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  • DE-23701 Eutin
  • 06/2013
  • Ergebnis
  • (ID 2-128018)

Stadtentwicklung Eutin 2016+


  • 1. Preis

    Seepark mit Aussichtssteg

    Landschafts- / Umweltplaner
    A24 Landschaft, Berlin (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Steffan Robel

    Mitarbeit
    Jan Grimmek

    In Zusammenarbeit mit:
    Architekten: Rozynski Sturm Architekten, Berlin (DE)

    Erläuterungstext
    Mitarbeiter:
    Jan Grimmek, Sibylle Lacheta, Florian Rüster, Sara Perovic, Henry Anderson, Yue Guan, Luana Czipczer, Bojan Balen

    ...zu neuen Ufern

    Mit ihrer Lage zwischen Großem und Kleinen Eutiner See verfügt die Stadt Eutin über ein einzigartiges Potenzial. Diese Lagegunst wird mit der Landesgartenschau erschlossen und zur Basis für die zukünftige Stadtentwicklung Eutins. So erweitert die behutsame Setzung neuer Baukörper in der Stadtbucht das Stadtzentrum bis an den See heran. Die urba-ne Klammer der Stadtbucht verbindet beide die Stadt prägenden Parkanlagen Schloss- und Seepark. Mit der Profilie-rung des Seeparks hin zu einem modernen Freizeitpark für aktive Nutzungen entsteht ein Gegenpol zum historischen Schlosspark ¬– ohne den historischen Kontext des Gesamtensembles Eutiner See zu leugnen. Der landschaftliche Seepark wird zum Bindeglied zur Freizeitlandschaft Seescharrwald, das die Parkanlagen im Naturpark Holsteinsche Schweiz verortet.

    Die Opernscheune und Freilichtbühne setzen einen kulturellen Schwerpunkt im Kulturpark östlich des Schlossparks, der in seiner Anziehungskraft durch die zukünftige Jugendherberge noch gestärkt wird. Spiel- und gärtnerische The-men bieten hier, auch über die Gartenschau hinaus, attraktive Nutzungen. Als „Grüne Finger“ greifen sie das Thema der Achsen zum Wasser auf und bilden ein belastbares Freiraumgerüst für die spätere Bebauung.


    Stadt an den See - Die Stadtbucht

    Die Stadtbucht bildet eine starke Klammer zwischen Schlosspark und Seepark. Drei neue Baukörper an der Stadtbucht lassen hier die Stadt zwischen den beiden Parks an den Großen Eutiner See herantreten. Öffentliche Nutzungen wie Gastronomie und Läden in den Erdgeschosszonen beleben die Seepromenade und ziehen Flaneure an.
    Die Wohnbebauung am Stadthafen passt sich an die umliegenden Gebäudehöhen an und fasst zurückhaltend die Ufer-promenade und den städtischen Raum. Der Kontrast der durch ihr modernes Fassadenbild zur historischen Bebauung erzeugt wird, wird durch die Verwendung von natürlichen Materialien (z.B. Holz) gemindert.

    Ein Holzdeck fasst die Stadtbucht und erweitert die Promenade auf das Wasser. Unmittelbar am Wasser entstehen attraktive Aufenthaltsbereiche. Sitzstufen führen direkt an das Wasser und laden zum Verweilen ein. Ein Wassergar-ten mit Seerosen setzt einen gärtnerischen Akzent und wird zu einem Ort mit hoher atmosphärischer Dichte an der Promenade. Zentral in der Stadtbucht liegt ein Schwimmponton als neuer Anleger für das Ausflugsboot „Freischütz“ sowie für Wassertourismus.

    Im Kreuzungspunkt mehrerer Achsen gelegen wird die Seefontäne in der Stadtbucht zum neuen weithin sichtbaren visuellen Bezugspunkt.

    Eine Baumreihe aus Prunus yedoensis gliedert die Promenade. Großformatige Betonplatten markieren die Hauptgeh-bahn in der Promenade aus Natursteinpflaster.

    Mit der Reaktivierung des Haus des Gastes mit neuem gastronomischem Angebot findet die Promenade einen attrakti-ven Endpunkt und Übergang zum Seepark. Als Ergänzung zum „Haus des Gastes“ ist ein Café/Pavillonsbau vorgese-hen. Dieser Anbau öffnet sich großzügig zum Wasser hin und bildet zusammen mit dem Bestandsgebäude eine Terras-se aus, von der man den Stadthafen überblicken kann. Durch dieHolzlamellenfassade ist die Einsichtigkeit in den Pa-villon nach Belieben einstellbar und lässt somit ganz unterschiedliche Lichtsituationen zu.
    Ein zusätzliches gastronomisches Angebot bietet die Terrasse am Marsstall. Beide Gastronomieterrassen erhalten ein Dach aus Parrotia persica.

    Die Neuanlage des Nordgartens leitet die Uferpromenade in den Schlosspark über. Die Gestaltung des Nordgartens mit Heckenstreifen aus Lonicera nitida, Staudenpflanzungen mit Taglilien und Kiesstreifen interpretiert die klassischen Elemente eines Barockgartens in einer modernen Gartenkomposition neu.

    Die Seepromenade in der Stadtbucht ist eng mit dem Stadtzentrum verzahnt. So verbindet der Rosengarten die See-promenade mit dem Stadtzentrum genauso wie die Wasserstraße über die St.-Michaelis-Kirche. An den Endpunkten der Promenade verspannen kleine Plätze, wie der Schlossplatz, die Seepromenade mit den markanten Alleen im Hein-rich-Lüth-Weg und Jungfernstieg.


    Aktive Landschaft – Seepark

    Parkachsen verbinden den Seepark mit dem See und lassen die Wasserlandschaft aus dem Park heraus erlebbar wer-den. Die Parkachsen greifen die Achsen zum Wasser des Schlossparks auf und verdichten sie zu einem eigenständi-gen Gestaltungsthema des Seeparks. Diese Neuinterpretation eines zentralen Gestaltungsthemas der historischen Parklandschaft verortet den Seepark einerseits im historischen Kontext verleiht ihm aber andererseits eine eigen-ständige Erscheinung. Die Parkachsen werden als Ortbetonwege ausgeführt. Sie enden jeweils in einem Steg auf dem Wasser und inszenieren die Blickbeziehungen aus dem Park über den Eutiner See.

    An die Parkachsen lagern sich neue Nutzungen wie Spiel- und Sportbereiche mit u. a. Beachball, aber auch kleine Gärten an. So lagert sich an die Achse am Heinrich-Lüth-Weg ein Waldgartenband mit Boule- und Picknickplätzen als wohnungsnahe Nutzung an. Ein Strandbereich ergänzt die Sport- und Freizeitnutzungen.
    Ein geschwungener Uferrundweg aus wassergebundener Wegedecke verbindet die einzelnen Parkachsen und ermögli-chet das Spazieren entlang der Ufers.

    Das Zentrum des Parks bildet der Rhododendronhain mit seinen einzigartigen alten Beständen. Behutsame Neupflan-zungen ergänzen den Bestand. Ein neues Wegesystem aus kleinen Pfaden erschließt die Gehölze und lässt ihre volle Pracht erlebbar werden. Die üppige Blüte im Frühsommer wird zu einem besonderen touristischen Highlight und Besu-chermagnet.

    Durch die Zusammenlegung des Ruder- und Segelclubs auf der Stadtseite des Grossen Eutiner Sees wird eine zentrale Anlaufstelle für Wassersportbegeisterte, aber auch für Besucher geschaffen werden.
    Das Ensemble erzeugt aufgrund seiner attraktiven Lage und fußläufigen Erreichbarkeit einen Ort zum Verweilen und bietet gleichzeitig beste Vorraussetzungen für den Wassersport.
    Die synergetische Bedeutung des Gebäudes zeigt sich auch in der Gestaltung: Ein hölzernes Band erzeugt sowohl Raumkörper, wie auch Terrassen/Zwischenräume und zieht den Komplex inhaltlich zusammen.


    Bauhofareal und Opernscheune – Kulturpark

    Der Kulturpark östlich des Schlossparks mit Opernscheune und Seebühne als Standort der Eutiner Festspiele ist be-reits heute ein kultureller und touristischer Anziehungspunkt. Mit der Jugendherberge kommt ein weiterer Publi-kumsmagnet hinzu. Die touristische Infrastruktur wird entwickelt und ausgebaut. Hierbei wird der besondere Charakter der Gartenlandschaft gestärkt. An den Achsen zum Wasser lagern sich Gärten und Spielbereiche an. Deren Körnung folgt der Maßstäblichkeit der Gärten. Diese „Grünen Finger“ gliedern den Kulturpark in verdichtete, bebaute Bereiche und offene Wiesenflächen. Sie bilden das Gerüst für die spätere Bebauung. Spielplätze, Baumhaine oder kleine Gärten in den Fingern bleiben als attraktive Orte nach der Gartenschau bestehen. Der westliche grüne Finger wird in der Nachnutzung zum Wohnmobilstellplatz. Die gärtnerisch gestalteten Seeterrassen mit Stauden und Malus floribunda verbinden den Wohnmobilstellplatz mit dem Eutiner See.


    Seeblick – Ausstellung

    Die Landesgartenschau steht unter dem Motto „...zu neuen Ufern“.

    Das Ausstellungskonzept der Landesgartenschau verbindet mit einer klaren modernen Gartengestaltung die Historie Eutins mit der einzigartigen Landschaft des Eutiner Sees. Zahlreiche neue Zugänge zum Wasser greifen Sichtachsen auf und bieten einen einzigartigen Blick über den Eutiner See. Opern-, Dichter und Denkergärten spielen auf die kultu-relle Bedeutung Eutins als Weimar des Nordens an. So wird im Freischützgarten die Dramatik der Wolfsschlucht le-bendig – eine ideale Kulisse für kurze Opernauszüge während der Gartenschau.

    Der Haupteingang Süd liegt an der Straße am Jungfernort. Der zweite Haupteingang befindet sich am Schlossplatz auf Höhe des Schlosses. Im Bereich des Eingangs Süd ist die Hauptgastronomie angeordnet sowie Themengärten zu Landwirtschaft und Baumschulen sowie der Gärtnermarkt. Von hier gelangt man dem Hauptweg folgend durch die Klima- sowie Kulturgärten zum kulturellen Zentrum um die Opernscheune. Im anschließenden Schlossgarten finden sich der revitalisierte Küchengarten und der neue Tempelgarten, historische Pflanzthemen und Picknick-Holzdecks, die die Kreisform des Monopteros aufgreifen. Südlich des Schlosses entstehen temporäre Wechselflorpflanzungen in Anlehnung an die ehemaligen Barockparterre des Schlossgartens. Der Nordgarten vor dem Schloss wird zur Garten-schau als Garten angelegt mit der Option auf langfristige Nutzung als Garten.
    Im Seepark begleiten Staudenbänder die Parkachen. Am Wasser entstehen zahlreiche Holzdecks als Aufenthaltsorte. Diese lassen sich zur Gartenschau mit einer Solarshuttlefähre verbinden.

    Mit den Freianlagen zur Landesgartenschau werden die Ufer am Eutiner See attraktiv gestaltet und die Stadt mit dem Wasser verbunden. Touristische Attraktionen werden gestärkt und nachhaltige touristische Infrastrukturen für die Stadt Eutin geschaffen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Verfasser thematisieren die attraktive Hanglage als Haupteingang Süd. Die langfristige Lösung dieser Situation sollte ortsnah gefunden werden. Der Verbindungsweg vom Eingang bis hin zum Küchengarten ist richtig gewählt und schafft eine interessante Inszenierung der einzelnen Gartenfelder und ihrer extensiven Zwischenräume. Mit der sensiblen und temporären Anreicherung im Schloss- und Tempelgarten werden weitere Höhepunkte für die Gartenschau gesetzt.

    Die Arbeit zeichnet sich durch ihre Detailschärfe aus. Ihr übergeordneter Ansatz ist es, vielfältige Verbindungen zum Wasser zu schaffen und insofern den See zum Mittelpunkt der Gesamtanlage zu machen. Nicht immer müssen die Seeachsen begehbar sein, das strikte Motiv wirkt teilweise etwas überstrapaziert.

    Die Stadtbucht ist richtig dimensioniert. Der Rosengarten bildet den Mittelpunkt und Zugang aus der Stadt. Ein Element auf dem Wasser schafft hier eine sinnvolle Betonung.

    Der Seepark ist mit seinen wertvollen Beständen überwiegend erhalten. Den Kern bildet ein verdichteter Rhododendronhain - ein zukünftiges Highlight für die Eutiner - gemäß dem Küchengarten. Dieser wird von einer weitläufigen Wiesenlandschaft umgeben, die Blicke aufs Wasser gewährt. Dadurch erübrigen sich jedoch aus Sicht des Preisgerichts die formalisierten Stege als Seeachsen. Kritisch wird die Ufernutzung diskutiert; der Tausch der Flächen vom nördlichen zum südlichen Ufer wird empfohlen.

    Positiv hervorzuheben ist die Einbeziehung der Schwimmhallenvorfläche als Potential. Die Art und Weise der Übergänge in den Waldpark zeigen Chancen auf und werden als entwicklungsfähig betrachtet.

    Das nordöstliche Bauhofgelände wird zu einer kraftvollen Gartenmesse auf der Grundlage des Bebauungsplanes als Nachnutzungsoption. Die feldartigen Strukturen entsprechen dem Landschaftsbild der Kulturlandschaft.