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  • DE-16515 Oranienburg
  • 05/2013
  • Ergebnis
  • (ID 2-122969)

Finanzamt Ergänzungsneubau


  • Zuschlag

    Perspektive

    Architekten
    wiewiorra hopp schwark Gesellschaft von Architekten mbH, Berlin (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: DeZwarteHond, Rotterdam (NL), Groningen (NL), Köln (DE)

    Erläuterungstext
    Die Arbeitsgemeinschaft aus dem Architekturbüro DeZwarteHond aus Köln und wiewiorra hopp schwark architekten aus Berlin hat den Wettbewerb im Rahmen eines VOF-Verfahren für die Erweiterung des Finanzamt Oranienburg gewonnen.
    Die Ausgangslage der Wettbewerbsaufgabe stellte die Architekten vor eine große Herausforderung, denn das Finanzamt Oranienburg hat seinen Hauptsitz im ehemaligen SS-Stabsgebäude. In diesem Bauwerk, das wegen seiner Grundrissform auch T-Gebäude genannt wird, befanden sich seit 1938 die Inspektion der Konzentrationslager und die Führung der SS-Totenkopfverbände. Es ist eines der letzten erhaltenen Tätergebäude. Hier wurde der systematische Terror in den Lagern bürokratisch geplant und der Massenmord an den sowjetischen Kriegsgefangenen in den Konzentrationslagern sowie die Ermordung kranker Häftlinge koordiniert.
    Der gegenwärtig pragmatische Umgang mit dem T-Gebäude hinsichtlich seiner gleichzeitigen Nutzung als Finanzamt, Sitz der Stiftung der Brandenburgischen Gedenkstätten und als Gedenkstätte selbst, ist auch Inspiration für den Entwurf des Erweitungsbaus. Die Geschichte des Ortes wird sensibel behandelt und respektiert, aber anstatt einer Inszenierung eher dezent und beiläufig erlebbar gemacht.
    Im Kontext von KZ und zur KZ-Leitung, im Kontext von Opfern und Tätern einen notwendigen Verwaltungs-Erweiterungsbau zu positionieren, bedarf eher des Fragens, als der weiterreichenden Deutung des Ortes und Raumes.
    Die Architekten regen mit ihrem Entwurfsvorschlag zum Fragen an, besetzen den Ort mit Fragen und machen das Fragen zum Konzept. Sie arbeiten mit bewusst unscharfen oder mehrdeutigen Entscheidung für Richtungen, Kontexte und Zusammenhänge.
    Die Segmentierung und Verdrehung der Baukörper im Grundriss sowie das Schneiden und horizontale Versetzen der zweigeschossigen Fassade thematisiert das Prinzip der Brüche. Die Dreigliedrigkeit der äußeren Erscheinung steht im vermeintlichen Widerspruch zur Geschossigkeit des Gebäudes. Das Spiel mit dem Maßstab thematisiert das Eingehen auf die menschliche Bezugsgröße. Die Erscheinung ist subtil und fragil. Der mal transluzent, mal transparent, mal weiß schimmernde Baukörper bleibt zurückhaltend simpel - und erhält dadurch eine zerbrechliche Kraft. Der Erweiterungsbau ordnet sich dem Hauptgebäude unter. Durch seine Zweigeschossigkeit bleibt er unterhalb der Trauflinie des Altbaus. Es findet keine große Eingangsgeste statt, sondern nur eine selbstverständliche Zugänglichkeit.
    Das sehr wirtschaftlich und funktionell organisierte Gebäude erhält durch das Aufbrechen in mehrere Baukörper eine einfache innere Struktur, die die Baumasse gliedert. Auf logische Weise ergibt sich die äußere und innere Erschließung, die Gliederung des Gebäudes hinsichtlich des Brandschutzes in klar definierte Nutzungseinheiten sowie die räumliche Verzahnung der Innen- und Außenräume. Gleichzeitig wird aufgrund der konsequenten Durcharbeitung der inneren Struktur, des Tragwerks und der Fassade auf einem durchgängigen Raster ein hohes Maß an Flexibilität für den Nutzer zur Verfügung gestellt.
    Die optionale Anbindung des Erweiterungsbaus an das T-Gebäude wird aus der inneren Organisation des Neubaus entwickelt und erfolgt an der östlichen Kopfseite des Bestandes. Hierdurch bleibt die Frontansicht des Altbaus unangetastet. Der Wettbewerbsbeitrag berücksichtigt durch einen respektvollen Umgang mit dem Bestand die denkmalpflegerischen Belange und wahrt die historische Bedeutung des Ortes.
    Der Ergänzungsbau wird vom Brandenburgischen Landesbetrieb für Liegenschaften und Bauen (BLB) verwirklicht. Die Planungsarbeiten haben bereits begonnen. Das Gebäude ist der erste Landesbau in Brandenburg, der nach den Nachhaltigkeitskriterien des Bundes gebaut wird. Im Ergebnis sollen Objekte von guter ökologischer, ökonomischer, sozio-kultureller und funktionaler Qualität entstehen. Seit vergangenem Jahr müssen größere Neubauprojekte des Bundes nach den BNB-Kriterien errichtet werden, für das Land gilt die Anwendung noch nicht. „Es gibt für uns keinen Grund auf eine offizielle Einführung zu warten, wir stellen uns schon jetzt dieser Aufgabe. Wir freuen uns auf dieses Projekt und werden für die Zukunft wertvolle Erfahrungen sammeln. Dabei können wir auch auf das Knowhow unserer eigenen Nachhaltigkeitskoordinatoren setzen", sagt Volker Bargfrede, Kaufmännischer Geschäftsführer des BLB.

    Beurteilung durch das Preisgericht
    Liegt nicht vor.

INFO-BOX

Angelegt am 11.06.2013, 14:32
Zuletzt aktualisiert 11.06.2013, 16:51
Beitrags-ID 4-69235
Seitenaufrufe 284