loading
  • DE-93053 Regensburg
  • 04/2013
  • Ergebnis
  • (ID 2-122963)

Neubau Museum der Bayerischen Geschichte


  • Anerkennung

    Blick von der Donau

    Architekten
    florian krieger architektur und städtebau gmbh, Darmstadt (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Bauphysiker, TGA-Fachplaner: Stahl+Weiß, Bauphysik und Energiekonzeption, Freiburg (DE)

    Erläuterungstext
    Städtebau: Einbindung und Eigenständigkeit
    Der Museumsneubau wird durch drei markante Hochpunkte und einen zentralen, in das Gebäudevolumen eingeschnittenen Hof gegliedert. Er reagiert damit zum Einen auf die städtebauliche Struktur der Regensburger Altstadt, die durch Kleinteiligkeit und Höfe geprägt ist. Zum Anderen ermöglicht er eine rücksichtsvolle Einbindung der Bestandsbauten und somit die städtebauliche Arrondierung des neuen Stadtquartiers an der Donau.

    Für die neue Stadtansicht entlang der Donau schaffen die in die Tiefe gestaffelten Hochpunkte des Museums eine räumlich wirksame Verbindung zur Altstadt. Diese wird auch inhaltlich definiert: So öffnet sich der westliche Hochpunkt an der Donaubrücke mit einem großem Fenster in Richtung Dom, der südliche Hochpunkt zur „Römermauer“ neben dem Kolpinggebäude.

    Die aus dem aufgeweiteten Hofprofil heraus entwickelten und gezielt gesetzten Dachschrägen der Hochpunkte bauen Bezüge zu den Giebeldächern in der Umgebung auf. Der bei den historischen Giebelwänden verbreitete zinnenartige Stufenschnitt wird in der Fassadengestaltung des Museums in transformierter Form aufgriffen.
    Insgesamt gliedert sich die stark gegliederte Kubatur und besondere Dachlandschaft des Museums in diejenige der Altstadt ein ohne auf Prägnanz und Eigenständigkeit zu verzichten.

    Die Museumsverwaltung und Bavariathek sind in einem separaten Gebäude zwischen Trunzer- und Klostermeyergasse untergebracht. Das Gebäude springt gegenüber der Gebäudeflucht des Museums, die leicht abgewinkelt auf das östliche angrenzende Ostermeierquartier ausgerichtet ist zurück und schafft eine prominente Platzsituation an der Donau. Diese kommt zum Einem der hier untergebrachten Gastronomie zugute. Zum Anderen schafft dieser Platz für die Museumsbesucher, die mit dem Schiff am Donaukai anlegen ein großzügiges, östliches Entreé zum Museums.
    An der Donaubrücke schafft ein Vorplatz hierzu das westliche Pendant. Hier liegt der zweite Haupteingang zum Museum, der nicht nur den Flaneure am Donauufer, sondern vor allem den aus der (westlichen) Altstadt kommenden Besuchern zugewandt ist (bei denen man davon ausgehen kann, dass diese ohnehin vor dem Museumseintritt einen Blick auf die Donau werfen).
    Vorplatz, Haupteingang und der exponierten Hochpunkt des Neubaus mit Bezug zum Dom definieren an der Donaubrücke den Eingang zur Altstadt neu.


    Foyer und Hof
    Zwischen den östlichen und westlichen Eckpunkten des Museums und den jeweiligen Vorplätzen spannt sich das Museumsfoyer auf. Dieser in der Länge und Vertikalen großzügig gegliederte, spannungsreiche Raum bindet alle Bereiche des Museums an. Er wird Teil der Donaupromenade und steht durch den großen Öffnungsanteil in der Fassade in enger Beziehung zum Donaumarkt, zur Donau und der dahinterliegenden Stadtkulisse. Große, unterschiedlichen Geschossebenen und „Galerien“ zugeordnete „Fenster“ akzentuieren den Blick auf die Donau und gliedern prägnant die Fassade.
    Von Außen ergeben sich Durchblicke durch das Foyer bis in den begrünten Innenhof bzw. aus dem Hof bis zur Donau. Dadurch wird ein hohes Maß an Transparenz des Baukörpers erzielt.
    Der Hof dient entweder als besinnliche Ruheinsel oder bei Veranstaltungen im direkt angrenzenden Saal als Außenfoyer und wird so Teil des Foyers. Er öffnet das Foyer auch nach Süden und schafft vor allem bei Sonnenschein abwechslungsreiche Lichtsituationen. Der Hof ist über eine Gasse bzw. Gebäudefuhe direkt mit der Altstadt verbunden.

    Das Foyer ist als sequenzieller Raum konzipiert: Der Abfolge der verschiedenen Funktionen(Eingangsbereich mit Kasse, Treppenanlage mit zentralem Warte- und Sammelbereich direkt am Hof, Vorbereich zum „Schauraum“ und Museumsshop) sind jeweils unterschiedliche räumliche Qualitäten zugeordnet, die vom Besucher beim Durchqueren erlebt werden. Hierbei spielt die Treppenanlage eine besondere Rolle: Sie inszeniert mit ihren teils ausladenden, teils in der Höhe zurückgestaffelten Galerien und den dazu in Bezug stehen „Donaufenstern“ den vertikalen, nach oben aufgeweiteten Raum und macht diesen für den Besucher erlebbar.


    Ausstellung
    Die Sonderausstellung mit direktem Zugang vom Foyer ist an der Gebäudeaußenseite angeordnet und lässt sich zur Altstadt öffnen. Die Säle der Dauerausstellung sind für die Folge der ersten vier „Generationen“ kompakt im ersten Obergeschoss angeordnet. In diesem eher introvertierten Ausstellungsabschnitt wird programmgemäß auf Öffnungen nach Außen und besondere Raumhöhen verzichtet. Die Säle können flexibel aufgeteilt werden. Nach diesem Abschnitt entspannt der Geschosswechsel ins Dachgeschoss und der Blick von der Treppengalerie durch das zentrale „Donaufenster“ die Aufmerksamkeit des Besuchers. Der Blick auf die Donau (mit Stadtkulisse) und der Vertikalraum des Foyers werden somit Teil der Ausstellung.
    Im Dachgeschoss sind die weiteren „Generationen“ und die besonderen Ausstellungsbereiche wie Plenarsaal und der inszenierte Schlusspunkt der Ausstellung, der „Bayernhimmel“ angeordnet. Ihre großen Raumhöhen bilden sich nach Außen in Form der die Dachlandschaft prägenden Hochpunkte ab. Wie in einer Choreographie werden Ausblicke zum Dom und zur Donau gesetzt.
    Alle Ausstellungsbereiche sind problemlos mit den beiden Personenaufzügen, die gut auffindbar in Nachbarschaft zur Treppenlage angeordnet sind barrierefrei erreichbar.


    Fassade und Konstruktion
    Leitmotiv bei der Fassadengestaltung ist eine bauteilübergreifende Textur aus vertikalen rhythmisch gesetzten Bändern. Diese grundliegende Fassadenstruktur prägt den Museumsneubau entweder in plastisch profilierter Form (filigrane Pfeiler aus „sandweiß“ durchgefärbtem Sichtbeton stehen im Wechsel mit zurückgesetzten Verglasungen wie z.B. an der Nordfassade)oder als Textur in der Ebene, bei der sich Betonlisenen mit „Füllungen“ im örtlich vorkommenden Naturstein, wie er beim Dom verwendet wurde abwechseln. Dieses Grundmuster schafft trotz unterschiedlicher Füllungen ein hohes Maß an Homogenität und trägt in seiner Einfachheit der Plastizität der Gebäudekubatur Rechnung. Es wird durch große Öffnungen wie den „Donaufenstern“ der Nordfassade, den Eingängen und den „Altstadtfenstern“ wirkungsvoll unterbrochen und wohltuend gegliedert. Die Betonung der Vertikalen in der Fassade baut spürbar Bezüge zur gotischen Architektur des Regensburger Doms auf.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.

INFO-BOX

Angelegt am 29.04.2013, 15:14
Zuletzt aktualisiert 30.04.2013, 17:47
Beitrags-ID 4-67182
Seitenaufrufe 1956