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  • DE-23701 Eutin
  • 06/2013
  • Ergebnis
  • (ID 2-128018)

Stadtentwicklung Eutin 2016+


  • 2. Preis

    Seebalkon

    Landschaftsarchitekten
    Agence Ter, Karlsruhe (DE), Paris (FR) Büroprofil

    Erläuterungstext
    Korridore zum Wasser

    Im Zuge der Bewerbung zur Ausrichtung der Landesgartenschau Schleswig-Holstein für das Jahr 2016 bietet sich für Eutin nun die Gelegenheit, eine über den Zeitrahmen der Ausstellung hinausreichende Konzeption zu erarbeiten, welche sich in den größeren Kontext eines Stadtentwicklungskonzeptes eingliedern lässt. Ziel dieser Vorgehensweise ist die nachhaltige Initiierung einer Entwicklung Eutins „zum Wasser“ durch die Umstrukturierung, Aufwertung und Erschließung von bereits vorhandenen, jedoch teilweise noch ungenutzten Potentialen.

    Das Konzept „Korridore zum Wasser“ schlägt vor, das formulierte Ziel durch die Stärkung ausgewählter Achsen im Innenstadtbereich Eutins zu erreichen. Dabei sollen die orthogonal auf die Wasserkante laufenden Wege und Straßen durch die Ausformulierung gestalterischer Elemente zu städtebaulichen Achsen aufgewertet werden. Um die Anbindung der Stadt an die Flächen am Wasser im städtischen Gefüge ablesbar zu machen, werden Alleen ausformuliert, die sich durch ihre Baumreihung sowie einen differenzierten Bodenbelag hervorheben. Sie erzeugen durch ihre klare Ausrichtung eine Anbindung der Stadträume an den Seeraum. Als Blickachsen schaffen sie es, die Weite der Seenlandschaft mittels gezielter Inszenierung in das Stadtbild zu integrieren. In Anlehnung an die bereits bestehenden Qualitäten des Schlossparks sowie die charakteristische Knicklandschaft der Umgebung entsteht so eine städtebauliche Struktur mit Wiedererkennungswert, die sich dennoch sensibel in den historischen Kontext Eutins einzuordnen versteht. Historische Qualitäten und zeitgenössische Umstrukturierungen ergänzen sich gegenseitig und bilden das grundlegende Prinzip einer über den Zeitrahmen der Landesgartenschau hinaus andauernden Qualitätssteigerung im Stadtbild Eutins.

    Der generelle Anspruch des Konzeptes ist es, so viel wie möglich mit dem Bestand zu arbeiten und nur gezielt gänzlich neue Akzente zu setzen. Die Landesgartenschau kann hier als Entwicklungsmotor dienen. Bereits bestehende „Korridore zum Wasser“, wie die Allee im Schlosspark oder der Rosengarten an der Stadtbucht, werden durch die Ergänzung von neuen Achsen, wie z. B. der Allee am Eingang Süd (zukünftiger Wohnmobilstellplatz) bereichert und in das Gesamtkonzept integriert. Durch die Initialisierung neuer Verknüpfungen, wie der Stärkung der Verbindung zwischen dem „Kulturforum“ an der Opernscheune mit der Seebühne, werden bereits bestehende Potentiale aktiviert und somit ebenfalls in die Gesamtidee eingebunden. Die Gliederung der zur Landesgartenschau verfügbaren Flächen erfordert die Ausbildung unterschiedlicher Landschaftsräume, die urbane Plätze als Schnittstelle ausbilden. Die Plätze sind mit Nutzungen belegt, die sich nach dem Bestand richten, die spezifischen Qualitäten (Schloss, Stadtbucht, Kulturforum) akzentuieren und eine thematische Eingliederung ermöglichen. Sie fungieren als Übergangszone zwischen den Landschaftsräumen.

    Der Seepark wird im Zuge der LGS auf der Grundlage seines bestehenden Wegesystems sowie seines hochwertigen Baum- und Pflanzenbestandes umstrukturiert. Dabei zielt die Erneuerung des Parks auf die großräumliche Öffnung von Teilbereichen in Richtung des Wassers und der Stadt. Die hierarchielose Pflanzungsstruktur der Bäume wird durch gezielte Ausdünnungen strukturiert. Dabei werden die markanten Elemente des Bestandes herausgearbeitet. Durch die umlaufende Liegewiese und durch die Säumung mit einem Rundweg und Pflanzbeeten bekommt das „Dichterwäldchen“ eine ablesbare Form und bildet eine räumliche Kante aus. Der Rundweg am „Waldrand“ bildet den Übergang zwischen offener, zur Stadt orientierter Wiese und introvertiertem „Innenraum“. Im Inneren kreieren das bestehende Wasserband und die auf das Zentrum ausgerichteten Rhododendren eine atmosphärische Mitte. Das Wäldchen lädt zum Wandeln ein und präsentiert dem Besucher Skulpturen und Büsten. Das Aktivband des Seeparks liegt am nördlichen Horn der Halbinsel Die Nutzungen werden auf Grund ihres Lärmpotentials bewusst von der Wohnbebauung der Stadtkante abgerückt. Jedoch wird sowohl die Nähe zur Gelenkstelle zwischen Ruderverein und Hallenbad als auch der erweiterte Kontext des Seebades im Bezug auf ein notwendiges soziales Kontrollmedium als positiv bewertet.

    Die Stadtbucht wird neu strukturiert und saniert. Am hinteren Rand wird ein gepflasterter Boulevard ausformuliert, der - von einer gleichmäßigen Beleuchtung gesäumt - den „Rücken“ der Bucht ausbildet. Diese Stärkung der „Stadtkante“ wird durch eine hohe einheitliche Hecke, massive Bankelemente und eine Reihe von Pappeln unterstützt. Die vordere Fläche, ausgeführt als wassergebundene Wegedecke, wird mit Pflanzbeeten gegliedert. Bei der Bewegung entlang der Kante wird der Blick so abwechslungsreich gelenkt. Die Seetreppe stellt ein besonderes Element am Ende des Rosengartens dar, das erstmals den direkten Zugang zum Wasser ermöglicht. Je nach Wasserstand liegen eine, zwei oder drei Stufen im Trockenen und können begangen werden. Die Treppe verbindet See und Stadt miteinander und löst die sonst rigide Kante der Stadtbucht auf. Sie bildet eine Mitte aus und gibt der gesamten Anlage eine Orientierung.

    Bauhofareal und Kulturforum besitzen mit dem wertvollen baulichen und landschaftlichen Bestand und der bereits aktiven Opernscheune vorhandene Potentiale, welche die Gelegenheit bieten, mit gezielter Addition von weiteren Programmpunkten aus diesem Ort ein belebtes Zentrum für Kultur und öffentliches Leben in Eutin zu entwickeln. Die Platzgestaltung des Kulturforums strukturiert die weitläufige Fläche und integriert teilweise den vorhandenen Baumbestand. Das begrünte Streifenmuster bildet eine sehr lockere Gliederung, die die Bewegung über den Platz dezent lenkt, ohne ihm seine Offenheit zu nehmen. Die Blickachse vom Platzeingang in Richtung Norden wird bewusst frei gehalten. Ein Gastro-Pavillon bedient im Sommer die Bestuhlung im Freien und kann von einer im Erdgeschoss der Jugendherberge angedachten Gastronomie betrieben werden. Der geplante Bau einer Jugendherberge könnte hier z. B. mit einer Erweiterung für Eutins „Haus der Jugend“ sowie einem Aktivspielplatz verbunden werden, um über Touristen und Kulturinteressierte hinaus ebenfalls Eutins Nachwuchs an diesem Ort mit einzubinden.

    Der Eingang Süd stellt neben dem Haupteingang am Schloss das Portal zur LGS dar. Während der Schlosseingang eher von Zugreisenden und Stadtbesuchern frequentiert wird, repräsentiert der Eingang Süd einen Eventeingang, der von größeren Busgruppen, Klassenfahrten etc. benutzt werden wird. Da in diesem Bereich hauptsächlich temporäre Maßnahmen für die LGS-Nutzung untergebracht werden, können sie im Anschluss an die Veranstaltung einfach und effizient rückgebaut werden, um in diesem Zuge den Platz für zukünftige Entwicklungen vorzubereiten. Eine Ausnahme bildet hier die Achse zum Fähranleger Fasanenblick und die abgetreppte Stützmauer. Der zwischen diesen beiden Elementen aufgespannte Raum wird im Anschluss an die LGS zu einem Wohnmobilstellplatz umfunktioniert. Der ehemalige LGS-Turm behält seine Funktion als Aussichtsturm und übernimmt die Versorgung für die Wohnmobilisten. Die Anlage bildet ein landschaftliches Landmark aus und markiert so einen neuen Stadteingang für Eutin.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Die Arbeit zeigt eine intensive Auseinandersetzung mit der Stadt und dem Wettbewerbsgebiet, hält Maß und liest sich mit sehr viel Sensibilität in den Ort hinein. Der Seepark wird sehr überzeugend mit einer geschwungenen Lichtung klar gegliedert und wirkt dadurch - auch mit den gut situierten Nutzungen - stimmig.

    Für die Stadtbucht wird eine einfache und klare Antwort entworfen. Die Wahl der Pappelreihe wird kritisch gesehen, auch ist eine nur geringe städtebauliche Einbindung zu konstatieren. Jedoch wird die wichtige Akzentuierung des Schlossbereiches gut gelöst. Die achsial angeordnete „Budensituation“ widerspricht der Haupteingangsfunktion. Bemerkenswert ist eine dort fehlende Darlegung der Einbindung des Schlossgartens - somit bleibt offen wie Besucher hier geführt werden.

    Für den Südbereich (Bauhof-Südeingang) werden klare strukturierte, solide Lösungen gefunden, die durch die Kleinteiligkeit abwechslungsreich und glaubwürdig sind. Das Areal ist gut in die LGS integrierbar. Hinsichtlich der Nachnutzung im Südbereich ist diese hier nicht voll umfänglich nachvollziehbar - auch ist die Blumenhalle zu überdimensioniert. In diesem Zusammenhang wird der „Öko-Parkplatz“ begrüßt, jedoch ist die nachhaltige städtebauliche Entwicklung so nicht denkbar. Positiv gesehen wird städtebaulicher der Umgang mit dem Areal Haus des Gastes, der Turm als Stadt-/LGS-Empfang und die gute Umsetzbarkeit.