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  • DE-96215 Lichtenfels
  • 04/2013
  • Ergebnis
  • (ID 2-124353)

Coburger Straße


  • Anerkennung Realisierungsteil


    Landschaftsarchitekten
    Mettler Landschaftsarchitektur, Gossau (CH), Berlin (DE) Büroprofil

    Preisgeld
    3.500 EUR

    Erläuterungstext
    "Realisierungsteil Neugestaltung Coburger Straße"

    Die Coburger Straße als Verbindungsachse zwischen der nördlichen und der südlichen Lichtenfelser Altstadt wird durch die prägnante Gleisanlage getrennt. Die schlichte Umgestaltung der Lichtenfelser Innenstadt verbindet und rhythmisiert den Raum durch
    den Wechsel der Bodenoberflächen und einer präzisen Baumsetzung. Kleinarchitektur und Mobiliar, wie Haltestellen und Sitzgelegenheiten, auf den Bodenbelag und die Umgebung abgestimmt. Die Neugestaltung der Straßen und Kreuzungen reagiert auf die unterschiedlichen Bereiche. Das Konzept stärkt die Verbindung des Langsamverkehrs und bezieht sich auf die historische Struktur. Die Unterführung mit dem neuen Stadttor, die entschleunigten Kreuzungsbereiche und die verbreiterten Gehwege bilden die Grundthemen der Neugestaltung. Entlang der Coburger Straße werden neue, raumprägende Bäume gesetzt. Die neue, temporeduzierte Kreuzung und Platzsituation an der Mühlgasse verbessern die Aufenthaltsqualität.

    Verkehr

    Die Neugestaltung der Coburger Straße und die Einführung einer Tempo-30-Zone führen zu einem ausgewogenen Gleichgewicht zwischen den verschiedenen Nutzern. Die Verbreiterung des westlichen Gehweges ermöglicht Passanten ein gemütliches Nebeneinander und gibt zusätzlich Raum für eine neue Baumreihe. Durch die neue Verkehrsregelung mit Lichtsignalanlage und Haltelinie bei der Unterführung ergibt sich
    ein fünf Meter breiter Gehweg, der auch von Radfahrern genutzt werden kann. Eine einspurige Fahrbahn wird mit einer Lichtsignalanlage im Wechselbetrieb verkehrssicher eingerichtet. Um die Aufenthaltsqualität auf den Plätzen an der Coburger Straße zur steigern werden keine Kfz- Stellplätze angeboten. Nördlich und südlich der Unterführung entsteht eine Begegnungszone, die eine gleichberechtigte Koexistenz aller Verkehrteilnehmerteilnehmer ermöglicht. Die drei Funktionen - Verbindung, Erschließung und Aufenthalt - werden in einem nicht geteilten und ortstypisch gestalteten Raum verbunden. Die Versorgungsfunktion ist gesichert und alle Beläge sind befahrbar.

    Lichtkonzept

    Licht ist bestimmend für die gefühlte Atmosphäre. Helligkeit und Lichtfarben stimmen den Menschen ein. Zonierte Helligkeitsverteilungen orientieren die Wahrnehmung wie selbstverständlich. Die Atmosphäre des städtischen Raumes in den Abend und Nachtstunden wird über das Licht vermittelt und erzeugt. Die eingesetzten Leuchten mit der guten Ausblendung verbessern die Raumwahrnehmung. Aufgrund der tiefstrahlenden Charakteristik werden Blendungserscheinungen vermieden. Die Helligkeit wird vor allem über die aufgehellten Bodenbereiche wahrgenommen. Eine höhere Beleuchtungsstärke in der Unterführung erleichtert die Aufmerksamkeit. Das Sicherheitsempfinden wird durch die ausgeblendeten Leuchten verstärkt, da keine Blendung und irritierende Lichtquellen die
    Wahrnehmung erschweren. In der Coburger Straße erfolgt die Beleuchtung mittels Seilspannleuchten. Die Helligkeit ist am Tag in Bezug zur Nacht aufgrund der Außenhelligkeit höher, und ermöglicht gute Erkennbarkeit. Vier seitlich in die Deckensprünge integrierte Lichtlinien mit einer speziellen Reflektortechnik erzeugen einerseits ein gleichmäßiges Streiflicht über die Deckenmitte sowie eine indirekte Beleuchtung der Unterführung. Zum Einsatz kommen Leuchtstofflampen mit einer warmweißen Lichtfarbe (3000Kelvin). Die Farbgebung ist nicht nur eine gestalterische Intervention,
    sondern verhilft zu einer schnellen Orientierung und einer eigenen besonderen Atmosphäre.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit 1002 besticht durch eine Gesamtlösung mit einem in den Stadtraum
    integrierten Leitsystem. Die Ableitung vom Flechtwerk zum Stadtmöbel „Bank“
    wirkt sehr gelungen, der sich daran in der Logik thematisch anschließende
    Turmbau dagegen wirkt allerdings aufgrund seiner Materialität in der historischen
    Altstadtstruktur deplaziert.
    Die Holzstruktur mit den Flechtelementen in der Unterführung ist konsequent aus
    dem Konzept entwickelt – die Qualität und die Angemessenheit der Materialwahl
    als Raumdefinierendes Element wird allerdings bezweifelt. Zur erforderlichen
    Beleuchtung in diesem Raum wird dazu keine Aussage getroffen.
    Die platzartigen Pflasterbeläge in den Straßenflächen an den Zugangsbereichen
    der Unterführung sind funktional gut geeignet den Seitenwechsel der Fußgänger
    zu markieren und bilden qualitativ gute Räume mit Aufenthaltsqualität.
    Die einseitige Straßenführung die diesen Seitenwechsel allerdings erst erforderlich
    macht wird eher kritisch gesehen.
    Der breite einseitige Gehweg verbessert die bestehende Fußgängersituation. Die
    vorgeschlagene Nutzung durch Radfahrer wird kritisch gesehen da
    Fahrstreifenwechsel erforderlich werden. Gerade in diesen Bereichen befinden
    sich die Haltelinien (Lichtsignalanlage), hier können kritische Verkehrsituationen
    entstehen. Auch ist die geplante Fahrbahnbreite der Coburger Straße mit 5,75m
    für den Fall Bus/Bus Begegnung zu gering dimensioniert.
    Der sehr reduzierte Einsatz von Grünstrukturen entspricht dem Gedanken der
    historischen Altstadtstruktur und minimiert den Pflegebedarf des öffentlichen
    Raums. Dazu führt die Materialwahl der Kleinsteinpflaster die bestehende
    Materialität der Altstadt fort.
    Der asymmetrische Straßenquerschnitt in der Coburger Straße wird positiv
    bewertet und die Aufenthaltsqualität wird deutlich gesteigert – allerdings
    berücksichtigt die Ausrichtung nicht die Belichtungssituation und die bestehende
    Einzelhandelsstruktur.