loading
  • 2. Preis 2. Rang

    visualisierung

    Architekten
    Heinle, Wischer und Partner Freie Architekten, Berlin (DE), Stuttgart (DE), Köln (DE), Dresden (DE), Wrocław (PL), Erlangen (DE), Berlin (DE) Büroprofil

    Verfasser
    Till Behnke

    In Zusammenarbeit mit:
    TGA-Fachplaner: Klett Ingenieur GmbH, Fellbach (DE), Meißen (DE), Würselen (DE), Hamburg (DE), Köln (DE)

    Erläuterungstext
    Das Grundstück des Julius-Kühn-Instituts befindet sich westlich des Odenwalds in der Gemeinde Dossenheim. Der Neubau fügt sich in den vorhandenen Liegenschaftsbestand ein und komplimentiert, ordnet das gesamte Ensemble des Julius Kühn-Instituts.

    Durch seine orthogonale Ausrichtung - bezogen auf die vorhandenen Bestandsgebäude und Gewächshäuser - ergeben sich untereinander räumliche Beziehungen und klare Erschließungen. Der viergeschossige Neubau definiert mit seinem Volumen und der Ausrichtung nach Westen den repräsentativen Eingang des Julius Kühn-Instituts und dient zukünftig als Merk- und Orientierungspunkt an der Bergstraße.

    Der Baukörper soll sich durch die weichen Versetze und die Horizontalität und Schichtung der Fassade im Einklang mit der Kulturlandschaft verbinden.
    Die Erschließung erfolgt für die Nutzer und Besucher über die vorgesehene Straße, die Anlieferung wird an der Nordseite über den vorhandenen Wirtschaftshof sichergestellt. Der Haupteingang befindet sich im Westen an der Vorfahrt und betont mit seinem Gebäudeeinschnitt das Entree.

    Die teilweise überdachten Gänge zu den Gewächshäusern entwickeln sich aus dem inneren Erschließungskonzept. Das attraktive Fuß- und Radwegenetz wird aufgenommen und ergänzt. Eine Verschattung der Gewächshäuser wird vermieden. Die Erweiterung und Erneuerung der Gewächshäuser kann zukünftig optimal vorgenommen werden. Das Bestandsgebäude kann bis zur Inbetriebnahme des Neubaus aufrecht erhalten bleiben.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Der Baukörper setzt die prägende orthogonale Struktur der Gewächshäuser konsequent fort, der Neubau schmiegt sich elegant in die vorhandene Bebauung ein. Die gesamte Anordnung ist städtebaulich gut gelungen. Durch den Neubau wird der vorhandene bebaute Bereich jedoch stark von den Versuchsfeldern abgetrennt. Die Erschließung erfolgt klar und läuft mittig auf den Neubau. Die räumliche Nähe zur bestehenden Vegetationshalle schränkt den visuellen Komfort aus den Nutzungsbereichen ein.

    Die messingfarbenen Brüstungselemente schichten den Baukörper horizontal. Die klare, einheitliche, umlaufende Fassade prägt das Erscheinungsbild und vermittelt eine selbstbewusste Architektursprache.

    Die funktionalen Anforderungen finden sich in der Gebäudegliederung in drei ablesbaren Gebäudeteilen klar und deutlich wieder. Die Institute sind gleichwertig in zwei Baukörpern untergebracht, die durch die mittig angeordneten gemeinsamen Nutzungsbereiche und internen Kommunikationsflächen geschickt verbunden sind.

    Durch die Anordnung der Räume sind sehr gute Arbeitsbedingungen zu erwarten. Die jeweiligen Institutsbereiche ermöglichen eine flexible Nutzung.

    Die vertikale Erschließung erfolgt zentral und komfortabel über den mittleren Gebäudebereich in Kombination mit Begegnungsflächen. Die Aufenthaltsqualität wird durch ein natürlich belichtetes Atrium unterstützt.

    Die konventionelle Bauweise birgt keine Risiken hinsichtlich der Baukosten und Bewirtschaftung. Natürliche Belüftung durch öffenbare Fenster ist Nutzer- und Reinigungsfreundlich.
    Die Wirtschaftlich- und Nachhaltigkeit ist durchgängig positiv zu bewerten.

    Während der Bauzeit ist mit Einschränkungen in der Nutzung und baulichen Sicherung des Bestandsbaus zu rechnen, da der Neubau in sehr geringem Abstand platziert
    wurde.

    Hinsichtlich der Baukonstruktion und Gebäudetechnik sind alle Anforderungen wirtschaftlich und nachvollziehbar umgesetzt.

    Die Bandfassade besitzt eine zielführende Strukturierung mit Brüstung und Sturz. Sie erreicht damit einen sinnvollen Glasflächenanteil ohne die Tageslichtversorgung unzulässig
    zu mindern und gewährleistet eine hohe Umnutzungsfähigkeit des Gebäudes. Die integrierten Sonnenschutzlamellen sind nutzungsgerecht und harmonieren mit der Gestaltung.

    Die eindeutige Struktur des Raumprogramms setzt sich in eine klare Gliederung der Brandabschnitte mit den zugeordneten Treppenhäusern fort. Die technische Erschließung
    über ebenso eindeutig zugeordnete, große Schächte verspricht eine hohe Flexibilität hinsichtlich der Laborlüftung und -versorgung. Die durchgängig mechanische
    Lüftung des gesamten Gebäudes (Schallschutz, Energie) ist zusammen mit den öffenbaren Fenstern in den Büros zu begrüßen. Eine hocheffiziente Wärmerückgewinnung
    ist ebenso Bestandteil des Konzepts wie die adiabate Kühlung der Zuluft. Die Betonkerntemperierung der Büroflächen ist mit Rücksicht auf den sommerheißen Standort von Vorteil. Sie erlaubt darüber hinaus die Abwärmenutzung der Kälteanlagen zur Raumheizung. Die vorgeschlagene Energieversorgung baut konsequent auf den Voruntersuchungen auf (BHKW). Die Ergänzung zum Kraft-Wärme-Kälte-
    Verbund erfordert ein geeignetes Betreibermodell. Die Potenziale der solaren Stromerzeugung werden im Kontext des Entwurfs sinnfällig dargestellt.

    Die Messinghaut ist wurde kontrovers diskutiert und ist kritisch zu hinterfragen. Der Entwurf schneidet unter Energie- und Nachhaltigkeitsaspekten durchweg positiv ab.