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  • DE-02625 Bautzen
  • 12/2012
  • Ergebnis
  • (ID 2-137085)

Empfangsgebäude Saurierpark


  • 1. Preis

    Perspektive Eingang

    Architekten
    rimpf Architektur & Generalplanung, Eckernförde (DE), Hamburg (DE), Greifswald (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Stefan Rimpf

    Mitarbeit
    Bernd Bollrath, Patrick Gajdzik, Jessica Nörenberg, Manuela Rademacher

    Erläuterungstext
    ENTWURFSPROZESS- DIE MITOSE

    Der Entwurf ist als Prozess der Mitose - der Zellteilung - heraus entwickelt und bedient sich damit den Vorbildern der Natur.

    Die Bionik macht hier gleichsam die Entwicklung des Lebens sichtbar.
    Die Urzelle, die durch Zellteilung zum gebauten, weithin sichtbaren und signifikanten MITOSEUM wird, erweckt beim ankommenden Besucher erste Erwartungen.

    Die sechs Phasen der Mitose von der Interphase, der Prophase, der Prometaphase, der Metaphase, der Anaphase bis zur Telophase sind Vorbilder für die Entwicklung des Bauentwurfs und an diesem ablesbar. Bereits aus großer Entfernung soll eine der „Zellen“ als elliptisches Volumen sichtbar sein. Die Struktur und Farbe der transluzenten Außenhaut aus ETFE Folien steht für Natur und Leben.

    Durch die besondere Signifikanz und die identitätsstiftende Form wird dieses Empfangsgebäude zum unverwechselbaren Ort.

    BAUPLATZ UND ERSCHLIESSUNG

    Die vorhandene Topographie mit dem deutlich nach Norden fallenden Gelände wird Teil der Inszenierung des Ankommens. Durch die Erhöhung des natürlichen Gafälles auf ca. 3% und die gegenläufige Anschüttung des Geländes um ca. 4% entsteht eine Rampe zum Eingang nach unten. Mit der sich zum Gebäude hin verengenden Rampe mit den seitlichen Anböschungen gegen das vorhandene Gefälle wird ein Weg beschritten, der auf den letzten Metern unter den Elementen Wasser und Erde hindurch in die Gebäudestruktur, die geteilten Zellen hinein führt. Hier angekommen, öffnet sich durch die transluzente Membran der Außenhaut und eine großzügige Verglasung der Park mit dem „Feuertor“ und der „Ursuppe“.

    Auf dem Höhepunkt des Spannungsbogens verlässt der Besucher beim Betreten des MITOSEUMS die „wirkliche Welt“ und begibt sich in die Entwicklungsgeschichte des Lebens.

    ORGANISATION UND FUNKTION

    Weiche und organische Formen im Inneren des Empfangsgebäudes unterstützen die Wegeführung und machen sie selbstverständlich. Das zentrale Foyer mit den angegliederten Funktionen Kartenverkauf, Vortragsraum, Shop, Bistro und den Nebenräumen ist folglich Zwischenraum der Zellen und deshalb als Bindeglied der einzelnen Funktionen abgeleitet vom Vorbild der Natur, ideal und absolut leistungsfähig in seiner Form.

    Einzelne Bereiche wie die Nebenräume, Abstellräume, Kasse, etc. sind überdeckt und im Grundriss abtrennbar. Deren Zwischendecke bildet innerhalb der Kuben eine Galerie die zur Präsentation von Exponaten und als Rückzugsmöglichkeit von Gästen. Ein behindertengerechter Zugang besteht hier von außen. Über dem Vortragssaal, der unabhängig vom Shop-Betrieb nutzbar ist, sind die Verwaltungsbüros angeordnet, die über einen Steg bzw. eine innere Treppe zu erreichen sind.

    Zur Reduzierung von Wartezeiten beim Einchecken in den Park empfehlen wir, den Kartenverkauf vom Check-In zu trennen und das Betreten des Parks durch Drehsperren zu automatisieren.

    Ankommende Besucher können Eintrittskarten am zweiseitig orientierten Verkaufstresen des Shops erwerben. Im Blickwinkel der Verkaufsstelle befindet sich das Drehkreuz, bzw. eine für behinderte Besucher, Kinderwagen etc. geeignete Zugangstür, die vom Verkaufspunkt aus automatisch freigegeben wird. Bei größerem Besucherandrang werden zusätzlich im Bereich der Snackbar/Bistro ein bzw. mehrere Verkaufsstellen geöffnet.

    Bollerwagen und Schließfächer werden nach dem Einchecken im Park erreicht; damit wird ein Besucherstau vermieden. Den Park verlassende Besucher werden wiederum durch eine freie, einseitig begehbare Drehsperre durch den Shop gelenkt.

    KONSTRUKTION

    Die Eingangsebene mit Bistro Shop und Vortragsraum, die rückseitig in den sich bildenden Hang gebaut ist und sich nach Norden zum Park hin öffnet wird als Massivkonstruktion errichtet. Die Basis ist folglich ein konventioneller Mauerwerks- und Stahlbetonbau.

    Die darüber befindlichen Kuppeln, die „Zellen“, sind als Leichtkonstruktion aufgesetzt. Die Natur hat hierzu geniale, überlebensfähige und ästhetische Formen hervorgebracht, die Vorbild für die Kuppelmembranen sind.

    Die Anlehnung an Formen und Konstruktionen der Natur sind hier keine Plagiate, sondern zwingende Anleihen um intelligente, ästhetisch anspruchsvolle und wirtschaftliche Gebäude zu entwickeln.

    Die Kuppeln werden durch ein filigranes Stahl-Mero-System aus addierten, gleichseitigen Dreiecken gebildet und mit 2-lagigen ETFE- Folienkissen bespannt. Durch die transparente Außenhaut wird der Innenraum mit Tageslicht durchflutet. Nach Umkehr der Lichtverhältnisse bei Dämmerung werden die Zellmembranen zu leuchtenden Landmarken.

    Diese Art der Konstruktion ist bereits mehrere Jahrzente erprobt, erwiesenermaßen dauerhaft, sowie günstig bei den Investitionskosten.

    ENERGETISCHES KONZEPT

    Energetisch empfehlen wir die einzelnen Bereiche differenziert zu betrachten: die Verwaltungsräume, der Vortragsraum und die Nebenräume sollten energetisch nach EnEv Standard gebaut werden, während die Bereiche Shop, Bistro, Galerie, Foyer für schwach temperierte Raumnutzung ausgelegt werden sollte. Durch Anordnung ausreichender und richtig positionierter Lüftungsklappen sollte der sommerliche Wärmeschutz ausreichend erfüllt werden können.

    FLÄCHEN UND KOSTEN

    Grundlage des Entwurfes sind Flächengrößen, die aus eigenen Erfahrungen notwendig sind um bis zu 800 Besuchern/Stunde den Eintritt mit allen Nebenfunktionen wie Kartenkauf, Aufenthalt, Toilettengang, Shop-Einkauf und Erfrischung stressfrei zu ermöglichen.

    Bereits die notwendigen, konventionellen Flächen könnten nur erschwert und mit reduziertem Standard erreicht werden. Die zusätzlichen Aufwendungen für die Kuppeln einzusparen um den Entwurf „unter einem großen Dach einfacher Form“ zu realisieren halten wir für nicht zielführend. Schließlich hat das Gebäude neben der Funktion die Aufgabe, Aushängeschild und Identität stiftendes Element des Saurierparks zu werden.

    rimpf Architektur
    20-11-2012

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.