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  • CH-9630 Wattwil
  • 01/2013
  • Ergebnis
  • (ID 2-97571)

Neubau Bahnhofgebiet Süd


  • 5. Rang

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    Architekten
    Schmid Schärer Architekten, Zürich (CH)

    Verfasser
    Roger Schärer , Patrick Schmid

    Mitarbeit
    Malte Beutler

    In Zusammenarbeit mit:
    Bauingenieure: WMM Ingenieure AG, Basel (CH), Münchenstein (CH)

    Erläuterungstext
    Das Projekt schlägt eine Reihe von vier Häusern mit niedrigen Anbauten vor, welche zum Geleisefeld hin ein Rückgrat bilden. An der Bahnhofstrasse schaffen sie eine klare räumliche Fassung und bilden ein ruhiges Gegenüber zu der diffusen grossmasstäblichen Struktur der anderen Strassenseite.

    Die Gebäude sind nahe an die Bahnlinie gesetzt und spielen einen grosszügigen Vorraum zur Bahnhofstrasse frei. Dieser wird durch winkelförmige ein- bis zweigeschossige Anbauten gegliedert, welche sich an den informellen Charakter der ortstypischen Konglomerate aus Wohn- und Gewerbenutzungen anlehnen. Es entstehen so halboffene Höfe, die attraktive Zugänge zu den Wohnungen schaffen, überdies bilden sie gut proportionierte öffentliche Räume, die durch die Erdgeschossnutzungen belebt werden.
    Die Dimension und Proportion der einzelnen Baukörper lässt diese als Häuser im traditionellen Sinn erscheinen. Die Anlage fügt sich so gut in die Körnigkeit der Umgebung ein und schafft eine gewisse Durchlässigkeit zwischen Bahnhofstrasse und Gleisraum.

    Alle Häuser haben jeweils ein öffentlich genutztes Erdgeschoss und Wohnungen in den Obergeschossen.
    Die Wohnungstypologien zeichnen sich durch eine starke Gliederung von Wohn- und Essbereich in miteinander verbundene, aber räumlich differenzierte Orte aus. Jede Wohnung hat ihre spezifischen Qualitäten, sei es eine dreiseitige Orientierung, zwei Loggien für Morgen- und Abendsonne, oder die langen Fassadenabwicklungen der kleinen südwestlichen Einheiten. Alle Wohnungen besitzen ein eigenes Aussencheminée.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Im Stück „a streetcar named desire” - auf Deutsch ”Endstation Sehnsucht”- beschreibt Tennessee Williams den Untergang einer mondänen Gesellschaft in den Südstaaten Nord-amerikas der fünfziger Jahre des letzten Jahrhunderts. Die ”desire line” war zu dieser Zeit eine aufgegebene Linie in New Orleans deren Endstation ”desire” hieß.

    Die schweizerische Südostbahn - SOB, eine innovative, regionalverankerte und unabhängige Bahnunternehmung fährt erfolgreich durch die Ostschweiz und besitzt zahlreiche Grundstücke, die zu Orten der Sehnsucht werden könnten.

    Das Projekt ”a streetcar named desire” im Zentrum von Wattwil gliedert den Entwurf zwischen Bahnhofstrasse und Bahngleis in vier strukturierte, vier- bis fünfgeschossige Bau-körper. Dieser städtebauliche Ansatz wird grundsätzlich gewürdigt, die erzeugte Durchlässigkeit als angenehme Geste empfunden, ebenso die ”niedrigen Anbauten” entlang des ”Rückgrats” Bahnhofstrasse.

    Die typologische Herleitung von der ländlichen lokalen Bebauung kann nicht nachvollzogen werden, die städtische Inspiration eines Bahnhofszentrums – ein Ort des Ankommens und Verabschiedens – wird vermisst, besonders im nördlichen Teil des Grundstücks. Ebenso wird die Nähe der Baukörper zur lärmextensiven Seite nach Westen zur Bahn kritisch bewertet. Die Zonierungen der Vorbereiche entlang der Bahnhofstrasse im kleinen Maßstab bilden hingegen einen interessanten stadträumlichen Ansatz.

    Die Wohnungstypologien entsprechen einem genormten Standard. Die Flexibilität zur Zusammenlegung der Büro- oder Wohnnutzung im ersten Obergeschoss müsste noch besser nachgewiesen werden. Im Erdgeschoss ergeben die räumlichen Zäsuren, verursacht durch die Zugänge zu den Häusern und den Freiflächen zwischen den Häusern wenig zusammenhängende Geschäftslokale.

    Der architektonische Ausdruck ist rudimentär. Die Analogie in umgebenden ländlichen oder bahnbegleitenden Bebauungsmustern zu suchen kann in der dargestellten Form nur schwer nachempfunden werden. Die angesprochene Rhythmisierung der Fassade steht wenig im Kontext mit der erdgeschossigen Architektursprache.

    Die Außen- und Freiräumen fehlt die notwendige Durcharbeitung. Das Projekt zeigt insge-samt interessante Ansätze, die aber in vielen Teilbereichen zu gering ausformuliert bleiben und einer vertieften Betrachtung unterzogen werden müssten.


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