitte sind voneinander unabhängig realisierbar.
    Durch die additiven Nutzungen eines Quartierszentrums, eines betreuten Wohnquartiers, neuer Ladenflächen, von einem Café und Bäckerei entsteht eine neue Mitte, ein „Mittelpunkt“ für das Quartier Kanadaring.
    Die den Ort, die Situation prägende Elemente des Landschaftsraums Schutter und der denkmalgeschützten Wohntürme sowie die ehemalige Tabakfabrik schaffen ein neues Stadtquartier von hohem Identifikationsgrad, welches Grundlage für Kommunikation, Begegnung und Miteinander bildet.
    Alle Gebäude sind West bzw. Süd orientiert und ermöglichen ergänzende solarthermische Nutzungen. Durch die vorhandene und neu geplante Ausrichtung entstehen Wohnungen, die einen hohen Wohnwert mitten in der Stadt, in den Landschaftsraum eingebettet, anbieten. Durch sensible Eingriffe in die Bestandsstruktur können die vorhandenen Gebäude in attraktive Wohnungen umgewandelt werden. Die thermische Sanierung sowie eine neue barrierefreie Erschließung schaffen Grundlage für eine langfristige und nachhaltige Entwicklung.
    Der schützenswerte Baumbestand, die Gehölstrukturen entlang des Flußlaufes und straßenbegleitende Baumstrukturen bleiben erhalten, werden in die Entwurfskonzeption integriert und, den stadträumlichen Entwurfsansatz unterstützend, ergänzt und weiterentwickelt.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit zeigt eine dichte Struktur mit Wohnen und Arbeiten im Bereich der Schwarzwaldstraße auf. Der daran angegliederte Quartiersplatz mit Zentrumsfunktionen bindet damit die Quartiere nördlich und südlich der Straße zusammen. Dies erzeugt ein völlig neues Erscheinungsbild des Wohngebiets nach außen und wirkt somit identitätsstiftend.

    Die Dichte der Bebauungsstruktur nimmt folgerichtig von der Schwarzwaldstraße zum Naturraum der Schutter hin ab. Die nordöstlichen Zeilen werden durch additive neue Bausteine zu Wohnhöfen zusammengebunden. Die vorgeschlagenen Reihen- und Punkthäuser bieten mit den vorhandenen Zeilen eine gute Grundlage für eine soziale Durchmischung in direkter Nachbarschaft. Die Höfe sind frei von ruhendem Verkehr und bieten somit eine hohe Aufenthaltsqualität für die angrenzenden Bewohner, die aber nur durch unwirtschaftliche Tiefgaragenplätze zu erreichen ist.
    Die nordwestlichen Zeilen bleiben im Bestand erhalten und schaffen einen fließenden Übergang zum Naturraum der Schutter.

    Die punktuellen Eingriffe in die Bebauungsstruktur entlang der Freiburger Straße wirken dagegen kraftlos und wenig überzeugend.

    Das vorgeschlagene Konzept erlaubt eine abschnittsweise Realisierung. Die dichten Blockstrukturen entlang der Schwarzwaldstraße binden die vorhandenen Zeilen mit ein, lassen aber auch Raum für mögliche neue Entwicklungen.

    Die Wegeverbindung von „Alt“-Dinglingen durchs Quartier in das Landesgartenschaugelände über den Quartiersplatz an der Schwarzwaldstraße oder alternativ über den Uferweg an der Schutter ist gut gelöst. Die Abgrenzungen der öffentlichen und privaten Freiflächen sind deutlich ablesbar.

    Die vorgeschlagene verkehrliche Anbindung des Kanadar-ings über die Otto-Hahn-Straße ist zu prüfen. Der hohe Anteil an vorgesehenen Tiefgaragen ist wirtschaftlich fraglich. Die Überpflasterung der Schwarzwaldstraße im Bereich des Quartiersplatzes verspricht neben der Verbindungsfunktion auch
    eine Entschleunigung des Durchgangsverkehrs.

    Insgesamt ist die vorliegende Arbeit ein qualitativ guter Beitrag zur komplexen Aufgabenstellung und bietet einen innovativen und identitätsstiftenden Ansatz.