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  • Anerkennung 5. Rang

    Eingangssituation

    Architekten
    JSWD Architekten, Köln (DE) Büroprofil

    In Zusammenarbeit mit:
    TGA-Fachplaner: Deerns Deutschland GmbH, Stuttgart (DE), Köln (DE)

    Preisgeld
    5.500 EUR

    Erläuterungstext
    Städtebauliches und architektonisches Konzept

    Das Büro- und Laborgebäude des Julius Kühn-Instituts in Dossenheim vermittelt in seiner geschliffenen Dreiecksform zwischen den Geometrien der Gewächshäuser, der Vegetationshalle/Klimakammer und den offenen Versuchsfeldern. Alle Arbeitsbereiche sind auf kurzem Weg an den Neubau angeschlossen. Der kompakte Baukörper reduziert den Flächenverbrauch auf ein Mindestmaß und belässt den Freiraum zu Gunsten einer möglichen Erweiterung der Vegetationsflächen. Die wassergebundene Platzfläche mit seinen „Ruheinseln“ ist Ort der Kommunikation und des informellen Austauschs für den gesamten Campus. Die Lage des Neubaus ist so gewählt, dass die nördlich gelegenen Gewächshäuser insbesondere im Frühjahr und Herbst nicht verschattet werden.
    Die geforderten PKW-/Fahrradstellplätze und eine Busvorfahrt können problemlos auf dem Campus ausgewiesen werden.
    Die äußere Erscheinung des Neubaus spiegelt die innere Organisation, die Schichtung der Institute OW und BI und der allgemeingenutzten Flächen, wider.
    Gestaltprägendes Element der Fassade sind die linearen Geschossdecken, die sich mal zum Vordach ( Haupteingang ), mal zum Wetterschutz der Anbindungen Gewächshaus/Vegetationshalle und mal zur Brüstung der Dachterrassen entwickeln.
    Der großzügige Eingangsbereich lässt Einblicke schon aus dem Vorplatz ins Gebäudeinnere zu. Im Zusammenspiel mit der in weiten Teilen verglasten Fassade
    ( Glasanteil 60%) unterstreicht er den offenen und mit dem Campus kommunizierenden Charakter des Neubaus.

    Raumprogramm und Funktionale Zusammenhänge

    Der Entwurf bildet das vorliegende Raumprogramm ab, die Struktur kann aber noch flexibel auf sich ändernde Vorgaben reagieren. Aus den Anforderungen an die einzelnen Nutzungsbereiche entwickelt sich ein einfaches und leicht verständliches Gebäudeprinzip, das für Mitarbeiter und Gäste eine gute Orientierung und ein hohes Maß an Arbeits- und Aufenthaltsqualität bietet.
    Kommunikatives Zentrum des Neubaus ist das glasgedeckte, geschossübergreifende Atrium. Es bietet, neben dem Raumerlebnis mit spannungsvollen Blickbeziehungen, Gelegenheit zum informellen Austausch. Die von allen Mitarbeitern genutzten Räume, wie Konferenzsaal (EG), Sozialraum mit Teeküche (1.OG), oder Bibliothek (2.OG) werden in diesem Sinne bewusst über die Geschosse verteilt. Die beiden Institute sind auf den Obergeschossen organisiert und über eine großzügige Treppe aus dem Atriumraum erschlossen. Innerhalb der Geschosse zeichnen sich die Funktionseinheiten im Sinne ihrer Anforderungen sehr selbstverständlich ab.
    Die Büros liegen direkt am Atriumraum und sind ohne Einsicht in die Laborbereiche erreichbar. Die Bundtiefe erlaubt qualitätsvolle Arbeitsplätze in Zellenbüros, Kombibüros, oder bei Bedarf in offenen Arbeitswelten. Die einfache Organisation kann auf Veränderungen der Arbeitsstruktur flexibel und ohne großen baulichen Aufwand reagieren.
    Die Labore mit vorgeschalteten Funktionsflächen öffnen sich in voller Breite zu den Versuchsfeldern. Sie sind auf kurzem Weg und wettergeschützt an die Gewächshäuser und die Vegetationshalle/Klimakammer, sowie die offenen Versuchsfelder angeschlossen.
    Mit dem vorliegenden Konzept wird die Nachhaltigkeit nicht nur in der äußeren Form als auch in der Aufteilung der Labore mit ihrer jeweiligen Nutzung herausgearbeitet.
    Die gewählte Architektur erlaubt maximale Lichtausnutzung, die für das JKI in besonderer Form von Bedeutung ist. Durch die Form des Gebäudes wird die energetisch günstige Ausrichtung in Bezug auf die Nutzung der Sonneneinstrahlung ermöglicht. Die innere Strukturierung mit dem modularen, blockartigen Aufbau der einzelnen Labornutzungen stellt sicher, dass nicht nur das heutige Raumnutzungskonzept optimal in die Gebäudestruktur integriert ist, sondern auch dass über die Nutzungsphasen eines derartigen Laborbaus die volle Flexibilität in der Umnutzung und Weiternutzung möglich ist. Dadurch dass nur der bautechnische notwendige Teil des Gebäudes starr aufgebaut ist und die anderen Bereiche durch flexible Laborwandaufbauten gestaltbar sind, kann selbst das heutige modulare Laborkonzept in Zukunft weiter flexibel gestaltet werden.

    Die heutige Labortechnik befindet sich einem Wandel. Moderne halb- oder teilautomatisierte Handlings- und Messsysteme übernehmen heute Aufgaben, die noch vor wenigen Jahren von Hand gemacht werden mussten. Andererseits ergeben sich durch die neuen Analysegeräte Mess- und Analysezeiten von bis zu einigen Stunden. Der heutige Forscher und der heutige Labormitarbeiter nutzt diese Freiräume an Computerarbeitsplätzen in den Büros oder in den Wissenschafts- und Arbeitsteams, siehe auch die Studien des Fraunhofer Instituts für die heutige und morgige Labornutzung (www.labor-der-zukunft.com). Daher wurde mit dem vorgestellten Entwurf eine Minimierung der Wege zwischen den Laboren, den Büros und den Kommunikationsräumen realisiert.

    Der Aufbau der einzelnen Labormodule mit modularen Laborwänden ermöglicht in den einzelnen Laborspezialbereichen wie Isotopen oder BSL 2-Laborbereichen eine kompakte Erschließung, ohne, dass durch die Erschließungswege aktive Laborflächen vergeudet würden. Die Labormöbel- und -ausrüstungsmodule mit ihren jeweiligen Medien-Backbones und Vertikalerschließungen mit Ver- und Entsorgungsmedien unterstützen das gewählte Konzept der flexiblen inneren Struktur der Labormodule. Die Deckenhöhen erlauben hier eine problemlose Integration in den horizontalen Ebenen.

    Beurteilung durch das Preisgericht

    Mit einem kühnen Schwung werden die Geometrien des Geländes aufgefangen und vermittelnd zwischen den Richtungen der Felder und der Gewächshäuser und Bestandsgebäude
    in eine eigenständige und eigenwillige Gebäudekubatur umgesetzt. Die äußere Anmutung des kompakten Gebäudes mit den gerundeten Ecken und dünnen Deckenkanten unterstreicht diese wirkungsvolle Geste.

    Die Lage des Zugangs ist funktional richtig, kann in der Ecke des Gebäudevolumens so jedoch nicht überzeugen. Der sich öffnende innere Raum mit einer offenen und glasgedeckte Halle über alle 3 Ebenen verspricht hohe Aufenthaltsqualitäten mit einer attraktiven Treppenerschließung. Die Belichtung des Atriums durch ein flaches Glasdach steht im Konflikt mit dem sommerlichen Wärmeschutz.

    Im Gegensatz zu diesen großzügigen allgemeinen Räumen sind die Laborbereiche wenig einladend. Dunkle innere Flure ohne Tageslichtbeleuchtung erschließen die
    sehr tiefen Laborbereiche, die auch funktional nicht optimal aufgeteilt sind. Durch die Ausrichtung der Labore nach Südosten und die hier glatte Fassadenausbildung werden
    die Sonnenschutzeinrichtungen überwiegend geschlossen sein müssen. Die Büroräume liegen abgesondert von den Laboren im Atriumbereich. Die Fluchtweglängen
    in den Laborbereichen sind zu lang, die der Büroräume im offenen Atrium problematisch.

    Das Energie- und Nachhaltigkeitskonzept ist insgesamt schlüssig, jedoch wird die vollständige Deckung von Heizlasten in den Laborbereichen über die Lüftung nicht
    für sinnvoll erachtet, da insbesondere in Zeiten ohne Nutzung die Temperierung eine Lüftung bedingt. Das Gebäude nutzt die vorgegebene Höhe von maximal 14 m voll
    aus; in Summe wirkt der Höhenverbrauch durch Doppelböden und abgehängte Decken zu hoch und eher überinstalliert. Der Platzbedarf für die Technikraumflächen ist
    jedoch deutlich unterdimensioniert. Für das Versorgungskonzept wäre eine Eindeutigkeit hinsichtlich Biogas oder Holz wünschenswert. Das Solarstrompotenzial der Dachfläche wird genutzt.

    Flächenwerte und die Wirtschaftlichkeit liegen im mittleren Bereich. Die insbesondere im Rendering angedeutete Transparenz steht im Widerspruch zu
    einer vergleichsweise geschlossenen Fassade mit den technisch unbefriedigenden geschoßhohen Lammellenstores. So bleibt die aufgezeigte Leichtigkeit und Offenheit des Entwurfs doch eher nur eine Absichtsbekundung.