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  • DE-80287 München
  • 01/2013
  • Ergebnis
  • (ID 2-115680)

Modernisierung U-Bahnhof Sendlinger Tor


  • Teilnahme


    Architekten
    Gössler Kinz Kerber Kreienbaum Architekten BDA, Berlin (DE), Hamburg (DE) Büroprofil

    Mitarbeit
    Felix Schippmann, Mewan Nouh

    In Zusammenarbeit mit:
    Lichtplaner: Hamburg Design GmbH, Hamburg (DE)

    Erläuterungstext
    Die Station Sendlinger Tor ist mit 145.000 pro Tag einer der wichtigsten und leistungsstärksten Knotenpunkte im Münchner U-Bahnnetz; das sehr hohe Fahrgastaufkommen wird dabei auf einer verhältnismäßig geringer Fläche abgewickelt.
    Eine sehr gute Orientierbarkeit in der Station sowie gut ersichtliche Auf- und Abgänge zu allen Verkehrsmitteln der MVG haben daher Vorrang vor Optimierungen der Vermarktungsflächen: die Station Sendlinger Tor ist in erster Linie ein Verkehrsraum.

    Der vorliegende Entwurf legt daher großen Wert auf Funktionalität und Orientierung innerhalb der Station. Der unterirdische Komplex ‚Sendlinger Tor’ erhält für all seine drei Ebenen eine durchgehende Gestaltung in Farbigkeit, Materialität und Licht. Die beiden Bahnsteigsebenen differenzieren sich nur durch ihre unterschiedlichen Querschnitte (oval, rechteckig) und ihre Bahnsteigart (Mittel- und Seitenbahnsteig). Die Schalterhalle wird als aufgeräumte und identitätsstiftende Mitte ausgebildet.
    Das Licht in den verschiedenen Bereichen der Station gibt jeweils eine klare Orientierung durch eine erkennbare Lichtführung und spürbare Lichtatmosphäre.

    Sperrengeschoss

    Das Herzstück der Station ist die lang gestreckte Schalterhalle des Sperrengeschosses. Von hier aus gelangt der Fahrgast direkt zu den Bahnsteigen der Linien U1/U2/U7 und U3/U6, sowie zu den Straßenbahnsteigen der Linien 27/28. Der vorliegende Entwurf weicht minimal von der Planvorgabe des Gutachtens ab. In den Bereichen ‚Passage Sendlinger Straße,’ ‚Passage Wallstraße’ und ‚Passage Müllerstraße’ wurde die Raumform geändert, um dem Fahrgast schon beim Treppenabgang eine visuelle Verbindung mit dem Zentralraum zu ermöglichen. Dies erleichtert die Orientierung und erhöht das Sicherheitsgefühl.

    Das Hauptgestaltungselement der Schalterhalle ist eine leicht gefaltete Abhangdecke aus silbrig-weiß glänzenden Aluminiumpaneelen. In der Decke sind in der Querrichtung zum Raum Lichtbänder integriert. Die Lichtbänder geben dem Raum einen Rhythmus und leuchten die leicht schräg gestellten Dreiecksflächen der Decke aus. Der helle Bodenbelag aus Granit reflektiert das Licht und strahlt es indirekt wieder ab. Dadurch wird die Raumhöhe des Sperrengeschosses in der Wahrnehmung des Fahrgastes gestreckt.
    In den tieferliegenden Stoßfugen der Decke werden in Querrichtung zur Schalterhalle Lautsprecher, Sprinkler und die Signalethik integriert.

    Die freistehenden Stützen bekommen eine neue Ummantelung aus kannelierten Betonteilen. Die Kanneluren dienen gleichzeitig als Vandalismusschutz (kein Bekleben mit Stickern, Plakaten, etc. möglich) und lassen die Stützen schlanker wirken.

    Die Wände der Schalterhalle und alle Wände der Zubringergassen erhalten eine Einkleidung mit rückseitig schwarz beschichteten Gläsern. Die Raumform wird durch die Oberflächengestaltung der tiefschwarz glänzenden Wände entgrenzt/entmaterialisiert. In die Wände sind alle Einbauelemente (Automaten, DEFAS, Werbetafeln, Vitrinen, etc.) flächenbündig integriert und sind durch die zurückhaltende Wandgestaltung für den Fahrgast sehr schnell und leicht visuell zu erfassen.

    Die Fassaden der Vermarktungsflächen werden als transparente Pfosten-Riegel-Konstruktionen mit schwarzen Profilen ausgeführt. Die Entwurfsverfasser schlagen vor den künftigen Mietern klare Gestaltungsspielregeln an die Hand zu geben, um die Schalterhalle nicht unnötig visuell zu überfrachten. Es wird vorgeschlagen die Firmenlogos der Mieter in Größe, Anzahl und Farbe (schwarz/weiß) zu begrenzen. Zudem soll die Gestaltung der Schaufenster möglichst zurückhaltend erfolgen und Durchblicke von der Schalterhalle in die Vermarktungseinheiten frei bleiben. In den Vermarktungseinheiten wird ebenso wie in der Schalterhalle heller Granit als Bodenbelag verlegt.

    Die Zuwegungen zur Schalterhalle und die Aufgänge ans Freie sind in ihrer Boden- und Wandgestaltung gleich wie die Schalterhalle. Die Decke ist ebenso weiß-silbrig glänzend, jedoch nicht gefaltet. Am Schnittpunkt von Wand und Decke sind Lichtbänder in die Decke eingelassen an denen der Fahrgast vom Treppenabgang zur Schalterhalle geführt wird. Selbstleuchtende Werbe- und Informationsflächen ergeben zusätzliche Helligkeit.

    Die Zugänge zur Station Sendlinger Tor sind in ihrer Gestaltung allesamt gleich. Nur der Zugang Sendlinger Straße erhält ein großzügiges Oberlicht zwischen den gegenüberliegenden Treppenanlagen und wird so in seiner Wichtigkeit betont.

    Die Aufgänge zu den Straßenbahnsteigen 27/28 und die Abgänge zu den Bahnsteigen U1/U2/U7 sind jeweils als Wandnische mit DEFAS, Linienverlaufsschild, Information und Fahrkartenautomaten zusammengefasst. Die Abgänge zu dem Bahnsteig der Linie U3/U6 liegen frei in der Schalterhalle.

    Ebene U3/U6

    Die Bahnsteigebene U3/U6 liegt direkt unterhalb des Sperrengeschosses und weist eine ähnliche Form wie die Schalterhalle auf. Der Bahnsteig ist leicht gekrümmt. Der Querschnitt des Raumes ist rechteckig. Auf dem Mittelbahnsteig sind zweireihig Stützen angeordnet, die der Krümmung des Bahnsteiges folgen. Die Bahnsteigebene U3/U6 erhält die selbe Decken- und Bodengestaltung wie die darüber liegende Schalterhalle. Durch die leicht geneigten Dreiecksflächen lässt sich die Krümmung des Raumes mit einem sauberen Fugenbild ausgleichen.
    Die Hintergleiswände werden mit Paneelen aus matt schwarzen Fiberglasbeton ausgekleidet. In die Wandbekleidung werden alle Einbauten (Werbetafeln, Infoscreens, Linienpläne) flächenbündig eingelassen.
    Auf dem Bahnsteig werden alle Aufbauten (Bänke, Information, Notfallsäule) mit geschlossenen Sockeln ausgeführt, um mögliche Schmutzecken zu vermeiden.
    Die Bahnsteigkanten werden blendfrei aus dem Off (aus dem Schatten) durch Fächerleuchten mit elipsoidem Ausstrahlwinkel normgerecht beleuchtet.

    Die Rauchschürzen vor den Treppenaufgängen werden gläsern gestaltet. Alle Treppen und Fahrtreppen der Station Sendlinger Tor werden mit Lichtlinien ausgestattet. Deren Stufen werden zusätzlich durch LED-Licht aus den Handläufen erhellt, um die Sicherheit zu erhöhen.
    Die Linearität in der Lichtgestaltung ermöglicht sowohl eine technische Realisierung mit Leuchtstoffröhren als auch mit LED-Elementen.


    Ebene U1/U2/U7

    Die beiden Seitenbahnsteige der Ebene U1/U2/U7 werden zusätzlich zur Transferzone (mittlerer Querschlag) mit einem nördlichen und einem südlichen Querschlag miteinander verbunden. Die Querschläge erhalten Aufgänge zur Schalterhalle bzw. ans Freie und entlasten dadurch die Transferzone.
    Die Aufgänge in der Transferzone werden neu sortiert und ihrer Leistungsfähigkeit optimiert. Die Transferzone erhält die für die Station Sendlinger Tor typische gefaltete Metalldecke. Der Boden ist in hellen Granit und die Seitenwände aus rückseitig schwarz bedrucktem glas ausgeführt.
    Die gekrümmten Hintergleiswände werden mit matt schwarzen Fiberglasbeton-Paneelen ausgekleidet. Einbauten wie z.B. Werbetafeln werden flächenbündig eingelassen.
    Die Bahnsteigwände und Decken erhalten eine silbrig-weiß glänzende Bekleidung aus Aluminiumpaneelen. Die Deckenwölbungen werden schwungvoll ausgeleuchtet. Die Bahnsteigkanten werden blendfrei aus dem Off (aus dem Schatten) durch Fächerleuchten mit elipsoidem Ausstrahlwinkel normgerecht beleuchtet.


    Bauphasen (Umbau im laufenden Betrieb)

    Der Umbau der Station Sendlinger Tor erfolgt im laufenden betrieb. Als erste Maßnahmen werden die beiden Querschläge in der Bahnsteigebene U1/U2 samt Aufgänge an die Oberfläche erstellt. In diesem Zusammenhang wird der Zugang Sendlinger Straße umgebaut.
    Nach Erstellung der beiden Querschläge können nacheinander die beiden Bahnsteige samt Hintergleiswände saniert werden. Darauf folgend wird die Transferzone mit ihren Aufgängen zum Bahnsteig U3/U6 sowie dem Aufgang zur Schalterhalle umgebaut.
    Der Bahnsteig U3/U6 bildet den nächsten Bauabschnitt. Abschließend wird die Schalterhalle samt Zuwegungen umgebaut.

    Nach Fertigstellung der Maßnahmen wird die Station Sendlinger Tor sich als modernes Verkehrsbauwerk zeigen. Die zurückhaltende und aufgeräumte Gestaltung der Station wird sich als langlebiges und robustes Konzept erweisen. Die schwarz und weiße Station mit seinem subtil gefalteten Metalldecken bildet lediglich den Rahmen für ein bewegtes und buntes Treiben der Fahrgäste.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.